Volker Roelcke

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Volker Roelcke (* 10. November 1958 in Heidelberg) ist ein deutscher Medizinhistoriker und Hochschullehrer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Roelcke studierte Medizin in Heidelberg und Glasgow. Er promovierte an der Universität Heidelberg mit einer Arbeit aus der experimentellen Immunologie. Anschließend studierte er von 1984 bis 1988 Ethnologie, Alte Geschichte und Philosophie in Heidelberg und Cambridge. 1988 erlangte er einen Master-Abschluss in Philosophie an der Universität Cambridge.

Zwischen 1988 und 1992 absolvierte er eine Weiterbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, anschließend war er bis 1999 wissenschaftlicher Angestellter am medizinhistorischen Institut der Universität Bonn. Im Jahr 1997 habilitierte er sich mit einer Arbeit Krankheit und Kulturkritik. Psychiatrische Gesellschaftsdeutungen im bürgerlichen Zeitalter im Fach Geschichte der Medizin an der Universität Bonn.[1]

Von 1998 bis 1999 war er anschließend Gastwissenschaftler im Forschungsprogramm Die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus der Präsidentenkommission der Max-Planck-Gesellschaft am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. Von 1999 bis 2003 war er C3-Professor am Institut für Medizin- und Wissenschaftsgeschichte der Universität zu Lübeck, seit April 2003 ist er Professor für Geschichte der Medizin und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Geschichte der Medizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Roelcke hat zahlreiche Arbeiten unter anderem zur Geschichte der Medizin und der Psychiatrie im Nationalsozialismus sowie im 19. Jahrhundert und zur Forschungsethik der Medizin veröffentlicht.

Roelcke ist seit 2009 Vorsitzender der Kommission zur Aufarbeitung der Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde/DGPPN; im Jahr 2011 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt[2].

Arbeitsgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geschichte der Psychiatrie im 19. und 20. Jahrhundert;
  • das Verhältnis von Eugenik und Humangenetik am Beispiel der psychiatrischen Genetik in Deutschland, Großbritannien und den USA
  • Medizin im Nationalsozialismus
  • Epistemologie und Ethik des Humanexperiments im 20. Jahrhundert
  • Anthropologie in der Medizin[3]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Psychiater im Nationalsozialismus: Täterbiographien. Hg. v. Volker Roelcke, Frank Schneider. Schwerpunktheft von Der Nervenarzt 2012, Band 83 (März 2012)
  • (Hrsg.): Die Medizinische Fakultät der Universität Giessen von der Wiedergründung 1957 bis zur Gegenwart, Frankfurt/Main: Societätsverlag 2007
  • Vergangenheitspolitik in der universitären Medizin nach 1945. Institutionelle und individuelle Strategien im Umgang mit dem Nationalsozialismus. Hg. von Sigrid Oehler-Klein und Volker Roelcke. Stuttgart: Franz Steiner 2007
  • Twentieth Century Ethics of Human Subjects Research: Historical Perspectives on Values, Practices, and Regulations, Hg. v. Volker Roelcke und Giovanni Maio. Stuttgart: Franz Steiner 2004
  • Die Institutionalisierung der Medizinhistoriographie – Entwicklungslinien vom 19. ins 20. Jahrhundert, Herausgegeben von Andreas Frewer und Volker Roelcke. Franz Steiner, Stuttgart 2001
  • Krankheit und Kulturkritik. Psychiatrische Gesellschaftsdiagnosen im bürgerlichen Zeitalter 1790-1914. Campus, Frankfurt am Main 1999, ISBN 978-3-593-36208-3 (Habilitationsschrift Universität Bonn 1997, 257 Seiten).
  • Untersuchung von Oberflächen-Zuckerstrukturen auf normalen und leukämischen Leukozyten durch humane monoklonale Antikörper (Kälteagglutinine), Heidelberg 1982, DNB 880889152 (Dissertation Universität Heidelberg 1982, 102 Seiten).
  • als Hrsg. mit Giovanni Maio: Medizin und Kultur. Ärztliches Denken und Handeln im Dialog zwischen Natur- und Geisteswissenschaften. Festschrift Dietrich von Engelhardt. Stuttgart/New York 2001.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Maja Bächler: Rezension von Roelcke, Krankheit und Kulturkritik bei HsozuKult Rezension der Dissertation bei hsozkult
  2. Mitgliedseintrag von Volker Roelcke (mit Bild und CV) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 19. Juli 2016.
  3. siehe http://www.zfl-berlin.org/personenliste-detail/items/roelcke.html