Vollenschier

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Vollenschier
Stadt Stendal
Koordinaten: 52° 32′ 2″ N, 11° 40′ 3″ O
Höhe: 55 m
Eingemeindung: 1. Januar 1957
Eingemeindet nach: Wittenmoor
Postleitzahl: 39576
Vorwahl: 039325
Vollenschier (Sachsen-Anhalt)
Vollenschier

Lage von Vollenschier in Sachsen-Anhalt

Vollenschier ist ein Ortsteil der Stendaler Ortschaft Wittenmoor in der Altmark in Sachsen-Anhalt.[1]

Das Dorf liegt südwestlich von Wittenmoor am Nordrand der Colbitz-Letzlinger Heide.

Straße „Zum Gänseteich“ in Vollenschier
Gutshaus

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name des Orts ist deutschen Ursprungs. Eine erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1251 als Wolenschere (bedeutend: Wollscherer), was auf die hier betriebene Schafzucht und -nutzung hinwies. Es gab im Ort auch eine Adelsfamilie von Vollenschier. Die Ritter Vollenschier waren jedoch bald nicht mehr ortsansässig. 1626 erlosch dann die Familie. 1391 war Vollenschier wüst und wurde von Bewohnern aus Staats und Börgitz wieder aufgebaut. Zum Schutz vor Überfällen wurde 1409 die Kröpelwarte erbaut und ein sich von Klinke bis Ottersburg ziehender Schanzenwall verstärkt. Während der Wall bei Vollenschier in Resten noch heute erhalten ist, wurde die Kröpelwarte 1834 abgerissen. 1484 erhielt Gebhard von Alvensleben Vollenschier zum Lehen. Er ließ ein Vorwerk und später das Gut Vollenschier anlegen.

Vollenschier wechselte dann häufig den Besitzer. Ab dem 18. Jahrhundert sind als Eigentümer Oberamtmann Giesecke, Adolf von Miakowskie und zuletzt Friedrich Wilhelm Karl von Kröchern überliefert. Die Familie von Kröchern war von 1854 bis 1907 Eigentümer. Der noch heute erhaltene Gutshof Vollenschier wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut. Vollenschier verfügte über eine eigene Schule. 1869 wurde das zum Gut gehörende Schloss Vollenschier und von 1875 bis 1877 die Gutskirche Vollenschier gebaut.

Ab 1870 bestand unweit des Dorfes eine Ziegelei, die vor Ort gewonnenen Lehm zu Steinen verarbeitete. 1910 zählte der Ort 133, 1933 153 und 1939 143 Einwohner.

Am 1. April 1910 wurde die Landgemeinde Vollenschier in einen Gutsbezirk umgewandelt.[2] Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Vollenschier mit der Landgemeinde Staats zur Landgemeinde Staats vereinigt.[3] Bereits am 1. Mai 1932 wurde die Landgemeinde Vollenschier aus dem Ortsteil Vollenschier der Landgemeinde Staats neu gebildet.[4] Am 1. Januar 1957 erfolgte die Auflösung der Gemeinde Vollenschier durch Eingemeindung in die Gemeinde Wittenmoor.[5]

Im Zweiten Weltkrieg kamen Flüchtlinge aus Duisburg im Ort unter. Die Einwohnerzahl stieg dabei zeitweise auf über 300 Personen an. Im Sommer 1945 wurde das Gut enteignet und als Volksgut weitergeführt. Am 1. Januar 1957 wurde Vollenschier nach Wittenmoor eingemeindet. Nach dem Ende der DDR wurde der Betrieb des Gutes 1990/1991 zunächst eingestellt. Später wurde das Gut privatisiert und ab 2004 wieder landwirtschaftlich genutzt.

2010 erfolgte gemeinsam mit Wittenmoor die Eingemeindung nach Stendal.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hauptsatzung der Hansestadt Stendal. In: Altmarkkreis Stendal (Hrsg.): Amtsblatt für den Landkreis Stendal. Nr. 35. Stendal 7. Dezember 2016, S. 203–207 (https://www.stendal.de/media/satzungen/2016/amtsblatt_v._7.12.16_veroeff._hauptsatzg..pdf (Memento vom 22. Dezember 2018 im Internet Archive) [abgerufen am 22. Dezember 2018]). (PDF; 815 kB)
  2. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1910, ZDB-ID 3766-7, S. 5.
  3. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 201.
  4. Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1932, ZDB-ID 3766-7, S. 121.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 344.