Würzburger Dom

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Der Würzburger Dom
Der Dom von der Festung Marienberg aus gesehen
Die Westfassade des Doms vor der Renovierung im Jahr 2006

Der St. Kiliansdom zu Würzburg ist eine römisch-katholische Kirche in Würzburg, die dem Heiligen Kilian geweiht ist. Der Dom ist die Bischofskirche des Bistums Würzburg. Mit seiner Doppelturmfassade und einer Gesamtlänge von 105 Metern ist er das viertgrößte romanische Kirchengebäude Deutschlands und ein Hauptwerk deutscher Baukunst zur Zeit der salischen Kaiser.

Geschichte[Bearbeiten]

Die romanische Kirche, erbaut ab 1040 von Bischof Bruno, gilt als die viertgrößte romanische Basilika Deutschlands. Es handelt sich um den dritten Dombau, nachdem die ersten beiden (erbaut um 787 und 855) durch Feuer ganz oder teilweise zerstört worden waren. Nach dem Unfalltod Brunos im Jahr 1045 vollendete sein Nachfolger im Bischofsamt, Adalbero, den Bau im Jahr 1075.

Die Seitenschiffe wurden um das Jahr 1500 spätgotisch umgestaltet. Pietro Magno stuckierte den Dom 1701 im barocken Stil aus.

Nach dem Einsturz großer Teile des Doms am 20. Februar 1946[1] als Folge des Bombenangriffs auf Würzburg am 16. März 1945 wurde er bis 1967 wieder aufgebaut. Dabei wurde die barocke Substanz zugunsten einer Re-Romanisierung zerstört. Die Neuausstattung betont den Gegensatz zu den erhaltenen historischen Partien. So entstand eine umstrittene Kombination aus größtenteils romanischen, modernen und barocken Elementen. Die neoromanische Westfassade mit Fensterrose, dreigliedriger Galerie und Uhrenöffnung wurde beim Wiederaufbau mit einer schlichten Bimssteinmauer verblendet und im Zuge von Renovierungsarbeiten zwischen April 2004 und November 2006 wieder freigelegt.[2] Weiterhin erhielt der Dom als Leihgabe die vom Münchner Hofmaler August Wolff Kopie eines Florentiner Abendmahlsgemälde aus der St.-Bonifatius-Kirche aus Rannungen.[3]

Der Chorraum wurde im Jahr 1988 von Hubert Elsässer umgestaltet. Seit dem 25. Juli 2011 war der Innenraum wegen Bau- und Renovierungsarbeiten geschlossen. Er wurde am 2. Dezember 2012 wieder geöffnet.[4]

Würzburger Synode[Bearbeiten]

Von 1971 bis 1975 tagte im Würzburger Dom die Würzburger Synode. Sie sollte nach dem Willen Julius Kardinal Döpfners die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils für Deutschland umsetzen und zu einem „geistlichen Ereignis“ werden.

Anlage[Bearbeiten]

Kunstwerke[Bearbeiten]

Wuerzburg Dom enlargednumbers.jpg
Merowingerkreuz in der Domkrypta (35)
Sepulturkapelle (73)
Gesichtszüge von Rudolf II. von Scherenberg als Ausschnitt des Epitaphaltars von Tilman Riemenschneider aus Adneter Marmor (11)
Grabmal Lorenz von Bibras von Tilman Riemenschneider aus Adneter Marmor (13)

Die unter den Nummern 24 bis 31 gelisteten Werke befinden sich in der Schönbornkapelle von Balthasar Neumann.

  1. Gitter Markus Gattingers, weiter im Raum: Siebenarmiger Leuchter, Arbeit von Andreas Moritz, 1981
  2. Bischof Gottfried von Spitzenberg († 1190)
  3. Bischof Gottfried III. von Hohenlohe († 1322)
  4. Bischof Manegold von Neuenburg († 1303)
  5. Bischof Otto II. von Wolfskeel († 1345), Arbeit des Wolfskeelmeisters
  6. Dreikönigsgruppe mit Madonna
  7. Bischof Wolfram von Grumbach († 1333)
  8. Bischof Johann II. von Brunn († 1440)
  9. Bischof Albrecht II. von Hohenlohe († 1372)
  10. Bischof Gottfried IV. Schenk von Limpurg († 1455)
  11. Bischof Rudolf II. von Scherenberg († 1495), Arbeit von Tilman Riemenschneider
  12. Bischof Melchior Zobel von Giebelstadt († 1558)
  13. Bischof Lorenz von Bibra († 1519), Arbeit von Tilman Riemenschneider
  14. Bischof Friedrich von Wirsberg († 1573)
  15. Bischof Julius Echter von Mespelbrunn († 1617)
  16. Domkanzel
  17. Bischof Johann Gottfried I. von Aschhausen († 1622)
  18. Bischof Ferdinand von Schlör († 1924)
  19. Stuck in Vierung, Chor und Apsis
  20. Stuck des nördlichen Querschiffs und Propstaltar
  21. Faust von Stromberg († 1673)
  22. Portal zur Pfarrsakristei
  23. Bischof Gerhard von Schwarzburg († 1400)
  24. Bamberger und Mainzer Bischof Lothar Franz von Schönborn († 1729)
  25. St.-Magdalenen-Altar
  26. Bischof Johann Philipp Franz von Schönborn († 1724)
  27. Auferstehungsfresko (Byß)
  28. Portal der Schönborn-Kapelle, Engel (Curé)
  29. Bischof Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim († 1746)
  30. Pietà-Altar
  31. Bischof Johann Philipp von Schönborn († 1673)
  32. Bischof Konrad III. von Bibra († 1544)
  33. Marienaltar
  34. Johann Konrad Kottwitz von Aulenbach († 1610)
  35. Eingang zur Krypta
  36. Bischof Konrad II. von Thüngen († 1540)
  37. Bischof Konrad III. von Bibra († 1544), Bronzeplatte
  38. Bischof Lorenz von Bibra († 1519), Bronzeplatte von Hans Vischer und Peter Vischer dem Älteren
  39. Erasmus Neustetter genannt Stürmer († 1594), Bronzeplatte
  40. Johann Philipp Fuchs von Dornheim († 1727), Bronzeplatte
  41. Richard von der Kere († 1583), Bronzeplatte
  42. Dompropst Albrecht von Bibra († 1511), Bronzeplatte
  43. Georg von Giech († 1501), Bronzeplatte
  44. Bischof Philipp Adolf von Ehrenberg († 1631), Bronzeplatte
  45. Bischof Franz Ludwig von Erthal († 1795)
  46. Bischof Georg Anton von Stahl († 1870)
  47. Bischof Johann Valentin von Reißmann († 1875)
  48. Bischof Franz Joseph von Stein († 1909)
  49. Bischof Adam Friedrich Groß zu Trockau († 1840)
  50. Bischof Georg Karl von Fechenbach († 1808)
  51. Bischof Christoph Franz von Hutten († 1729)
  52. Wandgemälde: St. Felix, Regula und Exuberantius
  53. Bischof Adam Friedrich von Seinsheim († 1779)
  54. Peter von Aufseß († 1522)
  55. Johann von Guttenberg († 1538), Bronzeplatte
  56. Erasmus Neustetter genannt Stürmer († 1594), Bronzeplatte
  57. Johann Konrad Kottwitz von Aulenbach († 1610), Bronzeplatte
  58. Bischof Melchior Zobel von Giebelstadt († 1558), Bronzeplatte
  59. Bischof Friedrich von Wirsberg († 1573), Bronzeplatte
  60. Bischof Julius Echter von Mespelbrunn († 1617), Bronzeplatte
  61. Mariä-Tod-Gruppe
  62. Bamberger Bischof Neidhardt von Thüngen († 1598)
  63. Riemenschneider-Apostel-Altar
  64. Bischof Konrad II. von Thüngen († 1540)
  65. Eichstätter Bischof Moritz von Hutten († 1552)
  66. Dechantaltar
  67. Georg Heinrich von Stadion († 1716)
  68. Bernhard von Solms-Hohensolms-Lich († 1553)
  69. Pforte zum Kreuzgang
  70. Heinrich Truchseß von Wetzhausen († 1548)
  71. Jakob Baur von Eiseneck († 1621)
  72. Paul Truchseß von Wetzhausen-Unsleben († 1528)
  73. Sepulturkapelle mit Fensterzyklus von Georg Meistermann
  74. Jakob Fuchs von Wonfurt († 1558)
  75. Heinrich von Seinsheim († 1360)
  76. Ebbo (unsicher) 10. Jahrhundert
  77. Domschul-Magister (spätgotisch)
  78. Kreuzigungsgruppe, 1763
  79. Friedrich von Brandenburg († 1536)
  80. Alte Domschulpforte, 1565
  81. St. Kilian, 1720 (Esterbauer)
  82. Wandmalerei-Reste: Christus und Maria, Maria und der Evangelist Johannes
  83. Pforte des Jüngsten Gerichts und zwei spätgotische Wappen von Scherenberg und Grumbach
  84. Bischof Johann III. von Grumbach († 1466), noch beschädigt
  85. Bischof Johann I. von Egloffstein († 1411), noch beschädigt
  86. Johann Vitus von Würtzburg († 1756), Bronzetafel
  87. Vitus Gottfried von Wernau († 1649), Bronzetafel
  88. Sebastian Echter von Mespelbrunn († 1575)
  89. Martin von der Kere († 1507), Bronzeplastik und Konrad Friedrich von Thüngen († 1629), Bronzeplastik
  90. Säule Jachin, 11. Jahrhundert
  91. Säule Boas, 11. Jahrhundert
  92. Taufstein von 1279 von Meister Eckart aus Worms
  93. Pietà, um 1420
  94. Fragment der Grabplatte von Daniel von Stiebar († 1555)
  95. Grabstein von Johann Philipp Echter von Mespelbrunn († 1665)
  96. Fragment der Grabplatte von Lorenz Truchseß von Pommersfelden († 1543)
  97. Franz Christ. von Rosenbach († 1687)
  98. Johann Philipp Ludwig Ignaz von Frankenstein († 1780)
  99. Johannes Evangelist von Tilman Riemenschneider
  100. Wappenstein des Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn († 1673)
  101. Grab von Tilman Riemenschneider

Dommusik[Bearbeiten]

Die Tradition der Würzburger Dommusik geht wahrscheinlich bis in die Gründungsjahre des Bistums Würzburg zurück. Mit über 500 aktiven Sängern gehört sie heute zu den bedeutendsten und aktivsten Dommusiken in Deutschland. Vier Ensembles (Würzburger Domchor, Würzburger Domsingknaben, Mädchenkantorei am Würzburger Dom und Kammerchor am Würzburger Dom) gestalten regelmäßig die Liturgie am Kiliansdom und prägen mit ihren geistlichen Konzerten das kulturelle Leben der Stadt und der Region. Die Würzburger Dommusik steht seit 2013 unter Leitung von Domkapellmeister Christian Schmid, seit 2005 wirkt Stefan Schmidt als Domorganist an der Kathedrale. Domkantor ist seit 2011 Alexander Rüth.

Domorgeln[Bearbeiten]

Hauptorgel

Die 1969 geweihten Domorgeln wurden von der Bonner Orgelmanufaktur Klais gebaut. Auf der großen Empore an der Westseite des Langhauses steht die große Hauptorgel (6652 Pfeifen, 87 Register verteilt auf fünf Manuale und Pedal).[5] Die kleinere Chororgel mit 20 Registern, verteilt auf zwei Manuale und Pedal befindet sich auf einer Empore im südlichen Querschiff.

Im Jahr 2009 wurde in den neu eingerichteten Probesäälen eine Probenorgel der Firma Karl Göckel mit acht Registern errichtet.

Es ist geplant, im Hochchor eine weitere Chororgel mit 58 klingenden Registern zu bauen, die das Zusammenspiel mit den Chören (z. B. Würzburger Domsingknaben) im Altarraum erleichtern soll. Ursprünglich sollte diese Orgel bereits 2010 fertiggestellt sein.

Glocken[Bearbeiten]

Der Dom hat heute 20 Glocken mit einem Gesamtgewicht von 26 Tonnen.[6][7] Sie bilden eines der größten Kirchengeläute Deutschlands.

Hauptgeläut[Bearbeiten]

Elf der zwölf Glocken des Hauptgeläutes wurden 1965 von Friedrich Wilhelm Schilling in Heidelberg gegossen. Im Vergleich zu herkömmlichen Glocken goss Schilling das Würzburger Geläute in progressiver Rippe (zunehmende Rippenstärke bei aufsteigender Tonhöhe). Die großen Glocken sind rund ein Drittel schwerer, die kleinen fast doppelt so schwer wie Glocken mittelschwerer Rippe.

Die älteste und gleichzeitig einzig erhaltene der ursprünglichen Glocken ist die Lobdeburg-Glocke. Weil sie 1933 aus dem Turm genommen und in die Sepultur des Doms gebracht worden war, hat sie den Feuersturm des 16. März 1945 überstanden, dem die übrigen Glocken des Doms zum Opfer fielen. „Neueste Forschungen haben gezeigt, dass sie 1257 von einem der bekanntesten Glockengießer ihrer Zeit geschaffen wurde, vom Würzburger Cunradus Citewar“, so der Architekt Siegfried Issig, amtlicher Glockensachverständiger des Bistums. Das bedeutet, dass diese Glocke bei der Amtseinführung von 50 der 88 Bischöfe Würzburgs sowie bei der Weihe der meisten Würzburger Weihbischöfe (bis auf vier) geläutet hat. Am Michaelstag 2007 wurde ihr 750. Jubiläum gefeiert. Jeden Freitag außerhalb der Karwoche erinnert sie um 15 Uhr mit ihrem archaischen Klang an die Todesstunde Jesu am Kreuz.

Nr. Name(n) Gussjahr Gießer, Gussort Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Nominal
(HT-1/16)
Turm Inschrift
1 Salvator 1965 Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg 2318 9080 g0 ±0 Süd JESV CHRISTE – SALVATOR MVNDI VENI CVM PACE – ANNO DOMINI MCMLXV
(Jesus Christus – Retter der Welt, komm in Frieden – Im Jahre des Herrn 1965).
2 Kilian, Kolonat und Totnan (Märtyrer) 1765 3968 b0 ±0 Nord
3 Osanna 1573 2786 c1 ±0
4 Maria 1487 2390 d1 ±0
5 Lobdeburg 1257 Magister Cunradus Citewar, Würzburg 1270 1386 es1 +5 Süd
6 Michael 1965 Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg 1237 1354 f1 ±0 Nord
7 Peter und Paul 1104 951 g1 ±0
8 Bruno 1087 934 a1 ±0
9 Andreas 1023 814 b1 ±0
10 Evangelisten 910 578 c2 ±0
11 Josef 808 400 d2 ±0
12 Martin 751 368 f2 ±0

Zimbelgeläut[Bearbeiten]

Seit 2008 ergänzen im Südwestturm acht weitere Glocken der Glockengießerei Perner aus Passau in der tonhöheren Oktave die Glocken des Hauptgeläuts; die Schlagtonfolge reiht sich nahtlos an.[8]

Nr. Name Gussjahr Gießer, Gussort Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Nominal
(HT-1/16)
Turm
1 Frieden 2008 Rudolf Perner, Passau 600 158 g2 ±0 Süd
2 Kreuz 527 109 a2 ±0
3 Kapitel 502 97 b2 +2
4 Chor 447 68 c3 +2
5 Augustinus 393 46 d3 +1
6 Salve Regina 371 38 es3 +3
7 Auferstehung f3
8 Bürger g3

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Kuhn, Großer Führer durch Würzburgs Dom und Neumünster mit Neumünster-Kreuzgang und Walthergrab, 1968.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bilderserie Würzburg im Jahr 1946. mainpost.de, abgerufen am 16. November 2010.
  2. Würzburger Dom renoviert – katholisch.de
  3. Die Rannunger St.-Bonifatius-Kirche auf www.rannungen.de
  4. Würzburger Kiliansdom nach umfangreicher Sanierung wieder eröffnet, Die Welt, 2. Dezember 2012
  5. Die Orgeln des Würzburger Doms – Dom Würzburg (dom-wuerzburg.de) (abgerufen am 15. November 2009)
  6. Süßer Klang – nicht nur an Weihnachten – Pressestelle des Ordinariates Würzburg (abgerufen am 4. November 2009)
  7. Die Glocken des Doms – Dom Würzburg (www.dom-wuerzburg.de) (abgerufen am 4. November 2009)
  8. Neue Glocken des Würzburger Doms – Video bei YouTube (03:19) (abgerufen am 4. November 2009)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dom St. Kilian (Würzburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

49.7933777777789.9323972222222Koordinaten: 49° 47′ 36,2″ N, 9° 55′ 56,6″ O