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Volker Finke

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Volker Finke
Volker Finke (2013)
Personalia
Geburtstag 24. März 1948
Geburtsort Nienburg/Weser, Deutschland
Position Mittelfeld
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
0000–1969 TSV Havelse
1969–1974 Hannoverscher SC
1974– TSV Stelingen
Stationen als Trainer
Jahre Station
1974–1986 TSV Stelingen
1986–1990 TSV Havelse
1990–1991 1. SC Norderstedt
1991–2007 SC Freiburg
2009–2010 Urawa Red Diamonds
2011 1. FC Köln (interim)
2013–2015 Kamerun
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.

Volker Finke (* 24. März 1948 in Nienburg/Weser) ist ein deutscher Fußballtrainer. Er trainierte 16 Jahre lang ohne Unterbrechung den SC Freiburg und ist damit im deutschen Profifußball der Trainer mit der zweitlängsten Amtszeit hinter Frank Schmidt. Finke ist geistiger Vater der richtungsweisenden Freiburger Fußballschule. Seine letzte Trainerstation war die des Nationaltrainers von Kamerun.

Nach dem Abitur diente Finke für drei Jahre in der Bundeswehr, absolvierte die Offizierausbildung und beendete 1969 seine Dienstzeit als Leutnant im Artillerieregiment 4. Nach dem Studium war Finke bis 1990 als Studienrat Lehrer für Sport, Gemeinschaftskunde und Geschichte an der Albert-Schweitzer-Schule in Nienburg/Weser. Seine Frau Reinhild war als Fernsehjournalistin tätig.[1]

Spielerkarriere

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Finkes erste Station als Spieler war bis 1969 der TSV Havelse. Danach wechselte er zum Hannoverschen SC, bei dem er bis 1974 aktiv war, zuletzt in der drittklassigen Landesliga Niedersachsen.

Trainerkarriere

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1968 war Finke lizenzierter Übungsleiter für Tischtennis; er trainierte die Tischtennis-Jugendabteilung des SV Wacker Osterwald.[2]

1974 wechselte Finke als Fußball-Spielertrainer zum TSV Stelingen in der 1. Kreisklasse. Er führte den Verein mit fünf Aufstiegen bis in die Landesliga (1984, damals 5. Liga).

1986 kehrte Finke als Trainer zurück zum TSV Havelse, für den er früher selbst aktiv gespielt hatte, in die Oberliga Nord. Vier Jahre später führte er das Team zum bis dahin größten Erfolg der Vereinsgeschichte, dem Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Im Oktober 1990 (der TSV Havelse belegte einen Abstiegsplatz) ließ er sich auf eigenen Wunsch beurlauben, da er „nicht mehr in der Lage sei, das TSV-Team zu motivieren“.[3] Hintergrund waren Streitigkeiten mit der Vereinsführung und das Interesse des Lokalrivalen Hannover 96, Finke als Trainer zu verpflichten.[4] Da der TSV Havelse Finke zunächst nur beurlaubte und drohte, gegen eine Vertragsunterschrift Finkes bei Hannover 96 gerichtlich vorzugehen, kündigte Finke seinen Vertrag fristlos, weil er sich vom Havelser Vorstand öffentlich beleidigt fühlte.[3] Finke erreichte dadurch zwar die Auflösung seines Vertrages, Präsidium und Verwaltungsrat von Hannover 96 entschieden sich allerdings für Michael Lorkowski vom 1. SC Norderstedt.[5] Finke übernahm daraufhin den Trainerposten Lorkowskis in Norderstedt.

Finke als Trainer des SC Freiburg (2006)

Nach einer Saison beim 1. SC Norderstedt in der Oberliga Nord wurde der damalige Präsident des Zweitligisten SC Freiburg, Achim Stocker, auf Finke aufmerksam. Zum 1. Juli 1991 wechselte Finke zusammen mit seinem Co-Trainer Achim Sarstedt nach Freiburg in die 2. Bundesliga und schaffte mit dem SC 1993, 1998 und 2003 jeweils den Aufstieg in die 1. Bundesliga sowie 1995 und 2001 die Qualifikation für den UEFA-Pokal.

Der Erfolg in Freiburg war aufgrund der geringen finanziellen Möglichkeiten dort überraschend. Finke brachte jedoch eine neue erfolgreiche Spielweise mit. Er teilte das Spielfeld in Zonen ein, für die seine Spieler je nach Position verantwortlich waren. Dass ein Akteur seinen Gegenspieler übers ganze Feld verfolgt, wie in Zeiten der Manndeckung üblich, war bei Finke verpönt. "Übergeben" hieß das Zauberwort. Finke forderte Überzahl in Ballnähe und führte das Kurzpassspiel ein. Der Homburger Gegenspieler Michael Hubner kommentierte die Spielweise wie folgt: "Was seid ihr eigentlich für eine Truppe? Man hat das Gefühl, bei euch sind immer zwei Mann mehr auf dem Platz.

Nach 15 Jahren im Verein mit 10 Erstligasaisons verpasste er in der Saison 2005/06 mit dem SC Freiburg als Vierter der 2. Bundesliga nur knapp den Aufstieg in die Bundesliga. In der Folgesaison gaben Finke und der SC Freiburg nach einer weniger erfolgreichen Hinrunde am 14. Dezember 2006 bekannt, dass Finke den Verein nach 16 Jahren am Saisonende verlassen werde. Durch eine anschließende Siegesserie (bestes Rückrundenteam der Ligageschichte) wurde am Ende noch der vierte Platz erreicht, der Aufstieg nur knapp verpasst. Dies gab den Fans und Befürwortern Finkes Auftrieb, die sich teilweise in einer Bewegung namens „Wir sind Finke“ organisierten. Sie versuchte, eine außerordentliche Mitgliederversammlung zu erzwingen, auf der die Trainerfrage diskutiert und der Vorstand zum Einlenken gedrängt werden sollte, um Finke weiter in Freiburg zu halten. Das Anliegen scheiterte jedoch, da statt der nach der Satzung des SC Freiburg erforderlichen 25 % der Vereinsmitglieder nur etwa 15 % einen Antrag auf eine außerordentliche Mitgliederversammlung stellten. Nachfolger von Finke wurde Robin Dutt.

Mit den 16 Jahren (5843 Tage), während der er ununterbrochen denselben Verein trainierte, war Finke Rekordhalter im deutschen Profifußball.[6] Frank Schmidt übertraf die Marke als Trainer des 1. FC Heidenheim am 17. September 2023 beim 4:2-Sieg über Werder Bremen.[7][8][9]

Außerdem ist er der einzige Trainer im deutschen Profifußball, der während eines durchgehenden Engagements mit einem Verein dreimal auf- und wieder abgestiegen ist.

Urawa Red Diamonds

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Als Nachfolger seines entlassenen Landsmanns Gert Engels wurde Finke Trainer der Urawa Red Diamonds aus der japanischen J. League zur Saison 2009. Finke, der einen Zweijahresvertrag erhielt, brachte seine Freiburger Co-Trainer Karsten Neitzel und Ibrahim Tanko mit in den Assistenzstab ein.

In seiner ersten Saison belegte er mit den Red Diamonds den sechsten Rang in der Liga.

Als der Verein am vorletzten Spieltag auf dem neunten Tabellenplatz stand, gab die Vereinsführung Ende November 2010 bekannt, den zum Jahresende 2010 auslaufenden Vertrag mit Finke nicht zu verlängern.[10]

Kamerunische Nationalmannschaft

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Ab Mai 2013 war Finke Trainer der kamerunischen Nationalmannschaft.[11] Unter ihm qualifizierte sich die Mannschaft für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Im Turnier selbst schied die Mannschaft nach drei Niederlagen gegen Mexiko, Kroatien und Brasilien jedoch aus. Er wurde am 30. Oktober 2015 entlassen.

Visionär in der Vereinsentwicklung

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Richtungsweisend sowie existenziell wichtig für den SC Freiburg war der Aufbau der Freiburger Fußballschule, die auf Initiative und auch Drängen von Finke 2001 verwirklicht wurde.[12][13][14][15] Das Vorzeigeprojekt sorgte zu seinem Start für viel öffentliches Aufsehen.[16] „Was die Freiburger machen, ist richtungsweisend“, sagte Uli Hoeneß bei der Einweihung.[17] Die Freiburger Fußballschule war eine der ersten Nachwuchsleistungszentren zur Ausbildung der vereinseigenen Fußballnachwuchsspieler in Deutschland und gilt bundesweit als vorbildlich für Jugendarbeit und Nachwuchsförderung durch einen Verein. Zudem bedeutete die Schule für den SC Freiburg den Grundstein für die finanzielle Zukunftsfähigkeit des Vereins.[18][19]

„Investieren in Steine statt Beine“

– Volker Finke 1999[20]
Einweihung der Fußballschule des SC Freiburg mit Hoeneß, Rettig, Rummenigge, Finke

Beim Vereinsantritt von Finke sah er den Zustand der Infrastruktur des Vereins problematisch.[21] Er war überzeugt davon, das begrenzte Geld lieber in das Vereinsgelände, das Stadion und eine starke Jugendarbeit (die „Steine“), anstatt für teure Spielergehälter oder Transfers auszugeben (die „Beine“). Diese Überzeugung durchzusetzen bedurfte eines Prozesses im Verein. So resümierte Finke rückblickend: „Wir mussten richtig hart kämpfen, so viel Geld in Steine statt Beine zu investieren.“[22] „Wir haben nächtelang über den SC diskutiert.“[23] Im Verein reifte daraufhin der Entschluss, den Bau der Schule als konsequenten Schritt zur Umsetzung der eigenen Philosophie als Ausbildungsverein durchzuführen.[24] Ein Vorbild für Finkes Leitbild war der damals sehr erfolgreiche französische Fußball und dort insbesondere der AJ Auxerre mit ihrem Trainer und Vereinslegende Guy Roux, wo in einem kleinen Verein mit wenig finanziellen Mitteln beachtliche Erfolge auf internationalen Niveau erzielt werden konnte. Basis für diesen Erfolg dort war die Jugendausbildung im dortigen Centre de formation de football.[25]

Karriere als Manager

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Am 18. Dezember 2010 gab der 1. FC Köln bekannt, dass Finke als Nachfolger des im November entlassenen Michael Meier verpflichtet wurde. Finke übernahm den beim FC neu geschaffenen Posten des Sportdirektors am 1. Februar 2011 und band sich bis Sommer 2013 vertraglich an den Club.[26] Nach dem überraschenden Rücktritt des Trainers Frank Schaefer am 27. April 2011 übernahm Finke zusätzlich die sportliche Leitung der Mannschaft bis zum Saisonende. Die Mannschaft gewann die verbleibenden drei Spiele[27] und sicherte damit den Klassenerhalt. Finke konnte Ståle Solbakken als neuen Trainer gewinnen. Am 10. März 2012 wurde Finkes Vertrag in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst. Als Grund hierfür wurden unterschiedliche Auffassungen im Club über die Weichenstellungen im Bereich Fußball angegeben.[28]

Der Sport-Club machte zum Jubiläum deutlich, dass die tragende Säule des Gesamtvereins die Aus- und Weiterbildungskonzeption der Freiburger Fußballschule ist

Fernsehkommentator

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Während der EM 2008 kommentierte Finke zusammen mit Bernard Thurnheer einige Partien im Schweizer Fernsehen.

  • 1994 Volker Finke, Fußballtrainer in Freiburg, Kinofilm, Regie: Matthias Keilich

Im Oktober 2022 betreute Finke bei einem Spiel die deutschen Autorennationalmannschaft.[30]

Commons: Volker Finke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Norderstedt auf die Probe gestellt. (PDF) In: Hamburger Abendblatt. 22. Oktober 1990, abgerufen am 19. November 2022.
  2. ↑ Homepage des SV Wacker Osterwald
  3. 1 2 Kicker Sportmagazin Nr. 84 vom 15. Oktober 1990, S. 50.
  4. ↑ Kicker Sportmagazin Nr. 83 vom 11. Oktober 1990, S. 19 ff.
  5. ↑ Kicker Sportmagazin Nr. 85 vom 18. Oktober 1990, S. 20.
  6. ↑ Frank Zimmermann: Der den Ball ins Rollen brachte. In: Badische Zeitung. 24. März 2023, S. 3 (badische-zeitung.de [abgerufen am 24. März 2023]).
  7. ↑ Frank Schmidt wird dienstältester Trainer der Bundesliga. Abgerufen am 17. September 2023.
  8. ↑ Liveticker | 1. FC Heidenheim 1846 – SV Werder Bremen | Saison 2023/2024 | Bundesliga. Abgerufen am 17. September 2023.
  9. ↑ S. W. R. Sport: Freiburg-Legende Finke gönnt Heidenheims Schmidt den Trainer-Rekord. 12. September 2023, abgerufen am 17. September 2023.
  10. ↑ Going a separate way from Team Manager Finke. Urawa Red Diamonds, 29. November 2010, abgerufen am 6. April 2015 (englisch).
  11. ↑ Finke neuer Kamerun-Trainer (Memento vom 6. Februar 2016 im Internet Archive), in: transfermarkt.de, vom 23. Mai 2013.
  12. ↑ Der Freiburger Weg: Als Powerhäusle ins Finale der Europa League. In: Frankfurter Rundschau. 19. Mai 2026, abgerufen am 27. September 2026.
  13. ↑ "Wir haben nächtelang über den SC diskutiert". In: Baden-TV. Abgerufen am 27. September 2026.
  14. ↑ "Der SC Freiburg ist die Fußballschule" | SC Freiburg. Abgerufen am 27. September 2026 (deutsch).
  15. ↑ Volker Finke: Der Abstiegstherapeut. In: Der Spiegel. 11. Mai 1999, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 27. September 2026]).
  16. ↑ Sonja Zellmann: Was ist die Freiburger Fußballschule? Badische Zeitung, 14. April 2025, abgerufen am 9. Januar 2026.
  17. ↑ Sascha: Fußballschule, Freiburg. In: 11km.de – Der Fußball-Reiseblog. 27. Dezember 2019, abgerufen am 9. Januar 2026.
  18. ↑ Aufstieg zum Abstiegskampf. 13. Mai 2003, abgerufen am 9. Januar 2026.
  19. ↑ Jakob Böllhoff: Der Freiburger Weg: Als Powerhäusle ins Finale der Europa League. In: Frankfurter Rundschau. 19. Mai 2026, abgerufen am 11. August 2026.
  20. ↑ Andreas Kötter: Volker Finke: Der Abstiegstherapeut. In: Der Spiegel (Hrsg.): Der Spiegel. 11. Mai 1999, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 27. September 2026]).
  21. ↑ Daniela Frahm dpa: Abpfiff an der Dreisam: SC Freiburg verlässt die alte Heimat. Abgerufen am 27. September 2026.
  22. ↑ Jakob Böllhoff: Der Freiburger Weg: Als Powerhäusle ins Finale der Europa League. In: Frankfurter Rundschau. 19. Mai 2026, abgerufen am 27. September 2026.
  23. ↑ "Wir haben nächtelang über den SC diskutiert". Abgerufen am 27. September 2026.
  24. ↑ 25 Jahre Freiburger Fußballschule. (PDF) In: SC Freiburg. Abgerufen am 5. Oktober 2026.
  25. ↑ Sport-Club Freiburg e V: Sonderfolge: 25 Jahre Freiburger Fußballschule. Abgerufen am 3. Oktober 2026.
  26. ↑ Bundesliga-Comeback von Volker Finke. Kicker, 18. Dezember 2010, abgerufen am 20. Dezember 2010.
  27. ↑ Schaefer tritt zurück, Finke übernimmt
  28. ↑ „Ich war der Bad Guy“, faz.net, 11. März 2012.
  29. ↑ BZ-Redaktion: DFB ehrt Volker Finke für sein Lebenswerk. Badische Zeitung, 28. März 2019, abgerufen am 29. März 2019.
  30. ↑ Autoren-Länderspiel mit Volker Finke gegen Spanien, dfb.de, 20. Oktober 2022, abgerufen am 18. April 2023.