Volker Leppin

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Volker Leppin (2013)

Volker Leppin (* 29. Dezember 1966 in Helmstedt) ist ein deutscher evangelischer Theologe und Professor für Kirchengeschichte an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Mittelalter, in der Reformationszeit und in der Aufklärung, in den Themen Scholastik und Mystik und bei der Person und Theologie Martin Luthers.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leppin wuchs als Sohn eines Pfarrers an der Marburger Elisabethkirche auf.[1] Hier besuchte der das altsprachliche Gymnasium Philippinum. Ab 1985 studierte er, gefördert durch die Studienstiftung des deutschen Volkes, Theologie und Germanistik in Marburg, an der Dormitio-Abtei in Jerusalem und in Heidelberg. 1994 wurde er in Heidelberg bei Gottfried Seebaß mit einer Arbeit über die Theologie Wilhelms von Ockham promoviert. 1997 habilitierte er sich in Heidelberg, vertrat zwischen 1998 und 2000 den Lehrstuhl in Frankfurt am Main, bevor er 2000 einen Ruf an die Universität Jena annahm. Einen Ruf an die Universität Leipzig lehnte Leppin Anfang 2009 ab.[2] Im Sommer 2010 nahm er einen Ruf an die Universität Tübingen an (Nachfolge von Ulrich Köpf), wo er seit dem Wintersemester 2010/11 lehrt.[3] Seit 2014 ist er hier Sprecher bzw. Ko-Sprecher des Graduiertenkollegs "Religiöses Wissen im vormodernen Europa (800-1800)[4].

Leppin ist Mitglied in verschiedenen Gesellschaften und Vereinen, seit 2006 ist er Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, seit 2012 Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Außerdem ist er Mitherausgeber der Zeitschrift für Kirchengeschichte, der Arbeiten zur Kirchen- und Theologiegeschichte, der Forschungen zur Kirchen- und Dogmengeschichte, der Studien zur christlichen Religions- und Kulturgeschichte und Hauptherausgeber der Reihe Spätmittelalter, Humanismus und Reformation. Seit 2008 ist er Wissenschaftlicher Leiter des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen (ÖAK), seit 2012 Mitglied des Vorstands des Evangelischen Bundes Württemberg. Seit 2016 gehört er der Kammer für Theologie der EKD an[5]. Von 2011 bis 2017 war er zudem Präsident des interdisziplinären Mediävistenverbands.

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leppin gehört zu den wenigen evangelischen Theologen, die einen ausgeprägten Forschungsschwerpunkt im Mittelalter haben. Neben der Scholastik und Mystik des späten Mittelalters gehören die Biographie und Theologie Martin Luthers und Huldrych Zwinglis sowie die Aufklärung zu seinen Interessengebieten. Theoretischer Leitbegriff seiner Interpretationen ist "Transformation", der "nicht nur das Moment der Kontinuität, sondern auch das der Änderung" umfassen soll[6]. Mit ihm wendet er sich gegen Vorstellungen einer bruchartigen Erneuerung durch die Reformation und plädiert stattdessen für den "Gedanke[n] allmählichen Wandels"[7].

Von seinen zahlreichen Büchern und Aufsätzen ist besonders seine thesenfreudige Luther-Biographie aus dem Jahr 2006 zu erwähnen, die 2017 in die dritte Auflage gegangen ist[8]. In ihr geht er scharf quellenkritisch mit der autobiographischen Überlieferung des Reformators um und ordnet diesen in seinen spätmittelalterlichen Hintergrund ein. Seine Abweichungen vom evangelischen Mainstream sind vielfach scharfer, auch polemischer Kritik ausgesetzt[9][10] und haben so Auswirkungen auf den Reformationsdeutungs-Streit. Sie haben aber auch grundlegende Debatten über das Verhältnis von Biographie und Theologie ausgelöst[11] . Eine Gesamtschau seiner Auffassung zur Bedeutung der spätmittelalterlichen Theologie und Frömmigkeit für die Reformation bietet seine Aufsatzsammlung "Transformationen" von 2015 sowie, für ein breiteres Publikum, sein Buch "Die fremde Reformation" von 2016.

Vor dem Hintergrund seiner historischen Forschungen hat er sich schon früh für eine ökumenische Gestaltung des Reformationsjubiläums eingesetzt[12]. Entsprechend hat er die Studie "Reformation 1517–2017" des ÖAK mit herausgegeben[13], die ein ökumenisches Gesamtbild der Reformation zeichnet, und war an der Erarbeitung der Studie "Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen" beteiligt, die den Prozess eines "Healing of Memories" zwischen EKD und Deutscher Bischofskonferenz begründet[14]. In jüngerer Zeit hat er sich auch energisch dafür eingesetzt, aus der Kritik an Luthers Haltung zu den Juden Folgerungen für ein evangelisches Verständnis des Judentums als Geschwisterreligion zu ziehen[15].

Anfang 2018 hat er ein Buch über Franz von Assisi zum Abschluss gebracht[16].

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1995 erhielt Leppin den Ruprecht-Karls-Preis der Stiftung Universität Heidelberg, 1996 den Hanns-Lilje-Preis der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und 1999 den Gerhard-Hess-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volker Leppin ist verheiratet und hat vier Kinder. Sein Bruder Hartmut Leppin ist als Professor für Alte Geschichte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main tätig.

Schriften (in Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geglaubte Wahrheit. Das Theologieverständnis Wilhelms von Ockham (FKDG 63), Göttingen 1995: Vandenhoeck & Ruprecht, ISBN 3-525-55173-8.
  • Reformation (Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen Bd. III), Neukirchen-Vluyn 2005: Neukirchener Verlag, ISBN 3-7887-2120-0.
  • Luther privat. Sohn, Vater, Ehemann. Darmstadt 2006: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.
  • Theologie im Mittelalter (Kirchengeschichte in Einzeldarstellungen, Bd. I/11), Leipzig, Evangelische Verlagsanstalt 2007, ISBN 3-374-02516-1.
  • Die christliche Mystik. München 2007: C.H. Beck, ISBN 3-406-53615-8.
  • Die Wittenberger Reformation und der Prozess der Transformation kultureller zu institutionellen Polaritäten (Sitzungsberichte der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Philologisch-historische Klasse 140/4), Leipzig / Stuttgart 2008, ISBN 3-7776-1587-0.
  • De connexione virtutum, Lateinisch-Deutsch, Über die Verknüpfung der Tugenden: Wilhelm von Ockham, übersetzt und eingeleitet von Volker Leppin, Freiburg im Breisgau 2008: Herder, ISBN 978-3-451-28711-4.
  • Das Zeitalter der Reformation. Eine Welt im Übergang. Darmstadt 2009: Theiss Verlag, ISBN 3-8062-2108-1.
  • Thomas von Aquin (Zugänge zum Denken des Mittelalters, Bd. 5), Münster 2009: Aschendorff, ISBN 3-402-15671-7.
  • "Cusa ist hie auch ein Lutheraner"? Theologie und Reform bei Nikolaus von Kues - eine evangelische Annäherung. Trierer Cusanus Lecture 15, Trier 2009: Paulinus, ISBN 978-3-7902-1483-3.
  • Martin Luther Darmstadt, 2. Aufl. 2010: Primus Verlag, ISBN 3-89678-576-1.
  • Geschichte der christlichen Kirchen. Von den Aposteln bis heute München 2010: C. H. Beck, ISBN 978-3-406-60573-4.
  • Geschichte des mittelalterlichen Christentums. Tübingen 2012: Mohr Siebeck, ISBN 978-3-16-150677-2.
  • Wilhelm von Ockham. Gelehrter, Streiter, Bettelmönch. Darmstadt, 2. Aufl. 2012: Primus Verlag, ISBN 978-3-89678-476-6.
  • Die Reformation Darmstadt 2013: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, ISBN 978-3-534-15122-6.
  • Transformationen. Studien zu den Wandlungsprozessen in Theologie und Frömmigkeit zwischen Spätmittelalter und Reformation. Tübingen: Mohr Siebeck 2015, ISBN 978-3-16-152820-0.
  • Die fremde Reformation. Luthers mystische Wurzeln. München: C.H. Beck, 2016. ISBN 978-3-406-69081-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Volker Leppin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Volker Leppin: Mein Zugang zur Kirchengeschichte. In: Bernd Jaspert (Hrsg.): Kirchengeschichte als Wissenschaft. Münster 2013. S. 105.
  2. Mitteilungen der Uni Jena
  3. Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 2/2010: Leute
  4. GK Religiöses Wissen. Abgerufen am 25. Januar 2017.
  5. EKD: Kammer für Theologie. Abgerufen am 25. Januar 2017.
  6. Volker Leppin: Transformationen. Studien zu den Wandlungsprozessen in Theologie und Frömmigkeit zwischen Spätmittelalter und Reformation. Mohr, Tübingen 2015, S. VI.
  7. Leppin: Transformationen. S. VI.
  8. Volker Leppin: Martin Luther. 3. Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2017.
  9. Dorothea Wendebourg: Rezension Volker Leppin, Martin Luther. In: Süddeutsche Zeitung. 19. Februar 2007.
  10. Thomas Kaufmann: Rezension Volker Leppin, Die fremde Reformation. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 19. März 2016.
  11. Dietrich Korsch, Volker Leppin (Hrsg.): Martin Luther- Biographie und Theologie. Mohr Siebeck, Tübingen 2010.
  12. Volker Leppin: 2017 – ein Jubiläum. Ökumenische Rundschau, Nr. 61(2012) ., S. 23–35.
  13. Volker Leppin, Dorothea Sattler (Hrsg.): Reformation 1517– 2017. Ökumenische Perspektiven. Herder / Vandenhoeck, Freiburg / Göttingen 2014.
  14. Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen: Mitglieder der Arbeitsgruppe. Abgerufen am 15. Januar 2017.
  15. evangelisch.de. Abgerufen am 25. Januar 2017.
  16. Zimmertheater Tübingen: Programm März 2018. Abgerufen am 5. März 2018 (PDF).