Vom Weltgericht

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Hendrik Goltzius: Das Jüngste Gericht und die Werke der Barmherzigkeit. Stich zum beiderseits oben zitierten Gleichnis, 1577, Rijksmuseum Amsterdam

Die Bildrede vom Weltgericht steht als Sondergut im Evangelium nach Matthäus (Mt 25,31-46 EU). Sie bildet den Abschluss einer Rede Jesu zu Endzeit und Weltgericht, die im 24. und 25. Kapitel des Matthäusevangeliums überliefert ist.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn der Menschensohn als König wiederkommen wird, dann wird er alle Völker versammeln und sie zu seiner linken beziehungsweise rechten Seite stellen. Als Bild wird hierbei das des Hirten gebraucht, der seine Herde in Schafe und Böcke (d. h. Ziegen) aufteilt. Die Tiere, die tagsüber gemeinsam weiden, werden nachts getrennt, da die Ziegen einen wärmeren Platz benötigen als die Schafe. Die Schafe, die ein weißes Fell besitzen, werden zu seiner Rechten gestellt und stehen in diesem Gleichnis symbolisch für die Gerechten. Die Ziegen, die in Palästina ein schwarzbraunes oder sogar schwarzes Fell haben, werden zu seiner Linken gestellt und stehen symbolisch für die schlechten Menschen.[1]
Anschließend wird der König zunächst die zu seiner Rechten in das Reich Gottes einladen. Als Begründung wird er anführen, dass sie sich seiner erbarmt haben, als er Hilfe brauchte.

„Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.“

Matthäus 25,35-36 EU

Auf die Frage, wann sie ihn denn in solchen Notlagen gesehen haben, wird der Menschensohn antworten, dass man das, was man einem anderen Menschen tut, letztlich ihm tut.

„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Matthäus 25,40 EU

In entsprechender Weise wird er anschließend die zu seiner Linken wegschicken, da sie ihm in der Not nicht geholfen haben. Auf die entsprechende Frage, wann sie ihn denn in den genannten Notlagen gesehen haben, erfolgt die analoge Antwort, dass sie diese Barmherzigkeit denen, die in Not seien, stellvertretend hätten erweisen sollen.

Deutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bibelabschnitt ist aus traditionellen Bildelementen gestaltet. Der König entspricht Gott, die Schafe und Böcke den Gliedern des Gottesvolkes und die Trennung die zwischen den beiden erfolgt entspricht dem Gericht. Das Bild ist an Ezechiel 34,17-22 EU angelehnt. Richter ist Jesus Christus, der Menschensohn, der die barmherzige Liebe selbst vollkommen gelebt hat. Dementsprechend erfolgt sein Urteil allein nach dem Maßstab der Taten barmherzigen Liebe. Indirekt spricht sich dabei dann aber jeder Mensch selbst das Urteil.[2]
Mit den „Geringen“ und „Brüdern“ werden sonst im Matthäusevangelium Jünger Jesu, Gemeindeglieder oder Missionare bezeichnet (vergleiche z. B. Mt 10,42 EU oder Mt 12,48-50 EU). Daher denken viele Auslegende bei den in den Versen 40 und 45 genannten „geringsten Brüdern“ nur an Christen und christliche Missionare, die verfolgt werden. Insbesondere im Lichte der von Jesus geforderten Nächstenliebe, die sich sogar auf die Feinde erstrecken soll (vergleiche Mt 5,4348 EU), erscheint diese Einschränkung auf bedrängte Christen allerdings als eher unwahrscheinlich. Darüber hinaus wird für die „Geringsten“ in Mt. 10, 42 im Griechischen ein anderes Wort gebraucht als in Vers 40 und 45.[1]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bild von der endzeitlichen Scheidung der Schafe und Böcke findet vielfältige Aufnahme in der Christlichen Literatur, Kunst und Musik. Der im 14. Jahrhundert entstandene Hymnus Dies irae nimmt das Motiv auf und wurde seinerseits zur Grundlage zahlreicher künstlerischer Bearbeitungen.

Latein
Inter oves locum praesta,
Et ab haedis me sequestra,
Statuens in parte dextra.
Nachdichtung
Bei den Schafen gib mir Weide,
Von der Böcke Schar mich scheide,
Stell mich auf die rechte Seite.
Wörtliche Übersetzung
Gib mir einen Platz unter den Schafen
und sondere mich ab von den Böcken,
indem du mich auf die rechte Seite stellst.
Hauptartikel: Dies irae

Auf dem dies irae fußt etwa der Choral Es ist gewisslich an der Zeit (1582, EG 149) von Bartholomäus Ringwaldt (1532–1599) und greift das Bild vom Gericht im Gleichnis auf. Der Choral entstand als Bearbeitung eines Liedes von Johannes Magdeburg (ca. 1530–1565). der Bremische Kantor Laurentius Laurentii (1660–1722) entwirft auf ebendiese Melodie mit Wenn dort des Allerhöchsten Sohn eine geradezu emphatisch-moralische Nachdichtung[3].

Der Barockdichter Siegmund von Birken (1626–1681) übernimmt das Motiv in seinem Gedicht Am andern Sonntag des Advents[4].

Eine besonders farbige und drastische Illustration des Bildes von den Schafen und den Böcken entwirft Christoph Graupners († 1760) Kantate „Ach Herr, die Frommen warten deiner“ (1742, GWV 1167/42) mit dem Text von Johann Conrad Lichtenberg, dem Vater Georg Christoph Lichtenbergs. Darin heißt es:

Ach Herr, die Frommen warten Deiner.
Komm doch, erlöse Deine Schar!
Die Schafe seufzen unter Leiden,
Du möchtest sie von Böcken scheiden.
Herr Jesu, nimm ihr Seufzen wahr.
Die Zeiten sind, ach! sehr betrübt,
die Welt kann so nicht lang mehr stehen
Der Glaube ist sehr rar
und niemand ist, der Liebe übt.
Der Böcke Schar
ist groß und ringt, den breiten Weg zu gehen.
Die Schafe sind ihr Spott,
sie achten Gott
in ihrem tollen Sinn für nichts.
Sie lachen
des großen Weltgerichts,
wenn Gläubige sich Hoffnung machen,
im Reich des Lichts,
ein Erbteil einzunehmen.
Ach Herr, sieh drein,
komm doch, die Böcke zu beschämen,
lass sie erseh’n,
wie lieb Dir Deine Schafe sein
Der Herr wird bald erscheinen,
alsdann ruft Er die Seinen
zu Sich ins Himmels Saal
Der Welt und ihrem Lachen
wird Er ein Ende machen,
ihr Lohn ist ew’ge Höllenqual.
Erzittert, freche Weltgemüter,
der Herr ist groß, dem ihr hier widerstrebt.
Das Erbteil Seiner Güter
steht dort in Gottes Gnadenschoß
nur dem zur Freude offen,
der hier nach Jesus Willen lebt.
Wer den nicht tut,
der hat kein Teil bei Gott zu hoffen.
Wenn Schafe dort zu Dessen Rechte stehen,
wenn sie ein himmlisch Gut, das ewig ist, ererben,
so müssen Böcke ins Verderben,
zur Höllen-Qual und Marter gehn.
Und das wird ganz gewiss gescheh’n[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stuttgarter Erklärungsbibel. ISBN 3-438-01121-2, 2. Aufl. 1992, Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart, S. 1215f
  2. Die Bibel mit Erklärungen. ISBN 3-7461-0069-0, 3. Aufl. 1993, Evangelische Haupt-Bibelgesellschaft, Berlin
  3. http://www.hymnary.org/text/wenn_dort_des_allerhoechsten_sohn
  4. http://blog-sylvia-mackert.blogspot.de/2011/12/adventsgedicht-poeme-cest-lavent-en.html
  5. http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/sml/Musikhandschriften/text_zu_mus_ms_450_52_ach_herr_die_frommen_warten_deiner_v_02.pdf