Von dem Tode des Hühnchens

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Von dem Tode des Hühnchens ist ein Märchen (ATU 2021). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 80 (KHM 80). Bis zur 2. Auflage lautete der Titel Von dem Tod des Hühnchens. Das Märchen basiert auf dem Text Erschreckliche Geschichte vom Hünchen und vom Hänchen, den Clemens Brentano in Des Knaben Wunderhorn 1808 nach Charles Crodel veröffentlichte. Ludwig Bechstein übernahm es in sein Deutsches Märchenbuch als Vom Hühnchen und Hähnchen (1845 Nr. 31, 1853 Nr. 27).

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration von Otto Ubbelohde, 1909

Ein Hühnchen und ein Hähnchen suchen Nüsse. Eigentlich hatten sie abgemacht, dass, wenn einer eine fände, er den anderen rufen würde, um die Nuss gemeinsam zu essen. Das Hühnchen findet einen großen Nusskern, frisst ihn alleine und droht daran zu ersticken.

Es bittet das Hähnchen, ihm Wasser zu bringen. Das besorgt mit einigen Problemen das Wasser, in der Zwischenzeit ist das Hühnchen allerdings schon erstickt. Vor Trauer schreit das Hähnchen, dass alle Tiere des Waldes zusammenkommen. Auf einem Wagen soll das Hühnchen zu Grabe getragen werden. Dem Trauerzug schließen sich die Tiere des Waldes an.

An einen Bach gekommen, wollen die Tiere diesen mit Hilfe eines Strohhalmes überqueren. Es scheitert und die Mäuse, die die Kutsche bis dahin gezogen haben, ertrinken. Als Nächstes will eine Kohle bei der Überquerung helfen, erlischt aber im Wasser.

Schließlich hilft ein Stein als Brücke aus. Das Hähnchen überquert mit dem Leichnam des Hühnchens das Wasser. Der Wagen war mittlerweile allerdings von den anderen Tieren des Waldes so schwer geworden, dass er in den Bach zurückstürzt und alle Tiere des Waldes ertrinken.

Am Ende hat es nur das Hähnchen mit dem toten Hühnchen auf die andere Bachseite geschafft. Dort beerdigt das Hähnchen das Hühnchen und trauert so lange um die Verstorbene, bis es selbst stirbt.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration von Otto Ubbelohde, 1909

Grimms Anmerkung notiert „Aus Hessen“ und verweist auf die Erschreckliche Geschichte vom Hünchen und vom Hänchen nach Charles Crodel in Des Knaben Wunderhorn (Grimms Text nutzt auch den Schluss einer Erzählung von Wilhelm Engelhardt)[1]. In „einer bairischen Erzählung“ (von Ferdinand Grimm) braucht Hähnchen vom Brunnen Wasser, von der Linde ein Blatt, von der Braut ein Band, vom Schwein eine Borste, vom Müller Kleie, vom Bauer einen Klos, da ist es zu spät. In einer weiteren steigen alle Tiere auf Hühnchens Begräbniswagen. Als der Floh noch kommt, versinkt der Wagen im Sumpf. Grimms nennen noch Meiers Erzählungen aus Schwaben „Nr. 71 und 80“; bei Müllenhoff „aus Holstein“ Nr. 30; bei Haltrich „aus Siebenbürgen“ Nr. 44; bei Asbjörnsen „aus Norwegen“ „S. 98“; zu „Hahnenberg und Hahnensumpf“ eine dänische Sage in Antiquariske Annaler 1, 331.

„Wie das ein Stein sah, wollte er … helfen“ wurde zur 3. Auflage „Wie das ein Stein sah, erbarmte er sich“ (vgl. KHM 1, 110), die Wendung findet Heinz Rölleke schon in Sebastian Brants Narrenschiff: „Es möcht eim hertten stein thun we“.[2]

Vgl. KHM 18 Strohhalm, Kohle und Bohne, KHM 23 Von dem Mäuschen, Vögelchen und der Bratwurst, KHM 169 Das Waldhaus, KHM 72a Das Birnli will nit fallen.

Rezeptionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwig Bechstein übernahm die Fabel abgewandelt als Vom Hühnchen und Hähnchen in sein Deutsches Märchenbuch: Der Fuchs fährt nicht mit, sondern frisst die Tiere samt Wagen und stirbt daran. Der Schluss stammt von Wilhelmine Mylius.[3]

In Janoschs Parodie holt Hähnchen alle Tiere zur Hilfe, doch die stürzen sich nur auf die Nüsse und ersticken auch.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grimm, Brüder. Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen herausgegeben von Heinz Rölleke. Band 3: Originalanmerkungen, Herkunftsnachweise, Nachwort. S. 140–141, 477. Durchgesehene und bibliographisch ergänzte Ausgabe, Reclam-Verlag, Stuttgart 1994, ISBN 3-15-003193-1.
  • Hans-Jörg Uther: Handbuch zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. de Gruyter, Berlin 2008, ISBN 978-3-11-019441-8, S. 184–185.
  • Clemens Brentano: Erschreckliche Geschichte vom Hünchen und vom Hänchen. In: Ludwig Achim von Arnim (Hrsg.): Des Knaben Wunderhorn. Band 3. Stuttgart u. a. 1979, S. 260–262. (zeno.org [abgerufen am 27. Juli 2016]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Von dem Tode des Hühnchens – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kathrin Pöge-Alder: Märchenforschung. Theorien, Methoden, Interpretationen. Gunter Narr Verlag, Tübingen 2007, ISBN 978-3-8233-6252-4, S. 125.
  2. Lothar Bluhm und Heinz Rölleke: „Redensarten des Volks, auf die ich immer horche“. Märchen - Sprichwort - Redensart. Zur volkspoetischen Ausgestaltung der Kinder- und Hausmärchen durch die Brüder Grimm. Neue Ausgabe. S. Hirzel Verlag, Stuttgart/Leipzig 1997, ISBN 3-7776-0733-9, S. 97–98.
  3. Hans-Jörg Uther (Hrsg.): Ludwig Bechstein. Märchenbuch. Nach der Ausgabe von 1857, textkritisch revidiert und durch Register erschlossen. Diederichs, München 1997, ISBN 3-424-01372-2, S. 148–150, 386.
  4. Janosch: Vom Tod des Hühnchens. In: Janosch erzählt Grimm's Märchen. Fünfzig ausgewählte Märchen, neu erzählt für Kinder von heute. Mit Zeichnungen von Janosch. 8. Auflage. Beltz und Gelberg, Weinheim und Basel 1983, ISBN 3-407-80213-7, S. 83–84.