Vorspanntriebfahrzeug

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Ein Vorspanntriebfahrzeug ist ein zusätzliches bedientes Triebfahrzeug an der Spitze eines Zuges.

Vorspannlokomotive der Baureihe 35 und Zuglok der Baureihe 01 mit einem Dampfsonderzug auf der Schiefen Ebene
Vorspannlokomotive ÖBB 1110 vor einer 1044 im Bahnhof Sankt Valentin

Von Vorspanntriebfahrzeug, Vorspann oder Vorspanndienst spricht man im Eisenbahnbetrieb, wenn mindestens zwei arbeitende Triebfahrzeuge mit Lokomotivführern besetzt an der Spitze eines Zuges laufen und keine Vielfachsteuerung vorhanden ist oder verwendet wird. Es kann auch eine Maschine vor eine Doppel- oder Mehrfachtraktion gestellt werden.

Vorspann wird angewendet, wenn unterschiedliche Baureihen ohne oder ohne kompatible Vielfachsteuerung zum Einsatz kommen. Mangels Vielfachsteuerung wird bei Dampflokomotiven in der Regel zu Vorspannlokomotiven gegriffen, wenn die Zugkraft einer Lokomotive nicht mehr ausreicht. Als zugführend gilt das vorderste Triebfahrzeug,[1] dessen Lokführer die Strecke beobachtet, Pfeifsignale abgibt und die Zugbremse bedient. Früher wurde häufig Vorspanndienst geleistet. Besonders an Streckenabschnitten mit Steigungen wurden Vorspannlokomotive vorgehalten. Vorspann vermeidet wie echte Mehrfachtraktion im Gegensatz zum Nachschieben Zerrungen und Stauchungen im Zug, allerdings setzt insbesondere im europäischen Netz die Belastbarkeit der Kupplungen Grenzen.

Gründe für die Verwendung eines Vorspanntriebfahrzeuges sind:

  • Erhöhung der Zugkraft
  • Vermeidung von Leerfahrten von Triebfahrzeugen. In einigen Fällen darf die zusätzliche Lokomotive nur so viel Zugkraft entwickeln, dass sie sich selbst befördert. Ist die Mitgabe einer zu überführenden Maschine als Vorspannlok nicht möglich oder sinnvoll, dann kann sie auch als Schlusslokomotive am Zugschluss eingestellt werden.
  • Erhöhung der im Zug vorhandenen Bremskraft (Bremshundertstel).
  • Schutzlokomotive vor Steuerwagen bei Lawinengefahr

Auf der Gotthard-Bergstrecke ist es üblich, bei Lawinengefahr vor leichte Fahrzeuge an der Zugspitze eine Vorspannlokomotive zu spannen, um Entgleisungen bei Schneerutschen auf den Gleisen zu verhindern. Die Vierstrom-TEE-Triebzüge verkehrten jeweils mit Vorspann. Im schneereichen Winter 1999 erhielten die Cisalpino-Pendolini eine Ae 6/6 oder eine Re 4/4 II als Schutzlokomotive.[2]

Vorspann kann planmäßig oder unplanmäßig erfolgen. Unplanmäßiger Vorspann ist neben Überführungen dann notwendig, wenn ein Zug schwerer als gewöhnlich ist, sodass die Zuglok alleine nicht in der Lage ist, ihn planmäßig zu befördern. Planmäßiger Vorspann wird zum Beispiel bei langen Zugläufen durchgeführt, wenn nur ein kleiner Teil des Laufweges stärkere Steigungen aufweist und es nicht sinnvoll ist, die sonst nicht benötigte Zugkraft auf dem gesamten Weg mitzuführen.

Oft sind auch Lokzüge zu beobachten, mit denen mehrere besetzte Triebfahrzeuge gekuppelt überführt werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schweizerische Fahrdienstvorschriften (FDV) A2016 Bundesamt für Verkehr (BAV), 1. Juli 2016 (PDF; 3 MB). R 300.5, Abschnitt 1.3.4 Vorspanndienst
  2. Schneechaos in den Alpen. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 4. Minirex, 1999, ISSN 1022-7113, S. 125–135.