Vorarlberger Kinderdorf

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Vorarlberger Kinderdorf
Logo des Vorarlberger Kinderdorfs
Gründer Kaplan Hugo Kleinbrod
Gründung 13. Januar 1951
Sitz Bregenz
Aktionsraum Vorarlberg
Schwerpunkt Kinder- und Jugendwohlfahrt
Angestellte 164
Website www.kinderdorf.cc

Das Vorarlberger Kinderdorf ist die größte Kinder- und Jugendwohlfahrtseinrichtung im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Die Organisation unterhält ambulante, teilstationäre und stationäre Angebote für Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern.

Betrieben werden die Einrichtungen des Vorarlberger Kinderdorfs von der Vorarlberger Kinderdorf gemeinnützige GmbH, welche sich wiederum im Eigentum des Vereins Vorarlberger Kinderdorf befindet. Hauptsitz und Verwaltungszentrum des Vorarlberger Kinderdorfs befinden sich auf dem Gelände des Kinderdorfs Kronhalde in Bregenz.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung als Ferienaktion[Bearbeiten]

Die Geschichte des heutigen Vorarlberger Kinderdorfs beginnt im Jahr 1946, als Kaplan Hugo Kleinbrod, der als Gründungsvater der Institution angesehen wird, erstmals eine Ferienaktion in Schönenbach bei Bizau initiierte. Ziel dieser Ferienaktion war es, hungernde und benachteiligte Kindern einige schöne Sommerwochen in der Natur erleben zu lassen. Die dafür zur Verfügung stehenden Mittel waren anfangs noch äußerst bescheiden. So gab es offene überdachte Feuerstellen, das Essen wurde im Freien konsumiert und geschlafen wurde auf Strohsäcken oder in Heustadeln der umliegenden Hütten und Alpen. Erst im Jahr 1950 konnte um etwa 78.000 Schilling eine erste Baracke errichtet werden, das so genannte „Schlafhaus“. Die finanziellen Mittel für dieses Bauvorhaben entstammten einer Karten- und Bausteinaktion. Die zu dieser Zeit noch ausschließlich Knaben vorbehaltene Ferienaktion versorgte allein im Sommer 1950 etwa 1200 Kinder und Jugendliche.

Von der Ferienaktion zum Kinderdorf[Bearbeiten]

Ferienheim Alte Mühle in Au-Rehmen
Ganzjahresheim Don Bosco

Am 13. Jänner 1951 fand im Vereinshaus in Dornbirn die Gründungsversammlung des Vereins „Kinderdorf Vorarlberg“ statt. Diese Versammlung wird heute als Grundsteinlegung für das moderne Vorarlberger Kinderdorf angesehen. Erster Präsident des Vereins wurde LSI Hofrat Wilhelm Thurnher. Bereits im Dezember desselben Jahres wurde der Kaufvertrag zum Kauf der „Alten Mühle“ in Au-Rehmen unterschrieben und mit der Betreuung von Kindern und Jugendlichen durch Kinderdorfmütter begonnen. Ab dem Jahr 1952 fand auch für Mädchen eine Ferienaktion im Ferienheim Dafins statt. Zeitgleich wurde auch die „Alte Mühle“ umgebaut und als Ferienheim verwendet. Zwei Jahre später, 1954, wurde das Ganzjahresheim Don Bosco in Au-Rehmen eingeweiht. Bis zu diesem Zeitpunkt waren 240 Kinder von Kinderdorfmüttern betreut worden. Die „Alte Mühle“ stand für eine provisorische Schulklasse und mehrere Familien zur Verfügung. Gleichzeitig wurden noch weitere Gebäude in Au-Rehmen gebaut und auf einem geschenkten Grundstück in Lustenau 2 Familienhäuser errichtet und bezogen. In den Jahren 1965 und 1967 wurden zunächst ein Schulhaus und anschließend ein Kindergarten am ursprünglichen Standort in Au errichtet, bevor am 30. Juni 1968 das Kinderdorf Au-Rehmen offiziell eröffnet werden konnte. In diesem fanden 10 Familien mit 85 Kindern Platz.

Umzug von Au nach Bregenz[Bearbeiten]

Im Jahr 1972 wurde ein Grundstück in Bregenz-Kronhalde angekauft, um darauf ein geplantes zweites Kinderdorf zu initiieren. Erste Pläne sahen die Errichtung von 16 Häusern für jeweils 6 Kinder vor. Der Bau des neuen Kinderdorfs wurde im Jahr 1975 begonnen und 1977 fertiggestellt. Schon im Jahr 1976 hatten 7 Kinderdorffamilien in die bereits errichteten Gebäude einziehen können. Endgültig eröffnet wurde das Kinderdorf Kronhalde schließlich im August des Jahres 1977. Im Herbst desselben Jahres konnte auch die erste Wohngemeinschaft des Kinderdorfs für Mädchen in Lustenau eröffnet werden. Im Mai 1984 wurde die „Auffanggruppe“ als Sofortmaßnahme zur Aufnahme von Kindern und im Bedarfsfall auch deren Müttern bei Krisensituationen in Familien geschaffen. Die Ende der 70er Jahre aufgekommene Überlegung der vollständigen Übersiedlung nach Bregenz wurde im Jahr 1985 mit dem Beginn der zweiten Bauetappe in Bregenz-Kronhalde und der Veräußerung der Liegenschaften und Gebäude in Lustenau und Au in die Tat umgesetzt. Dabei wurden in Bregenz in den Jahren 1985 und 1986 ein Gemeinschaftshaus, einen Mehrzwecksaal, ein Wohnhaus und ein neues Doppelhaus errichtet und bezogen. Die letzte Familie übersiedelte daraufhin im Jahr 1987 von Au nach Bregenz.

Namensänderung und Modernisierung[Bearbeiten]

Sozialpädagogische Schule am Jagdberg

Der Umzug des Kinderdorfs nach Bregenz und die Schaffung weiterer Räumlichkeiten am neuen Standort begünstigten Ende der 80er-Jahre die Etablierung weiterer Fachbereiche. So wurde noch im Jahr 1987 die „Ambulante Familienbetreuung“ gegründet. Im Jahr 1990 folgte die Gründung des „Familiendiensts“. Diese beiden Einrichtungen wurden später miteinander zum Ambulanten Familiendienst fusioniert. 1991 wurde anlässlich des 40-jährigen Jubiläums die Institution, die bisher „Kinderdorf Vorarlberg“ geheißen hatte, in Vorarlberger Kinderdorf umbenannt. Im Jahr 1995 lebten bereits 53 Kinder in 9 Familien im Kinderdorf in Bregenz, weitere 16 Jugendliche wurden in betreuten Wohneinrichtungen untergebracht. Etwa 150 Familien mit 300 Kindern wurden ambulant betreut. Der Mitarbeiterstand des Vorarlberger Kinderdorfs betrug zu dieser Zeit 81 Personen. 1996 wurde mit dem „Pflegekinderdienst“ eine weitere Einrichtung im Umfeld des Kinderdorfs etabliert. Ein weiterer wichtiger Schritt wurde 1999 mit der Übernahme des ehemaligen Landesjugendheims Jagdberg in Schlins als „Sozialpädagogisches Internat des Vorarlberger Kinderdorfs“ gesetzt. Die Landessondererziehungsschule Jagdberg wurde vom Kinderdorf 2003 als „Sozialpädagogische Schule“ neu gegründet.

Seit dem 1. Jänner 2000 wird das Vorarlberger Kinderdorf in der Form mit überstehendem Verein und als gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung geführt. Im Jahr 2005 wurde erstmals das FAMILIENemPOWERment in Bregenz installiert, 2006 folgte eine Außenstelle in Dornbirn und seit 2007 sind auch die Bezirke Bludenz und Feldkirch durch eigene Außenstellen erschlossen. Im Jahr 2008 gewann das Vorarlberger Kinderdorf gemeinsam mit dem Arbeitskreis Gesundheitsvorsorge und den Vorarlberger Kinder- und Jugendärzten einen von der Vorarlberger Landesregierung ausgeschriebenen Wettbewerb zur Schaffung einer Einrichtung zur Prävention frühkindlicher Entwicklungsstörungen. Daraus wurde das Projekt und der spätere Fachbereich „Netzwerk Familie“ geschaffen.

Organisation und Konzeption[Bearbeiten]

Als Dachorganisation für das Vorarlberger Kinderdorf agiert der Verein Vorarlberger Kinderdorf. Dieser Verein ist Eigentümer der Vorarlberger Kinderdorf gemeinnützigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Spenden gehen damit direkt an den Verein, welcher diese widmungsgemäß verwendet und auch an die GmbH zum Zweck der Erhaltung der in deren Einflussbereich liegenden Organisationsteile weitergeben kann. Seit dem 12. Mai 2005 ist das Vorarlberger Kinderdorf mit dem Österreichischen Spendengütesiegel ausgezeichnet.[1]

Der Verein selbst betreibt das Kinderdorf Kronhalde in Bregenz, alle anderen Einrichtungen des Vorarlberger Kinderdorfs werden von der GmbH betrieben und verwaltet. Die Dienstleistungen der GmbH werden zu marktüblichen Preisen angeboten. Der wichtigste Kunde des Vorarlberger Kinderdorfs ist das Land Vorarlberg bzw. die Vorarlberger Landesregierung sowie konkret die damit betrauten Jugendwohlfahrtsabteilungen der Vorarlberger Bezirkshauptmannschaften.

Vereinsvorstand[Bearbeiten]

Die derzeit 6 Mitglieder des Vereinsvorstandes üben diese Funktion ehrenamtlich aus. Sie bilden gleichzeitig auch die Gesellschafterversammlung der gemeinnützigen GmbH. Vorstandsvorsitzender des Vereins Vorarlberger Kinderdorf ist derzeit der Unternehmer DI Mag. Hugo Mathis.

Geschäftsführung[Bearbeiten]

Die Geschäftsführung der Vorarlberger Kinderdorf gemeinnützigen GmbH obliegt in der Regel einem Geschäftsführer, welcher von der Gesellschafterversammlung beziehungsweise dem Vereinsvorstand für diese Aufgabe bestellt wurde. Seit mehr als 20 Jahren ist der Psychologe und Psychotherapeut Dr. Christoph Hackspiel mit den Aufgaben der Geschäftsführung betraut.

Konzept und Leitbild[Bearbeiten]

Das im Jahr 1998 erstellte und 2004 überarbeitete Leitbild des Vorarlberger Kinderdorfs beschreibt die Zielsetzung und den Aufbau der Tätigkeiten der Organisation.

„Das Vorarlberger Kinderdorf unterstützt Familien, in denen das Kindeswohl in besonderem Maß gefährdet oder beeinträchtigt ist. Wir tragen Sorge, dass in erster Linie Hilfe zur Selbsthilfe geleistet wird. Die Fähigkeiten und Potenziale der Familie werden nach Möglichkeit gefördert, um deren Eigenständigkeit wieder herzustellen.
Wir tragen aber auch die Erziehungsverantwortung ergänzend und anstelle der Eltern, wenn dies – vorübergehend oder dauernd – notwendig erscheint. Darüber hinaus engagieren wir uns für ein kinderfreundliches Klima in der Gesellschaft. Der Schutz, das Wohl und die Rechte der Kinder sollen dabei besondere Berücksichtigung finden.“

Leitidee aus dem Leitbild des Vorarlberger Kinderdorfs[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Wegen seiner familienfreundlichen Konzeption und Ausrichtung sowie seinem Engagement im sozialen Bereich wurde das Vorarlberger Kinderdorf bereits zahlreich ausgezeichnet. Unter anderem erreichte die Organisation im Jahr 2008 ex aequo mit dem Verein GAUKI den ersten Platz beim Vorarlberger Kinderrechtepreis in der Kategorie Verein/Institution.[3] Außerdem wurde das Vorarlberger Kinderdorf im Jahr 2001 von der Familienabteilung der Vorarlberger Landesregierung zum familienfreundlichsten Unternehmen Vorarlbergs im Bereich der Non-Profit-Unternehmen gekürt. Im Jahr 2012 konnte im Bundeswettbewerb in dieser Kategorie der erste Platz erreicht werden.[4] Eine weitere Auszeichnung der Vorarlberger Landesregierung erhielt das Projekt „FAMILIENemPOWERment“ aus dem Geschäftsbereich FamilienImpulse. Im Jahr 2009 wurde dieses Projekt mit dem Ehrenamtspreis in der Kategorie Betriebe, Einrichtungen und Institutionen ausgezeichnet.[5] 2004 wurde das Vorarlberger Kinderdorf des Weiteren vom nationalen Great Place to Work Institut zum besten Arbeitgeber im Non-Profit-Bereich ernannt und schien gleichzeitig in den Top 10 der besten Arbeitgeber Europas auf.[6]

Einrichtungen[Bearbeiten]

Das Vorarlberger Kinderdorf untergliedert seine Geschäftsbereiche in 9 verschiedene Einrichtungen, die teilweise weitestgehend autonom, aber größtenteils ineinander verzahnt operieren.

Kinderdorf Kronhalde[Bearbeiten]

Im Kinderdorf Kronhalde in Bregenz ist das ursprüngliche Kernelement der Organisation. In diesem Dorf werden Minderjährige, deren Eltern mittel- bis langfristig nicht in der Lage sind, ausreichende Pflege und Erziehung ihrer Kinder zu gewährleisten im Auftrag der Jugendwohlfahrt des Landes Vorarlberg betreut. Durch intensive Elternarbeit gelingt es häufig, die Kinder in ihre ursprünglichen Familien zurückzuführen. Am Standort Kronhalde in Bregenz sind zudem der Haupt- und Verwaltungssitz des Vorarlberger Kinderdorfs sowie die Auffanggruppe situiert.

Jeweils 5 – 6 Kinder werden zu einer Kleinfamilie zusammengefasst, die von einer Kinderdorfmutter oder einem Kinderdorfvater, einer Müttervertreterin und einem Erzieher betreut wird. Am 31. Dezember 20089 lebten 54 Kinder und Jugendliche im Kinderdorf Kronhalde. Zusätzlich zu den 9 Kinderdorffamilien existierten noch drei Außenfamilien.[7] Durchschnittlich bleiben die betreuten Kinder und Jugendlichen 5,95 Jahre im Kinderdorf, ehe sie in ihre ursprünglichen Familien zurückgeführt oder in die Selbstständigkeit entlassen werden können.[8]

Ein weiterer Aspekt, der im Vorarlberger Kinderdorf gepflegt wird, ist die so genannte Ehemaligenbetreuung. Diese fungiert als Ansprechpartner für ehemalige Bewohner des Kinderdorfs, die in die Selbständigkeit entlassen wurden. Die Mitarbeiter der Ehemaligenbetreuung helfen besonders Jugendlichen, ihr Leben außerhalb des geschützten Umfelds des Kinderdorfs zu meistern und halten häufig den Kontakt mit den ehemals Betreuten bis ins Erwachsenenalter aufrecht. Im Jahr 2009 waren 141 Personen in Kontakt mit der Ehemaligenbetreuung, 100 Personen wurden von den Betreuern begleitet.[7]

Auffanggruppe[Bearbeiten]

Die Auffanggruppe ist eine Sofortmaßnahme für Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahren beziehungsweise deren Mütter. Sie bietet den Kindern die Chance auf eine zeitlich begrenzte „Auszeit“ und die Möglichkeit, gemeinsam mit Betreuern einen Ausweg aus Krisensituationen zu finden. Generell werden nach Abklärung mit den zuständigen Behörden alle vorarlberger Kinder aus Krisenfamilien in der Auffanggruppe aufgenommen. Es besteht in diesem Rahmen eine enge Zusammenarbeit mit ambulanten Einrichtungen.

Kleinkinder und Säuglinge können zudem für eine beschränkte Zeit in die Obhut von so genannten „privaten Krisenpflegefamilien“ gegeben werden, um Familien mit akuten Problemen temporär zu entlasten. Im Jahr 2009 wurden 57 Personen, darunter zwei Mütter, in der Auffanggruppe betreut. 23 Säuglinge und Kleinkinder wurden während desselben Zeitraums in „privaten Krisenpflegefamilien“ untergebracht. Durchschnittlich verbleiben die Kinder und Jugendlichen 1,6 Monate in der Auffanggruppe.[7]

Ambulanter Familiendienst[Bearbeiten]

Der ambulante Familiendienst greift mit seinen fünf Regionalteams in den Bezirken Bregenz und Dornbirn benachteiligten Familien bei Problem- und Krisensituationen unter die Arme. In Aktion tritt der ambulante Familiendienst etwa bei Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen und dadurch bedingter Überlastung der Elternteile, bei Erziehungsproblemen, Armut, Trennung, Krankheit und Suchterkrankungen im Familienkreis. Zentral gefördert wird das Wohl der Kinder und Jugendlichen, wobei die Familien als Ganzes betreut und unterstützt werden. Wenn möglich sollen die Kinder während der Betreuung durch den Ambulanten Familiendienst in ihrem familiären Umfeld bleiben.

Psychologen, Sozialarbeiter, Psychotherapeuten und speziell geschulte Pädagogen betreuten im Jahr 2009 353 Familien im ambulanten Familiendienst. Von den davon betroffenen 690 Kindern hatten über 56 % zwei oder mehr Geschwister. Fast ein Drittel der betreuten Familien wiesen gravierende Erziehungsprobleme als Grund für die Inanspruchnahme der Betreuung durch den ambulanten Familiendienst auf.[7]

Pflegekinderdienst[Bearbeiten]

Im Auftrag der Jugendwohlfahrt des Landes Vorarlberg sucht der Pflegekinderdienst laufend Pflegeeltern, die bereit sind, Kindern ein neues Zuhause und eine familiäre Umgebung zu geben. Zudem sucht und betreut der Pflegekinderdienst auch so genannte „Ankerfamilien“, die sozial benachteiligten Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren mit erhöhtem Förder- und Betreuungsbedarf bei sich aufnehmen.

Allein im Jahr 2009 konnten die Mitarbeiter des Pflegekinderdienstes 13 Kinder in Pflegefamilien, fünf Kinder in Ankerfamilien und zehn Kindern auf Krisenpflegeplätzen neu unterbringen. Die Meisten dieser Kinder waren zum Zeitpunkt ihrer Vermittlung im Vorschulalter, wobei besonders die Nachfrage nach Säuglingen und Kleinkindern bei Pflegefamilien sehr groß ist.[7]

Sozialpädagogisches Internat[Bearbeiten]

Ein Teil des Internatsgeländes am Jagdberg

Das Sozialpädagogische Internat des Vorarlberger Kinderdorfs wird in der derzeitigen Form seit dem Jahr 1999 am Standort Schlins im Walgau geführt. Das ehemalige „Landesjugendheim Jagdberg“ ist heute eine Einrichtung zur Aufnahme und Betreuung von Kindern und Jugendlichen, die schwerwiegende Probleme im schulischen, familiären und sozialen Umfeld haben. In enger Zusammenarbeit mit der sozialpädagogischen Schule wird den Betreuten in kurz- bis mittelfristiger Internatsunterbringung eine Schulbildung sowie Hilfe bei der Aufarbeitung ihrer Lebenssituation geboten. Insgesamt bestehen drei sozialpädagogische Wohngruppen, in denen jeweils acht Kinder und Jugendliche zusammen betreut werden.

Seit dem Jahr 2008 besteht zudem die Möglichkeit einer externen ambulanten Begleitung von Kindern und Jugendlichen in ihrem Ursprungsmillieu. Dies beinhaltet eine sozialpädagogische Betreuung in Familie und Schule. In diesem neuen Programm wurden im Startjahr 2008 16 Kinder und Jugendliche aufgenommen.

Im September 2011 wurde mit der Wohngruppe Feldkirch-Altenstadt des Sozialpädagogischen Internats eine flexiblere Möglichkeit der Betreuung für bis zu zehn Kinder geschaffen. Bis zu vier Kinder können in der Außenwohngruppe auch teilstationär betreut werden

Insgesamt betreute das Sozialpädagogische Internat im Jahr 2012 89 Kinder und Jugendliche. Von diesen wurden 36 im Internat in Schlins betreut, 15 in der Wohngemeinschaft Feldkirch-Altenstadt und 38 Kinder und Jugendliche wurden im Rahmen der „Lebensweltorientierten Betreuung“ (LOB) begleitet. Häufigster Grund für den Aufenthalt am Jagdberg waren neben familiären Konfliktsituationen Probleme in der Schule beziehungsweise in der Ausbildung.[9]

Sozialpädagogische Schule[Bearbeiten]

In der am Jagdberg in Schlins situierten Sozialpädagogischen Schule wird insbesondere emotional und sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen eine Schulbildung geboten, die ihren besonderen Anforderungen und Bedürfnissen gerecht wird. Die Schülerinnen und Schüler der sozialpädagogischen Schule sind in der Regel gleichzeitig Bewohner des benachbarten sozialpädagogischen Internats. Träger der Sozialpädagogischen Schule ist das Werk der Frohbotschaft Batschuns.

Während des Schuljahrs 2011/12 wurden in der Sozialpädagogischen Schule in Schlins und deren Exposituren in Feldkirch und Wolfurt insgesamt 89 Schüler und Schülerinnen in ihrer Schullaufbahn begleitet. Von diesen 89 Kindern und Jugendlichen wurde der Großteil nach dem Lehrplan der österreichischen Hauptschule bzw. der Vorarlberger Mittelschule, sowie einige nach dem Lehrplan der Allgemeinen Sonderschule, und nach dem Volksschullehrplan unterrichtet.[9]

FamilienImpulse[Bearbeiten]

Aufgabe der FamilienImpulse ist es, präventiv in einzelnen Familien zu wirken, um Spannungen und Konflikten bereits im Vorfeld vorzubeugen. Dies wird insbesondere durch Hilfestellungen bei Alltagsaufgaben, Behördengängen, Spracherlernung und vielen weiteren Themengebieten erreicht. Eine Besonderheit der Familienimpulse ist das so genannte „FAMILIENemPOWERment“, das – finanziert durch das Familienreferat der Vorarlberger Landesregierung – hilfsbedürftige Familien mit ehrenamtlichen Helfern zusammenführt. Hierzu wurden in jedem Bezirk Vorarlbergs Außenstellen des FAMILIENemPOWERments eingerichtet, welche freiwillige Helferinnen und Helfer mit den entsprechenden Familien zusammenbringen.

Im Jahr 2009 erhielten von 347 anfragenden Familien 294 eine längerfristige ehrenamtliche Hilfe oder Familienfreundschaft durch das FAMILIENemPOWERment vermittelt. In diesen Fällen waren insgesamt 593 Kinder involviert.[7]

Netzwerk Familie[Bearbeiten]

Im Jahr 2008 schrieb die Vorarlberger Landesregierung einen Wettbewerb aus, der zur Schaffung von Projekten zur Prävention frühkindlicher Entwicklungsstörungen aufrufen sollte. Das Vorarlberger Kinderdorf konnte sich in diesem Wettbewerb gemeinsam mit dem Arbeitskreis Gesundheitsvorsorge und den Vorarlberger Kinder- und Jugendärzten durchsetzen und wurde mit der Initiierung des gemeinsam erarbeiteten Projekts „Netzwerk Familie“ betraut.

Zielsetzung dieser neu geschaffenen Einrichtung ist es, werdenden Eltern und Familien mit kleinen Kindern, die sich in besonderen Krisensituationen befinden, Zugangsmöglichkeiten zu Sozialeinrichtungen zu schaffen außerhalb des bürokratischen Umfelds. Diese Maßnahmen werden präventiv in jenen Familien gesetzt, welche im Rahmen des um die Geburt normalen medizinischen Kontakts über Krisensituationen klagen oder wo solche auffällig werden. Ärzte, Hebammen und Krankenhäuser stellen den Kontakt zwischen den Eltern und dem Netzwerk Familie her, sodass Mitarbeiter der Einrichtung den Familien unterstützend helfen können.[10]

Der offizielle Start des Netzwerks Familie fand im Jänner 2009 statt. Im ersten Jahr des Bestehens der Einrichtung wurden 71 Familien zugewiesen. Von diesen Zuweisungen entfallen 12 auf das Landeskrankenhaus Feldkirch, 18 auf das Krankenhaus Dornbirn, 21 auf niedergelassene Kinder- und Jugendärzte in den Bezirken Dornbirn und Feldkirch sowie 20 auf andere Zuweiser aus dem medizinischen und sozialen Bereich.[7]

Schönenbacher Kindersommer[Bearbeiten]

Heutiger Gebäudebestand des Vorarlberger Kinderdorfs in Schönenbach

Seit dem Sommer 2008 heißt jener Organisationsteil, aus dem das Vorarlberger Kinderdorf ursprünglich entstand, Schönenbacher Kindersommer. Die Zielsetzung des Kindersommers ist auch nach über 60 Jahren kaum verändert: Den Kindern soll in ein- bis zweiwöchigen Ferienaufenthalten auf der Alpe Schönenbach (im Gemeindegebiet der Bregenzerwäldergemeinde Bezau, erreichbar über Bizau) ein Gegenstück zum Alltagsstress vermittelt werden. Dazu werden zahlreiche Aktionen in und mit der Natur durchgeführt. Seit 2008 gibt es hierzu drei Turnusse, wobei jeweils einer ausschließlich für Mädchen und die anderen beiden ausschließlich für Jungen angeboten werden.

In den drei Turnussen des Jahres 2009 nahmen am Schönenbacher Kindersommer insgesamt 150 Kinder (50 Mädchen und 100 Jungen) teil.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Spendengütesiegel registriert unter der Registrierungsnummer 05313.
  2. Leitbild des Vorarlberger Kinderdorfs (PDF-Datei; 70 kB)
  3. Vorarlberger Kinderrechtepreis 2008 (PDF-Datei; 1,84 MB)
  4. Vorarlberg ist das familienfreundlichste Bundesland Staatspreis geht in drei von fünf Kategorien an Vorarlberger Betriebe auf der Wettbewerbsseite Vorarlbergs familienfreundlichste Betriebe.
  5. Prämierte Projekte des Ehrenamt-Wettbewerbs 2009, ausgeschrieben vom Zukunftsbüro der Vorarlberger Landesregierung. (PDF-Datei; 5,68 MB)
  6. Die Bestenliste (Europa) des Great Place to Work Instituts aus dem Jahr 2004.
  7. a b c d e f g h Statistische Angaben laut Jahresbericht 2009 des Vorarlberger Kinderdorfs. (PDF-Datei; 873 kB)
  8. Statistische Angaben laut Jahresbericht 2007 des Vorarlberger Kinderdorfs. (PDF-Datei; 557 kB)
  9. a b Statistische Angaben laut Jahresbericht 2012 des Vorarlberger Kinderdorfs. (PDF-Datei; 2,8 MB)
  10. Vorstellung des Netzwerks Familie im Internetauftritt des Vorarlberger Kinderdorfs.

Weblinks[Bearbeiten]