Volker Quaschning

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Volker Quaschning auf dem Energy Storage Summit in Düsseldorf
Vortrag zur Energiewende

Volker Quaschning (* 1969 in Leonberg) ist ein habilitierter Ingenieurwissenschaftler und Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volker Quaschning studierte Elektrotechnik an der Universität Karlsruhe (TH). Anschließend promovierte er an der Technischen Universität Berlin über Simulation von Photovoltaiksystemen und habilitierte anschließend über Szenarien einer klimaverträglichen Energieversorgung für Deutschland. Von 1999 bis 2004 war er Projektleiter für solare Systemanalyse beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) an der Außenstelle PSA in Almería in Spanien und arbeitete dort unter anderem zu solarthermischen Kraftwerken. Seit 2001 betreibt er auf seiner Webseite ein Informationsportal zu erneuerbaren Energien und Klimaschutz. Seit April 2004 lehrt und forscht Quaschning an der HTW Berlin im Fachgebiet Regenerative Energiesysteme.

Er ist Autor des mittlerweile als Standardwerk zu erneuerbaren Energien geltenden Lehrbuchs Regenerative Energiesysteme: Technologie – Berechnung – Simulation, das 1998 erstmals erschien. Diese Monographie wird seit dem aktualisiert und ausgebaut und wurde bisher zudem ins Englische, Arabische und Russische übersetzt. Im Mai 2015 erschien die neunte Auflage. Eine Übersetzung ins Kasachische ist in Vorbereitung.[1] Nach Panos Konstantin gilt das Buch als „besonders empfehlenswert“.[2]

Das Buch Erneuerbare Energien und Klimaschutz, das 2013 in deutscher Sprache in der dritten Auflage erschien, wurde 2010 sowohl ins Englische als auch ins Tschechische übersetzt.

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volker Quaschning vertritt die Auffassung, dass die Energieversorgung für eine Begrenzung der globalen Erwärmung schnellstmöglich vollständig durch erneuerbare Energien gedeckt werden muss. Mit verschiedenen Szenarien belegt er, dass dies in Deutschland bereits bis 2040 erreichbar wäre. In der Kernenergie und der Kohlenstoffdioxid-Sequestrierung sieht er keine ernst zu nehmenden Alternativen. Für einen derartigen Umbau der Energiewirtschaft ist nach Quaschning ein breiter Mix aus verschiedenen erneuerbaren Energien nötig. Speziell in der Solarenergie sieht er dabei große Potenziale. Nach seiner Meinung wird die Photovoltaik in Deutschland bis spätestens 2040 einen Anteil von 25 bis 30 % an der Stromversorgung erreichen.

2016 publizierte Quaschning eine Studie zur Energiewende[3], in der er für Deutschland untersucht, welche Maßnahmen in den Sektoren Strom, Wärme und Verkehr notwendig wären um die Pariser Klimaschutzbeschlüsse einhalten. Demnach muss eine vollständig Dekarbonisierung der Energieversorgung bis zum Jahr 2040 erreicht werden, damit der globale Temperaturanstieg noch mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 50 % auf 1,5 °C begrenzt werden kann. Das Tempo der deutschen Energiewende ist dafür (Stand 2016) aber um den Faktor 4 bis 5 zu niedrig. Notwendig für die Umsetzung der Energiewende ist die sogenannte Sektorenkopplung, d.h. die weitgehende Elektrifizierung des Wärme- und Verkehrssektors, da nur Windenergie und Solarenergie über das Potential verfügen, Deutschland mit regenerativer Energie zu versorgen. Alle anderen erneuerbaren Energien können nur eine ergänzende Funktion wahrnehmen.

Quaschning schlägt daher in der Studie ein Verbot von Öl- und Gasheizungen sowie wärmegeführten KWK-Anlagen sowie das Ende von Neuzulassungen von Benzin- und Dieselautos bis 2025 vor. Außerdem sollte der Straßengüterverkehr über Oberleitungen elektrifiziert und der Kohleausstieg bis spätestens 2030 abgeschlossen sein. Da somit der Großteil des Energiebedarfes der Bundesrepublik durch Windenergie und Solarenergie gedeckt würde, würde sich der Strombedarf durch die Sektorkopplung mindestens verdoppeln und könnte in Deutschland nur durch eine sehr deutliche Steigerung des Ausbaus von Photovoltaik- und Windkraftanlagen klimaneutral gedeckt werden. Der erforderliche Speicherbedarf könnte durch eine Kombination von dezentralen Batteriespeichern und Power-to-Gas-Anlagen gedeckt werden. Der Politik wirft Quaschning vor, nicht die nötigen Schritte zum Klimaschutz zu unternehmen und letztendlich ein Verletzen der Pariser Klimaschutzbeschlüsse billigend in Kauf zu nehmen. Die Studie wurde breit rezipiert und in der Fachwelt positiv aufgenommen.[4][5]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Understanding Renewable Energy Systems. Earthscan, London, 2. Auflage 2016, ISBN 978-113878-196-2.
  • Regenerative Energiesysteme. 9. Auflage. Hanser Verlag, München 2015, ISBN 978-3-446-44267-2.
  • Erneuerbare Energien und Klimaschutz. 3. Auflage. Hanser Verlag, München 2013, ISBN 978-3-446-43809-5.
  • Obnovitelné zdroje energií. Grada Publishing, Prag 2010, ISBN 978-80-247-3250-3.
  • Mülltrenner, Müsliesser und Klimaschützer. Hanser Verlag, München 2010, ISBN 978-3-446-42261-2.
  • Renewable Energy and Climate Change. John Wiley & Sons, Chichester 2010, ISBN 978-0-470-74707-0.
  • Systemtechnik einer klimaverträglichen Elektrizitätsversorgung in Deutschland für das 21. Jahrhundert (= Fortschrittberichte VDI, Reihe 6: Energietechnik, Band 437 ISSN 0178-9414). VDI, Düsseldorf 2000, ISBN 3-18-343706-6 (Habilitation TU Berlin 2000, 188 Seiten, Volltext, PDF, kostenfrei, 198 Seiten, 2,3 MB)
  • Simulation der Abschattungsverluste bei solarelektrischen Systemen (= Beiträge zur Solarforschung, Band 6). Köster, Berlin 1996, ISBN 3-89574-191-4 (Dissertation TU Berlin 1996, 205 Seiten).

Wissenschaftliche Fachartikel (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Weniger et al.: Sizing of Battery Converters for Residential PV Storage Systems. In: Energy Procedia. Band 99, 2016, S. 3–10, doi:10.1016/j.egypro.2016.10.092.
  • Schultz et al.: Laser-induced local phase transformation of CIGSe for monolithic serial interconnection: Analysis of the material properties. In: Solar Energy Materials and Solar Cells. Band 157, 2016, S. 636–643, doi:10.1016/j.solmat.2016.07.013.
  • mit J. Weniger und T. Tjaden: Sizing of residential PV battery systems. In: Energy Procedia 46 (2014), S. 78–87, doi:10.1016/j.egypro.2014.01.160.
  • mit B. Stegemann, M. Schüle, C. Schultz, H.-U. Pahl, J. Niederhofer, H. Endert und F. Fink: Laserbasierte Serienverschaltung von Chalkopyrit-Dünnschicht-Solarzellen. In: Jahrbuch Oberflächentechnik 2012 (Band 68), S. 356–362.
  • mit B. Stegemann, M. Schüle, C. Schultz, H-U. Pahl, J. Niederhofer, H. Endert und F. Fink: Novel Concept for Laser Patterning of Thin Film Solar Cells. In: Laser Technik Journal 9, Ausgabe 1, (Januar 2012), S. 25–29 doi:10.1002/latj.201290004.
  • mit N. Geuder: Soiling of irradiation sensors and methods for soiling correction. In: Solar Energy 80 (2006), S. 1402–1409 doi:10.1016/j.solener.2006.06.001.
  • Technical and economical system comparison of photovoltaic and concentrating solar thermal power systems depending on annual global irradiation. In: Solar Energy 77, (2004), S. 171–178, doi:10.1016/j.solener.2004.04.011.
  • mit R. Kistner and W. Ortmanns: Influence of Direct Normal Irradiance Variation on the Optimal Parabolic Trough Field Size: A Problem Solved with Technical and Economical Simulations. In: Journal of Solar Energy Engineering 124, (2002), 160-164, doi:10.1115/1.1465432.
  • mit R. Hanitsch: Irradiance Calculations on Shaded Surfaces. In: Solar Energy, 62 Ausgabe 5, 1998, S. 369–375, doi:10.1016/S0038-092X(98)00018-8.
  • mit R. Hanitsch: Numerical simulation of current-voltage characteristics of photovoltaic systems with shaded solar cells. In: Solar Energy 56, (1996), 513-520, doi:10.1016/0038-092X(96)00006-0.

Sonstige Artikel (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Après Paris: Taten statt leerer Worte In: Sonnenenergie (DGS) 03/2016, S. 22–25 (online)
  • Der Billionenpoker. In: Sonne, Wind & Wärme. 07/2013, S. 7–9 (online)
  • Doppelte Stromkosten durch Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken. In: Sonne, Wind & Wärme. 1/2011, S. 12–16 (online)
  • Einfach SoDa – Politik Quergedacht. In: Sonne, Wind & Wärme. 7/2008, S. 12–15.
  • Grundlastkraftwerke: Brücke oder Krücke für das regenerative Zeitalter? In: Sonne, Wind & Wärme. 5/2010, S. 10–15 (online)
  • Photovoltaische Eigenverbrauchsanlagen als Schlüssel für eine neue Dynamik beim Klimaschutz. (mit J. Weniger und T. Tjaden) In: Energiewirtschaftliche Tagesfragen. 08/2014, S. 49–51.
  • Sektorkopplung durch die Energiewende - Sektorkopplungsstudie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin 06/2016, 38 Seiten (online)
  • Sichere Stromversorgung mit regenerativen Energien. (mit F. Trieb, J. Nitsch und L. Brischke) In: Energiewirtschaftliche Tagesfragen. 52 (2002) Heft 9, S. 590–595.
  • Wie viele Kilowattstunden sollen’s denn sein? PV-Simulationsprogramme im Praxistest. In: Sonne, Wind & Wärme. 5/2007, S. 110–113.
  • Wärmepumpen: Auf dem ökologischen Prüfstand. In: BUND: Ökologisch Bauen & Renovieren. BUND, Radolfzell 2007, S. 152–155.
  • Ziel verfehlt – Klimaschutz in Deutschland. In: Sonne, Wind & Wärme. 6/2006, S. 32–36.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Volker Quaschning – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Website von Volker Quaschning. Abgerufen am 31. August 2014.
  2. Panos Konstantin: Praxisbuch Energiewirtschaft. Energieumwandlung, -transport und -beschaffung im liberalisierten Markt. Berlin/ Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-78591-0, S. 312.
  3. Volker Quaschning: Sektorkopplung durch die Energiewende. HTW Berlin, Juni 2016.
  4. Gero Rüter: Ökostrom auch für Heizung und Verkehr. In: Deutsche Welle, 20. Juni 2016. Abgerufen am 2. Juli 2016.
  5. Jörg Staude: Alles mit Ökostrom ist machbar.. In: klimaretter.info, 20. Juni 2016. Abgerufen am 2. Juli 2016.