Von der Leyen (Seidenweberfamilie)

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Wappen der Herren von der Leyen
Wappen der Freiherren von der Leyen

Die Familie von der Leyen begründete mit der Seidenweberei die Textilindustrie in Krefeld, welche in ihrer Blütezeit im 18. Jahrhundert zu Weltruhm kam.

Von-der-Leyen-Platz in Krefeld

Familiengeschichte der „von der Leyen“ in Krefeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter von der Leyen (1697–1742)
Friedrich von der Leyen (1701–1778)
Haus Floh, erbaut 1766/76 durch Johann von der Leyen (1734–1795)
Heinrich von der Leyen (1708–1782)

Von den von der Leyens ist bekannt, dass sie 1656 wegen ihres mennonitischen Glaubens aus Radevormwald vertrieben wurden, wo es noch heute den Ortsteil Leye gibt. Die Familie begab sich nach Krefeld, wo Adolf von der Leyen den Handel mit Seidenwaren weiterführte, der in Radevormwald abgebrochen werden musste. 1720 gründete Peter von der Leyen die erste Nähseidenfabrik und vier Jahre später folgte die Gründung der ersten Seidenfärberei durch die Brüder Johann, Friedrich und Heinrich. Im Jahr 1731 gründeten die Brüder Friedrich und Heinrich eine neue Firma. 1760 wurde die von der Leyensche Stiftung zur Unterstützung notdürftiger Mitglieder der Krefelder Mennonitenkirche gegründet.[1]

Aus dem Jahr 1763 weiß man, dass zu dem Zeitpunkt die Hälfte der Krefelder Bevölkerung (6082 Einwohner) bei den von der Leyens arbeitete. Dabei beschäftigte der Familienbetrieb nicht nur den Großteil der Krefelder, sondern auch viele Menschen der kleineren umliegenden Ortschaften, was eine Verschärfung der Klassenauseinandersetzungen zur Folge hatte. Im Jahre 1768 sollen mehr als 3.000 Arbeitskräfte für sie tätig gewesen sein. Die Weltfirma Friedrich und Heinrich von der Leyen genoss zahlreiche Privilegien, wie beispielsweise das preußische Seidenmonopol und sonstige Protektion durch die preußischen Könige, die ausgeprägt merkantil dachten und gute Steuerzahler und eine florierende Wirtschaft schätzten. Der Bau zahlreicher Häuser und Fabrikgebäude in Krefeld, an der Friedrichstraße oder auch Haus Leyental, folgten. Einige Häuser überstanden die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. Friedrich der Große und sein Stab logierten bei den von der Leyens nach dem Sieg über die Franzosen an der Hückelsmay. 1768 erhielt die Krefelder Mennonitengemeinde durch eine Schenkung der Familie von der Leyen eine erste Orgel. Im selben Jahr wurden für das Unternehmen von der Leyen über 700 Webstühle betrieben, wobei ein Arbeitstag von 12 bis 18 Stunden die Regel war.[2] 1769 wurde Friedrich Heinrich von Friedrich (Name des Vaters) von der Leyen geboren. 1772 wurde das Haus Kiekhorst bei Neukirchen-Vluyn als Landsitz erworben. Nach der Errichtung eines neuen Herrenhauses wird dieses fortan Schloss Leyenburg genannt.

1792 wurde Konrad Isaak von der Leyen während der ersten französischen Besetzung von General La Marlière mit mehreren weiteren prominenten Krefelder Bürgern als Geisel genommen um der Stadt die Zahlung einer Kriegsauflage von insgesamt 300.000 Gulden abzupressen. Der Überlieferung nach konnte ein Großteil des Geldes dem General bei einem Kartenspiel von seinen Geiseln wieder abgenommen werden. 1794 ließ sich Conrad von der Leyen vom Baumeister Martin Leydel einen „kostbaren“ Wohnsitz am westlichen Stadtgraben bauen. Schon bald wird das Haus allgemein das Stadtschloss genannt und ist heute Rathaus der Stadt Krefeld am Von-der-Leyen-Platz. Im Oktober desselben Jahres besetzten französische Revolutionstruppen Krefeld. Damit begann für die Krefelder Wirtschaft aufgrund hoher Kriegslasten und Steuern und der Unterbrechung der Handelswege eine außerordentlich schwere Zeit. Das linksrheinische Preußen wurde 1795 französisches Interessengebiet. 1800 wurde Friedrich Heinrich von Friedrich von der Leyen Bürgermeister von Krefeld. 1801 wurde Krefeld von Frankreich erobert und zum Hauptort des gleichnamigen Arrondissements im Département de la Roer gemacht. Nach der Eroberung wurde 1802 die Gewerbefreiheit nach französischem Recht in Krefeld eingeführt. 1803 kaufte Friedrich Heinrich von Friedrich von der Leyen das kriegsgeschädigte Gut und Schloss Bloemersheim bei Neukirchen-Vluyn auf. Das Schloss ist bis heute im Besitz der Familie. Nur ein Jahr später wurde zudem das säkularisierte und zerstörte Klostergut Haus Meer in Meerbusch von Friedrich Heinrich aufgekauft. Zeitgleich besuchte Napoléon Bonaparte Krefeld und wohnt beim Seidenbaron von der Leyen. Unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Friedrich Heinrich von Friedrich von der Leyen wurde die Chambre consultative de manufactures, fabriques, arts et métiers, die heutige Industrie- und Handelskammer (IHK) in Krefeld gegründet. Die Karriere von Friedrich Heinrich war noch nicht vorbei: 1805 wurde er Deputierter der gesetzgebenden Versammlung in Paris, 1813 mit dem Titel eines Baron de l’Empire geadelt und 1816 auch in den preußischen Freiherrenstand mit dem Namen von der Leyen zu Bloemersheim erhoben.

1815 nach der Franzosenzeit und der Kontinentalsperre konnten die Firmen nun wieder unter preußischer Herrschaft nicht mehr zu ihrer alten Blüte heranwachsen. 1825 starb mit Friedrich Heinrich von Friedrich Freiherr von der Leyen der Mann, der die Firma zu höchster Blüte führte und in seinem bewegten Leben Bürgermeister von Krefeld, Deputierter in Paris, Baron de l’Empire, preußischer Freiherr und Träger hoher französischer und preußischer Auszeichnungen war. 1828 rebellierten Seidenweber des Unternehmens von der Leyen gegen Lohnkürzungen. Das 2. Westfälische Husaren-Regiment Nr. 11 schlug die Aufständischen nieder. Karl Marx bezeichnete den Krefelder Seidenweberaufstand als den „ersten Arbeiteraufstand der deutschen Geschichte“.[3] Bei der Gründung der Rheinischen Ritterschaft war die Familie von der Leyen 1837 Gründungsmitglied. 1857 starb mit Gustav Heinrich Freiherr von der Leyen der letzte Seidenproduzent und Seidenkaufmann der Familie, dem eine Wiederbelebung der Firma nicht mehr gelang. Seine Witwe Mathilde starb 1903, die sich ganz auf das Land zurückzog und das Industrievermögen veräußerte. Ihr Sohn Friedrich Ludwig von der Leyen starb 1935. Er konnte sich als außerordentlich tätiger Mann in politischen, karitativen und anderen öffentlichen Bereichen einen bleibenden Namen in der Region erwerben. Sein Sohn Joachim Freiherr von der Leyen fiel 1945 in der Endphase des Zweiten Weltkriegs. Er hatte nur sehr kurze Zeit die Geschicke der land- und forstwirtschaftlichen Verwaltung gelenkt. Seine Witwe Huberta leitete von da an mit Umsicht die Geschicke des Besitzes.

Der Sohn des Ehepaars Friedrich Heinrich Freiherr von der Leyen übernahm 1970 die Bewirtschaftung der Betriebe in Bloemersheim und Haus Meer und intensivierte den Betrieb mit den Sparten Obstbau, Landwirtschaft und Forst. 1992 wurde der Landwirtschafts- und Obstbaubetrieb Schloss Dyck/Nikolauskloster hinzugepachtet. Heute werden die Besitztümer und Ländereien von der Freiherr-von-der-Leyenschen Verwaltung durch Friedrich Freiherr von der Leyen zu Bloemersheim in Neukirchen-Vluyn verwaltet. Neben Schloss Bloemersheim gehören dazu auch die Landwirtschaft von Haus Meer und der landwirtschaftliche Pachtbetrieb von Schloss Dyck.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen der Herren von der Leyen zeigt im blau-silbern geteilten Schild oben drei goldene Sterne nebeneinander, unten einen naturfarbenen Kranich, der in der erhobenen Kralle einen Stein hält, auf grünem Rasen. Durch den Stein des wachenden Kranichs kann es als redendes Wappen gedeutet werden, da Leye unter anderem Stein bedeutet. Auf dem Helm mit blau-silbernen Decken drei (blau, silbern, blau) Straußenfedern. Schildhalter sind zwei gekrönte schwarze Adler (Reminiszenz an Preußen, als königliches Gnadenzeichen).

Das freiherrliche Wappen ist geviert mit rotem Herzschild, darin drei (2:1) schwarze Schindeln (auch Leyen genannt). Feld 1 und 4 wie das einfache adlige Wappen, Feld 2 und 3 in Gold ein schwarzer Fels (auch Leye genannt). Auf dem Schild zwei Helme; rechts wie beim adligen Wappen, der zweite mit schwarz-goldenen Decken zeigt einen schwarzen Adlerflug (ebenfalls Reminiszenz an Preußen). Schildhalter ebenfalls zwei gekrönte schwarze Adler.

Bekannte Familienmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere von der Leyens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • siehe von der Leyen (Begriffsklärung)
  • Es besteht keine Verwandtschaft zwischen der 1813 geadelten Krefelder Seidenweberfamilie (den Freiherren von der Leyen zu Bloemersheim) und dem von der Mosel stammenden Uradelsgeschlecht der Freiherren, ab 1711 Reichsgrafen und ab 1806 Fürsten von der Leyen, die von 1806 bis 1815 das souveräne Fürstentum von der Leyen regierte. In der Umgebung der Mosel traten außerdem mehrere weitere Adelsfamilien auf, die sich „von Leyen“ oder „von der Leyen“ nannten, sich jedoch alle durch ihre Wappen unterscheiden (von der Leyen aus Ürzig, von Leyen von Ockenfels, von Leyen von Burg Layen in Rümmelsheim).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Von der Leyen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 400 Jahre Mennoniten in Krefeld (pdf)
  2. Krefeld - Der König der Webstühle, rp-online.de vom 13. Mai 2011
  3. Krefeld - Der Aufstand der Seidenweber, rp-online.de vom 13. Mai 2011