Wachau (Markkleeberg)

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Wachau, Kirchenruine

Wachau ist seit dem 1. Januar 1994 ein Stadtteil von Markkleeberg südlich von Leipzig in Sachsen. Zuvor war es eine eigenständige Gemeinde im Osten der Großen Kreisstadt Markkleeberg. Der Ort liegt am östlichen Ufer des Markkleeberger Sees, einem Restloch des Braunkohletagebaus Espenhain.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht von Wachau um 1813
Herrenhaus des ehemaligen Rittergutes zu Wachau

Das Dorf ist slawischen Ursprungs. 1259 erfolgte eine einmalige Nennung des Heyno von Wachau als Zeuge für Markgraf Dietrich von Landsberg.[1] 1349/1350 hatten verschiedene Grundherren Einkünfte in Wachau.[2] 1377 übertrugen die Markgrafen Friedrich, Balthasar und Wilhelm dem Kloster Buch das Dorf Wochow in der Pflege Leipzig mit beiden Gerichten, aufgelassen und verkauft von Adelheid von Heynitz und ihren Söhnen aus Not, und sicherten sich das Vorkaufsrecht.[3] Im gleichen Jahr bestätigte Nickel von Heynitz den Empfang des Kaufgeldes.[4] 1488/89 kam es auch hier zu Irrungen, da der albertinische Amtmann von Leipzig den Leuten des Klosters in Wachau das Vieh wegtrieb, worüber Abt Simon von Buch bei Hz. Georg von Sachsen Beschwerde führte.[5] 1543 wurde es nach dem Erb- und Zinsregister Kloster Buch noch als Klosterdorf geführt. Eine Übersicht über die verschiedenen Besitzer von 1536 bis 1853 ist im Album der Rittergüter zu finden,[6] siehe auch Sachsens Kirchengalerie (mit Abbildung der Kirche).[7]

Das Herrenhaus des Rittergutes musste nach schwersten Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg abgerissen werden. Im zugehörigen Park, der nach englischem Muster angelegt wurde, gibt es noch heute das von Johann Gottlob von Quandt (bis 1820 Rittergutsbesitzer) für seine Mutter errichtetes Denkmal. 1813 fanden in der Nähe des Ortes schwere Gefechte der Völkerschlacht statt, die das Dorf stark in Mitleidenschaft zogen. Dadurch wurde eine, sich im Garten des Rittergutes befindliche alte und große Linde berühmt, welche mit einer Galerie versehen war. Diese wurde zunächst von Napoleon und später von den Verbündeten gegen Napoleon als Möglichkeit genutzt, das Schlachtfeld zu überblicken. Später wurde deshalb diese Linde als Murat- oder Napoleonlinde bezeichnet. Die Linde fiel später einem Blitzeinschlag zum Opfer.

Ehemalige Muratlinde im Garten des Rittergutes zu Wachau
Die Neue Kirche in Wachau zu ihrer Fertigstellung 1867

An selbiger Stelle im Park des Rittergutes wurde später wieder eine Linde gepflanzt. Im Dorf und in dessen unmittelbarer Nähe befinden sich einige Denkmäler zum Gedenken an die Völkerschlacht bei Leipzig, wie Apelsteine oder zwei Gedenksteine vom „Verein zur Feier des 19. Oktobers“. Im Jahre 1862 wurde das Windmühlentor der Stadt Leipzig durch den damaligen Rittergutsbesitzer gekauft und fand als Gartentor des Rittergutsparkes Verwendung. Wachau lag bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.[8] Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Leipzig II und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Leipzig.[9]

Um 1860 war die während der Völkerschlacht in Mitleidenschaft gezogene Kirche baufällig, man entschied sich zum Abriss und Neubau. Nach Plänen von Constantin Lipsius wurde 1865–1867 eine neogotische Kirche erbaut, die drei Glocken kamen von G. A. Jauck (Leipzig), der Orgelbau erfolgte in der Werkstatt Kreutzbach (Borna).[10] Diese Kirche galt als eine der schönsten Kirchen im Landkreis Leipzig, bis das Kirchenschiff durch Luftminen im Zweiten Weltkrieg einstürzte. Der Turm der Kirche wurde 1978 teilweise abgerissen. Nach der Wende wurden die Reste der Kirche instand gesetzt. Heute finden in der Kirchruine gelegentlich klassische Konzerte statt, außerdem beherbergt sie eine Ausstellung zu den Orten, die dem Braunkohleabbau südlich von Leipzig weichen mussten.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich Wachau von einem Bauerndorf zu einem Arbeiterwohnort. Seit 1922 gehört die für Kriegsversehrte des Ersten Weltkrieges errichtete Siedlung Auenhain zu Wachau. Die Siedlung Wiesengrund in Wachau entstand in den 1930er Jahren und trägt heute den Namen August Bebels.

Dem Braunkohletagebau Espenhain fielen in den 1970er Jahren das Vorwerk Auenhain und einige landwirtschaftliche Flächen zum Opfer. Seit dem 1. Januar 1994 ist Wachau ein Ortsteil von Markkleeberg.[11]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quandtsches Denkmal und Windmühlentor im Rittergut zu Wachau
Kirchenruine
  • Südliches Schlachtfeld der Völkerschlacht bei Leipzig mit jährlichen Nachstellungen des Kampfgeschehens
  • Galgenberg mit dem Galgenbergdenkmal
  • ehemaliges Rittergut zu Wachau mit den Resten des Parks
  • Kirchenruine Wachau (bis 2006 mit der Ausstellung Verlorene Orte, die dem Braunkohleabbau südlich von Leipzig weichen mussten)
  • Markkleeberger See und Störmthaler See, welche durch Flutung zweier Tagebaurestlöcher entstanden sind und von Wachau über Radwege zu erreichen sind

Söhne des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine und Verbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Globus-Einkaufszentrum in Wachau

Die Stadt liegt an der Bundesstraße 186 und ist an das Busnetz der Stadt Leipzig und des Umlandes angebunden.

Über die Anschlussstelle Leipzig-Süd ist Wachau seit 2006 von der A 38 aus zu erreichen.

Literatur und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • F. W. Weinschenk: Chronik von Wachau. R. Maeder, Leipzig 1901
  • Theodor Apel: Führer auf die Schlachtfelder Leipzigs im October 1813 und zu deren Marksteinen. Hoffmann, A., Leipzig 1863
  • C. Peters: Die Denkmäler auf dem Schlachtfelde von Leipzig. Hauptmann, P., Leipzig 1848
  • Cornelius Gurlitt: Wachau. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 16. Heft: Amtshauptmannschaft Leipzig (Leipzig Land). C. C. Meinhold, Dresden 1894, S. 134.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Susanne Baudisch: Burgen und Herrensitze in Nordwestsachsen. Teil 2, Schriftquellen. Druck- und Verlagshaus Katzbach, Regis-Breitingen 1996, ISBN 3-930044-06-4, S. 217.
  2. Susanne Baudisch: Burgen und Herrensitze in Nordwestsachsen. Teil 1, Burgen und Herrensitze. Druck- und Verlagshaus Katzbach, Regis-Breitingen 1996, ISBN 3-930044-05-6, S. 105–106.
  3. Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 4203. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 196.
  4. Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 4207. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 197.
  5. SHStA Dresden, Loc. 8445, siehe Thomas Ludwig: Besitzgeschichte des Zisterzienserklosters Buch bei Leisnig. Magisterarbeit. Leipzig 1996.
  6. Wachau. In: Gustav Poenicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. nach der Natur neu aufgenommen von F. Heise … Mit historisch-statistisch bearb. Text. Teil: 1. Leipziger Kreis, S. 29–31 (digital.slub-dresden.de – um 1860).
  7. Wachau. In: Hermann Schmidt (Hrsg.): Sachsens Kirchengalerie. Die Inspektionen Leipzig und Grimma. Neunter Band. Hermann Schmidt, Dresden, S. 44–45 (digital.slub-dresden.de – um 1840).
  8. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 60 f.
  9. Die Amtshauptmannschaft Leipzig im Gemeindeverzeichnis 1900
  10. Aus der Geschichte der Wachauer Kirche. Ev.-Luth. Kirchgemeinde Probstheida-Störmthal-Wachau; abgerufen am 23. November 2013.
  11. Wachau auf gov.genealogy.net

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wachau (Markkleeberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 17′ N, 12° 26′ O