Vorauswahl

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Dieser Artikel behandelt das Wahlverfahren der Vorauswahl; zu der Bedeutung als „Vor-Auswahl“ siehe die Auswahl.
Irakische Sicherheitskräfte bei einer Vorauswahl, welche beim eigentlichen Wahltag nicht wählen können weil sie die öffentliche Sicherheit an dem Tag aufrechterhalten sollen.

Die Vorauswahl bei Wahlen beziehungsweise die vorzeitige Stimmabgabe bei Abstimmungen bezeichnet die Möglichkeit für Wahl- und Stimmberechtigte, bereits vor dem eigentlichen Stimm- und/oder Wahltag ihre Stimme brieflich oder im Wahllokal abgeben zu können.

Deutschland[Bearbeiten]

Zur Sicherstellung des Wahlgeheimnisses und der persönlichen Wahl betrachtete man eine persönliche Wahl im Wahllokal als unverzichtbar. Allerdings ist es nicht jedermann möglich, am Wahltag persönlich vor Ort im Wahllokal zu sein. Mit der zunehmenden Mobilität der Bürger, stand die Beschränkung auf die Stimmabgabe am Wahltag im Wahllokal zunehmend im Konflikt mit dem Prinzip des Allgemeinen Wahlrechtes. Daher wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die Einführung der Briefwahl intensiv diskutiert und für Bundestagswahl 1957 eingeführt.

Hessen[Bearbeiten]

Dieses Wahlverfahren, als Vorauswahl, war bei den Landtagswahlen in Hessen 1962 und 1966 im Einsatz. In Hessen lehnte die regierende SPD die Briefwahl ab. Mit dem Wahlgesetz vom 12. Juli 1962 wurde jedoch eine „Vorauswahl“ eingeführt. 7 Tage vor der Wahl konnten die Wahlberechtigten in einem eigenen Wahlbezirk „Vorauswahlbezirk“ mit Wahlschein wählen

Vor der nächsten Wahl 1966 gab es ein Volksbegehren zur Einführung der Briefwahl, welches jedoch scheiterte. Als Reaktion auf dieses Volksbegehren wurde das Landeswahlgesetz geändert und nun eine 21 Tage dauernde Vorauswahl ermöglicht. Durch Volksabstimmung vom 8. März 1970 wurde das Wahlalter bei der Landtagswahl in Hessen 1970 auf 18 Jahre reduziert. Mit dieser Volksabstimmung erfolgte auch in Hessen die Einführung der Briefwahl. Die Möglichkeit der Vorauswahl entfiel damit.

Berlin[Bearbeiten]

In Berlin ist es seit der Einführung der Volksgesetzgebung im Jahre 2006 möglich, sein Votum in den Wochen vor dem eigentlichen Volksentscheid per vorzeitiger Stimmabgabe auf den Bürgerämtern abzugeben.

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz ist eine vorzeitige Stimmabgabe die Regel – siehe auch:

Commons[Bearbeiten]

 Commons: Early voting – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  • Jakob Schissler: Grundzüge der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung in Hessen nach 1945, Kapitel: Die wahlgesetzlichen Regelungen; in: Dirk Berg-Schlosse und Thomas Noetzel: Parteien und Wahlen in Hessen 1946–1994, Seite 57-60