Vorgesetzter

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Vorgesetzte sind natürliche Personen, die innerhalb einer Organisation (Unternehmen, öffentliche Verwaltung, Behörde, Militär) mit der Befugnis betraut wurden, Weisungen an nachgeordnetes Personal zu erteilen.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeitsteilung verlangt auch eine Einteilung in ausführende und leitende Tätigkeit, die durch eine gegenseitige Rangordnung gekennzeichnet sind. Einer Führungskraft steht die Befugnis zu, im Rahmen des Direktionsrechts mittels Weisung Aufgabenträgern ausführender Tätigkeiten vorzuschreiben, welche Handlungen sie vorzunehmen und welche sie zu unterlassen haben. Vorgesetzte können mündlich (Auftrag, Befehl) oder schriftlich (Arbeitsanweisungen, Dienstanweisungen) von ihrem Weisungsrecht Gebrauch machen. Durch ihre Führungskompetenz übernehmen sie Fremdverantwortung und delegieren Durchführungskompetenzen. Zu den Führungsaufgaben eines Vorgesetzten gehören Organisation, Planung, Zielsetzung, Entscheidung, Koordination, Information, Mitarbeiterbewertung und Kontrolle.[1] Zudem übernehmen Vorgesetzte (bei juristischen Personen ausschließlich die rechtlichen Vertreter) straf- und schuldrechtlich auch die Verantwortung, dass die ihnen Untergebenen hinreichend, gerade auch im Hinblick auf die Arbeitssicherheit, geschult sind.

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein wird zwischen Disziplinarvorgesetzten (Dienstvorgesetzten) und Fachvorgesetzten unterschieden:

In einer Linienorganisation spricht man von einer (strengen) Hierarchiefolge, weil die Vertreter einer Hierarchie-Ebene jeweils den (einzigen direkten) Vorgesetzten der nächstfolgenden unterstellten Hierarchie-Ebene stellen. In einer Matrixorganisation kann ein Mitarbeiter zwar mehrere Vorgesetzte haben, die Vorgesetztenfunktion im Sinne der Personalverantwortlichkeit liegt aber im Allgemeinen bei einer Person.

Hierarchische Zuordnungsverhältnisse bestehen Werner Thieme zufolge aus[4]

Diese Aufgaben gehören zu den Kernaufgaben eines Vorgesetzten. Daneben hat er für die Einarbeitung und Weiterqualifizierung seiner Mitarbeiter zu sorgen.

Vorgesetzte bei Beamten und Soldaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besonders deutlich strukturiert sind die - bundeseinheitlich in Gesetzen geregelten - Vorgesetztenverhältnisse der Beamten und Soldaten. Das Deutsche Richtergesetz (DRiG) bestimmt, dass die beamtenrechtlichen Vorschriften sinngemäß auf Richter im Bundesdienst anzuwenden sind (§ 46 DRiG).

Beamte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Beamtenrecht wird der Disziplinarvorgesetzte als Dienstvorgesetzter bezeichnet. Dienstvorgesetzter nach § 3 Abs. 2 BBG ist, wer für beamtenrechtliche Entscheidungen über die persönlichen Angelegenheiten der ihr oder ihm nachgeordneten Beamtinnen und Beamten zuständig ist. Dienstvorgesetzter einer obersten Behörde (beispielsweise Finanzministerium) ist der Finanzminister, einer Mittelbehörde (Bundesfinanzdirektion) der Präsident und einer unteren Behörde (Hauptzollamt) der Amtsleiter.

Soldaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vorgesetztenverordnung (VorgV) der Bundeswehr kennt nach § 1 Abs. 5 VorgV folgende Vorgesetzte:[7]

  • unmittelbare Vorgesetzte (§ 1 Abs. 1 VorgV) leiten eine militärische Gliederungseinheit (von der Gruppe bis zum Verband) oder leiten eine militärische Dienststelle.
  • Fachvorgesetzte (§ 2 VorgV) besitzen fachliche Befehlsbefugnis in einem Fachdienst gegenüber den ihnen unterstellten Soldaten (der Generalapotheker ist höchster Fachvorgesetzter im Fachgebiet Wehrpharmazie).
  • Vorgesetzte mit besonderem Aufgabenbereich (§ 3 VorgV) sind Soldaten, deren Dienststellung einen besonderen Aufgabenbereich mit einer besonderen Befehlsbefugnis erfordert (beispielsweise Kompaniefeldwebel).
  • Vorgesetzte aufgrund des Dienstgrades (§ 4 VorgV): ein höherer Dienstgrad macht den Soldaten zum Vorgesetzten eines rangniedrigeren Soldaten (der Oberst gegenüber dem Oberstleutnant).
  • Vorgesetzte aufgrund besonderer Anordnung (§ 5 VorgV) sind nur vorübergehend durch eine besondere Aufgabe tätig, aus dienstlichen Gründen kann auch ausnahmsweise ein rangniedrigerer Soldat Vorgesetzter eines ranghöheren sein.
  • Vorgesetzte aufgrund eigener Erklärung (§ 6 VorgV) sind Vorgesetzte kraft „Notlage“ mit eingeschränkter Befugnis.

Vorgesetzte in einer Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgesetzte besetzen im Organigramm der Aufbauorganisation eine eigene Stelle, üben dort eine Funktion aus und erhalten häufig eine ihre Funktion umschreibende Amtsbezeichnung. In Unternehmen heißen sie (von unten nach oben) etwa Gruppenleiter, Referatsleiter, Abteilungsleiter, Handlungsbevollmächtigter, Prokurist, Direktor oder Vorstand, in der öffentlichen Verwaltung etwa Kommissar, Amtmann, Amtsrat, Regierungsrat, Ministerialrat, Ministerialdirigent, Ministerialdirektor oder Staatssekretär. Die Funktion gibt auch Auskunft darüber, welchem Bereich der Funktionsinhaber angehört und ob er dort führend oder ausführend tätig ist.[8] Die Führungsfunktion Vorgesetzter gilt als eine Koordinationsinstanz, weil sie der Abstimmung kooperativer Vorgänge dient.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Vorgesetzter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus Altfelder/Hans G. Bartels/Joachim-Hans Horn/Heinrich-Theodor Metze, Lexikon der Unternehmensführung, 1973, S. 83
  2. Reinhard Höhn/Gisela Böhme, Führungsbrevier der Wirtschaft, 1974, S. 305 ff.
  3. Reinhard Höhn/Gisela Böhme, Führungsbrevier der Wirtschaft, 1974, S. 298 ff.
  4. Werner Thieme, Verwaltungslehre, 1969, S. 89 ff.
  5. Sabine Leppek, Beamtenrecht, 2015, S. 32
  6. Sabine Leppek, Beamtenrecht, 2015, S. 33
  7. Frank Weniger/Gudrun Schattschneider/Bernhard Gertz, Soldatengesetz Kommentar, 2008, S. 51 ff.
  8. Fritz Neske/Markus Wiener (Hrsg.), Management-Lexikon, Band II, 1985, S. 466