Voralbbahn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Göppingen–Boll
Streckennummer: 4730
Kursbuchstrecke (DB): 902
Streckenlänge: 12,4 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Strecke – geradeaus
Filstalbahn von Stuttgart
   
Hohenstaufenbahn von Schwäbisch Gmünd
Bahnhof, Station
0,00 Göppingen
   
Filstalbahn nach Ulm
   
1,10 Anschluss Weberei Gutmann
   
1,45 Anschluss Leonhard Weiss
   
1,6   heutiges Streckenende
   
1,75 Fils
   
1,9   Ulmer Straße (L 1214, ehemalige B 10)
   
2,65 B 10 und L 1218
   
3,01 Göppingen-Holzheim
   
4,73 Göppingen-St. Gotthardt
   
5,74 Göppingen-Schlat
   
7,41 Eschenbach
   
9,06 Heiningen
   
10,92 Dürnau
   
12,19 Boll
   
12,4   Boll Güterbahnhof
Überreste in Dürnau

Als Voralbbahn oder Boller Bähnle wird die 12,4 Kilometer lange Nebenbahn von Göppingen nach Boll bezeichnet, die 1926 eröffnet und auf der 1989 der Personenverkehr eingestellt wurde. Der Höhenunterschied der Strecke von Göppingen zum Bahnhof Boll beträgt 105 Meter. Die Bahn wurde im Volksmund auch „Boller Mariele“ beziehungsweise nur „Mariele“ genannt, analog zum „Josefle“ von Göppingen nach Schwäbisch Gmünd.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinde Boll war an einem Bahnanschluss gelegen, um ihren Kurgästen eine bessere Anreisemöglichkeit bieten zu können. 1901 wurde in Boll ein sogenanntes Eisenbahnkomitee gegründet, das bis 1904 einen ersten Plan für eine Strecke von Göppingen nach Boll ausarbeitete. Der Plan wurde zunächst abgelehnt, weil die Einführung in den Göppinger Bahnhof für zu aufwändig gehalten wurde. Aber im Rahmen des Baus der 1912 eröffneten Hohenstaufenbahn von Göppingen nach Schwäbisch Gmünd wurde der Bahnhof ohnehin umgebaut und dabei die Strecke nach Boll bedacht. 1913 wurde der Bau einer Normalspurbahn nach Boll bewilligt. Der Erste Weltkrieg verzögerte den Bau, erst nach seinem Ende konnte damit begonnen werden.

Am 13. Mai 1926 fand die Eröffnung statt. Zunächst übernahmen Güterzüge mit Personenbeförderung die Bedienung der Strecke, dadurch betrug die Fahrtzeit 87 Minuten. Erst durch die Einführung reiner Personenzüge konnte sie in der Folgezeit auf 50 Minuten verkürzt werden. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Strecke ohne Schäden.

Ab 1952 wurden Uerdinger Schienenbusse eingesetzt, die letzte planmäßige Dampflokomotive fuhr 1965. Die Schienenbusse waren in der Regel in Dreifachtraktion unterwegs. Vor allem im Schüler- und Berufsverkehr kamen neben den Schienenbussen auch lokbespannte Züge mit Silberlingen zum Einsatz. Während die Schienenbusse in Göppingen am nicht durchgängigen Gleis 13 fuhren, hielten die lokbespannten Züge am Gleis 7, da sie auch auf anderen Strecken eingesetzt wurden. 1972 konnte eine Fahrtzeit von 25 Minuten erreicht werden.

Doch auch die Reisezeitverkürzung konnte den Fahrgastrückgang nicht aufhalten. Benutzten Mitte der 1960er-Jahre noch täglich über 2500 Personen die Bahn, so waren es 1985 nur noch etwas über 1000. 1975 wurde der Bahnbetrieb am Samstagnachmittag sowie an Sonn- und Feiertagen eingestellt, stattdessen wurden Bahnbusse eingesetzt. Eine Einstellung des Personenverkehrs wurde absehbar. Der Landkreis Göppingen und die Anliegergemeinden gaben Studien zur Erhöhung der Attraktivität in Auftrag. Maßnahmen wie ein Taktverkehr, Optimierung der Umsteigemöglichkeiten von Anschlussbussen und zu anderen Zügen in Göppingen, zusätzliche Haltepunkte und günstigere Platzierung einzelner Stationen sollten helfen, ein größeres Fahrgastpotenzial zu erschließen. Es gelang jedoch nicht, für eine ausreichende Finanzierung zu sorgen.

Stilllegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. Mai 1989 fuhr der letzte fahrplanmäßige Personenzug. Güterverkehr war bis zum 25. September 1994 möglich. Mit Wirkung zum 15. Dezember 1997 wurde die Streckeninfrastruktur formell stillgelegt, nachdem ein Verkauf per Ausschreibung fehlgeschlagen war. Die Streckengleise wurden aber nicht abgebaut. Der Verein Ein neuer Zug im Kreis bemüht sich um eine Wiederaufnahme des Verkehrs. Die ersten 1,6 Streckenkilometer wurden als Anschlussgleis an die Gleisbaufirma Leonhard Weiss verkauft. Außerdem wurde in Bad Boll der Güterbahnhofbereich überbaut (ca. 150 m), der sich westlich dem heute noch existierenden Bahnhofsgebäude an der Ecke Bahnhofallee/Bühlstraße anschloss.

Überlegungen zur Reaktivierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Regionalverkehrsplan der Region Stuttgart von 2001 hat den Aufbau einer Schienenverbindung zwischen Göppingen und Kirchheim unter Teck mit Verbindung der Trassen der Boller Bahn und der zu reaktivierenden Bahnstrecke Kirchheim (Teck) Süd–Weilheim (Teck) unter hohe Dringlichkeit eingestuft.[1] Die Gemeinde Bad Boll hat inzwischen im Zuge der Bebauung des Güterbahnhofs verschiedene Trassenführungen für die Weiterführung nach Kirchheim geprüft.

2011 wurde die Bahnstrecke in Heiningen im Rahmen einer Kanalsanierung an einem Bahnübergang unterbrochen.[2] Die restlichen Gleisanlagen sind noch vollständig vorhanden. In Heiningen sind diese jedoch teilweise für die Schaffung von Parkplätzen mit Betonplatten überdeckt worden.

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Schlat befand sich 2 Kilometer vom Ortsrand der namensgebenden Gemeinde entfernt auf der Gemarkung der Stadt Göppingen. Ab 1962 entstand im Umfeld des Bahnhofs die Siedlung Ursenwang, deren Bewohner den Bahnhof überwiegend nutzten. Dennoch behielt der Bahnhof bis zur Einstellung des Personenverkehrs den Namen Schlat.

Simulation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Voralbbahn wurde für den Rail Simulator von einem Benutzer detailgetreu nachgebaut.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Regionalverkehrsplan der Region Stuttgart von 2001. Anhang 3, Abbildung 2.1.
  2. Heiningen - Boller Bahnlinie wird erstmals unterbrochen (Memento vom 1. April 2013 im Internet Archive), Göppinger Kreisnachrichten vom 29.September 2011