Volkmarsdorf

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Dieser Artikel behandelt einen Ortsteil von Leipzig; zum Ortsteil von Groß Twülpstedt siehe Volkmarsdorf (Groß Twülpstedt).
Wappen von Leipzig
Volkmarsdorf
Ortsteil von Leipzig
Koordinaten 51° 20′ 37″ N, 12° 24′ 34″ OKoordinaten: 51° 20′ 37″ N, 12° 24′ 34″ O.
Höhe 115 m
Fläche 1,09 km²
Einwohner 9937 (31. Dez. 2014)
Bevölkerungsdichte 9117 Einwohner/km²
Eingemeindung 1890
Postleitzahl 04315
Vorwahl 0341
Stadtbezirk Ost
Verkehrsanbindung
Straßenbahn 1, 3, 7, 8
Bus 70
Quelle: statistik.leipzig.de
Büro-Center am Torgauer Platz (2011)

Volkmarsdorf war bis zu seiner Eingemeindung im Jahr 1890 eine selbständige Gebietskörperschaft östlich Leipzigs, die das Rittergut Volkmarsdorf sowie das Dorf umfasste. Durch die Eingemeindung wurde es zum Leipziger Stadtteil. Seit der kommunalen Neugliederung Leipzigs im Jahr 1992 bezeichnet Volkmarsdorf auch einen Ortsteil Leipzigs im Stadtbezirk Ost. Dieser verwaltungstechnische Bereich umfasst den größten Teil der historischen Volkmarsdorfer Flur und dazu die westlichen Teile der Sellerhäuser Flur, das ehemalige Neu-Sellerhausen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil Volkmarsdorf grenzt im Norden an Schönefeld, im Osten an Sellerhausen, im Süden an Anger-Crottendorf und im Westen an Neustadt-Neuschönefeld. Die östliche Grenze bilden die Hermann-Liebmann-Straße und die Wiebelstraße, die südliche die Bernhardstraße, die östliche der Bahndamm des Güterrings bis zur Torgauer Straße und die nördliche die Torgauer Straße bis zur Bahnstrecke Leipzig–Dresden und dann diese bis zur Hermann-Liebmann-Straße.

Der etwa halb so große Bereich des Stadtteils Volkmarsdorf, also die ehemalige Volkmarsdorfer Flur, endet im Osten an der Wurzner, der Torgauer und der Bennigsenstraße, so dass der Torgauer Platz erst nach 1992 zu Volkmarsdorf kam. Im Südwesten reichte das alte Volkmarsdorf von der Wurzner Straße entlang des ehemaligen Laufs der Östlichen Rietzschke bis kurz vor die Reclamstraße und dann zurück durch den Stadtteilpark Rabet wieder bis zur Hermann-Liebmann-Straße in Höhe der Dornbergerstraße.[1] Dieser letztere Teil war das Zentrum des früheren Dorfes; das Rittergut Volkmarsdorf befand sich am Schnittpunkt der heutigen Bergstraße mit der Hermann-Liebmann-Straße. Dieses Gebiet erinnert noch an den früheren Dorfanger, an dessen nördlicher Seite der Eingang zum Rittergut lag.

Ortstypik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkmarsdorf ist bis auf die Bürobauten am Torgauer Platz (früher VEB „Mikrosa“) und den Bereich der ehemaligen Langbein-Pfanhauser Werke (später Galvanotechnik Leipzig), wo sich jetzt das Leipziger Stadtarchiv befindet, ein reines Wohngebiet. Als Arbeiterwohnviertel errichtet, besteht es zumeist aus sanierten Altbau-Mietshäusern. Nur um den Volkmarsdorfer Markt mit der Lukaskirche findet man großflächig Plattenbauten, die im Gegensatz zu anderen Neubaugebieten dieser Art dem alten Straßenraster angepasst sind.

Da in Volkmarsdorf bis auf Kleingärten im Ostteil kaum Grünflächen vorhanden sind, wurden in den letzten Jahren an der Wurzner Straße flächenhafte Baumpflanzungen im Rahmen des Projekts „Dunkler Wald/Lichter Hain“ vorgenommen.

Eine Besonderheit in Volkmarsdorf ist der mit 39 % für Leipzig sehr hohe Anteil von Bewohnern mit Migrationshintergrund (Stadtdurchschnitt 2015 12,3 %).[2]

Zu Volkmarsdorf gehören auch knapp ein Kilometer der Eisenbahnstraße, die hinsichtlich der Sicherheit (Stand 2016) als eine der am schlechtesten beleumdeten Straßen Deutschlands gilt.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkmarsdorf wurde erstmals 1270 als Volcwartisdorff urkundlich erwähnt und zwar als Eigentum des Bischofs von Merseburg. Der zunächst als Vorwerk bezeichnete Hof kam über die Familien Pflugk, Pudernaße und von Thümmel durch Eva Luise von Schlomach (1726–1813), die Frau von Carl Wilhelm von Kleist (1707–1766), die das nunmehrige Rittergut 1762 kaufte, in den Besitz der Familie von Kleist.

Volkmarsdorf blieb bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ländlich. Es gehörte zu den sogenannten Kohlgartendörfern, den Dörfern östlich von Leipzig, die von großer Bedeutung für die Lebensmittelversorgung der Stadt waren. Zwar entstanden schon um 1700 außer den Häusern des Dorfes an der Rietzschke auch solche an der Wurzner Straße, die Volkmarsdorfer Straßenhäuser, die 1875 eine selbständige Landgemeinde und 1882 nach Neusellerhausen eingemeindet wurden, die großflächige Bebauung der Volkmarsdorfer Flur setzte aber im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts ein.

Volkmarsdorf auf einer Karte des Leipziger Ostens von 1864

1862 ließ der Gutsherr Graf Bogislaw Adolph Heinrich Kleist vom Loß (1824–1869) große Teile der Volkmarsdorfer Flur als Bauland erschließen. Die Bebauung erfolgte zunächst zögerlich und beschleunigte sich nach 1879 unter anderem deshalb, da die 1837 eröffnete und die Volkmarsdorfer Flur durchschneidende Bahnstrecke Leipzig–Dresden nach Norden verlegt wurde und die Eisenbahnstraße als Magistrale entwickelt werden konnte. Einige der neuen Straßen erhielten Namen nach Personen aus der von Kleist'schen Familie, die Bogislawstraße nach Bogislaw Adolph Heinrich Kleist vom Loß, die Konradstraße nach dem letzten Besitzer von Volkmarsdorf Conrad Ewald Graf von Kleist und nach seinen Töchtern die Idastraße und die Natalienstraße.[4]

Volkmarsdorf entwickelte sich in dieser Zeit zu einem dicht besiedelten Arbeitervorort. Die Bevölkerungszahl stieg von ca. 900 Einwohnern im Jahr 1825 auf 12.696 im Jahr 1885. In der Zeit des Kaiserreichs und der Weimarer Republik galt der Leipziger Osten mit Volkmarsdorf als eine Hochburg der Arbeiterbewegung. In den 1920er Jahren trat hier anlässlich von Wahlkampfkundgebungen der KPD ihr Vorsitzender Ernst Thälmann (1886–1944) mehrfach auf, weshalb in DDR-Zeiten die Eisenbahnstraße (Ernst-Thälmann-Straße) nach ihm benannt wurde.

1880/1881 wurden die zum Rittergut gehörenden Gebäude und das 1700 errichtete Schloss Volkmarsdorf abgerissen sowie in den Folgejahren die letzten Besitzungen der Familie von Kleist in Volkmarsdorf verkauft.

Kirchlich gehörte Volkmarsdorf zu Schönefeld, weshalb die dorthin führende Straße, die heutige Hermann-Liebmann-Straße, Kirchstraße hieß. Das änderte sich, als von 1891 bis 1893 am Volkmarsdorfer Markt nach Plänen des Leipziger Architekten Julius Zeißig (1855–1930) die Lukaskirche errichtet wurde. Noch kurz vor der Eingemeindung nach Leipzig wurde an der Ecke Kirch-(Hermann-Liebmann-)Straße / Bogislawstraße mit dem Bau eines Rathauses begonnen, das später Polizeidienststelle wurde. Bis etwa 1905 war auch die Bebauung des Gebietes nördlich der Eisenbahnstraße abgeschlossen.

Volkmarsdorf lag bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.[5] Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Leipzig I und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Leipzig.[6] 1890 wurde Volkmarsdorf schließlich nach Leipzig eingemeindet, mit dem es geographisch bereits zusammengewachsen war.

Während der Luftangriffe auf Leipzig im Zweiten Weltkrieg hatte Volkmarsdorf so gut wie keine Bombenschäden zu verzeichnen.[7] Jedoch waren Volkmarsdorf wie auch andere Leipziger Stadtteile zur DDR-Zeit von einem allmählichen Verfall der gründerzeitlichen Bausubstanz gekennzeichnet. Dieser war besonders drastisch in den frühesten Bauten, also im südlichen Teil um die Lukaskirche. Nach flächenhaftem Abriss entstand hier von 1987 bis 1990 ein Neubaugebiet mit fünf- bis sechsgeschossigen Wohnblöcken in Plattenbauweise der Wohnungsbauserie WBS 70 mit insgesamt 1300 Wohnungen. Dieses wurde 1997 durch die Lukas-Arkaden zwischen Dornberger- und Bogislawstraße ergänzt. 2008 wurde im nördlichen Teil der Hermann-Liebmann-Straße ein Seniorenheim mit 206 Plätzen eröffnet.[8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Lukaskirche (Leipzig)

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Riedel, Thomas Nabert (Red.): Stadtlexikon Leipzig von A bis Z. 1. Auflage. Pro Leipzig, Leipzig 2005, ISBN 3-936508-03-8, S. 432/433.
  • Vera Danzer, Andreas Dix: Leipzig – Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Leipzig. Hrsg.: Haik Thomas Porada. 1. Auflage. Böhlau, Köln Weimar Wien 2015, ISBN 978-3-412-22299-4, S. 269–272.
  • Cornelia Briel: Neuschönefeld, Neustadt, Volkmarsdorf – Eine historische und städtebauliche Studie. ProLeipzig, Leipzig 1999.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Volkmarsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gemäß den Flurstücksbezeichnungen auf dem Amtlichen Stadtplan Leipzigs
  2. Anteil der Migranten an der Bevölkerung. In: Leipzig-Informationssystem LIS. Abgerufen am 21. August 2016.
  3. Die Eisenbahnstraße in Leipzig: Die kriminellsten 1,5 Kilometer Deutschlands. In: Focus online. Abgerufen am 4. August 2016.
  4. Gina Klank, Gernoth Griebsch: Lexikon Leipziger Straßennamen. Hrsg.: Stadtarchiv Leipzig. 1. Auflage. Verlag im Wissenschaftszentrum Leipzig, Leipzig 1995, ISBN 3-930433-09-5.
  5. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 60 f.
  6. Die Amtshauptmannschaft Leipzig im Gemeindeverzeichnis 1900
  7. Peter Schwarz: Das tausendjährige Leipzig. Band 3. ProLeipzig, Leipzig 2015, ISBN 978-3-945027-13-4, S. 192/193 (Karte).
  8. Heimportrait der Altenpflegeheime Leipzig 2011/2012, S. 24 (PDF; 8,3 MB)