Wüstung auf dem Lindenbrink

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Wüstung auf dem Lindenbrink ist eine wüst gefallene frühmittelalterliche Siedlung bei Riehe im Landkreis Schaumburg in Niedersachsen.

Blick von Westen auf die Erhebung Lindenbrink mit der Wüstungsstelle, dahinter Riehe

Lage und Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftbild vom Lindenbrink
Die Erhebung Lindenbrink von Süden, im Vordergrund der Bachlauf
Anhänger mit Darstellung eines Greifs, 12. Jahrhundert

Die Siedlung lag westlich von Riehe auf der Geländeerhebung Lindenbrink, die sich mit 61 m ü. NN wenige Meter von der flacheren Umgebung abhebt. Am Fuße der Erhebung fließt ein Bach. In der Nähe wird der in Ost-West-Richtung verlaufene Hellweg vor dem Santforde angenommen.

Der Name der Siedlung ist historisch nicht überliefert. Alten Erzählungen nach hätten auf der Erhebung Häuser gestanden. Entsprechende Angaben finden sich in einer Gemeindeakte, wonach die ersten fünf Häuser von Riehe auf dem Lindenbrink gestanden hätten. Ein Hinweis auf eine frühere Bebauung sind hochgepflügte Steine, von denen ältere Landwirte des Ortes berichten.

Untersuchungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Untersuchungen nahm der örtliche Arbeitskreis Heimatgeschichte im Jahr 2012 durch Feldbegehungen vor. 2016 kam es durch ehrenamtliche Mitarbeiter der Kommunalarchäologie der Schaumburger Landschaft zu weiteren Begehungen und der Absuche mit dem Metalldetektor. Da auf dem Feld ab dem Jahr 2016 die Pflugtiefe von 21 auf 26 cm abgeändert wurde und dadurch eine Zerstörung von tiefer liegenden Fundstücken drohte, ließ die Kommunalarchäologie 2018 auf dem Areal geophysikalische Prospektionen mittels Magnetometer vornehmen.[1] Damit konnten verschiedene Befunde erkannt werden, bei denen es sich um Gruben, Grubenhäuser und einen Brunnen handeln könnte. Außerdem ließen sich aufgrund des trockenen Frühjahr 2018 auf Luftbildern anhand von Bewuchsmerkmalen die Pfostenlöcher eines rund 30 Meter langen Gebäudes identifizieren. 2019 äußerte der für die Fundstelle zuständige Kommunalarchäologe Jens Berthold, dass es zukünftig punktuelle Ausgrabungen zur Überprüfung der bisherigen Untersuchungsergebnisse geben könnte.

Fundstücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den bei Begehungen geborgenen Fundstücken zählen verschiedene Arten von Fibeln, wie Kreuz-, Kreuzscheiben-, Braketeaten- und Scheibenfibeln. Es handelt sich um kleine schmuckähnliche Gegenstände mit einer christlichen Symbolik, die ins 7. bis 10. Jahrhundert datieren. Einige der gefundenen Gegenstände waren im Mittelalter kostspielig, was auf die Anwesenheit von Adel an dieser Stelle hinweist.[2] Zu den hochwertigeren Stücken zählen ein Schwertgurtbeschlag und ein bronzener Anhänger aus dem 12. Jahrhundert mit der Darstellung eines Greifs, der ein Pferdegeschirr dekorierte.[3] Weitere Fundstücke waren Webgewichte und ein Messer sowie Keramikfragmente als blau-graue Ware aus dem Mittelalter.

Einzelne Fundstücke wurden 2019 im Niedersächsischen Landesmuseum in der Sonderausstellung Saxones. Eine neue Geschichte der alten Sachsen gezeigt.[4][5]

Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Archäologe Jens Berthold (rechts) stellt den Bürgern in Riehe die Untersuchungsergebnisse vor, 2019

Das leicht erhöhte Areal des Lindenbrinks mit einem Bachlauf in der Nähe war ein geeigneter Siedlungsplatz an, da sich Menschen auf fruchtbaren Böden und an überflutungssicheren Rändern von Wasserläufen niederließen. Bei der Auswahl des Platzes dürfte auch die Nähe zum Hellweg eine Rolle gespielt haben.[6] Es wird angenommen, dass um das Jahr 800 in der Zeit der Christianisierung der Lindenbrink bereits besiedelt war. Die Annahme gründet sich auf den gefundenen frühmittelalterlichen Kreuzscheibenfibeln und weiteren Fundstücken mit christlicher Symbolik. Sie sind der Zeit Karl des Großen zuzuordnen, als die Franken die Sachsen in Norddeutschland zum Christentum brachten.[7] Vergleichbare Funde gab es außer in Stadthagen bisher nicht im nördlichen Bereich des Landkreises Schaumburg}.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wüstung auf dem Lindenbrink – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Den Deckel der Geschichte öffnen in Schaumburger Wochenblatt vom 28. Februar 2018 als Weblink; Den Deckel der Geschichte öffnen als pdf
  2. Andrea Göttling: Magnetfeld bringt Licht ins Dunkel in Schaumburger Nachrichten vom 26. Februar 2018
  3. Scherben sorgen für Staunen in Schaumburger Wochenblatt vom 9. August 2017
  4. Lindenbrink-Funde werden im Landesmuseum gezeigt in Schaumburger Nachrichten vom 16. April 2019
  5. Vom Acker in die Ausstellung in NANU vom April 2019
  6. Stumme Zeugen erster Christen in Schaumburger Nachrichten vom 31. Juli 2017
  7. Auf den Spuren der ersten Christen in Schaumburg in Schaumburger Wochenblatt vom 2. August 2018
  8. Archäologische Funde machen die Runde in Schaumburger Wochenblatt vom 2. Februar 2018

Koordinaten: 52° 21′ 2,5″ N, 9° 23′ 44,5″ O