Würges

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Würges
Ehemaliges Gemeindewappen von Würges
Koordinaten: 50° 17′ 0″ N, 8° 16′ 45″ O
Höhe: 213 (200–413) m ü. NHN
Fläche: 13,8 km²[1]
Einwohner: 2579 (30. Jun. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 187 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 65520
Vorwahl: 06434
Emsbach am Würgeser Kirchplatz

Würges bildet heute mit rund 2500 Einwohnern und einer Gemarkung von 1380 ha (davon 628 ha Wald) den südlichsten Stadtteil der Stadt Bad Camberg im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg. Würges ist das südlichste Dorf im Regierungsbezirk Gießen und nach der Kernstadt und Erbach der drittgrößte Stadtteil von Bad Camberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Würges liegt im südlichen Ausläufer des Goldenen Grunds des Hintertaunuses, nördlich des Taunushauptkamms, 18 Kilometer südöstlich von Limburg an der Lahn. Die nächsten Großstädte sind Wiesbaden (31 Straßenkilometer südlich), Frankfurt am Main (48 Straßenkilometer südöstlich, 59 Kilometer über die Autobahn), Koblenz (72 Kilometer westlich) und Siegen (90 Kilometer nördlich).

Die Gemarkung erstreckt sich als ost-westlicher Schlauch von rund acht Kilometern Länge und zwei Kilometern Breite vom Dombachtal über das Emsbachtal bis zur Autobahn. Durch die Würgeser Gemarkung verlaufen die Bundesautobahn 3, die Bundesstraße 8 sowie die Bundesbahnlinie Frankfurt-Limburg und die ICE-Trasse Frankfurt-Köln. Der Ostteil der Gemarkung ist von Mischwald bedeckt, im Westen herrscht Landwirtschaftsfläche vor.

Den Ortsmittelpunkt bildet der Kirchplatz auf einer Höhe von 202 Metern. Die höchste Erhebung in der Würgeser Gemarkung liegt bei 413 Metern im Walddistrikt „Todtenkopf“ im Osten der Gemarkung, in der Nähe von Steinfischbach. Insgesamt steigt das Gelände nach Osten deutlich, nach Westen über das Emsbachtal nur leicht auf bis zu 250 Meter an.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologisch wird die östliche Hälfte der Gemarkung von schieferhaltiger Grauwacke mit kleinen porphyrartigen Einschlüssen am Todtenkopf und Quarzgängen bestimmt. Nördlich und südöstlich an den Ort schließen sich Quarzkies-Lager an. Ein kleines Areal nordöstlich des Orts und die gesamte westliche Gemarkungshälfte werden von Lössschichten bestimmt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Würges blickt zusammen mit Erbach auf die älteste urkundlich nachweisbare Geschichte unter den Bad Camberger Stadtteilen zurück. 768 wurde Würges erstmals urkundlich erwähnt. Damals wurden die Hofstätte Widergisa (Würges) und die Mark von Arilbach (Erbach) an das Kloster Lorsch verschenkt. Schenkungen aus der „Widigiser Mark“ sind aber bereits früher verzeichnet, so dass vermutlich auch die Ansiedlung älter ist. Funde aus der Bandkeramikzeit von etwa 5000 vor Christus westlich des Ortskerns stammen von einer Siedlung, die keine Vorgängerin des heutigen Ortes ist, sondern wieder aufgegeben wurde.

Im Jahr 1962 wurde eine neue Grundschule gebaut, 1974 das Gemeindezentrum und 1985 das Pfarrzentrum.

Am 1. Januar 1974 wurde Würges im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz in die Stadt Camberg eingegliedert.[3][4]

Namensentstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname leitet sich ab aus „Widergisa“ (768), „Widergis“ (1156) und „Wydergis“ (1300). Der Ursprung des Namens ist unklar; wenn nicht schon aus der alemannischen Besiedlung übernommen, dürfte der Name aus der Zeit der fränkischen Besitznahme dieses Gebietes um 520 herrühren.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Würges lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][5]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Würges: Einwohnerzahlen von 1650 bis 2015
Jahr  Einwohner
1650
  
37
1834
  
949
1840
  
1.046
1846
  
1.089
1852
  
1.145
1858
  
1.121
1864
  
1.138
1871
  
1.078
1875
  
1.086
1885
  
1.010
1895
  
969
1905
  
958
1910
  
926
1925
  
1.025
1939
  
1.122
1946
  
1.450
1950
  
1.501
1956
  
1.561
1961
  
1.696
1967
  
2.048
1970
  
2.096
1987
  
2.147
1998
  
2.453
2005
  
2.543
2010
  
2.668
2015
  
2.619
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1][2]; ab 1970: Stadt Camberg

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: 27 evangelische (= 2,67 %), 963 katholische (= 97,33 %) Einwohner
• 1961: 135 evangelische (= 7,96 %), 1554 römisch-katholische (= 91,63 %) Einwohner

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freiwillige Feuerwehr Würges (gegründet 1905, seit dem 2. Januar 1970 mit Jugendfeuerwehr und seit 28. Mai 2010 mit Kinderfeuerwehr) sorgt für den abwehrenden Brandschutz und die allgemeine Hilfe.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die vollständige Liste der Kulturdenkmäler in Würges siehe: Liste der Kulturdenkmäler in Bad Camberg.

Katholische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche St. Ferrutius
Wuerges Ferrutius2.jpg
Portalseite
Wuerges Ferrutius1.jpg
Seitenansicht


Die unter Denkmalschutz stehende katholische Pfarrkirche St. Ferrutius in Würges wurde in den Jahren 1836–38 nach Entwurf von Joh. Lossen in Wiesbaden erbaut. Es handelt sich um eine Hallenkirche mit eingezogenem Fassadenturm und fünfseitigem Chor. Die Kirche wurde aus kleinteiligem Bruchstein unter Verwendung von Klinkern und Werkstein erbaut. Der Stil der Kirche orientiert sich an der italienischen Romanik und ist im Kreis eine Besonderheit.[6]

Die dörfliche Überlieferung behauptet, die Würgeser Kirche in den Dietrichswiesen stehe auf einem Pfahlrost. Das Gelände sei so sumpfig gewesen, dass es nur so möglich gewesen sei, die Kirche dort zu erbauen. Dies entspricht aber nicht den Tatsachen. Beim Bau der Fundamente stieß man auf eine harte Kiesschicht, in die sich gespitzte Eisen nicht eintreiben ließen. Die Kosten des Kirchbaus betrugen 30.000 Gulden und mussten durch einen Holzeinschlag der Gemeinde abgedeckt werden. Bedeutendstes Ausstattungsstück der Kirche ist die „Walsdorfer Madonna“, eine Marienfigur aus dem Umkreis Hans Backoffens (um 1525), die aus dem ehemaligen Benediktinerinnenkloster Walsdorf stammt und im 16. Jahrhundert geschaffen wurde.

Schulgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1829 wurde die heute denkmalgeschützte Schule errichtet. Der zweigeschossige, siebenachsige Putzfachwerkbau wurde außerhalb des älteren Ortskerns erbaut und ist eine typische größere Landschule nach dem nassauischen Schuledikt vom 24. März 1817. Das Dach erhält durch die Aufschieblinge an Traufen und Stützwalmen eine bewegte Form.[7]

Ehemalige Post[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Gebäude der Thurn- und Taxisschen Post stammen aus den Jahren 1790 und 1825. Das ältere Gebäude war am 10. Januar 1801 das Ziel eines Überfalls durch den Räuberhauptmann Schinderhannes. Die erste Poststation entstand 1602. Über die Jahrhunderte prägte die Funktion als Posthalt die Wirtschaftsentwicklung des Orts. Das älteste erhaltene Fachwerkhaus in Würges stammt aus dem Jahr 1568.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Seit der Saison 2017/18 spielt der erfolgreiche Fußballverein und langjährige Hessenligist RSV Würges in der Gruppenliga Wiesbaden. Neben dem RSV besteht in Würges ein weiterer Fußballverein, der FSV Würges, welcher in der Kreisliga C Limburg-Weilburg spielt.
  • Der älteste bestehende Verein in Würges ist der Gesangverein „Eintracht 1852“, der heute neben einem gemischten einen Kinder- und einen Seniorenchor sowie die Theatergruppe „Junge Bühne Würges“ umfasst.
  • Der Turnverein Würges – mit 820 Mitgliedern (2017) größter Würgeser Verein – wurde 1904 gegründet. Er besteht aus den sportlichen Abteilungen – Turnen allgemein, Gerätturnen, Leichtathletik, Gymnastik, Tischtennis, Freizeitkicker, Volkstanz, Wandern und Volleyball – und dem Musikzug – Blasorchester, Jugendblasorchester und Schülerblasorchester. Als Sportstätten dienen die vereinseigene Turnhalle und der Turnplatz sowie das Gemeindezentrum.
  • Der RSV Würges besteht seit 1920 und verfügt mit dem „Stadion Goldener Grund“ über einen eigenen Sportplatz. Der zweite Sportplatz wird vom Fußballclub „FSV Würges 1975“ genutzt.
  • Weitere Vereine des Orts sind der Angelverein AV (gegründet 1974), die Jagdhornbläsergruppe Goldener Grund (1979), die VdK-Ortsgruppe, die Kyffhäuser Kameradschaft (1883), die zugleich die Funktion eines Schützenvereins erfüllt, der Brieftaubenverein Fortuna (1953) und die Kerbeinteressengemeinschaft (KIG) Würges 1998 e.V. Die Freiwillige Feuerwehr Würges e.V. (1905, seit dem 2. Januar 1970 mit Jugendfeuerwehr und seit 28. Mai 2010 mit Kinderfeuerwehr) fördert das Feuerwehrwesen im Ort.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Würges, Landkreis Limburg-Weilburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Statistische Zahlen im Internetauftritt der Stadt Bad Camberg, abgerufen im Januar 2016.
  3. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Limburg und des Oberlahnkreises. (GVBl. II 330-25) vom 12. März 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 5, S. 101, § 9 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 809 kB]).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 369.
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Kath. Pfarrkirche St. Ferrutius In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen
  7. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Ehem. Schule In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen