Vuno

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Vuno
Vunoi
Vuno führt kein Wappen
Vuno (Albanien)
Paris plan pointer b jms.svg

Koordinaten: 40° 8′ N, 19° 42′ O

Basisdaten
Qark: Vlora
Gemeinde: Himara
Höhe: 350 m ü. A.
Einwohner: 200 (2012[1])
Telefonvorwahl: (+355) 039
Postleitzahl: 9417

Vuno (albanisch auch Vunoi; griechisch Βουνό Vounó) ist ein kleines Dorf innerhalb der Bashkia (Gemeinde) von Himara im Süden Albaniens. Es liegt an der Albanischen Riviera oberhalb des Ionischen Meers, etwa auf halbem Wege zwischen Dhërmi und Himara.

Durch den regionalen Aufschwung des Badetourismus wird auch Vuno immer wie mehr von Touristen besucht. Übernachtungsmöglichkeiten bestehen am Strand und seit 2013 auch in Form von einzelnen Ferienappartements im Umfeld von Vuno. Vuno ist ein gutes Beispiel der typischen Architektur der Albanischen Riviera. Die rund 200 Steinhäuser, die engen und gepflasterten Gassen sowie die mediterranen Gärten bieten für den Tourismus in Zukunft hohes Potenzial und machen Vuno zu einem besonderen Kulturgut Albaniens. Der britische Maler und Schriftsteller Edward Lear fühlte sich einst beim Anblick des Ortes an die „Palazzini“ Italiens erinnert.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vuno befindet sich am Südhang des Berges Mjegullosh (alb. mjegull: Nebel)[2] des Gebirgsmassivs der Çika auf einer Höhe zwischen 300 und 450 Meter über Meer. Die Berge im Norden erheben sich teilweise bis auf 1300 Meter über Meer. Die ionische Küste ist etwa zwei Kilometer Luftlinie entfernt und kann über eine kurvenreiche Küstenstraße beim Strand Jala erreicht werden. Die Region ist vom Mittelmeerklima geprägt: Dürre Vegetation mit mediterranen Macchien ist kennzeichnend. Gewässer sind rar. Die wenigen Bäche führen im Sommer oft kein Wasser. Südöstlich des Dorfes befindet sich ein kleines Wasserreservoir von etwa 100 Meter Länge und 60 Meter Breite.

In der sommertrockenen Region wachsen neben den erwähnten Macchien auch Oliven, Orangen, Zitronen, Feigen, Walnüsse, Weinreben und verschiedene Blumenarten.[2] Teilweise auch heute noch kultivieren und verarbeiten die Einheimischen diese Pflanzen zu verschiedenen Produkten. Die landwirtschaftliche Fläche umfasst 196 Hektar, davon sind 177 Hektar Olivenhaine, elf Hektar Obstplantagen und acht Hektar Rebberge.[3]

Die Nachbardörfer sind im Westen Ilias und im Osten Himara.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterhalb des Ortes führt die Nationalstraße SH8, welche die Industriestädte Fier und Vlora im Nordwesten mit der bei Badetouristen beliebten Küstenstadt Saranda im Südosten verbindet. Vuno ist jedoch keinesfalls ein Durchgangsort für den Transitverkehr. Da die SH8 ziemlich kurvenreich ist, geht der gesamte Schwerverkehr auf die SH4 über. Auf ihrer ganzen Länge in der Albanischen Riviera wurde die SH8 im Jahr 2008 saniert und auf einigen Teilstrecken auch mit Schutzplanken ausgestattet.

Bei Jala befindet sich eine kleine Anlegestelle für Boote. In Himara gibt es einen kleinen Hafen, die nächsten größeren Häfen befinden sich in Vlora und Saranda.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vuno wurde in den letzten Jahren sehr von der Landflucht in Mitleidenschaft gezogen. Die Bevölkerungszahl beläuft sich heute auf einen Zehntel von derjenigen vor dem Zweiten Weltkrieg. Viele Junge sind in die Städte oder in andere Länder ausgewandert, geblieben sind meist ältere Menschen. Etwa 200 Menschen beziehungsweise 40 Familien hat Vuno heute.[1][2][4] Von einer weit höheren Einwohnerzahl von 457 beziehungsweise 162 Familien spricht hingegen die Bashkia von Himara.[3]
Die ethnische Zusammensetzung ist nicht genau bekannt, da Volkszählungen seit Jahrzehnten keine ethnische Zugehörigkeit erhoben. Traditionell ist Vuno aber wie die gesamte Albanische Riviera von Albanern und Griechen bewohnt, die christlich-orthodox sind und der Autokephalen orthodoxen Kirche Albaniens angehören. Die Albaner sprechen den toskischen Dialekt der Region Labëria.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ältesten Funde menschlicher Besiedlung in Vuno datieren auf das 14. Jahrhundert, als bei Jala die erste Kirche von Venezianern erbaut wurde. Aus späterer Zeit stammen die Kirche des Heiligen Spyridon von 1778 und die Muttergotteskirche von 1783. Es sollen sich zudem 22 weitere Kirchen im Dorf befinden, die mehrheitlich wie ein Großteil der Wohnhäuser verlassen und verfallen sind. Vuno besitzt schon seit Jahren keinen eigenen Priester mehr.[2]

In den 1930er Jahren erbaute der damalige albanische König Ahmet Zogu im südöstlichen Teil des Dorfes ein Internat für Mädchen aus ganz Albanien. Zudem befindet sich im Dorf eine im frühen 20. Jahrhundert errichtete Grundschule, aus der viele Intellektuelle hervorgingen. Heute ist darin eine Herberge untergebracht.[2]

Während des Zweiten Weltkrieges kämpften Dutzende Männer aus Vuno für die Partisanen unter Enver Hoxha. Sie erhielten für ihre Verdienste den Titel „Volksheld“, was Vuno auch den Beinamen „Stadt der Helden“ gab.[2]

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf ein höher gelegenes Dorfquartier, 2006

Vuno ist von seinen in Reihen gegliederten, am Hang liegenden Häusern geprägt, die mit ihren steinernen Fassaden und Dächern sowie den schmalen Fenstern die Volksarchitektur besonders kennzeichnen. Einige Häuser sind über 200 Jahre alt und datieren um das Jahr 1783. Infolge der Emigration wurden viele Häuser verlassen, und heute (2012) sind etwa 60 Prozent verfallen. Im Dorf befinden sich 25 Kirchen, die mehrheitlich aber verfallen sind.[1]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vuno hat eine typische Dorfwirtschaft. Die wenigen Älteren sind mit der Kultivierung von Oliven, Zitrusfrüchten, Nüssen und anderen Früchten sowie mit der Viehzucht beschäftigt. Vor allem Ziegen werden gezüchtet, und der lokal hergestellte Käse gehört zu den kulinarischen Spezialitäten von Vuno.[2]

Als neue Perspektive hat sich der Tourismus in Vuno angeboten. Mit Projekten und Finanzhilfen will die albanische Regierung die Landflucht in der Region bremsen und vermehrt in die unberührten Küstenlandschaften der Albanischen Riviera investieren. Laut dem Ministerium für Öffentliche Arbeiten sollen in den nächsten Jahren in Vuno 75 verfallene Steinhäuser renoviert werden und als Bed-and-Breakfast-Häuser Touristen unterbringen können. Mit den dann erwirtschafteten Gewinne soll mit 25 weiteren Gebäuden ebenso verfahren werden.[1]

Jala[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Strand von Jala. Blick von Norden, 2008

Mit dem Örtchen Jala besitzt Vuno einen eigenen Strand und auch eine kleine Anlegestelle für Boote. Es kann über eine kurvenreiche, etwa fünf Kilometer lange Straße erreicht werden, die östlich von Vuno abzweigt. Der breite Sandstrand von Jala wird bei Touristen immer beliebter. Es gibt ein paar kleine Hotels und einen Campingplatz.[5]

Umweltverschmutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vuno und sein Strand Jala haben mit unterschiedlichen Umweltproblemen zu kämpfen. Seit den 1990er Jahren hat sich so zum Beispiel die Müllentsorgung zu einem Problem entwickelt. In der Altstadt werden teilweise verfallene Häuser als Mülldeponien benutzt. Und am Strand bei Jala lassen viele Campingflächen in Bezug auf Sauberkeit zu wünschen übrig. Vor allem Plastikflaschen und -säcke sind ein großes Problem.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Besar Likmeta: Albaniens steinerne Dörfer erwarten, von neuem Leben erweckt zu werden. In: Balkan Insight. 17. August 2012, abgerufen am 23. August 2012 (englisch).
  2. a b c d e f g h Alqiviadh Dede: Die Albanische Riviera - Vuno und Jala als ihre Perlen. In: Shqip. 15. September 2009, abgerufen am 23. August 2012 (albanisch).
  3. a b Jerasimo Bashi: Büro für Verwaltung und Schutz von Boden. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Bashkia Himara. Archiviert vom Original am 4. Mai 2012; abgerufen am 24. August 2012 (albanisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.himara.gov.al
  4. Ethan Gelber: Vuno hostel and village. In: Open Places. 28. März 2012, abgerufen am 23. August 2012 (englisch).
  5. Camping Jala. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Bashkia Himara. Archiviert vom Original am 21. Februar 2016; abgerufen am 24. August 2012 (albanisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.himara.gov.al
  6. Touristisches Vuno. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Outdoor Albania Association. 1. Juli 2010, archiviert vom Original am 19. Juli 2012; abgerufen am 23. August 2012 (englisch, unbekannte Sprache, albanisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.outdooralbania-association.com

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Vuno – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien