Vossloh

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Vossloh Aktiengesellschaft
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE0007667107
Gründung 1888
Sitz Werdohl, Nordrhein-Westfalen

Leitung

Mitarbeiter über 4.000 (Dezember 2016)
Umsatz rund 930 Mio. [1]
Branche Bahntechnik
Website www.vossloh.com
Stand: 31. Dezember 2016 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2016
Vossloh Werdohl Zuschnitt.jpg
Schienenbefestigungssystem 300 mit Vossloh Spannklemme Skl 15
Vierachsige Lokomotive DE 18 in Hannover Hbf

Die Vossloh Aktiengesellschaft mit Sitz im sauerländischen Werdohl ist ein weltweit führender Anbieter im Bereich der Bahninfrastruktur. Das Unternehmen bietet Schienenbefestigungssysteme, Betonschwellen, Weichensysteme sowie Dienstleistungen rund um Schienen und Weichen an und ist im SDAX gelistet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung bis zu den 1930er Jahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namensgeber des Konzerns ist Eduard Vossloh, der am 29. November 1848 im westfälischen Werdohl geboren wurde. Er erlernte das Handwerk des Schmieds und erhielt 1883 den ersten Auftrag der Königlich Preußischen Eisenbahn zur Federringherstellung für die Schienenbefestigung. Am 11. Juli 1888 wurde die Firma Eduard Vossloh aus Werdohl in das Firmenregister beim Amtsgericht Altena eingetragen. Die Schmiede wurde erweitert und neben Federringen auch andere Eisenwaren und Gardinenstangen in die Produktion genommen. 1899 starb der Firmengründer Eduard Vossloh und das Unternehmen ging testamentarisch und unter Fortführung als Offene Handelsgesellschaft auf die fünf Kinder des Gründers über, wovon die Söhne Eduard jr. und Wilhelm vorerst den Betrieb leiteten. 1909 erfolgte die Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft; Tochter Hermine wurde Kommanditistin. Noch heute ist Werdohl Sitz der Vossloh AG sowie der Vossloh Fastening Systems GmbH (Geschäftsbereich Core Components).

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges hatte die Vossloh KG bereits 250 Beschäftigte. 1919 wandte sich das Unternehmen von der Schmiedtätigkeit ab und stellte stattdessen Drähte und Rohre her, dazu wurde ein Walzwerk erbaut. In den 1920er Jahren wurden mehrere Produktsparten als Einzelgesellschaften aus dem Unternehmen ausgegliedert und fungierten fortan als Vertriebsgesellschaften – so bspw. die Dekorationswarengesellschaft Appel & Pfannschmidt in Kassel, die Hansa Metallwarengesellschaft Thiessen & Hager in Hamburg, die Metag in Köln, u. a. auch in Holland und Spanien. Die Produktpalette umfasste zu diesem Zeitpunkt Dekorationswaren sowie Fassungen für Edison-Glühlampen. 1927 gelang dem Ingenieur Karl Vossloh die Patentierung des „hochspannenden Federrings“.

Die 1930er Jahre, der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1930 wurde das Unternehmen zentralisiert, die Vossloh-Werke GmbH entstand. Doch behielten die Handelsgesellschaften als Tochtergesellschaften ihre Eigenständigkeit. 1937 expandierte das Unternehmen in großem Maße in Lüdenscheid. Im Zuge des Zweiten Weltkriegs wurden 1945 zahlreiche Büroräume und Lager im Werk Werdohl zerstört; die Produktion kam zum Erliegen. Durch den Verlust der deutschen Ostgebiete wurden mehrere Unternehmensstätten z. B. in Breslau und Königsberg abgetrennt und gehörten fortan nicht mehr zum Unternehmen.

Im Jahr 1946 gab die Militärregierung ihr Einverständnis zur Wiederaufnahme der Produktion. Das Vossloh-Werk in Lüdenscheid produzierte als einziger Hersteller in Europa Fassungen für Leuchtstoffröhren. Leuchtstoffröhren und Schienenbefestigungen zählten zu den lukrativsten Firmensegmenten jener Zeit. Vossloh erweiterte seine Belegschaft damals auf 500 Mitarbeiter. 1958 wurde Hans Vossloh Geschäftsführer der GmbH.

Die 1960er Jahre: Entwicklung der Spannklemme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 1962 wurde die erste ausländische Produktionsstätte Vossloh S.p.A., Sarsina, eröffnet. Zu Beginn der 1960er Jahre waren bei den Vossloh-Werken 1300 Mitarbeiter beschäftigt, weitere 500 arbeiteten in angeschlossenen Unternehmen. In Lüdenscheid entstand ein neues Werk für Kunststoffverarbeitung.

Ein entscheidender Wendepunkt war das Jahr 1967. Professor Hermann Meier entwickelte die elastische Spannklemme zur Schienenbefestigung. Vossloh erhielt die Lizenz zur Fertigung; im gleichen Jahr noch begann die Produktion. Im Folgejahr baute die Bundesbahn die erste Versuchsstrecke mit den neuen Schienenbefestigungen. Diese Art der Schienenbefestigung ist heute eine weltweite Referenz für alle Anwendungen im Bahnbetrieb.

Die 1980er und 1990er Jahre: Expansion und Börsengang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die internationale Expansion schritt voran: 1982 wurde in Singapur eine Vertriebsgesellschaft für den Bereich Lampenfassungen gegründet. Weitere Auslandsexpansionen erfolgten; so erwarb Vossloh nach langen Verhandlungen die Schwabe GmbH, Urbach, mit Beteiligungen in Frankreich und Spanien. Im Zuge dessen entstand die erste Vossloh-Niederlassung für Leuchtindustrie in den Vereinigten Staaten: die Vossloh Inc., Pittsburgh.

1989 fiel die Entscheidung, die Vossloh-Werke GmbH in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Die Unternehmensgruppe wurde durch die Ausgliederung des operativen Geschäftes aus der Aktiengesellschaft neu strukturiert. Die Aktiengesellschaft übernahm die Funktion einer Finanz- und Managementholding als Obergesellschaft der drei Sparten Vossloh-Werke GmbH, Werdohl (Eisenbahnoberbau und Federringe), Vossloh-Schwabe GmbH, Urbach (Vorschaltgeräte, Lampenfassungen, Leuchtenbauteile) und Hansa Metallwarengesellschaft mbH Thiessen & Hager (Dekolinie und Sonnenschutzprodukte).

Der heutige, börsennotierte Konzern entstand im Jahr 1990. Die Vossloh AG ging am 13. Juni 1990 zum Ausgabepreis von 420 DM an die Börse; das Grundkapital von 25 Millionen DM wurde eingeteilt in 500.000 Aktien. Heute ist Herr Heinz Hermann Thiele größter Aktionär der Vossloh AG. Die Vossloh-Familiengemeinschaft hatte sich 2013 weitgehend von ihrem Aktienpaket getrennt.

In den 1990er Jahren expandierte das Unternehmen erneut, so entstand ein Standort in Thailand, (Vossloh-Schwabe Thailand Ltd.) sowie Tochtergesellschaften in Rumänien, Indien und Tunesien. Die Vossloh AG kaufte 1995 mit der W. Hegenscheidt GmbH und der Hoesch Maschinenfabrik Deutschland GmbH zwei Unternehmen für die Produktion von Spezialmaschinen für die Radsatzbearbeitung von Schienenfahrzeugen. Im Jahr 1997 wurde die Aktie der Vossloh AG in den MDAX aufgenommen, dort blieb sie bis März 2013, seitdem notiert sie im SDAX. Im Folgejahr übernahm die Vossloh System-Technik GmbH MAN Systemelektronik in Karlsfeld und erweiterte somit die Produktpalette um Fahrgastinformationssysteme. Gemeinsam mit der VOEST-Alpine Stahl AG (VA Stahl) erstand Vossloh die Mehrheit der Aktien der österreichischen VAE, Weltmarktführer für Eisenbahnweichen. Im gleichen Jahr erwarb das Unternehmen außerdem die Siemens Schienenfahrzeugtechnik (SFT) in Kiel; hier werden heute von der Firmentochter Vossloh Locomotives im vormaligen MaK (Maschinenbau Kiel)-Werk Diesellokomotiven mit dieselhydraulischem und dieselelektrischem Antrieb gebaut.

Vossloh nach der Jahrtausendwende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2000 schloss Vossloh eine Allianz mit der britischen Angel Trains Limited und gründet die Locomotion Capital Ltd. (zehn Prozent Beteiligung) mit Sitz in London und die Locomotion Service GmbH (90 Prozent Beteiligung) mit Sitz in Kiel. 2002 verkaufte das Unternehmen seine Lichttechnik-Sparte Vossloh-Schwabe und trennte sich von seinem rund 45-prozentigen Anteil am Weichenbauer VAE. Im gleichen Jahr erwarb es den französischen Weichenbauer Cogifer und kann sich somit zusätzlich als Systemanbieter und Dienstleister für die Schieneninfrastruktur positionieren. Am elsässischen Standort in Reichshoffen, an dem 1904 die Société de Construction et d’Embranchements Industriels (SEI) zur Herstellung von Bahnweichen gegründet wurde, befindet sich noch heute eines der wichtigsten französischen Weichenwerke sowie das Technologiezentrum von Vossloh Cogifer.

Montage einer Weiche im Vossloh-Werk in Reichshoffen, Frankreich.

Zudem schloss die Vossloh AG 2002 einen Kaufvertrag über den Erwerb der Kiepe-Elektrik-Gruppe, Düsseldorf, sowie über Skamo, den polnischen Marktführer für Schienenbefestigungsmittel, ab.[2] Mittels dieser Akquisitionen konnte Vossloh sein Produkt- und Leistungsspektrum in der Verkehrstechnologie gezielt erweitern. 2004 erwarb das Unternehmen das Diesellokomotiven-Werk von Alstom in Valencia, Spanien; hier werden fortan dieselelektrische Lokomotiven gebaut. Die Werke in Kiel und Valencia stellen eigenständige Unternehmen dar. Vossloh baute sich in den Folgejahren durch Gründung von Tochtergesellschaften und Akquisitionen weitere Standbeine unter anderen in der Türkei, Australien, Indien und dem nordamerikanischen Markt auf. Im Rahmen der strategischen Neuausrichtung hin zu einem Verkehrstechnologie-Konzern wurde die Firmentochter Vossloh Information Technologies GmbH 2007 an die Funkwerk AG veräußert.

Anfang 2010 kaufte Vossloh drei Unternehmen aus den Bereichen Gleisbau und Instandhaltung (die im Bereich Schienendienstleistungen tätigen Gesellschaften der Stahlberg-Roensch-Gruppe, die LOG Logistikgesellschaft Gleisbau mbH und die ISB Instandhaltungssysteme Bahn GmbH der Contrack-Gruppe) und gründete ein neues Geschäftsfeld „Vossloh Rail Services“. (heute Geschäftsbereich Lifecycle Solutions).[3] Der Zukauf umfasste sieben deutsche Standorte, die vor allem auf komplexe Lösungen für die Logistik und das Verschweißen sowie die präventive Pflege von Schienen spezialisiert sind.[4]

Im neuen Jahrzehnt: Neuausrichtung des Konzerns[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der umfassenden Restrukturierung und Neupositionierung des Konzerns wurde die Fokussierung auf das Kerngeschäft in der Bahninfrastruktur beschlossen. Daher gehört der Geschäftsbereich Transportation seit Ende 2014 nicht mehr zum Kerngeschäft des Vossloh-Konzerns und soll unverändert veräußert werden.[5]

Im November 2015 wurde der Verkauf der spanischen Tochtergesellschaft Vossloh Rail Vehicles, ehemals Macosa bzw. bis 2005 Alstom, mit Hauptsitz in Valencia, an die schweizerische Stadler Rail bekanntgegeben.[6] Nach Unterzeichnung des Veräußerungsvertrages im Dezember 2016 wurde Ende Januar 2017 der Verkauf des Geschäftsfelds Electrical Systems an die Knorr Bremse AG vollzogen.[7][8]

Jüngste Vossloh-Aktivität ist Vossloh Tie Technologies (Geschäftsbereich Core Components). Der Vertrag über den Erwerb von Rocla Concrete Tie, Inc., mit Hauptsitz in Lakewood, Colorado, wurde am 5. Dezember 2016 mit dem bisherigen Eigentümer Altus Capital Partners II unterzeichnet. Anfang 2017 wurde die Akquisition von Rocla vollzogen. Seit 1986 beliefert das nordamerikanische Unternehmen vor allem Kunden im Fokusmarkt USA mit Betonschwellen.[9]

Geschäftstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als eines der weltweit führenden Bahntechnik-Unternehmen fokussiert sich Vossloh auf Produkte und Dienstleistungen für die Bahninfrastruktur. Diese bilden das Kerngeschäft des Unternehmens und werden von drei Geschäftsbereichen – Core Components, Customized Modules und Lifecycle Solutions – erbracht. Ihr Angebot sind ganzheitliche Infrastrukturlösungen für den modernen Schienenverkehr.

Kunden sind in der Regel öffentliche und private Bahngesellschaften, Netzbetreiber sowie regionale und kommunale Verkehrsbetriebe.

Vossloh zählt bei Schienenbefestigungen und Weichensystemen jeweils zu den Weltmarktführern; bei Beton-Streckenschwellen ist Vossloh der führende Hersteller Nordamerikas; bei der vorbeugenden Schienenpflege verfügt Vossloh über eine weltweit einzigartige Technologie zum Schleifen mit hoher Geschwindigkeit, das sogenannte High Speed Grinding.

Aktuell hat Vossloh noch vier Geschäftsbereiche, wobei der vierte Geschäftsbereich Transportation seit Verabschiedung der Strategie Ende 2014 nicht mehr zum Kerngeschäft gehört. Er umfasst die Entwicklung und Fertigung von Diesellokomotiven und bietet alle notwendigen Serviceleistungen rund um die Wartung und Instandhaltung von Lokomotiven an.[10]

Die einzelnen Unternehmen werden zentral durch die Vossloh AG als Holding koordiniert und treten gemeinschaftlich unter der Marke Vossloh auf. Wichtige europäische Produktionsstandorte Vosslohs liegen in Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Polen als auch in Skandinavien. Darüber hinaus hat der Konzern Tochtergesellschaften in Asien, in Nord- und Südamerika, in Australien sowie Russland.

Zu den regionalen Fokusmärkten gehören China, die USA, Westeuropa und Russland.

Auswahl an aktuellen Aufträgen und bedeutenden Entwicklungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vossloh lieferte für das SEA HSL-Projekt mehr als 200 Weichen und über 1 Million Befestigungssysteme.
Transport kompletter Weichenmodule in Schweden.
Der HSG-Schleifzug in Biasca kurz vor seinem ersten Einsatz im Gotthard-Basistunnel
  • Weniger Schienenlärm in Chinas Metropolen:[11] Das System 336 Duo ist bereits auf mehreren Metrostrecken Chinas im Einsatz, u.a. in den Weichen der Pekinger Linie 7 und auf besonders kritischen Abschnitten der U-Bahn-Linie 2 der ostchinesischen Metropole Suzhou. Speziell für den urbanen Transport in China entwickelt, ist das Befestigungssystem kompatibel mit lokalen Gleislösungen und hat hervorragende Dämpfungseigenschaften. Durch die neue Produktstruktur und die Zwischenplatte aus cellentic konnte der Vibrationspegel an der Tunnelwand nach dem Wechseln der Befestigungssysteme um -5,65 dB (A) gesenkt werden. Für eine 7,7 km lange Teilstrecke der Haizhu-Linie der südostchinesischen 11-Millionen-Metropole Guangzhou beauftrage der Schienennetzbetreiber die Instandhaltung durch HSG-city. Ergebnis des Schienenschleifens war eine Reduktion des Geräuschpegels um 4 db(A).
  • Der Geschäftsbereich Core Components konnte 2016 signifikante Aufträge im Fokusmarkt China sowie in Italien und Saudi-Arabien gewinnen.[12][13] Vossloh ist seit 2007 mit einer eigenen Produktionsstätte im chinesischen Kunshan vertreten und dort einer der größten Anbieter von Befestigungssystemen für Hochgeschwindigkeitsstrecken. Die Hochgeschwindigkeits-Befestigungssysteme im Wert von rund 50 Mio.€ werden in zwei Tranchen 2017 ausgeliefert: Zum einen wird die Strecke von Qingdao City nach Ji Nan City, ein Teilstück der rund 700 km langen Verbindung von Qingdao an der Ostküste nach Taiyuan, südwestlich von Peking ausgerüstet. Auf der Strecke sind Fahrgeschwindigkeiten von bis zu 250 km/h geplant. Des Weiteren wird in Ji Nan die Trasse an die Nord-Süd-Verbindung von Peking nach Shanghai angeschlossen.
  • 2017 soll die Inbetriebnahme der 340 km langen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Tours und Bordeaux erfolgen. Ausgelegt ist die Südeuropa-Atlantik Hochgeschwindigkeitsstrecke (SEA HSL) für Betriebsgeschwindigkeiten von bis zu 320 km/h. Vossloh erfüllt die Anforderungen höherer Verkehrslasten im Schotteroberbau, der auf Betriebsgeschwindigkeiten von mehr als 300 km/h ausgelegt ist. Daher hatten die französischen Gleisbauer TSO und ETF 2012 mit Vossloh einen Vertrag über komplett ausgerüstete Weichensysteme sowie Schienenbefestigungssysteme abgeschlossen. Seit Oktober 2014 liefert Vossloh Weichen, Kreuzungen, Signalprodukte und Befestigungssysteme.[14][15][16]
  • Seit 2013 plant und beschafft der schwedische Schienennetzbetreiber Trafikverket alle Weichenlieferungen zentral. Durch die Weichenlogistik in großem Stil konnten die Gleisbauarbeiten deutlich verkürzt werden.[17]
  • Seit dem 3. Oktober 2016 sorgt der HSG-Schleifzug im Gotthard-Basistunnel regelmäßig für eine präventive Schieneninstandhaltung. Seit Unterzeichnung der Rahmenvereinbarung setzen die Schweizerischen Bundesbahnen SBB bei der präventiven Schienenpflege auch auf die High Speed Grinding (HSG)-Technologie. Heute ist das Verfahren auf fast allen Hauptstrecken der DB Netz AG ohne Sperrpausen im Einsatz und fester Bestandteil der präventiven Instandhaltungsstrategie der Deutschen Bahn.[18] In China ist das Verfahren ebenso etabliert und kommt auf diversen „Passenger Dedicated Lines“, Schnellfahrstrecken mit Geschwindigkeiten bis zu 380 km/h, zur Anwendung.[19] Vossloh war 2013 der erste Dienstleister, der Serviceleistungen auf chinesischen Hochgeschwindigkeitsstrecken erbringen durfte. HSG-Einsätze finden zudem in fünf weiteren europäischen bzw. einem asiatischen Land statt.

Die Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vossloh Konzernstruktur

Der Vossloh Konzern setzt sich aus vier Geschäftsbereichen zusammen:[20] Das Kerngeschäft Bahninfrastruktur bedienen die drei Geschäftsbereiche Core Components, Customized Modules und Lifecycle Solutions. Sie teilen das Vossloh-Angebot für die Infrastruktur in die Kategorien (Serien-)Produkte, Projektgeschäft und Service. Der vierte Geschäftsbereich Transportation gehört seit Verabschiedung der Strategie Ende 2014 nicht mehr zum Kerngeschäft.

Core Components[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schienenbefestigungssystem W 14 HH auf Rocla Betonschwellen.

Zum Geschäftsbereich Core Components gehören die Geschäftsfelder Vossloh Fastening Systems und Vossloh Tie Technologies. Beide fertigen in industriellem Maßstab eigens entwickelte Serienprodukte wie Schienenbefestigungssysteme und Betonschwellen, die in hoher Stückzahl für Projekte in der Bahninfrastruktur benötigt werden.

Vossloh Fastening Systems, mit Hauptsitz in Werdohl und weiteren Produktionsstätten in Polen, den USA, in China und ab Ende 2017 auch in Russland, ist seit mehr als 120 Jahren ein führender Anbieter von Schienenbefestigungssystemen. Die elastischen Systeme, verschraubt und wartungsfrei, eignen sich für alle Belastungsprofile und Anwendungen: Schottergleis, Feste Fahrbahn, Haupt- und Regelstrecke, Hochgeschwindigkeit, Schwerlastverkehr sowie den Schienennahverkehr. Zum Tragen kommen hierbei sowohl der hochelastische mikrozelluläre Werkstoff cellentic® als auch Kammerfüllelemente für den Einsatz im städtischen Schienennetz, die wichtige Komponenten zur Körperschallreduzierung aus eigener Entwicklung und Produktion darstellen. Die Produkte sind in über 65 Ländern im Einsatz. Etwa 50 Millionen Spannklemmen verlassen pro Jahr die Vossloh-Produktionsstandorte in Europa, Asien und Nordamerika.

Das Geschäftsfeld Vossloh Tie Technologies (ehemals Rocla Concrete Tie, Inc.) ist für Nordamerika der führende Hersteller von Beton-Streckenschwellen. Darüber hinaus werden

  • vorgespannte Weichenschwellen,
  • Betonelemente für die Feste Fahrbahn und Bahnübergangssysteme sowie
  • innovative, wartungsarme LVT-Lösungen für einen effizienten Vibrationsschutz

in sechs eigenen Werken in den USA sowie in einer Produktionsstätte in Mexiko produziert. Das Unternehmen kann auf jahrzehntelange Erfahrung im US-Markt verweisen. Zu den Kunden zählen neben den großen Class-1-Eisenbahnbetreibern auch die Personenbeförderungsgesellschaften in den USA.

Customized Modules[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weichenproduktion in Reichshoffen

Im Geschäftsbereich Customized Modules sind alle Leistungen des Konzerns rund um die Herstellung, den Einbau und die Wartung individualisierter Infrastrukturmodule gebündelt. Zu dem Geschäftsbereich gehört das Geschäftsfeld Switch Systems (Vossloh Cogifer).

Vossloh Cogifer ist einer der Weltmarktführer für die Herstellung und den weltweiten Vertrieb von Weichen und deren Wartung. Seit mehr als einem Jahrhundert stattet Vossloh Cogifer Schienennetze mit kompletten Weichensystemen und den dazugehörigen Komponenten aus. Zu diesen zählen

  • Signaltechnik,
  • Weichenbetätigungs- und Verschlussvorrichtungen sowie
  • Gleisüberwachungssystemen,
  • Mangan-Herzstücke und
  • speziell geschmiedete Weichenzungen.

Das Anwendungsspektrum reicht von Standard-, Hochgeschwindigkeits- und Spezial-(Schwerlast-)Weichen nach allen internationalen Normen bis hin zu urbanen Lösungen. Das Geschäftsfeld, mit Hauptsitz in Rueil Malmaison, Frankreich, entstand 2002 durch den Erwerb der französischen Cogifer-Gruppe durch Vossloh. Zu Vossloh Cogifer zählen weltweit über 30 Produktionsstandorte in etwa 22 Ländern, darunter Frankreich, den USA, Schweden, Australien, Luxemburg, Polen und Großbritannien.[21]

Lifecycle Solutions[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Geschäftsbereich Lifecycle Solutions konzentriert sich mit dem Geschäftsfeld Rail Services auf spezialisierte Dienstleistungen rund um die Instandhaltung von Schienen und Weichen. Hierunter fallen Schweißungen und die Logistik von Langschienen sowie kompletten Weichenmodulen, die Instandhaltung und präventive Pflege von Schienen und Weichen oder die Aufarbeitung und Rückführung von Altschienen. Die Leistungen reichen bis zum Lebenszyklus-Management ganzer Streckenabschnitte.

Die Tochtergesellschaft formierte sich 2010 mit dem Erwerb von Stahlberg Roensch, Seevetal[22], der LOG Logistikgesellschaft Gleisbau mbH und der ISB Instandhaltungssysteme Bahn GmbH der Contrack-Gruppe, Hannover. Die Dienstleistungen des Geschäftsbereichs Lifecycle Solutions komplementieren das Produktangebot von Core Components und Customized Modules.

Neben der Unternehmenszentrale in Hamburg-Harburg hat das Geschäftsfeld diverse Standorte deutschlandweit und international.[23]

Das facettenfreie Schliffbild des HSG-Schleifzugs sorgt für weniger Lärm.

Kunden sind vor allem Schienenhersteller und Schienennetzbetreiber. In Deutschland ist Vossloh Rail Services bereits ein führender Anbieter von Schienendienstleistungen. Mit High Speed Grinding (Hochgeschwindigkeitsschleifen) wurde ein präventives Schleifverfahren entwickelt, das die Schienenlebensdauer signifikant verlängert[24] (minimaler Abtrag, Fehlerbeseitigung im Ansatz) und dabei wirtschaftlicher ist, als konventionelle Verfahren (keine Streckensperrungen dank hoher Arbeitsgeschwindigkeit bis 80 km/h, geringerer künstlicher Verschleiß)[25]. Die Kombination aus starrem Schleifbalken und nicht-angetriebenen, schräg zur Fahrtrichtung stehenden Umfangsschleifkörpern sorgt nachweislich für ein facettenfreies, lärmreduziertes Schliffbild. So ist Vossloh auch das erste private Unternehmen, das Instandhaltungsdienstleistungen auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken in China erbringt.

Vossloh Transportation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Geschäftsbereich Transportation bietet sowohl Diesellokomotiven für den Rangier- und Streckendienst als auch alle notwendigen Serviceleistungen rund um die Wartung und Instandhaltung von Lokomotiven an.

Vossloh Locomotives ist in Europa einer der führenden Hersteller von Diesellokomotiven für den Rangier- und Streckenbetrieb. Das Geschäftsfeld gehört seit 1998 zur Vossloh-Gruppe. Der Hauptsitz ist in Kiel, ECM-konforme Servicestandorte befinden sich in Deutschland, Frankreich und Italien. Zum europaweiten Servicenetzwerk gehören auch Partnerwerkstätten und Kooperationen, wie z.B. in Schweden.[26] Diese Position soll weiter ausgebaut werden: Mit einer Gesamtinvestition von rund 40 Mio. Euro entsteht bis Ende 2017 in Kiel-Suchsdorf auf 18.000 Quadratmeter eine hochmoderne neue Produktionsstätte. Mit Fertigstellung des neuen Werks soll auch Vossloh Locomotives veräußert werden.[27]

Die DE 18-Lokomotiven für die französische Akiem S.A.S. werden im neuen Werk in Kiel-Suchsdorf gebaut.

Am Standort in Kiel entwickelt und produziert Vossloh Locomotives technologisch hochmoderne dieselelektrische und dieselhydraulische Mittelführerhaus-Lokomotiven, die mit umweltgerechten Technologien ausgestattet und in vielen Ländern Europas für einen flexiblen grenzüberschreitenden Betrieb zugelassen sind. Zum Standardportfolio gehören neben drei dieselhydraulische (G 6, G 12 / G 18) auch zwei dieselelektrische Modelle (DE Lok-Varianten, wie DE 12 / DE 18). Die stark nachgefragte dreiachsige Rangierlokomotive G 6 ist das erste Modell der modularen Lokfamilie.[28] 2016 erzielte Vossloh Locomotives ein Rekordhoch bei den Auftragseingängen: Ausschlaggebend ist der gewonnene Großauftrag in Frankreich über die Lieferung von 44 dieselelektrischen Lokomotiven vom Typ DE 18.[29]

Darüber hinaus wird das Angebot durch alle notwendigen Serviceleistungen rund um die Wartung und Instandhaltung von Lokomotiven ergänzt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vossloh – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschäftsbericht 2016. Vossloh AG, abgerufen am 14. Juni 2017.
  2. Vossloh-Lokomo gebauttivgeschäft über Plan. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 3/2003, ISSN 1421-2811, S. 109
  3. Christian Schnell: „Vossloh punktet an der Börse mit viel Solidität“. Handelsblatt vom 6. März 2010
  4. Vossloh.com history
  5. Bereich Transportation soll verkauft werden. Eurailpress, vom 01.12.2014, abgerufen am 14. Juni 2017.
  6. Stadler Rail kauft spanisches Lokomotivengeschäft von Vossloh. Blick.ch, 4. November 2015, abgerufen am 7. November 2015.
  7. Aus Vossloh Kiepe wird Kiepe Electric. Eurailpress, vom 10.05.2017, abgerufen am 22. Juni 2017.
  8. Knorr-Bremse completes purchase of Vossloh Electrical Systems. Railway Gazette International, vom 31.01.2017, abgerufen am 14. Juni 2017 (englisch).
  9. Erwerb von Rocla Concrete Tie abgeschlossen. Eurailpress, vom 05.01.2017, abgerufen am 22. Juni 2017.
  10. cm: Bereich Transportation soll verkauft werden. Eurailpress, vom 01.12.2014, abgerufen am 22. Juni 2017.
  11. Nicole Wiethoff, Sebastian Meyer: Mehr Schiene, mehr Lärm? Hrsg.: Der Nahverkehr. 07/08 2016 Auflage. 34. Jahrgang, Nr. 07/08 2016. Der Nahverkehr, S. 20–23.
  12. Eurialpress: China: Großauftrag für Vossloh Core Components. 19. Juli 2016, abgerufen am 14. Juni 2017.
  13. Saudi-Arabien: HGV-Strecke kommt erst 2018. Eurailpress, vom 09.06.2016, abgerufen am 14. Juni 2017.
  14. Freddy Sudol, Mohammed Maatallaoui: Railway Gazette International. Nr. 10/2013. Railway Gazette International, S. 59–60.
  15. Höchste Geschwindigkeiten auf Schotteroberbau. Nr. 11+12/2013. Privatbahn Magazin, S. 40+41.
  16. LGV française: d’importants contrats confortent le leadership. Édition n°105. La lettre Ferroviaire (französisch), 18. März 2014, S. 5–9.
  17. Vossloh´s latest Pointwork. Nr. 14. Railvolution, August 2014, S. 92.
  18. Marcel Taubert: Vortrag „Zehn Jahre High Speed Grinding“. Vossloh AG, 31. Mai 2017, abgerufen am 1. Juni 2017.
  19. High speed grinding expands in China. Railway Gazette International, vom 01.06.2017, abgerufen am 14. Juni 2017 (englisch).
  20. Unternehmensstruktur. Vossloh AG, abgerufen am 14. Juni 2017.
  21. Unternehmensprofil VCO, www.vossloh-cogifer.com, abgerufen am 15. März 2013
  22. Vossloh erwirbt Schienendienstleistungsgeschäft (Memento vom 18. Mai 2015 im Internet Archive)
  23. Unternehmensprofil VRS, abgerufen am 15. März 2013
  24. Konstantin von Diest, Rainer Meyer: Durchgängige Schieneninstandhaltung: Weichenbearbeitung im Fahrplan. 12/2016 Auflage. Eisenbahningenieur, S. 46–50.
  25. Markus Hecht; Sascha Nesterow: Bericht Nr. 02/ 2014 Studie zur Lärmminderung im Schienengüterverkehr. Hrsg.: Technische Universität Berlin; Institut für Land- und Seeverkehr; Fachgebiet Schienenfahrzeuge. S. 27.
  26. Vossloh Locomotives mit neuer Schweden-Tochter. Eurailpress, 7. Oktober 2015, abgerufen am 14. Juni 2017.
  27. Investition in die Zukunft. Nr. 01+02 2017. Privatbahn Magazin, S. 48.
  28. Unternehmensprofil VLO, www.vossloh-locomotives.com, abgerufen am 15. März 2013
  29. Akiem ordert 44 Lokomotiven. Eurailpress, vom 01.08.2016, abgerufen am 14. Juni 2017.

Koordinaten: 51° 15′ 36″ N, 7° 45′ 32″ O