Volkmarsdorf

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Wappen von Leipzig
Volkmarsdorf
Ortsteil von Leipzig
Koordinaten 51° 20′ 37″ N, 12° 24′ 34″ OKoordinaten: 51° 20′ 37″ N, 12° 24′ 34″ O.
Höhe 115 m
Fläche 1,09 km²
Einwohner 13.027 (31. Dez. 2018)
Bevölkerungsdichte 11.951 Einwohner/km²
Eingemeindung 1890
Postleitzahl 04315
Vorwahl 0341
Stadtbezirk Ost
Verkehrsanbindung
Straßenbahn 1, 3, 7, 8
Bus 70
Quelle: statistik.leipzig.de
Büro-Center am Torgauer Platz (2011)

Volkmarsdorf war bis zu seiner Eingemeindung im Jahr 1890 eine selbständige Gebietskörperschaft östlich Leipzigs, die das Rittergut Volkmarsdorf sowie das Dorf umfasste. Durch die Eingemeindung wurde es zum Leipziger Stadtteil. Seit der kommunalen Neugliederung Leipzigs im Jahr 1992 bezeichnet Volkmarsdorf auch einen Ortsteil Leipzigs im Stadtbezirk Ost. Dieser verwaltungstechnische Bereich umfasst den größten Teil der historischen Volkmarsdorfer Flur und dazu die westlichen Teile der Sellerhäuser Flur, das ehemalige Neu-Sellerhausen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkmarsdorf liegt etwa 3 Kilometer östlich der Leipziger Stadtmitte. Der Ortsteil grenzt im Norden an Schönefeld, im Osten an Sellerhausen, im Süden an Anger-Crottendorf und im Westen an Neustadt-Neuschönefeld. Die westliche Grenze bilden die Hermann-Liebmann-Straße und die Wiebelstraße, die südliche die Bernhardstraße, die östliche der Bahndamm des Güterrings bis zur Torgauer Straße und die nördliche die Torgauer Straße bis zur Bahnstrecke Leipzig–Dresden und dann diese bis zur Hermann-Liebmann-Straße.

Der etwa halb so große Bereich des Stadtteils Volkmarsdorf, also die ehemalige Volkmarsdorfer Flur, endet im Osten an der Wurzner, der Torgauer und der Bennigsenstraße, so dass der Torgauer Platz erst nach 1992 zu Volkmarsdorf kam. Im Südwesten reichte das alte Volkmarsdorf von der Wurzner Straße entlang des ehemaligen Laufs der Östlichen Rietzschke bis kurz vor die Reclamstraße und dann zurück durch den Stadtteilpark Rabet wieder bis zur Hermann-Liebmann-Straße in Höhe der Dornbergerstraße.[1] Dieser letztere Teil war das Zentrum des früheren Dorfes; das Rittergut Volkmarsdorf befand sich am Schnittpunkt der heutigen Bergstraße mit der Hermann-Liebmann-Straße. Dieses Gebiet erinnert noch an den früheren Dorfanger, an dessen nördlicher Seite der Eingang zum Rittergut lag.

Ortstypik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkmarsdorf ist größtenteils Wohn- oder Mischgebiet. Ausnahmen sind die Bürobauten am Torgauer Platz (früher VEB „Mikrosa“), der Bereich der ehemaligen Langbein-Pfanhauser Werke (später Galvanotechnik Leipzig), wo sich bis 2019 das Leipziger Stadtarchiv befand, und das Gewerbegebiet an der Schulze-Delitzsch-Straße.[2] Als Arbeiterwohnviertel in der Gründerzeit errichtet, besteht es zumeist aus sanierten Altbau-Mietshäusern. Nur um den Volkmarsdorfer Markt mit der Lukaskirche findet man großflächig Plattenbauten, die im Gegensatz zu anderen Neubaugebieten dieser Art dem alten Straßenraster angepasst sind.

Da in Volkmarsdorf bis auf Kleingärten im Ostteil kaum Grünflächen vorhanden sind, wurden in den letzten Jahren an der Wurzner Straße flächenhafte Baumpflanzungen im Rahmen des Projekts „Dunkler Wald/Lichter Hain“ vorgenommen.

Eine Besonderheit in Volkmarsdorf ist der mit 42 % für Leipzig sehr hohe Anteil von Bewohnern mit Migrationshintergrund (Stadtdurchschnitt 2017: 14,1 %). Hinsichtlich der Altersstruktur ist die Gruppe der 20- bis 35-Jährigen deutlich überrepräsentiert (39,4 %), Kinder bis 15 Jahre stellen 16,5 % der Gesamtbevölkerung, der Seniorenanteil ist hingegen auffällig niedrig (9,9 %). Auch der Anteil der Empfänger von Sozialleistungen liegt deutlich über dem stadtweiten Durchschnitt: 21 % der Haushalte bestreiten ihren Lebensunterhalt hauptsächlich aus Arbeitslosenbezügen. Die PKW-Quote ist mit 154 Fahrzeugen je 1000 Einwohner weit unterdurchschnittlich.[3]

Im Jahr 2017 wurden in Volkmarsdorf 170 Straftaten pro 1000 Einwohner registriert (der Durchschnittswert für Leipzig liegt bei 139).[3] Ein Abschnitt der Eisenbahnstraße (westlich der Elisabethstraße) sowie ihre Nebenstraßen zwischen Ludwig- und Konradstraße im Westen von Volkmarsdorf gelten als Kriminalitätsschwerpunkt und gehören zu Leipzigs Waffenverbotszone (die sich jedoch größtenteils im benachbarten Neustadt-Neuschönefeld erstreckt).[4][5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkmarsdorf (rechts im Bild) auf einer Karte der östlichen Leipziger Vororte von 1864

Als Dorf und Rittergut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkmarsdorf wurde erstmals 1270 als Volcwartisdorff urkundlich erwähnt und zwar als Eigentum des Bischofs von Merseburg. Der zunächst als Vorwerk bezeichnete Hof kam über die Familien Pflugk, Pudernaße und von Thümmel durch Eva Luise von Schlomach (1726–1813), die Frau von Carl Wilhelm von Kleist (1707–1766), die das nunmehrige Rittergut 1762 kaufte, in den Besitz der Familie von Kleist.

Volkmarsdorf blieb bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ländlich. Es gehörte zu den sogenannten Kohlgartendörfern, den Dörfern östlich von Leipzig, die von großer Bedeutung für die Lebensmittelversorgung der Stadt waren. Zwar entstanden schon um 1700 außer den Häusern des Dorfes an der Rietzschke auch solche an der Wurzner Straße, die Volkmarsdorfer Straßenhäuser, die 1875 eine selbständige Landgemeinde und 1882 nach Neusellerhausen eingemeindet wurden, die großflächige Bebauung der Volkmarsdorfer Flur setzte aber im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts ein.

Industrialisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkmarsdorf lag bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.[6] Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Leipzig I und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Leipzig.[7]

1862 ließ der Gutsherr Graf Bogislaw Adolph Heinrich Kleist vom Loß (1824–1869) große Teile der Volkmarsdorfer Flur als Bauland erschließen. Die Bebauung erfolgte zunächst zögerlich und beschleunigte sich nach 1879 unter anderem deshalb, da die 1837 eröffnete und die Volkmarsdorfer Flur durchschneidende Bahnstrecke Leipzig–Dresden nach Norden verlegt wurde und die Eisenbahnstraße als Magistrale entwickelt werden konnte. Einige der neuen Straßen erhielten Namen nach Personen aus der von Kleist'schen Familie, die Bogislawstraße nach Bogislaw Adolph Heinrich Kleist vom Loß, die Konradstraße nach dem letzten Besitzer von Volkmarsdorf Conrad Ewald Graf von Kleist und nach seinen Töchtern die Idastraße und die Natalienstraße.[8]

Volkmarsdorf entwickelte sich in dieser Zeit zu einem dicht besiedelten Arbeitervorort. Die Bevölkerungszahl stieg von ca. 900 Einwohnern im Jahr 1825 auf 12.696 im Jahr 1885. Die zum Rittergut gehörenden Gebäude und das 1700 errichtete Herrenhaus („Schloss Volkmarsdorf“) wurden 1880/1881 abgerissen sowie in den Folgejahren die letzten Besitzungen der Familie von Kleist in Volkmarsdorf verkauft.

Als Stadtteil von Leipzig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1890 wurde Volkmarsdorf schließlich nach Leipzig eingemeindet, mit dem es geographisch bereits zusammengewachsen war. Kirchlich gehörte Volkmarsdorf zu Schönefeld, weshalb die dorthin führende Straße, die heutige Hermann-Liebmann-Straße, Kirchstraße hieß. Das änderte sich, als von 1891 bis 1893 am Volkmarsdorfer Markt nach Plänen des Leipziger Architekten Julius Zeißig (1855–1930) die Lukaskirche errichtet wurde. Noch kurz vor der Eingemeindung nach Leipzig wurde an der Ecke Kirch-(Hermann-Liebmann-)Straße / Bogislawstraße mit dem Bau eines Rathauses begonnen, das später Polizeidienststelle wurde. Bis etwa 1905 war auch die Bebauung des Gebietes nördlich der Eisenbahnstraße abgeschlossen.

In der Zeit des Kaiserreichs und der Weimarer Republik galt der Leipziger Osten mit Volkmarsdorf als eine Hochburg der Arbeiterbewegung. In den 1920er Jahren trat hier anlässlich von Wahlkampfkundgebungen der KPD ihr Vorsitzender Ernst Thälmann (1886–1944) mehrfach auf, weshalb in DDR-Zeiten die Eisenbahnstraße (Ernst-Thälmann-Straße) und der Volkmarsdorfer Markt (Ernst-Thälmann-Platz) nach ihm benannt wurde.

Während der Luftangriffe auf Leipzig im Zweiten Weltkrieg hatte Volkmarsdorf so gut wie keine Bombenschäden zu verzeichnen.[9] Jedoch waren Volkmarsdorf wie auch andere Leipziger Stadtteile zur DDR-Zeit von einem allmählichen Verfall der gründerzeitlichen Bausubstanz gekennzeichnet. Dieser war besonders drastisch in den frühesten Bauten, also im südlichen Teil um die Lukaskirche. Nach flächenhaftem Abriss entstand hier von 1987 bis 1990 ein Neubaugebiet mit fünf- bis sechsgeschossigen Wohnblöcken in Plattenbauweise der Wohnungsbauserie (WBS) 70 mit insgesamt 1300 Wohnungen. Dieses wurde 1997 durch die Lukas-Arkaden zwischen Dornberger- und Bogislawstraße ergänzt. 2008 wurde im nördlichen Teil der Hermann-Liebmann-Straße ein Seniorenheim mit 206 Plätzen eröffnet.[10]

Die Bevölkerungszahl sank in den 1990er-Jahren rapide: zwischen 1993 und 2001 verlor Volkmarsdorf mehr als ein Drittel seiner Einwohner. Dem gegenüber steht eine starke Bevölkerungszunahme seit Beginn des 21. Jahrhunderts, die sich ab 2010 nochmal beschleunigte. Nach einem Tiefstand von 7.315 Einwohnern im Jahr 2001 wurde 2015 wieder die Marke von 10.000 Einwohnern überschritten, im Jahr 2019 waren es sogar 13.174.[11]

Volkmarsdorf war in den 2000er-Jahren der Leipziger Ortsteil mit der geringsten Wahlbeteiligung und zugleich derjenige mit dem höchsten Stimmenanteil für die rechtsextreme NPD. An der Bundestagswahl 2009 nahmen nur 46,5 % der Volkmarsdorfer Wahlberechtigten teil, bei Landtags-, Europa- und Kommunalwahlen waren es noch deutlich weniger. Die NPD erreichte bei der Landtagswahl 2009 mit 10,5 % ihren Spitzenwert. Dies änderte sich in der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre signifikant: Die Wahlbeteiligung bei den Europa- und Landtagswahlen 2019 war mit rund 55 % jeweils etwa doppelt so hoch wie fünf Jahre zuvor. Auch der Stimmenanteil der Grünen verdoppelte sich bei der Landtagswahl 2019 auf 24,6 % und Die PARTEI machte Volkmarsdorf mit 13,3 % bei der Europawahl 2019 zu ihrer Hochburg.[11]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Andreas (1882–1951), deutscher Bildhauer, Porzellandesigner und Innenarchitekt
  • Hans Franke (1882–1971), deutscher Komponist
  • Hans Leibelt (1885–1974), deutscher Schauspieler
  • Omik K (* 1989), deutsch-kubanischer Rapper, in Volkmarsdorf aufgewachsen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Riedel, Thomas Nabert (Red.): Stadtlexikon Leipzig von A bis Z. 1. Auflage. Pro Leipzig, Leipzig 2005, ISBN 3-936508-03-8, S. 432/433.
  • Vera Danzer, Andreas Dix: Leipzig – Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Leipzig. Hrsg.: Haik Thomas Porada. 1. Auflage. Böhlau, Köln Weimar Wien 2015, ISBN 978-3-412-22299-4, S. 269–272.
  • Cornelia Briel: Neuschönefeld, Neustadt, Volkmarsdorf – Eine historische und städtebauliche Studie. ProLeipzig, Leipzig 1999.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Volkmarsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gemäß den Flurstücksbezeichnungen auf dem Amtlichen Stadtplan Leipzigs
  2. Flächennutzungsplan der Stadt Leipzig, Stand April 2020.
  3. a b Ortsteilkatalog 2018. Strukturdaten der Ortsteile und Stadtbezirke. Stadt Leipzig – Amt für Statistik und Wahlen, S. 77–80, abgerufen am 8. Mai 2020.
  4. Waffenverbotszone in der Stadt Leipzig. Polizeidirektion Leipzig, August 2018
  5. Erste Waffenverbotszone Sachsens in Leipzig eingerichtet. In: Leipziger Volkszeitung, 5. November 2018.
  6. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 60 f.
  7. Die Amtshauptmannschaft Leipzig im Gemeindeverzeichnis 1900
  8. Gina Klank, Gernoth Griebsch: Lexikon Leipziger Straßennamen. Hrsg.: Stadtarchiv Leipzig. 1. Auflage. Verlag im Wissenschaftszentrum Leipzig, Leipzig 1995, ISBN 3-930433-09-5.
  9. Peter Schwarz: Das tausendjährige Leipzig. Band 3. ProLeipzig, Leipzig 2015, ISBN 978-3-945027-13-4, S. 192/193 (Karte).
  10. Heimportrait der Altenpflegeheime Leipzig 2011/2012 (Memento vom 8. Dezember 2015 im Internet Archive), S. 24 (PDF; 8,3 MB)
  11. a b Ortsteilprofil Volkmarsdorf – Wahlen, Leipzig-Informationssystem.