Vorderasiatisches Museum Berlin

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Blick auf das Ischtar-Tor
Teile eines Stiftmosaiks des Eanna-Heiligtums
Teil der Fassade des Inanna-Tempels des Kara-Indasch aus Uruk

Das Vorderasiatische Museum ist ein Teil der Staatlichen Museen zu Berlin. Es ist im Haupt- und im Untergeschoss des Südflügels des Pergamonmuseums untergebracht und umfasst eine der größten Sammlungen Vorderasiatischer Kunst der Welt.

Auf 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche, verteilt auf 14 Säle, werden Exponate aus sechs Jahrtausenden vorderasiatischer Kultur ausgestellt. Die Ausstellungsstücke können auf eine Zeit vom 6. Jahrtausend v. Chr. bis in die Zeit der islamischen Expansion datiert werden. Sie stammen vor allem aus den heutigen Staaten Irak, Syrien und Türkei, Einzelfunde auch aus anderen Gebieten. Angefangen bei neolithischen Funden liegt der Schwerpunkt der Sammlung auf Funden aus Sumer, Babylonien, Assyrien sowie dem nordsyrisch-ostanatolischen Raum. Bei Ausgrabungen in historisch bedeutenden Städten wie Uruk, Schuruppak, Assur, Hattuscha, Amarna, Tell Halaf (Guzana), Sam'al, Toprakkale oder Babylon wurde der Grundstock der Museumssammlung gelegt, weitere Erwerbungen stammen aus Nimrud, Ninive, Susa oder Persepolis. Die Funde dokumentieren unter anderem die Hochkulturen der Sumerer, Akkader, Babylonier, Assyrer, Hethiter und Aramäer.

Prunkstücke der Sammlung sind das Ischtar-Tor und die Prozessionsstraße von Babylon, Teile des Eanna-Tempels und des Inanna-Tempels des Kara-indaš aus Uruk. Daneben beherbergt das Museum eine bedeutende Anzahl von vorderasiatischen Stempel- und Rollsiegeln sowie Keilschrifttexten.

Geschichte des Museums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Funde kamen bereits Mitte des 19. Jahrhunderts nach Berlin, als Preußen in London Reliefs aus den Grabungen in Ninive erwarb. Später war vor allem die enge Verbindung des Museums zur Deutschen Orientgesellschaft sowie zu dem Mäzen James Simon fruchtbar. 1899 wurde eine eigenständige Vorderasiatische Abteilung an den Königlichen Museen gegründet. Zunächst wurden die Funde im Neuen Museum, dann provisorisch im Sockelgeschoss des Kaiser-Friedrich-Museum untergebracht. Seit 1907 entstand nach Plänen von Alfred Messel und Ludwig Hoffmann das heutige Pergamonmuseum, dessen Südflügel von vornherein für die Vorderasiatische Abteilung gedacht war. Ins Obergeschoss zog seit 1929 die Islamische Kunst-Abteilung, das heutige Museum für Islamische Kunst ein, mit dem zusammen die Vorderasiatische Abteilung das Vorderasiatische Museum bildete.

1927 begann die Einrichtungsplanung der Räume im Hauptgeschoss durch den damaligen Direktor Walter Andrae, 1929 der Einzug in die neuen Räume. 1930 wurden zunächst der Saal mit dem Ischtar-Tor und die Prozessionsstraße aus Babylon für die Allgemeinheit eröffnet, bis 1937 kamen nach und nach die anderen Ausstellungsräume hinzu. Zuletzt wurde der Yazılıkaya-Saal mit Wandbildern der Ausgrabungsstätte in Boğazkale (früher Boğazköy), dem antiken Hattuscha, von Elisabeth Andrae, sowie mit Gipsabgüssen von Reliefs aus dem Felsenheiligtum von Yazılıkaya in der Nähe der Hauptstadt der Hethiter eingerichtet.

Die Inszenierung Andraes mit ihren monumentalen Rekonstruktionen von Toranlagen aus Babylon, Assur und Uruk, den starken Wandfarben, Gemälden, die die Ausgrabungsstätten in ihrem aktuellen Zustand zeigen, der Mischung von Originalen und Gipsabgüssen sowie der intensiv durchgearbeiteten Didaktik der Aufstellung galt als Sensation. Da sie in wesentlichen Teilen nach dem Krieg wieder eingerichtet wurde, ist die Andraesche Konzeption bis heute im Grundsatz noch zu erleben.

Durch den Zweiten Weltkrieg gab es kaum kriegsbedingte Verluste der Sammlungen, die beweglichen Ausstellungsstücke, die als Beutekunst 1945 in die Sowjetunion verbracht wurden, wurden 1958 an die DDR zurückgegeben. Bereits 1953 wurde die Sammlung als Vorderasiatisches Museum wieder eröffnet.

Direktoren des Museums waren Friedrich Delitzsch (1899–1918), Otto Weber (1918–1928), Walter Andrae (1928–1951), Gerhard Rudolf Meyer (1951–1977), Liane Jakob-Rost (1978–1990) und Evelyn Klengel-Brandt. Von 1998 bis 2014 war Beate Salje Direktorin. Ihr folgte ab dem 1. März 2014 Markus Hilgert.

Derzeit in Planung befindet sich ein Zentraldepot für die Sammlungen in Berlin-Friedrichshagen. In dieses sollen vor allem die großformatigen Teile der Sammlung ausgelagert werden. Der Bau dieses Zentraldepots ist umstritten. Der Südflügel, in dessen Obergeschoss seit 1933 die Sammlungen des Museums für Islamische Kunst präsentiert werden, die aber künftig in den Nordflügel des Pergamonmuseums umziehen sollen, soll auf Grundlage eines Wettbewerbsentwurfs von Oswald Mathias Ungers umgebaut werden. Die tiefen Einschnitte in die denkmalgeschützte, seit 1999 auf der Liste des UNESCO-Welterbes verzeichneten historischen Inszenierungen von Walter Andrae sind sehr umstritten. So sollen die meisten Tor-Rekonstruktionen von Andrae wie die abgebildete aus Uruk verschoben werden, auch ist eine Demontage des Yazılıkaya-Saals geplant.

Dafür sollen vor allem Teile der trotz schwerer Kriegsbeschädigung wieder gewonnenen Sammlung Max von Oppenheim, das einstige Tell-Halaf-Museum in die Sammlung integriert werden. Die Toranlage des Palastes aus Tell Halaf soll zum neuen Haupteingang des Museums werden.

Der Verein der Freunde der Antike auf der Museumsinsel Berlin e. V. unterstützt die Antikensammlung und das Vorderasiatische Museum der Staatlichen Museen zu Berlin.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Andrae: Lebenserinnerungen eines Ausgräbers. de Gruyter, Berlin 1961.
  • Nikolaus Bernau: Die Berliner Museumsinsel. Stadtwandel-Verlag, Berlin 2006.
  • Nikolaus Bernau: Die Architektursäle des Pergamonmuseums. Ein Denkmal deutscher Architekturgeschichte. In: Stefan Altekamp, Mathias René Hofter, Michael Krumme (Hrsg.): Posthumanistische Klassische Archäologie. Historizität und Wissenschaftlichkeit von Interessen und Methoden. Hirmer, München, 2001, ISBN 3-7774-9300-7, S. 461–472.
  • Nikolaus Bernau: Mehr ist mehr. Die Idee museumsferner Depots ist überholt. In: Museumsjournal 4, 2010, S. 8–10.
  • Nicola Crüsemann (Hrsg.): Vorderasiatisches Museum Berlin. Geschichte und Geschichten zum hundertjährigen Bestehen. Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin 2000.
  • Nicola Crüsemann: Vom Zweistromland zum Kupfergraben. Vorgeschichte und Entstehungsjahre (1899–1918) der Vorderasiatischen Abteilung der Berliner Museen vor fach- und kulturpolitischen Hintergründen. Berlin 2001 (Beiheft des Jahrbuchs der Berliner Museen, Neue Folge 42, 2000).
  • Liane Jakob-Rost u. a.: Das Vorderasiatische Museum. Zabern, Mainz 1992.
  • Joachim Marzahn, Beate Salje (Hrsg.): Wiedererstehendes Assur. 100 Jahre deutsche Ausgrabungen in Assyrien. Zabern, Mainz 2003.
  • Beate Salje (Hrsg.): Vorderasiatische Museen gestern, heute, morgen. Berlin, Paris, London, New York. Eine Standortbestimmung. Kolloquium aus Anlass des Einhundertjährigen Bestehens des Vorderasiatischen Museums Berlin am 7. Mai 1999. Zabern, Mainz 2001. ISBN 3-8053-2778-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 52° 31′ 14″ N, 13° 23′ 49″ O