Vordtriede-Haus Freiburg

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Vordtriede-Haus Freiburg
Stolperstein für Käthe Vordtriede vor dem Haus
Bürgertreff vor dem Haus

Das Vordtriede-Haus Freiburg befindet sich in der Fichtestraße 4 in Haslach-Gartenstadt in Freiburg im Breisgau und war von 1926 bis 1938 Wohnsitz der jüdischen Journalistin Käthe Vordtriede (1891–1964) und ihrer beiden Kinder, der Anglistin Fränze Vordtriede (1911–1997) und des Literaturwissenschaftlers Werner Vordtriede (1915–1985). Das Haus war die letzte gemeinsame Wohnstätte der Familie vor ihrer verfolgungsbedingten Emigration. Im Zuge der Gleichschaltung wurde Käthe Vordtriede die Mitgliedschaft (Mitglieds-Nr. 3482) beim Bauverein Freiburg i. Br., per 31. Dezember 1938, gekündigt. Damit erlosch auch ihre Wohnberechtigung.[1]

Erinnerungsprojekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2014 widmet sich vor Ort eine private Gedenkinitiative mit dem Namen „Vordtriede-Haus Freiburg“ der Erinnerung an Käthe, Fränze und Werner Vordtriede. Initiator und Projektleiter ist der heutige Mieter des Hauses. Das Motto des Projekts lautet: „Erinnerung, Forschung, Mahnung.“ Anlässlich des 50. Todestages von Käthe Vordtriede wurde in einem Pressebeitrag 2014 erstmals über die Initiative berichtet[2], die den Vorschlag nach einer Straßenbenennung im Nachbarstadtteil machte.[3] Für die Straßenbenennung „Geschwister-Vordtriede-Straße“ fand sich keine politische Mehrheit.

2015 veröffentlichte die Initiative ein sogenanntes „Vordtriede-Quiz“, 2016 auch in Übersetzungen, und beteiligte sich am „Haslacher Adventskalender“.[4] Leser wurden aufgerufen, das Projekt mit Dokumenten, Fotos und Informationen zu unterstützen. Im Februar 2016 erfolgte eine Nominierung für den „HelferHerzen“-Preis der Drogeriemarktkette dm.[5] Im April 2016 führte die Initiative ein Zeitzeugengespräch zu Werner Vordtriede in München.[6] Der Zeitzeuge war Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Dieter Borchmeyer. Im Juni 2016 wurde die Benennung einer Straße in München nach Werner Vordtriede vorgeschlagen.[7] Ein Anlass war die Umbenennung von historisch belasteten Straßennamen.[8] Ende 2016 stellte der Bauverein Breisgau eG, als Eigentümer des denkmalgeschützten Wohnhauses, das Bürgerprojekt in seinem Mitgliedermagazin vor.[9]

Im Frühjahr 2017 wird das Haus in die Freiburger Geschichtsdatenbank Future History aufgenommen.[10] Anfang Juli gab es eine Stadtführung in Kooperation mit dem Augustinermuseum Freiburg.[11] Ende 2017 wurde das Erinnerungsprojekt vom Bauverein Breisgau eG gewürdigt.[12]

2018 wird die Familie Vordtriede und ihre letzte Wirkungsstätte, Teil eines landesweiten Schülerwettbewerbs. Hintergrund war der 80. Jahrestag „Reichspogromnacht“. Die Schirmherrschaft übernahm der ehemalige Politiker Dr. h. c. Johannes Gerster aus Mainz.[13]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2015 wurde das Projekt mit dem Freiburger Stadtpreis „Bürgerschaftliches Engagement“ ausgezeichnet.[14] Damit verbunden ist die Einladung zu einer politischen Bildungsreise in die Hauptstadt Berlin. Einladender ist traditionell ein amtierender Bundestagsabgeordneter des Bundeswahlkreises Freiburg.[15] Für 2016 war dies Kerstin Andreae. Im Sommer folgte eine Urkunde für Soziales Engagement für Politische Bildung. Ausrichter war die Drogeriemarktkette dm aus Karlsruhe.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Lang: Das Vordtriede-Quiz. 50 Fragen und Antworten zur emigrierten Freiburger Familie. BoD, Norderstedt 2015, 2. Auflage 2016, ISBN 978-3-7392-0492-5.
    • The Vordtriede Quiz. 50 questions and answers about the emigrated Freiburg family. BoD, Norderstedt 2016, ISBN 978-3-7392-1764-2 (englisch).
    • Le Quiz Vordtriede. 50 questions et réponses à la famille émigrée de Fribourg. BoD, Norderstedt 2016, ISBN 978-3-7392-4569-0 (französisch).
    • El Quiz Vordtriede. 50 preguntas y respuestas para la familia emigró de Friburgo. BoD, Norderstedt 2016, ISBN 978-3-8391-0825-3 (spanisch).
    • Il Quiz Vordtriede. 50 domande e risposte sulla famiglia emigrò da Friburgo. BoD, Norderstedt 2016, ISBN 978-3-7412-9431-0 (italienisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Bauverein Breisgau in der Gartenstadt – ein Rück- und Ausblick anlässlich ihres 100-jährigen Jubiläums. Die Mieterin Käthe Vordtriede. In: Lebensräume – Das Mitgliedermagazin der Bauverein Breisgau eG, Ausgabe 24 vom Juli 2014, abgerufen am 3. April 2016.
  2. Auf den Spuren von Käthe Vordtriede. Die jüdische Schriftstellerin und Journalistin lebte bis zu ihrer Vertreibung in Haslach – Jürgen Lang will darüber informieren. In: Badische Zeitung vom 9. August 2014, abgerufen am 7. Januar 2016.
  3. Geschwister-Vordtriede-Straße für Gutleutmatten. In: Ratsinformationssystem der Stadt Freiburg vom 24. Oktober 2014, abgerufen am 24. September 2016.
  4. Projektleiter informierte Mitbürger. In: Haslacher Bote, Heft 2, Februar-Ausgabe 2016, abgerufen am 6. März 2016.
  5. HelferHerzen – dm-Preis für Engagement. Vordtriede-Haus für Politische Bildung nominiert. Auf: dm-Homepage vom 8. Februar 2016, abgerufen am 7. Juni 2016.
  6. Mein Mentor und Freund Werner Vordtriede – Ehemaliger Student erinnert an den großen Germanisten In: RegioTrends vom 30. April 2016, abgerufen am 1. Mai 2016.
  7. Vordtriede-Haus schlägt Werner-Vordtriede-Straße vor. In: RegioTrends vom 24. Juni 2016, abgerufen am 25. Juni 2016.
  8. Screening in München – Stadt sucht nach Straßen mit Nazi-Namen. 200 Umbenennungen bisher. In: BR24 Oberbayern vom 8. Juni 2016, abgerufen am 26. Juni 2016.
  9. Das „Vordtriede-Haus“ in der Gartenstadt – Gegen das Vergessen. Forschungen zur emigrierten Freiburger Familie. In: Lebensräume – Das Mitgliedermagazin der Bauverein Breisgau eG, Ausgabe 29 vom Dezember 2016, abgerufen am 13. Dezember 2016.
  10. Käthe Vordtriede vor ihrem Haus in der Haslacher Gartenstadt mit Kindern. 1932–2017. In: FUTURE HISTORY. Discover and Share the Past, Geschichtsdatenbank, abgerufen am 15. April 2017.
  11. Die Journalistin Käthe Vordtriede. Freiburgerinnen im Nationalsozialismus. In: Programmheft. VISTAtour Stadtführungen 2017. Freiburg auf den zweiten Blick., abgerufen am 28. Juli 2017.
  12. Engagierte Bürgerschaft. In: Lebensräume – Das Mitgliedermagazin der Bauverein Breisgau eG, Ausgabe 31 vom Dezember 2017, abgerufen am 19. Dezember 2017.
  13. Schülerwettbewerb. Erinnerung sichtbar machen – 80 Jahre Reichspogromnacht. In: Schule im Blickpunkt. Informationen des Landeselternbeirates Baden-Württemberg. Ausgabe 3 vom Februar 2018. S. 4–6, abgerufen am 18. November 2018.
  14. Brückenbauer und Lotsen. Die Stadt hat Ehrenamtliche und Freiwillige für langjähriges Engagement ausgezeichnet. In: Badische Zeitung vom 4. Dezember 2015, abgerufen am 7. Januar 2016.
  15. Preisträger und Projektmitglieder besuchen die Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin. In: Mediathek des Staatsministerium Baden-Württemberg, Besuchergruppe 2 vom 26. Februar 2016, abgerufen am 6. März 2016.

Koordinaten: 47° 59′ 16,4″ N, 7° 49′ 35,4″ O