Volkspark am Weinberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Volkspark am Weinberg
Weinbergspark
Coat of arms of Berlin.svg
Park in Berlin
Volkspark am Weinberg
Café Weinberg im Volkspark
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Mitte
Angelegt 1954–1958
Umgebende Straßen
Brunnenstraße,
Invalidenstraße,
Fehrbelliner Straße,
Weinbergsweg
Bauwerke Café Weinberg im Volkspark
Nutzung
Nutzergruppen Freizeit, Kinder, Fußverkehr
Parkgestaltung Café Weinberg im Volkspark, Rosengarten, Liegewiese, Spielplatz, Teich, Planschbecken, Themengärten, Bronzeskulptur Heinrich Heines
Technische Daten
Parkfläche 43.000 m²
Liegewiese, 2011
Café, 1957
Café, 2011

Der Volkspark am Weinberg (auch Weinbergspark) ist der einzige Volkspark im Berliner Ortsteil Mitte (im gleichnamigen Bezirk) und hat eine Fläche von rund 4,3 Hektar. Er wird begrenzt durch den Weinbergsweg im Südosten, die Brunnenstraße im Südwesten, die Veteranenstraße im Nordwesten und die Fehrbelliner Straße im Nordosten. Der Name des Parks geht zurück auf die ehemaligen Weinberge, die dort früher angelegt waren. Er ist seit den späten 1970er Jahren ein Gartendenkmal.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gebiet befand sich entlang der Invaliden- und Brunnenstraße eine gründerzeitliche Bebauung, an der Fehrbelliner Straße bis in Höhe der Zehdenicker Straße erstreckte sich am Weinbergsweg seit Mitte des 18. Jahrhunderts das zur Maulbeerplantage umgewandelte und später als Gartenlokal und Vergnügungsstätte genutzte Wollanksche Gut,[1] von dem ab 1936 ein Teil des zur Villa gehörenden Parks an die Stadt Berlin verpachtet und für die Öffentlichkeit erschlossen wurde. Weiterhin gab es hier das Walhalla-Theater mit Carows Lachbühne. Während des Zweiten Weltkriegs, ab 1943 zerstörten Luftangriffe der Alliierten auf Berlin die gesamte Bebauung, deren Trümmer nach Kriegsende beseitigt wurden. Zunächst war hier die Anlage eines Kulturparks vorgesehen. In den Jahren 1954–1956 wurde die Parkanlage nach Plänen des Gartenarchitekten Helmut Kruse errichtet, der einen reich strukturierten Park mit vielfältigen Gestalt- und Nutzungsbereichen unter Berücksichtigung der Hanglage vorsah.[2] Auf dem erhöhten Plateau entstand 1957/1958 das Café am Weinberg nach Entwürfen von Hans Jährig und Max Kowohl, das weite Blicke über den Park ermöglicht. An der Brunnenstraße wurde ein nierenförmiger Teich angelegt, umgeben von der zentralen Liegewiese. Der Park nahm in der Berliner Grünplanung der 1950er Jahre eine Sonderstellung ein. Er stellt die einzige in dieser Größe und in konsequent eigenständiger formaler Gestalt ausgeführte Parkanlage dar, in einer Zeit, in der sonst die Wiederherrichtung beziehungsweise Erneuerung kriegszerstörter Parks im Vordergrund stand.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen der verbliebenen Bebauung der Invalidenstraße und dem Weinbergsweg liegen, durch einen Höhenversatz getrennt, auf der Nordseite ein Rosengarten mit Springbrunnen, ein Spielplatz sowie eine Sportanlage mit Fußballplatz und Tischtennisplatten.

Weitere Themengärten, wie der Heidegarten, Schau- und Sichtungsgarten und das Alpinum, die ehemals dem Erleben und Kennenlernen der Pflanzenvielfalt dienten, befinden sich entlang der die zentrale Rasenfläche umgebenden Haupterschließungswege. Im Nordwesten des Parks steht das von Waldemar Grzimek im Jahr 1955 geschaffene Heinrich-Heine-Denkmal, das 1956 im Kastanienwäldchen (Unter den Linden) aufgestellt werden sollte. Es wurde 1958 jedoch hier in diesem Volkspark aufgestellt.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die am Südwesthang gelegene Liegewiese wird vor allem im Sommer von zahlreichen Anwohnern genutzt. Unterhalb der Liegewiese befindet sich ein künstlich angelegter Teich, oberhalb eine schweizerische Gaststätte, der Rosengarten, ein Spielplatz sowie die Sportanlage mit Fußballplatz, die alle intensiv genutzt werden.

Obwohl das Wohngebiet im Umfeld mit zu den kinderreichsten Gebieten in Berlin gehört, wurde der Park jahrelang nicht ausreichend gepflegt. Erst nachdem Anwohner in Kiezgesprächen und durch Sammeln von Unterschriften die Instandsetzung einforderten, um auch dem Etablieren einer Drogenszene entgegenzutreten, stellte der Senat Gelder für dieses Gartendenkmal zur Verfügung. Durch die direkt an den Park angrenzende Polizeiwache werden regelmäßig Kontrollen im Park durchgeführt. An diesen wie auch der Berichterstattung der Boulevardpresse entzündete sich eine Debatte, in der man sich gegen eine pauschale Verurteilung von Dealern aussprach.[3][4] Der Bezirk Mitte stellte im August 2007 Mittel für die Instandsetzung und Erweiterung der Beleuchtung bereit.[5]

Seit Ende 2005 wurde der Weinbergspark mit einem Budget von rund einer Million Euro saniert.

Vorstädtisches Theater am Weinbergsweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Julie Gräbert (1803–1871), bekannter als Mutter Gräbert, leitete hier ab 1854 das Vorstädtische Theater am Weinbergsweg, das wegen seines „urwüchsigen Berlinismus“ schnell stadtbekannt wurde. Hier fand die Berliner Posse eine weitere Heimstatt (neben dem arrivierten Wallner-Theater). Das „Vorsteetische“ wurde letztlich ein Opfer der Gründerjahre: Nach Gräberts Tod wurde es 1873 abgerissen, stattdessen wurde dort die Zehdenicker Straße angelegt. Julie Gräbert wurde auf dem nahen Elisabeth-Kirchhof beigesetzt.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Volkspark am Weinberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Weinbergsweg 15. In: Berliner Adreßbuch, 1932, Verwaltungsbezirke Mitte, Tiergarten, Wedding, Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg → W → Weid, S. 930.
  2. Institut für Denkmalpflege (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale der DDR. Hauptstadt Berlin-I. Henschelverlag, Berlin 1984, S. 312.
  3. In Mitte gehen Anwohner gemeinsam gegen aggressiven Drogenhandel vor. In: Berliner Zeitung, 18. Mai 2007
  4. Alles für die Volksgesundheit. Veranstaltung im Dezember 2007 über offene Drogenszenen wie diejenige am Weinbergspark bei paeris.net
  5. Der Weinbergspark wird noch dieses Jahr beleuchtet. In: Berliner Zeitung, 8. Juni 2007
  6. Angaben nach Willi Wohlberedt

Koordinaten: 52° 31′ 55″ N, 13° 24′ 5″ O