Volksfront zur Befreiung Palästinas

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Fahne der PFLP

Die Volksfront zur Befreiung Palästinas (arabisch الجبهة الشعبية لتحرير فلسطين, DMG al-Ǧabha aš-šaʿbiyya li-taḥrīr Filasṭīn, engl. Popular Front for the Liberation of Palestine, allgemein als PFLP abgekürzt) ist eine dem linken Flügel des Panarabismus zuzurechnende, 1968 gegründete Palästinenserorganisation, die politisch, terroristisch und militärisch aktiv ist. Die EU und die USA führen die PFLP auf ihren Listen von Terrororganisationen.[1][2] Das britische Innenministerium rechnet sie im Jahr 2014 nicht mehr dazu[3].

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die PFLP wurde am 11. Dezember 1967 gegründet. Sie wurde in ihrer Anfangszeit von Wadi Haddad und dem Kinderarzt George Habash geführt.

Vor allem Mitte der 1990er-Jahre verlor die Organisation zunehmend an Einfluss. Mit dem Zerfall des Ostblocks und der Auflösung der Sowjetunion, sowie bedingt durch weitere Faktoren, wurden vor allem islamistische Kräfte wie die Hamas zusehends stärker und verdrängten die PFLP allmählich aus den Schlagzeilen[4].

Ideologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Volksfront entstand aus der Vereinigung einiger linksgerichteter nicht-religiöser palästinensischer Organisationen, deren größte die palästinensische Sektion der Bewegung Arabischer Nationalisten war, und verband in ihrer Ideologie zunächst Elemente des Marxismus-Leninismus mit arabischem Nationalismus.

Das erklärte Ziel der Volksfront: „Die Befreiung ganz Palästinas im bewaffneten Kampf und die Errichtung eines demokratischen und sozialistischen palästinensischen Staates.“ Zu Beginn widersetzte sich die Volksfront jeglicher Lösung des israelisch-arabischen Konflikts, die zur Bildung zweier Staaten zwischen dem Mittelmeer und Jordanien führen sollte. Zu Beginn der 1990er-Jahre etwa spaltete sie sich von der PLO ab und bildete zusammen mit anderen Organisationen die sogenannte „Ablehnungsfront“ aus sich dem Oslo-Friedensprozess widersetzenden Organisationen, zu der unter anderem auch die DFLP und die islamistischen Organisationen Hamas und Islamischer Dschihad gehören. Die Gruppe hält an ihrem Widerstand gegen die Oslo-Abkommen fest und beharrt auf dem Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge.

Auf taktischer Ebene bekennt sich die Volksfront zu spektakulären Terroraktionen, die die Aufmerksamkeit der Medien erregen und die Meinung der weltweiten Öffentlichkeit auf das palästinensische Problem lenken, wie beispielsweise Flugzeugentführungen sowie Attentate an zentralen Orten und Veranstaltungen[5].

Al-Aqsa-Intifada und Arafats Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2000 kündigte Habash seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen an. Habashs Nachfolger als Generalsekretär wurde am 8. Juli 2000 Abu Ali Mustafa, der am 27. August 2001 einer gezielten Tötung durch die israelische Armee zum Opfer fiel. Nach ihm benannte sich kurz danach der militärische Teil der PFLP Abu-Ali-Mustafa-Brigaden. Ein Kommando der Brigaden tötete kurz darauf als Vergeltung den israelischen Tourismusminister Rechaw’am Ze’ewi.

Während dieses Mordanschlages hatte bereits die zweite, Al-Aqsa-Intifada begonnen. Als Reaktion darauf forderte die israelische Regierung die Verhaftung des neuen Generalsekretärs Ahmad Saadat, des Chefs der Abu-Ali-Mustafa-Brigaden, sowie einiger weiterer PFLP-Angehörigen, denen Israel die Planung bzw. Durchführung des Attentats vorwirft[6]. Diesem Druck kam die Palästinensische Autonomiebehörde schließlich nach und ließ alle verhaften.

Währenddessen kämpften Brigaden-Einheiten in der zweiten Intifada aktiv mit. So waren die Abu-Ali-Mustafa-Brigade-Einheiten, obwohl kleiner als etwa die bewaffneten Kräfte der Hamas oder die Fatah-Milizen, an militanten und gewalttätigen Demonstrationen, direkten Kampfhandlungen und Schießereien mit der israelischen Armee, an Selbstmordanschlägen und Attentaten führend beteiligt.

Das Politbüromitglied Jamil al-Majdalawi sagte zur Beteiligung der PFLP an der Intifada 2001 zusammenfassend:

„Die Linke hat durch ihre Aufklärungsarbeit in den letzten Jahren die politische Stimmung für die Intifada verstärkt. Zurzeit ist die Linke an allen Aktivitäten der neuen Intifada in allen Bereichen beteiligt. Die Linke ist auf der Straße anwesend, in den oberen Koordinierungskomitees aktiv, sowie in den verschiedenen Volkskomitees, die unterschiedliche Aufgaben haben: z. B. wirtschaftliche Komitees zur Unterstützung von armen Familien, politische Komitees, Gefangenenkomitees… etc. Die Linke nimmt auch am bewaffneten Kampf teil.“[7]

Während der Amtszeit des früheren palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas wurde im Sommer des Jahres 2003 eine Waffenpause ausgehandelt, an der sich jedoch einige Organisationen, unter ihnen auch die PFLP, nicht beteiligten.

Nach Arafats Tod im November 2004 bemühte sich die PFLP um eine gemeinsame Kandidatur mit der DFLP und der Palestinian People's Party und führte Gespräche mit diesen Gruppen, die aber zu keiner Einigung führten. Infolgedessen unterstützte die PFLP dann bei der Präsidentenwahl 2005 die Palästinensische Nationale Initiative um deren Spitzenkandidaten Mustafa Barghuti. Dieser gewann dann insgesamt etwa 19,5 Prozent der Stimmen[8] und wurde damit hinter Mahmud Abbas zweitstärkster Kandidat.

Wahlen 2006[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Wahlen zum palästinensischen Parlament am 25. Januar 2006 trat die PFLP mit der Liste Märtyrer Abu Ali Mustafa an und erhielt 4,25 Prozent der Stimmen. Dabei gewann sie die meisten Prozente in ihren Hochburgen in Bethlehem 9,4 Prozent, in Ramallah 6,6 Prozent, gefolgt von Nord-Gaza mit 6,5 Prozent. Mit diesem Ergebnis ist sie drittstärkste Partei im Parlament und mit drei Abgeordneten vertreten[9]: dem in israelischer Haft sitzenden Generalsekretär Ahmad Saadat, Jamil al-Majdalawi und Chalida Dscharrar.

An der Regierung „der nationalen Einheit“, aus Hamas, Fatah, DFLP und anderen kleineren linken und bürgerlichen Gruppen, beteiligte sich die PFLP als einzige Oppositionspartei im Parlament nicht.

Die Abgeordnete für die PFLP Chalida Dscharrar sagte dazu in einem Interview im April 2007:

„Wir haben das Mekka-Abkommen begrüßt, weil es den internen Kampf beendet hat, aber wir werden eine positive Opposition betreiben… weil wir es für einen Schritt zurück halten.“[10]

Weiterhin beteiligte sich die PFLP bzw. ihr militärischer Arm an Anschlägen und Angriffe gegen israelische Ziele. Dazu gehörten beispielsweise die Entführung von vier Amerikanern und zwei Franzosen 2006 sowie Schießereien und Angriffe auf israelische und westliche Gebäude, die alle im Zusammenhang mit dem in Haft sitzenden Ahmad Saadat und anderen PFLP-Mitgliedern stehen. Auch während der Stürmung des Gefängnisses durch die israelische Armee selbst, kam es zu Gefechten zwischen den inhaftierten PFLP-Gefangenen und den Streitkräften Israels.[11]

Im Laufe der israelischen Angriffe und Operationen gegen Ziele im Gaza-Streifen 2007 verstärkten die Abu-Ali-Mustafa-Brigaden ihre militärischen Aktivitäten.

Abspaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Im Laufe der Geschichte haben sich einige Organisationen abgespalten:

1968, kurz nach der Gründung der PFLP spaltete sich von der jungen Organisation die PFLP-GC um Ahmad Dschibril ab. Die PFLP-GC stand damals für eine eher auf den praktischen bewaffneten Kampf ausgerichtete Gruppe und verstand sich damit als Gegensatz zur – von ihr als zu stark theoretisch orientierten – PFLP[12]. Sie blieb immer kleiner als PFLP oder DFLP, ist aber durch ihre stärkere Radikalität bekannt.

Die Gruppe hat ihr Haupteinflussgebiet eher in den Flüchtlingslagern in Syrien und wird auch bis heute von Syrien unterstützt. Heute ist die Gruppe vor allem in libanesischen Flüchtlingslagern aktiv und soll in einigen sogar die Oberhand haben. Nach einigen Angaben soll es zu kleineren Kooperationen mit der in dem gleichen Gebiet aktiven Hisbollah gekommen sein, vor allem während des zweiten Libanonkrieges.

  • DFLP (Demokratische Front zur Befreiung Palästinas)

Zuerst nannte sich die 1969 abgespaltene Fraktion „Volksdemokratische Front zur Befreiung Palästinas“ (PDFLP). Erst 1974 wurde der Name in DFLP geändert. Grundsätzlich unterschieden sich die beiden Fraktionen nicht viel voneinander. Knackpunkt der internen Fraktionskämpfe zwischen den sogenannten Progressiven (DFLP) und Historikern (PFLP) war letztlich vor allem die theoretische Frage über den bewaffneten Kampf, zum Teil nicht als solches, obwohl die eher Moskau-orientierte DFLP viel weniger militant ist, sondern eher um dessen Stellung in taktischen Fragen.

  • PRFLP (Revolutionäre Volksfront zur Befreiung Palästinas)

Während des Jahres 1972 spitzten sich die internen inhaltlichen Konflikte wieder zu. An dessen Ende stand die Abspaltung der Gruppe der linken Fraktion um den damaligen militärischen Verantwortlichen für den Süd-Libanon Salim Darduna von der PFLP, die sich dann PRFLP nannte. Etwa 150 PFLP-Mitglieder sollen dieser Gruppe angehört haben. Die PRFLP konnte aber niemals nennenswert Einfluss gewinnen.

  • PFLP-EO (Volksfront zur Befreiung Palästinas – Gruppe externe Operationen, auch: Spezialkommando/PFLP-SC oder Haddad-Gruppe)

Weiterhin stellte auch die vom PFLP-Mitgründer Wadi Haddad (Abu Hani) geleitete PFLP-EO eine Abspaltung dar – zumindest aber eine autonome Gruppe innerhalb der PFLP. Nachdem die von der PFLP verantworteten Flugzeugentführungen vom September 1970 zu heftigen anti-palästinensischen Reaktionen innerhalb der arabischen Welt beigetragen hatten (s. Schwarzer September), distanzierte sich die Führung um Habash vom internationalen Terrorismus als Instrument der Kriegsführung, woraufhin Haddad seine folgenden Aktionen auf eigene Verantwortung organisierte und durchführte.[13] Die Haddad-Gruppe arbeitete eng mit linksrevolutionären Guerillagruppen aus verschiedenen Teilen der Welt zusammen und wurde durch außerhalb des Nahen Ostens begangene Terroraktionen bekannt, darunter die Flugzeugentführungen von Entebbe 1976 und Mogadischu 1977 und der Überfall auf die OPEC-Konferenz in Wien 1975.[14] 1976 wurde Haddad wegen seiner fortgesetzten Flugzeugentführungen aus der PFLP ausgeschlossen.[15] Die von der westdeutschen Antiterror-Spezialeinheit GSG 9 der Bundespolizei beendete Flugzeugentführung nach Mogadischu war die letzte Aktion der Haddad-Gruppe, deren Anführer im März 1978 starb.[16]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der gezielten Tötung von Abu Ali Mustafa durch die israelischen Streitkräfte ist Ahmad Saadat Generalsekretär der PFLP. Dieser sitzt seit der Gefangennahme zusammen mit anderen PFLP-Aktivisten durch palästinensische Sicherheitskräfte vorher in palästinensischer Haft, zurzeit in israelischer Haft.

Ein Großteil der Anhänger der PFLP ist im zentraleren Westjordanland, vor in allem Ramallah, Bethlehem und in den Außenbezirken Ostjerusalems, weiterhin auch in Gaza bzw. Nord-Gaza oder Nablus zu finden. Ein großer Teil gerade auch der Kämpfer für die Abu-Ali-Mustafa-Brigaden kommt aus dem studentischen Umfeld aus den Universitäten in Ostjerusalem, Ramallah, Nablus und Dschenin.

Die Zahl der Mitglieder schwankt nach verschiedenen Quellen. So soll es nach einigen CIA-Angaben nur etwa 800 Mitglieder der PFLP geben[17]. Wahrscheinlicher sind Angaben über mehrere Tausend in der PFLP[18]. Nach Angaben in der FAZ soll die PFLP 2004 etwa 3000 Aktivisten haben und damit die größte Organisation der Linken, vor etwa der DFLP, sein[19]. Gesichert scheint außerdem, dass es einige hundert Mitglieder und Kämpfer der PFLP und ihrer Organisationen zurzeit in israelischer Haft gibt. Für die Gefangenenbetreuung der PFLP-Angehörigen ist auch die palästinensische Gefangenenorganisation Adameer verantwortlich.

Die Organisation hat eine eigene Zeitung mit dem Namen al-Hadaf (deutsch: Das Ziel) und weitere Publikationen, sowie eine englische und arabische täglich aktualisierte Internetpräsenz. Das englischsprachige Blatt namens Democratic Palestine musste in den 1990er-Jahren wegen Geldmangel eingestellt werden.[20]Die Organisation baut ihre Beziehungen zum Iran aus, in dem sie den "Bannerträger im Kampf gegen Israel und für die Befreiung Palästinas" sieht.[21]

Die PFLP besitzt auch eine Reihe von Nebenorganisationen oder von ihr beeinflusste Zusammenschlüsse wie die studentische Progressive Student Action Front, die Jugendorganisation Palestinian Progressive Youth Union, Frauengruppen sowie die Gefangenen-Solidaritätsorganisation Adameer.

Weiterhin arbeiten viele Mitglieder in Kulturvereinen und vor allem Gewerkschaften aktiv mit. Teilweise sind bzw. sollen PFLP-Mitglieder oder Sympathisanten auch als Schuldirektoren oder Bürgermeister aktiv. So soll beispielsweise die Bürgermeisterin von Ramallah, Janet Micha'il, Verbindungen zur PFLP haben oder Mitglied sein, während der Bürgermeister von Bethlehem, Victor Batarseh, langjähriges Mitglied ist[22]. Ein weiteres Beispiel ist der langjährige Schuldirektor und PFLP-Kader Imad Abd al-Aziz.

Militärische Operationen
Das Symbol der Brigaden

Der bewaffnete Kampf spielte in der PFLP immer eine entscheidende Rolle. Die PFLP verstand sich immer als revolutionär, also auch militant kämpfende, Organisation. Zur Geldbeschaffung arbeitete die PFLP zeitweise mit der dänischen Untergrundgruppe Blekingegadebanden zusammen.[23]

Seit der Tötung von Abu Ali Mustafa durch die israelische Armee und seit der Al-Aqsa-Intifada bilden die Abu-Ali-Mustafa-Brigaden den Arm für militärische Operationen. Kommandierender ist der schon früher im militärischen Arm der PFLP arbeitende Ahad Yusuf Musa Olma[24]. Die Brigaden, die in den gesamten besetzten Gebieten vertreten sind, traten vor allem während der Al-Aqsa-Intifada, dem Kampf 2006 um das Gefängnis, in dem Ahmad Saadat saß, sowie seit den Operationen Israels gegen den Gaza-Streifen ab 2007 stark mit Selbstmordanschlägen, Qassam-Raketenangriffen, Verschleppungen, Angriffen auf Streitkräfte Israels und den Beschuss von mehrheitlich rechts-gerichteten jüdischen Siedlungen in Erscheinung.

Aktivitäten in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[25]Historisch hatte die RAF gute Beziehungen zur PFLP.[26][27] In Deutschland gibt es zahlreiche Veranstaltungen und Veranstaltungsversuche zur Unterstützung und Rekrutierung für die PFLP, was Deutschland bereits in der internationalen Presse in die Kritik brachte.[28][29][30][31][32][33][34][35][36] Abgeordnete der Knesset und des Bundestages fordern in einem Schreiben an Bundesinnenminister Thomas de Maizière ein Betätigungsverbot der Organisation in Deutschland zu erlassen.[37][38]Auseinandersetzungen um Raumanmietungen für Unterstützungsveranstaltungen im Haus des Neuen Deutschland führen immer wieder zu Auseinandersetzungen.[39][40]

Bei der Wahl 2017 zum 19. Deutschen Bundestag tritt die PFLP in einem Wahlbündnis der MLPD an. Daran gibt es Kritik u.a. der Jüdischen Allgemeinen[41][42][43][44][45]

Terroranschläge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachfolgend eine unvollständige Liste von Terroranschlägen unter Beteiligung von Mitgliedern der PFLP:

  • 1968 – Flugzeugentführung, bei der drei Mitglieder der PFLP unter Führung von Wadi Haddad ein El-Al-Flugzeug nach Rom entführen und schließlich nach Algier umleiten. Ziel ist die Freipressung von in Israel als Terroristen inhaftierten Palästinensern[46] im Austausch gegen die 22 als Geiseln gehaltenen israelischen Besatzungsmitglieder und Passagiere – die 23 Nicht-Israelis werden unmittelbar freigelassen. Nach mehrwöchigen Verhandlungen werden schließlich die letzten zwölf israelischen Geiseln freigelassen, im Gegenzug entlässt Israel 16 militante Palästinenser. Die Entführer werden von den algerischen Behörden nicht behelligt.[47]
  • 1969 – Beim Attentat in Kloten am Flughafen Zürich beschießen vier Attentäter ein El-Al-Flugzeug, wobei der Copilot und ein Attentäter sterben.
  • 1969 – Erste Flugzeugentführung der PFLP-Aktivistin Leila Chaled. Der Flug TWA 840 wird nach Damaskus entführt. Die Maschine wird dort evakuiert und danach am Boden gesprengt. Das Bild vom abgerissenen Cockpit geht um die Welt. Syrien nimmt sechs der von den Entführern freigelassenen israelischen Passagiere als Geiseln und tauscht sie später gegen 13 Kriegsgefangene aus.
  • 1970 – Die PFLP entführt in einer koordinierten Aktion vier Flugzeuge, eine fünfte Entführung scheitert. Die Flugzeuge der Swissair, der BOAC und der TWA müssen auf dem stillgelegten Flugfeld Dawson's Field nahe Zarqa landen. Es entwickelt sich ein zermürbender Nervenkrieg um die Freilassung der Geiseln im Austausch für palästinensische Terroristen, unter anderem die wegen des Attentats in Kloten vom 18. Februar 1969 in der Schweiz im Gefängnis sitzen.[48] Die vierte Maschine der Pan-Am entführen sie zuerst nach Beirut, dann nach Kairo. Letztlich kommen alle Geiseln unversehrt frei, die Flugzeuge werden gesprengt. Die Ereignisse gipfeln im sogenannten „Schwarzen September“. Die PFLP hoffte bis zum Ende auf ein militärisches Eingreifen ihrer Schutzmacht Syrien. Tatsächlich ließ Syrien zur Unterstützung der PLO Panzer nach Jordanien einmarschieren, welche jedoch am 22. September von der jordanischen Armee zurückgeschlagen wurden. Daraufhin flieht sie, wie die meisten der PLO-Unterorganisationen, mit ihrem Büro und den meisten ihrer Mitglieder in den Libanon.
  • 1972 – Massaker am Flughafen Lod: Nach Beauftragung und Training durch die PFLP-EO ermorden drei Mitglieder der Japanischen Roten Armee am Flughafen Lod (Israel) 26 Menschen, überwiegend Mitglieder einer christlichen Pilgergruppe aus Puerto Rico.
  • 1974 – Angehörige der PFLP-EO überfallen die japanische Botschaft in Kuwait. Gleichzeitig stürmen Mitglieder der Japanischen Roten Armee eine Anlage des Shell-Konzerns auf einer Insel vor Singapur und nehmen fünf Geiseln.
  • 1976 – Entführung eines aus Israel kommenden Air-France-Flugzeugs von Athen über Bengasi nach Entebbe durch die Haddad-Gruppe (PFLP-EO) unter Beteiligung von zwei deutschen Mitgliedern der Revolutionären Zellen. Ein Einsatzkommando der israelischen Streitkräfte kann die Geiselnehmer in der „Operation Entebbe“ überwältigen und 102 der 106 mehrheitlich israelischen Geiseln retten.
  • 1977 – Entführung des Flugzeugs „Landshut“: Entführung einer in Palma de Mallorca gestarteten Lufthansa-Maschine durch Mitglieder der PFLP-EO über mehrere Stationen nach Mogadischu und Ermordung des Piloten. Die Aktion erfolgt zur Unterstützung der Rote Armee Fraktion im Rahmen des „Deutschen Herbsts“. Am Flughafen Mogadischu erfolgt mit der „Operation Feuerzauber“ die Überwältigung der Geiselnehmer und die Befreiung der 86 überwiegend deutschen Geiseln durch die deutsche Grenzschutzgruppe 9 (GSG 9).
  • 2017 – Zwei palästinensische Mitglieder der Volksbefreiungsfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) und ein Hamas-Mitglied haben in Jerusalem eine Polizistin tödlich verletzt.[49][50]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerrit Hoekmann: Zwischen Ölzweig und Kalaschnikow. Geschichte und Politik der palästinensischen Linken. Unrast, Münster 1999, ISBN 3-928300-88-1.
  • Harold M. Cubert: The PFLP's Changing Role in the Middle East. Frank Cass, London u. a. 1997, ISBN 0-7146-4772-1 (englisch).
  • Yoram Schweitzer: Innovation in Terrorist Organizations: The Case of PFLP and its Offshoots, in: Terrorist Innovations in Weapons of Mass Effect: Preconditions, Causes, and Predictive Indicators (Workshop Report), S. 86–98, herausgegeben von Maria J. Rasmussen und Mohammed M. Hafez, Defense Threat Reduction Agency, Fort Belvoir 2010 (englisch), (PDF-Version online abrufbar)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Popular Front for the Liberation of Palestine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. europa.eu Council Decision 2014/72/CSFP (PDF) in: Official Journal of the European Union vom 11. Februar 2014, abgerufen am 2. August 2014 (englisch)
  2. state.gov: Foreign Terrorist Organizations vom 27. Januar 2012
  3. Proscribed Terrorist Organisations, Home Office, 20. Juni 2014
  4. vgl. hierzu: Anti-imperialist Camp. In: antiimperialista.org. 16. September 2014, abgerufen am 28. Dezember 2014. Zitat: „Dies ist ein sehr komplexes Thema. Das Scheitern der PLO Ende der 80-er Jahre hat den Islamisten Aufwind gebracht. Hinzu kam der Zerfall der Sowjetunion, die Krise der linken Ideologie, das Scheitern des Versuchs der palästinensischen Linke[n] (inklusive der PFLP), eine Alternative zu repräsentieren.“
  5. Webseite der Volksfront zur Befreiung Palästinas
  6. 15.03.2006. In: israel.de. 15. März 2006, abgerufen am 28. Dezember 2014.
  7. Anti-imperialist Camp. In: antiimperialista.org. 16. September 2014, abgerufen am 28. Dezember 2014.
  8. Barghuti über Vetternwirtschaft und Frieden: "Raketen sind nutzlos". In: taz.de. 22. Januar 2008, abgerufen am 28. Dezember 2014.
  9. Wahlrecht – News – Wahl in Palästina 2006. In: wahlrecht.de. 17. Januar 2009, abgerufen am 28. Dezember 2014.
  10. PFLP in Opposition zur neuen palästinensischen Regierung (Memento vom 22. August 2009 im Internet Archive) In: redglobe.de
  11. FAZ.NET: Palästinenser verschleppen Ausländer - British Council in Flammen. In: FAZ.net. 14. März 2006, abgerufen am 28. Dezember 2014.
  12. Popular Front for the Liberation of Palestine-General Command (PFLP-GC). In: fas.org. 21. Mai 2004, abgerufen am 28. Dezember 2014.
  13. Yoram Schweitzer: Innovation in Terrorist Organizations: The Case of PFLP and its Offshoots (PDF) S. 90, in: Terrorist Innovations in Weapons of Mass Effect: Preconditions, Causes, and Predictive Indicators (Workshop Report), herausgegeben von Maria J. Rasmussen und Mohammed M. Hafez, Defense Threat Reduction Agency, Fort Belvoir 2010 (englisch)
  14. Gunther Latsch: Geschichte des Terrors: Eldorado der Linksguerilla, in: Spiegel vom 29. Juni 2004, abgerufen am 30. Juli 2014
  15. Paula Schmitt: Interview with Leila Khaled: 'BDS is effective, but it doesn't liberate land', Interview in: +972 Magazine vom 17. Mai 2014, abgerufen am 2. August 2014 (englisch)
  16. Yoram Schweitzer: Innovation in Terrorist Organizations: The Case of PFLP and its Offshoots (PDF) S. 94, in: Terrorist Innovations in Weapons of Mass Effect: Preconditions, Causes, and Predictive Indicators (Workshop Report), herausgegeben von Maria J. Rasmussen und Mohammed M. Hafez, Defense Threat Reduction Agency, Fort Belvoir 2010 (englisch)
  17. PFLP - Datenbank islamischer Gruppen. In: uni-leipzig.de. Abgerufen am 28. Dezember 2014.
  18. Zwischen Ölzweig und Kalaschnikow. Geschichte und Politik der palästinensischen Linken; Gerrit Hoekmann; Seite 123ff
  19. Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom 12. November 2004
  20. Zwischen Ölzweig und Kalaschnikow. Geschichte und Politik der palästinensischen Linken; Gerrit Hoekmann; Seite 125; Zitat: „[…]Deutlichster Ausdruck der [finanziellen] Misere. Die Einstellung der englischsprachigen Parteizeitung ‚Democratic Palestine‘“
  21. Hamas, PFLP thank Iran for supporting Palestinian cause. In: AMN - Al-Masdar News | المصدر نيوز. 2. August 2017 (almasdarnews.com [abgerufen am 7. August 2017]).
  22. Jüdische Nachrichten: Bethlehems neuer Bürgermeister: Ein Marxist verwaltet Jesu Geburtsstadt. In: hagalil.com. Abgerufen am 28. Dezember 2014.
  23. Egmont R. Koch: ARD Reportage 2014 – Neue Erkenntnisse im Mordfall Herrhausen, vom 1. Dezember 2014 (alternativ auf YouTube, Mediathek)
  24. Hintergrund zum Einsatz in Jericho am 14. März 2006. In: israel.de. 8. März 2006, abgerufen am 28. Dezember 2014.
  25. Arabische Terrorgruppe will in Friedrichshain feiern. (tagesspiegel.de [abgerufen am 19. August 2017]).
  26. Wie die RAF ihre Waffen baute. (tagesspiegel.de [abgerufen am 5. August 2017]).
  27. Andreas Förster: Terrorherbst 1977: Die „Landshut“ soll nach Friedrichshafen gebracht werden. In: Berliner Zeitung. (berliner-zeitung.de [abgerufen am 5. August 2017]).
  28. Palästinensische Terrorgruppe lässt sich in Berlin feiern. Abgerufen am 5. August 2017.
  29. Arabische Terrorgruppe will in Friedrichshain feiern. (tagesspiegel.de [abgerufen am 5. August 2017]).
  30. Arabische Terrorgruppe sagte nach Kritik Benefizveranstaltung ab. Abgerufen am 5. August 2017.
  31. Zentralrat der Juden in Deutschland K.d.ö.R.: Antisemitismus: »Beschleuniger für die Abschaffung Israels«. In: Jüdische Allgemeine. Abgerufen am 5. August 2017 (englisch).
  32. Redaktion Audiatur: Reaktion der Uni: BDS-Professor in Hamburg "in keinster Weise" antisemitisch. In: Audiatur-Online. 24. Januar 2017, abgerufen am 5. August 2017.
  33. Alex Feuerherdt: Wie die terroristische PFLP aus Europa unterstützt wird. In: Audiatur-Online. 22. November 2016, abgerufen am 5. August 2017.
  34. Bundesregierung: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage Antisemitismus in Deutschland. In: Drucksache 18/11152. Deutscher Bundestag, 14. Februar 2017, abgerufen am 5. August 2017.
  35. Palestinian Group Hosts Terrorist Fundraising Event in Germany. Abgerufen am 5. August 2017.
  36. Berlin mayor rapped for terrorist group fund-raising event. In: The Jerusalem Post | JPost.com. (jpost.com [abgerufen am 5. August 2017]).
  37. "Nun ist es Zeit für Taten". (tagesspiegel.de [abgerufen am 6. August 2017]).
  38. Israel and German collaborate against Hezbollah. In: The Jerusalem Post | JPost.com. (jpost.com [abgerufen am 7. August 2017]).
  39. Rosa-Luxemburg-Stiftung verweigert Räume. Abgerufen am 19. August 2017 (deutsch).
  40. Arabische Terrorgruppe will in Friedrichshain feiern. (tagesspiegel.de [abgerufen am 19. August 2017]).
  41. Zentralrat der Juden in Deutschland K.d.ö.R.: Bundestag: Gemeinsame Sache | Jüdische Allgemeine. Abgerufen am 16. August 2017 (englisch).
  42. Flyer. In: Kandidaten zur BTW 2017. MLPD, 2017, abgerufen am 16.08.2017.
  43. Das internationalistische Bündnis ist die fortschrittliche und revolutionäre Antwort auf den Rechtsruck der Regierung — MLPD. Abgerufen am 16. August 2017 (deutsch).
  44. Trägerorganisationen – Internationalistische Liste / MLPD. Abgerufen am 16. August 2017 (de-de).
  45. Polarisierung gleich zum Wahlkampfstart - jetzt erst recht: Jede(r) muss uns finden. Abgerufen am 19. August 2017 (deutsch).
  46. Bruce Hoffman: Terrorismus – der unerklärte Krieg: neue Gefahren politischer Gewalt, Frankfurt 2006, ISBN 3-10-033010-2, S.110
  47. Jin-Tai Choi: Aviation Terrorism: Historical Survey, Perspectives and Responses. St. Martin’s Press, New York 1994, S. 44f
  48. Entführung einer Swissair-DC-8 nach Zerqa. In: nzz.ch. 5. September 2005, abgerufen am 28. Dezember 2014.
  49. Jerusalem: Israelische Polizistin bei Messerattacke getötet. In: Die Zeit. 17. Juni 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 5. August 2017]).
  50. Wieder Tote bei Messerangriff in Israel. In: Deutsche Welle online. 16. Juni 2017, abgerufen am 5. August 2017.