Węgorzewo

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Dieser Artikel behandelt die Stadt in der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Für den Ort in der Woiwodschaft Großpolen siehe Węgorzewo (Okonek).
Węgorzewo
Wappen von Węgorzewo
Węgorzewo (Polen)
Węgorzewo
Węgorzewo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Węgorzewo
Fläche: 10,87 km²
Geographische Lage: 54° 13′ N, 21° 45′ OKoordinaten: 54° 13′ 0″ N, 21° 45′ 0″ O
Einwohner: 11.633
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 11-600, 11-601
Telefonvorwahl: (+48) 87
Kfz-Kennzeichen: NWE
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 63: PerłyGiżyckoPiszŁomżaSławatycze/Weißrussland
DW 650: (Kętrzyn–) Stara RóżankaGołdap
Nächster int. Flughafen: Danzig
Kaliningrad
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 341,00 km²
Einwohner: 17.248
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 51 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2819033
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Krzysztof Piwowarczyk[2]
Adresse: ul. Zamkowa 3
11-600 Węgorzewo
Webpräsenz: www.wegorzewo.pl



Węgorzewo [vɛŋgɔˈʒɛvɔ] (deutsch Angerburg, litauisch Ungura oder Unguris) ist eine Stadt mit knapp 12.000 Einwohnern in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Sie ist eines der Zentren in der Region Ermland-Masuren. Der Name der Stadt leitet sich von den Aalen, altpreußisch angurgis (polnisch Węgorz, litauisch Ungurys) ab, die hier früher in großer Zahl gefangen wurden.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt in der Masurischen Seenplatte im historischen Ostpreußen am Ausfluss der Angerapp (Węgorapa) in den Mauersee (Mamry) bzw. Schwenzaitsee, etwa 95 Kilometer (Luftlinie) südöstlich von Königsberg (Kaliningrad) und 22 Kilometer nördlich der Stadt Lötzen (Giżycko). Die Entfernung zur Grenze der russischen Oblast Kaliningrad im Norden beträgt 20 Kilometer

Die Stadt Węgorzewo (Angerburg)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stadtwappen wurde durch Herzog Albrecht Friedrich von Preußen im Jahre 1571 erteilt. Es stellt auf blauem Hintergrund einen silbernen Turm mit spitzem rotem Dach und goldener Windfahne dar. Der Turm ist mit einem großen, geteilten Schild belegt, der oben in Silber einen wachsenden roten Adler zeigt, unten von Silber und Schwarz geviert ist. Der rote Adler weist auf den Markgrafen von Brandenburg hin, das silber-schwarze Schachbrettmuster auf die Hohenzollern. In ähnlicher Form werden diese Symbole auch in den Wappen der nahe gelegenen Gemeinden Gołdap und Olecko (Treuburg) verwendet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angerburg nördlich des Mauersees, südöstlich von Königsberg und nördlich der Stadt Lötzen, auf einer Landkarte von 1908.
Stadtzentrum mit Pfarrkirche (bis 1945 evangelisch)
Innenhof des Schlosses

Schon in einer Chronik aus dem Jahre 1335 wird eine „Angirburg“ erwähnt, bestehend aus einem Blockhaus, einer Palisade und einem Wachturm. In einem weiteren Dokument von 1341 wird berichtet, dass bei der Angerburg zwölf Prußen wegen treuer Dienste mit Land an den Flüssen Worape und Angrabe (Angerapp) vom Ritterorden belohnt wurden.[3] 1363 zerstörte der litauische Großfürst Kynstudt die Angerburg,[4] doch an gleicher Stelle errichtete der Ritterorden dreißig Jahre später eine neue Burg, diesmal aus Stein. Sie sollte der weiteren Erschließung des Landes dienen.

Ende des 15. Jahrhunderts war die Gegend um die Angerburg bereits besiedelt. Es wurde Landwirtschaft betrieben und für den Bau einer Wassermühle der Mauersee bzw. Schwenzaitsee aufgestaut. Um 1510 hatte sich bei der Burg eine Ortschaft entwickelt, deren Name abwechselnd als Neudorf oder Gerothwol erwähnt wird. Nach der Gründung des Herzogtums Preußen wurde die Angerburg Sitz des Amtshauptmanns. 1571 verlieh Herzog Albrecht dem Ort auf Antrag seiner Bewohner das Stadtrecht und bestimmte, dass die Stadt künftig den Namen Angerburg führen solle. Bei einem Großbrand im Jahre 1608 wurden weite Teile der Stadt vernichtet, unter ihnen die 1528 errichtete Holzkirche und das gerade zwanzig Jahre alte Rathaus.

Angerburg 1684 (Christoph Hartknoch)
Historische Ansicht von Angerburg
Historische Ansicht des Neuen Marktes in Angerburg
Alte Fliegeraufnahme der Angerburger Altstadt, vorne rechts der Neue Markt, hinten rechts der mit Linden umstandene Kirchberg
Blick auf die Stadt von der Angerapp aus Richtung Mauersee
Węgorzewo, Ulica Zamkowa (Schloss-Strasse)

In den folgenden Jahrzehnten hatte die Stadt unter dem schwedisch-polnischen Krieg, den Tatareneinfällen und mehreren Pestepidemien, zuletzt 1710, zu leiden. Aufschwung erfuhr die Stadt erst wieder, als 1718 Angerburg zur Garnisonsstadt ernannt wurde. Zur Förderung der Wirtschaft wurde an der Angerapp ein Hafen gebaut, 1740 erhielt die Stadt ein Wasserleitungssystem und die Garnison baute zehn Kasernen. Zu dieser Zeit hatte Angerburg etwa 1.800 Einwohner. Danach litten die Bewohner wieder unter den kriegerischen Auseinandersetzungen. Im Siebenjährigen Krieg besetzten russische Truppen die Stadt, in den napoleonischen Kriegen schleppten zuerst die Russen Typhus ein, anschließend plünderten Franzosen und Polen die Stadt.

1818 wurde Angerburg Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises in Ostpreußen. 1820 trat wieder eine positive Entwicklung für die Stadt ein, ein Lehrerseminar und eine Taubstummenschule wurden eröffnet. Die Einwohnerzahl stieg auf 3.500. Die Kanalisierung der Angerapp und der Ausbau des Hafens 1856 ließen das Gewerbe der Stadt weiter expandieren. Allerdings musste es die Stadt hinnehmen, dass 1858 die Garnison verlegt wurde. Auch das Landgericht und die Staatsanwaltschaft zogen von Angerburg weg, weil der Kreistag die Anbindung der Stadt an das neu entstehende Landstraßennetz und die Eisenbahn verhinderte. Erst als 1898 endlich ein Bahnanschluss geschaffen wurde, konnte sich Angerburg als Handelszentrum etablieren. Große Bedeutung erfuhr die Stadt durch die Errichtung der Behindertenanstalt Bethesda, durch die sie deutschland- und europaweit bekannt wurde. Im 1842 gegründeten Verlag Priddat erschien die Zeitung „Bote am Mauersee“. Im Jahre 1886 wurde eine zweite Druckerei gegründet, die von 1905 an die „Angerburger Kreiszeitung“ herausbrachte. Diese beiden Zeitungen wurden 1936 zwangsweise vereinigt.[5]

Kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges wurde Angerburg wieder Garnisonsstadt. Zu diesem Zeitpunkt war die Bevölkerung auf 5.800 Einwohner gestiegen. Bei der Schlacht an den Masurischen Seen im September 1914 kam es in der Umgebung Angerburgs zu heftigen Kämpfen. In der Nähe von Angerburg liegt der deutsche-russische Soldatenfriedhof Jägerhöhe. Der Krieg beeinträchtigte die Stadt nur wenig, und nach seinem Ende wuchs sie durch neue Siedlungsbauten. Durch die Aufnahme eines regelmäßigen Schiffsverkehrs auf der Angerapp entstand mit dem Fremdenverkehr ein neuer Wirtschaftszweig.

Zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 lebten 7.700 Menschen in der Stadt, die zunächst vom Einzug eines Reiterregimentes profitierte. Durch Eingemeindungen wuchs Angerburg weiter an, bei der letzten deutschen Volkszählung 1939 wurden 9.846 Einwohner ermittelt.

Als gegen Ende des Zweiten Weltkriegs die Rote Armee näher rückte, wurde Angerburg, anders als die östliche Nachbarstadt Gołdap, nicht von der deutschen Wehrmacht verteidigt, sondern im Zuge einer Frontbegradigung von ihr aufgegeben. Dadurch konnte die deutsche Zivilbevölkerung planmäßiger als andernorts die Flucht antreten. Da die Rote Armee bereits auf Elbing vorgestoßen und Ostpreußen abgeschnitten war, blieb den meisten Angerburgern nur die Flucht über das Frische Haff oder den Seehafen Pillau. Am 25. Januar 1945 erreichte die Sowjetarmee die verlassene Stadt. Trotz der kampflosen Einnahme kam es zu schweren Verwüstungen. Angerburg wurde zu einem großen Teil niedergebrannt. In der Altstadt blieben nur wenige Gebäude erhalten. Der Stadtkern wurde bei der Besetzung von Sowjetsoldaten zu etwa 80 % zerstört.

Im Frühjahr 1945 wurde die Stadt unter polnischer Verwaltung gestellt. Es setzte danach der Zuzug polnischer und ukrainischer Zivilisten ein. Die Polen und Ukrainer hatten vorwiegend völkischen Minderheiten in Gebieten östlich der Curzon-Linie angehört. Angehöriger solcher Minderheiten waren an ihren Heimatorten vor die Wahl gestellt worden, entweder eine neue Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder auswandern zu müssen. Soweit die deutschen Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Später kamen Neusiedler aus Zentralpolen und zusätzlich zahlreiche Ukrainer aus den Beskiden. Die Stadt wurde zunächst in Węgobork umbenannt und erhielt 1946 dann ihren heutigen Namen.

Nach dem Ende der Volksrepublik 1989 gewann der Ort vor allem an Bedeutung für den Fremdenverkehr der Masurischen Seenplatte.

Angerburg war ein Zentrum des deutschen Eissegelns. Mehrfach wurden Europameisterschaften auf dem Mauersee durchgeführt.[6]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 2.213 ohne die Garnison (ein Bataillon Infanterie)[7]
1875 4.108 [8]
1880 4.327 [8]
1890 4.301 [8]
1910 5.855 [8]
1925 6.911 [8]
1933 7.823 [8]
1939 9.846 davon 9.198 Evangelische, 324 Katholiken, 120 sonstige Christen und 16 Juden[8]
2007 11.634 [9]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1478 hatte der Flecken Angerburg noch keine eigene Kirche; die Einwohner waren auf die Kirche in Engelstein angewiesen, die wohl die älteste der Region war.[10][11] 1489 erteilte der ermländische Bischof Lucas Watzenrode die Genehmigung zum Bau einer Kapelle in Angerburg.

Evangelisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Pfarrkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Hauptartikel: Pfarrkirche Angerburg
Blick auf den Schnitzaltar von 1652 eines Königsberger Meisters in der Pfarrkirche

Eine Kirche aus Holz errichtete man bereits im Jahre 1528[12]. Sie wurde 1605 bis 1611 durch einen Backsteinbau ersetzt – der letzten Kirche gotischen Stils in Ostpreußen[13]. Das Gotteshaus hat einen dreiseitig geschlossenen Chor und einen vorgesetzten Westturm. Der reich geschnitzte Altar stammt aus dem Jahr 1652 und wurde von einer Königsberger Werkstatt gefertigt. Die Orgel stammt aus 1647/48 und der Werkstatt von Joachim Thiele in Rastenburg (polnisch Kętrzyn). Im frühen 18. Jahrhundert erweiterte man die Kirche durch einen Anbau von Querflügeln[12]. Der Turm wurde 1743 erhöht, seine Haube mit Laterne erhielt er 1826. Die Kirche ist heute ein Gotteshaus der Römisch-katholischen Kirche und den Aposteln Petrus und Paulus geweiht[14].

Kreuzkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Hauptartikel: Kreuzkirche (Angerburg)

In den Jahren 1930 bis 1933 wurde der Neubau der Anstaltskirche des Angerburger „Krüppelheims“ errichtet und am 2. Oktober 1933 eingeweiht, der man den offiziellen Titel „Bethesda-Jubiläums-Kreuzkirche“ gab. Sie dient heute als Gotteshaus der Griechisch-katholischen Kirche.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon bald nach Einführung der lutherischen Reformation wurde in Angerburg eine evangelische Kirchengemeinde gegründet[15]. Das war im Jahre 1528. Hier nahmen zwei Geistliche ihren Dienst auf, verstärkt um einen Hilfsprediger zu Beginn des 20. Jahrhunderts[16]. Bis 1726 war die Kirchengemeinde in die Inspektion Rastenburg (Kętrzyn) eingegliedert, bis 1945 war Angerburg dann Sitz und namensgebend für einen eigenen Kirchenkreis (Synode) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Zur Kirchengemeinde Angerburg gehörten im Jahre 1925 insgesamt 10.000 Gemeindeglieder, von denen mehr als zwei Drittel in der Stadt lebten. Neben der Stadtkirchengemeinde mit ihrem weitflächigen Kirchspiel gab es seit 1912 die Anstaltsgemeinde der Betreuungseinrichtung „Bethesda“ mit der Kreuzkirche.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung in Kriegsfolge ließen 1945 das kirchliche Leben der evangelischen Gemeinden zum Erliegen kommen. Heute leben nur wenige evangelische Einwohner in Węgorzewo, die von der Pfarrei in Giżycko (Lötzen) als Filialgemeinde betreut werden. Sie gehört zur Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen. Die der griechisch-katholischen Gemeinde gehörende Kreuzkirche dient ihnen in Mitbenutzung als Gotteshaus.

Kirchenkreis Angerburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945 war Angerburg Sitz einer Superintendentur für einen Kirchenkreis mit zehn Pfarreien und elf Gemeinden:

Name Änderungsname
1938 bis 1945
Polnischer Ortsname Name Änderungsname
1938 bis 1945
Polnischer Ortsname
Angerburg-Pfarrkirche Węgorzewo Kruglanken Kruklanki
Angerburg-Kreuzkirche Węgorzewo Kutten Kuty
Benkheim Banie Mazurskie Olschöwen Kanitz Olszewo Węgorzewskie
Buddern Budry Possessern Großgarten Pozezdrze
Engelstein Węgielsztyn Rosengarten-
Doben
Radzieje
Doba

Römisch-katholisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ehemals evangelische und heute römisch-katholische Kirche St. Peter und Paul
Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Kirche Zum Guten Hirten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1913 wurde in Angerburg eine erste katholische Kirche errichtet und „Kirche Zum Guten Hirten“ (polnisch Kościół Dobrego Pasterza) genannt. Bis heute dient sie als römisch-katholisches Gotteshaus. Am 9. Juni 2013 wurde mit einem Festgottesdienst das 100-jährige Bestehen gefeiert.

Kirche St. Peter und Paul[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach 1945 übernahm die Römisch-katholische Kirche in Polen die bisher der evangelischen Gemeinde gehörende aus dem 17. Jahrhundert stammende Pfarrkirche. Sie war nur unwesentlich im Kriege in Mitleidenschaft gezogen worden, dennoch wurden in der Folgezeit Restaurierungsarbeiten erforderlich. Sie ist heute die größte katholische Kirche in Węgorzewo und den Aposteln Peter und Paul (polnisch Kościół Św. Apostołów Piotra i Pawła) gewidmet[14].

Kirche der Muttergottes von Fatima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 1988/89 erbaut konnte die jüngste aller Kirchen in Węgorzewo am 27. Juni 1989 von Bischof Edmund Piszcz geweiht werden. Die ist der Gottesmutter von Fatima gewidmet (polnisch Kościół Matki Bożej Fatimskiej).

Pfarrgemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine katholische Pfarrgemeinde existierte in Angerburg erst seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie gehörte zum Bistum Ermland und war für etwa 200 Gemeindeglieder in Angerburg und Umgebung zuständig. Heute gibt es in Węgorzewo drei Pfarrgemeinden, die im Dekanat Węgorzewo mit sechs Umlandgemeinden zusammengeschlossen sind. Es ist Teil des seit 1992 bestehenden Bistums Ełk (Lyck) der Römisch-katholischen Kirche in Polen.

Dekanat Węgorzewo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dekanat Węgorzewo ist eines von 21 Dekanaten im Bistum Ełk. Ihm sind neun Pfarrgemeinden zugeordnet:

Name Deutscher Name Änderungsname
1938 bis 1945
Budry Buddern
Kuty Kutten
Olszewo Węgorzewskie Olschöwen Kanitz
Pozezdrze Possessern Großgarten
Radzieje Rosengarten
Węgielsztyn Engelstein
Węgorzewo (Zum Guten Hirten) Angerburg
Węgorzewo (St. Peter und Paul) Angerburg
Węgorzewo (Muttergottes von Fatima) Angerburg

Griechisch-katholisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kreuzkirche (Angerburg)
Die Kreuzkirche – einst evangelische Anstalts- und heute griechisch-katholische Pfarrkirche

In Węgorzewo besteht eine Gemeinde der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche. Ihr Gotteshaus ist die frühere Bethesda-Anstaltskirche, die ihren früheren Namen „Kreuzkirche“ (polnisch Cerkiew Św. Krzyża) beibehalten konnte. Sie war vorübergehend im Besitz der Evangelischen Kirche, die sie jedoch der Griechisch-katholischen Gemeinde übereignete. Dafür dürfen hier auch evangelische Gottesdienste stattfinden.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirtschaft belebte sich nach dem 1880 gegründeten Siechen- und Krüppelheim, den »Wohltätigkeitsanstalten Bethesda« und nach 1920 durch den Eissegelsport auf dem Mauersee bzw. Schwenzaitsee.

Als Industriestadt hat Angerburg vor 1945 nie größere Bedeutung gehabt, sondern vor allem als regionales Dienstleistungszentrum. Bekanntester Betrieb war die Fischbrutanstalt, in der vor allem Maränen und Aale gezüchtet wurden. Der Tourismus entwickelte sich hier schon recht früh und ist heute der wichtigste Wirtschaftsfaktor. Die Grenzziehung von 1945 schnitt Angerburg hart vom nördlichen Umland ab.

Nach Stilllegung des Personenverkehrs nach Kętrzyn (Rastenburg) hat die Stadt heute keinen Bahnanschluss mehr. Die Verbindungen nach Gołdap (Goldap) und Giżycko (Lötzen) wurden bald nach Kriegsende demontiert und nicht wieder aufgebaut, die Strecken nach Gussew (Gumbinnen) und Schelesnodoroschny (Gerdauen) wurden durch die Grenze unterbrochen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Stadt geboren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Stadt verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Streicher (1882–1945), Architekt und sozialdemokratischer Landrat, umgekommen in KZ Auschwitz
  • Berthold Beitz (1913–2013), Unternehmer, wuchs zum Teil in Angerburg auf

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seven Festival : eine Musik-Veranstaltung mit Rock-Konzerten über 4 Tage im Sommer in Węgorzewo.

Stadt- und Landgemeinde Węgorzewo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Węgorzewo mit Sitz in der Stadt Węgorzewo zählt 16.824 Einwohner. Sie leben auf einer Fläche von 341,11 km², was 49,19 % der Gesamtfläche des Powiat Węgorzewski entspricht. 52 % der Fläche sind landwirtschaftliche Nutzfläche, 15 % sind Wald und forstwirtschaftliche Nutzfläche.

Nachbargemeinden sind:

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Węgorzewo gehören die folgenden Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
Biedaszki Biedaschken
1938–1945 Wieskoppen
Łęgwarowo Lingwarowen
1938–1945 Berglingen
Skrzypy Steinhof bei Rosengarten
Brzozowo Brosowen
1938–1945 Hartenstein
Maćki Schönbrunn Sobin Karlshöh
Czerwony Dwór Rothof Mamerki Mauerwald Stawiska Stawisken
1938–1945 Teichen
Dąbrówka Mała Klein Dombrowken
1938–1945 Dammfelde
Matyski Steinhof bei Angerburg Stawki Stawken
1938–1945 Staken
Dłużec Langbrück Nowa Guja Neu Guja Stręgiel Groß Strengeln
Dowiackie Nowiny Ogonki Ogonken
1938–1945 Schwenten
Stulichy Stullichen
Guja Groß Guja Parowa Birkental Suczki Sutzken
1938–1945 Sutzen
Jakunowo Jakunowen
1929–1945 Angertal
Pasternak Waldhof Surwile Serwillen
Janówko Johanneshof Perły Perlswalde Sztynort Groß Steinort
1928–1945 Steinort
Jerzykowo Georgenau Pilwa Pilwe Sztynort Mały Klein Steinort
Kal Kehlen Pniewo Stobben Tarławecki Róg Mittenort
Kalskie Nowiny Kehlerwald Prynowo Prinowen
1938–1945 Primsdorf
Tarławki Taberlack
Kamień Stein Przystań Pristanien
1938–1945 Paßdorf
Trygort Thiergarten
Kamionek Wielki Ziegelei Steinort Radzieje Rosengarten Węgielsztyn Engelstein
Karłowo Karlswalde Róże Rosenhof Węgorzewko Angerburg, Gut
Kietlice Kittlitz Różewiec Rosenstein Wesołowo Groß Wessolowen
1938–1945 Raudensee
Klimki Klimken Rudziszki Raudischken
1938–1945 Raudingen
Wilkowo Wilkowen
1938–1945 Geroldswalde
Kolonia Rybacka Ruska Wieś Reussen Wysiecza Waldheim
Łabapa Labab Rydzówka Rehsau Zacisz Südenort
Zielony Ostrów Bergenthal

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Marienwerder 1785, S. 40–41 (Online, Google)
  • Max Toeppen: Geschichte Masurens – Ein Beitrag zur preußischen Landes- und Kulturgeschichte. 1870 (540 Seiten); Nachdruck 1979, S. 111–112.
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 56–57, Nr. 20.
  • Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 308–311.
  • Nachrichten über den Unterstützungsverein für verwaisete und arme Kindern zu Angerburg. In: Preußische Provinzial-Blätter, Band 2, Königsberg 1829, S. 539–553.
  • Zur Geschichte der Stadt Angerburg (1750–1831). In: Preußische Provinzial-Blätter, Band 20, Königsberg 1838, S. 200–222.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Węgorzewo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Gmina Węgorzewo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Angerburg in der Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae (Matthäus Merian) – Quellen und Volltexte

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Website der Gemeinde, Burmistrz Węgorzewa, abgerufen am 14. April 2015
  3. Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 46.
  4. Lucas David: Preussische Chronik. Band 7, Königsberg 1815, S. 63.
  5. Bernd Braumüller, Erich Pfeiffer: Heimat am Mauersee, Ein Bildband über den Kreis Angerburg/Ostpreußen, Selbstverlag der Kreisgemeinschaft Angerburg, Rotenburg (Wümme), 1977, S. 85
  6. http://www.tutima-yacht.de/Pdf/tutima_penthouse.pdf
  7. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Marienwerder 1785, S. 41.
  8. a b c d e f g Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Ostpreußen: Landkreis Angerburg (2006).
  9. Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ - STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 31. Dezember 2007
  10. Max Toeppen: Geschichte Masurens. Danzig 1870, S. 168.
  11. J. F. Penski: Versuch einer Zusammenstellung der schriftlichen und mündlichen Nachrichten einiger Prediger und Einwohner Engelsteins zur Chronik der dasigen Kirche. In: Preußische Provinzial-Blätter. Band 22, Königsberg 1839, S. 270–273.
  12. a b Pfarrkirche St. Peter und Paul und katholische Kirche Zum Guten Hirten
  13. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 87-89, Abb. 345-347
  14. a b Pfarrei St. Peter und Paul auf der Webseite des Bistums Ełk
  15. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, S. 476
  16. Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S.16