Wadgassen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wadgassen
Wadgassen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wadgassen hervorgehoben
49.2677777777786.7916666666667187Koordinaten: 49° 16′ N, 6° 48′ O
Basisdaten
Bundesland: Saarland
Landkreis: Saarlouis
Höhe: 187 m ü. NHN
Fläche: 25,93 km²
Einwohner: 17.690 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 682 Einwohner je km²
Postleitzahl: 66787
Vorwahl: 06834
Kfz-Kennzeichen: SLS
Gemeindeschlüssel: 10 0 44 120
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Lindenstr. 114
66787 Wadgassen
Webpräsenz: www.wadgassen.de
Bürgermeister: Harald Braun (SPD)
Lage der Gemeinde Wadgassen im Landkreis Saarlouis
Frankreich Frankreich Regionalverband Saarbrücken Landkreis Neunkirchen Landkreis St. Wendel Landkreis Merzig-Wadern Rehlingen-Siersburg Wallerfangen Überherrn Dillingen/Saar Saarlouis Wadgassen Bous (Saar) Ensdorf (Saar) Schwalbach (Saar) Saarwellingen Nalbach Schmelz (Saar) LebachKarte
Über dieses Bild

Unter Wadgassen versteht man sowohl die saarländische Gemeinde im Landkreis Saarlouis, rund 15 Kilometer westlich von Saarbrücken gelegen, als auch den Gemeindeteil Wadgassen selbst.

Geografie[Bearbeiten]

Wadgassen ist im Tal der Bist gelegen, einem linksseitigen Zufluss der Saar, am nördlichen Rand der Warndt-Region und somit im südwestlichen Teil des Saarlandes. Die nächstgelegenen Städte sind Saarlouis mit 7,7 km[2] und Völklingen mit 6 km[3].

Geschichte[Bearbeiten]

Erste urkundliche Funde weisen die Gegend der heutigen Großgemeinde Wadgassen als einen fränkischen Königshof aus, der wahrscheinlich nach der Völkerwanderungszeit entstand. Steinzeitliche Funde in Differten und Friedrichweiler weisen aber darauf hin, dass die Gegend schon früher bewohnt war. Andere Ausgrabungen aus dem Jahr 1893, bei denen auch der Merkur von Differten gefunden wurde, zeigen auch eine Besiedlung in der Römerzeit. Im Jahre 902 ist Wadgassen als (villa wuadegozzinga) Aufenthaltsort des Karolinger-Königs Ludwig das Kind genannt, der hier eine Urkunde ausstellte. Der Königshof gelangt 1080 durch Schenkung König Heinrich IV. in den Besitz von Sigbert I., dem Grafen des unteren Saargaues. Sigberts Sohn, Graf Friedrich von Saarbrücken, bestimmte den Hof mit allen zugehörigen Besitzungen testamentarisch zur Gründung eines Augustiner-Chorherrenstifts. Erzbischof Albero von Trier gründete darauf dort im Jahre 1135 ein Prämonstratenserkloster, dessen erster Abt der aus der Abtei Prémontré berufene Chorherr Wolfram war.

Die erste urkundliche Erwähnung von Differten stammt aus dem Jahr 1067. Die Orte Werbeln, Hostenbach und Schaffhausen werden in den Jahren 1214, 1225 und 1325 erstmals urkundlich erwähnt. Die Gründungsurkunde von Friedrichweiler stammt aus dem Jahr 1725.

In den folgenden Jahrhunderten bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1792 entwickelte sich die Abtei Wadgassen durch das Wirken der Prämonstratenser-Chorherren, durch Stiftungen und Schenkungen zu einem geistig-kulturellen Zentrum an der mittleren Saar mit großem Streubesitz und einer ausgedehnten Herrschaft. Deren Kernbereich war Wadgassen, das heißt die eigentliche Abtei mit dem Oberhof und dem Spurk, der Meierei Hostenbach mit den Orten Hostenbach, Schaffhausen und dem Dorf Werbeln. Differten war zu Beginn der französischen Revolution zur Hälfte im Besitz der Abtei, in Friedrichweiler hatte sie lediglich Besitzungen.

Die Tatsache, dass Mitglieder der Familie Bruch als Inhaber der gleichnamigen saarländischen Brauerei G.A. Bruch während drei Generationen Pröpste der Wadgasser Abtei gewesen sind, in der nachweislich seit Anfang des 16. Jahrhunderts bereits Bier gebraut worden war, führte zur Entstehung des Wadgasser Klosterbräu seit 2011[4]. Mit Hinblick auf die vergangene Zeit und die nicht mehr vorhandene Originalrezeptur ist selbiges Bier wohl eher ein heimatkundlich schöner Marketing-Gag.

Im Jahr 1843 wurde die Cristallerie Wadgassen gegründet.

Religion[Bearbeiten]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1974 wurden die bisher selbständigen Gemeinden Differten, Hostenbach, Schaffhausen und Werbeln eingegliedert.[5]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Partei/Liste SPD CDU LINKE FDP Grüne FWG Piraten Parteilos
Sitze 2009[  1] 13 11 4 2 1 1 0 1
Sitze 2012[  2] 13 11 3 2 2 1 0 1
Sitze 2014[  3] 13 11 3 2 1 1 1 1

Hinweis: Die mehrfache Änderung der parteipolitischen Zusammensetzungen des Gemeinderates von 2009 bis 2014 sind laut einem Artikel in der Saarbrücker Zeitung wohl nur einem Ratsmitglied[6] geschuldet, das sowohl für Linke, Bündnis 90/Grüne und Piraten sein Mandat innehatte bzw innehat. Ob die erwähnte SPD-Mitgliedschaft des Gemeinderatsmitgliedes eine Auswirkung auf die Zusammensetzung des Wadgasser Gemeinderats in der fünfjährigen Legislaturperiode von 2009 bis 2014 hatte, wird im Artikel nicht näher dargestellt.

  1. Gemeinderat 2009. Gemeinde Wadgassen, 11. Oktober 2009, abgerufen am 11. Oktober 2009.
  2. Gemeinderat 2012. Gemeinde Wadgassen, 26. Juni 2012, abgerufen am 23. Oktober 2010.
  3. Wadgasser Ratsmitglied Stephan Schneider wechselt zu den Piraten. Saarbrücker Zeitung, 4. Februar 2014, abgerufen am 4. Februar 2014. sowie Übertritt des kurzzeitigen Grünenmitglieds Stephan Schneider zur Piratenpartei. Grüne Wadgassen, 31. Januar 2014, abgerufen am 4. Februar 2014.

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1946–1956: Reinhold Hanke, CVP[7]
  • 1956–1960: Emil Lorscheider, CDU
  • 1960–1968: Johann Münchow, SPD
  • 1968–1974: Alois Trouvain, CDU[8]
  • 1974–1988: Friedrich Mouty, CDU
  • 1988–2014: Harald Braun, SPD
  • ab 1. Mai 2014: Sebastian Greiber, Einzelbewerber (FDP)[9]

Am 8. Dezember 2013 setzte sich Sebastian Greiber als Einzelbewerber[10] in der Bürgermeisterwahl gegen Egbert Ulrich (CDU) mit über 60 % der Stimmen durch und tritt am 1. Mai 2014 sein Amt als Nachfolger von Harald Braun (SPD) an.

Partnerschaften[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Über einer erniedrigten, geschweiften blauen Spitze, darin eine goldene heraldische Lilie, gespalten von Gold und Rot, vorne ein halber, rotbewehrter und -bezungter schwarzer Adler am Spalt, hinten ein durchgehendes goldenes Kreuz.“

Die Bedeutung von Königshof und Abtei für die Entstehung und Entwicklung der Gemeinde Wadgassen wird in dem neuen Gemeindewappen dokumentiert durch die Aufnahme des königlichen Adlers und des Kreuzes als gemeinsame und für alle Ortsteile gültige Symbole. Die Lilie symbolisiert die Zeit der lothringischen und französischen Landeshoheit und die Farben Blau und Gold, die zugleich die Farben des französischen Königshauses waren, finden sich auch im nassau-saarbrückischen Stammwappens der Grafschaft Saarbrücken wieder, was als beabsichtigte Symbolisierung deren zeitweise ausgeübten Landeshoheit möglich erscheinen lässt.

Der Adler als Wappenschild der deutschen Könige erscheint erstmals im zwölften Jahrhundert gegen Ende der Regierungszeit Friedrich I. Barbarossa. Als Herrschersymbol auf königlichen Insignien oder königlicher Gewandung ist er schon älter. Als königliches Spiel erscheint er auch bei den Königen und Kaisern aus dem salischen Hause, unter deren Regierung im Jahre 1080 der Königshof Wadgassen als Schenkung an die Grafen im Saargau kam.[11] Möglich wäre mit Hinblick auf die Strukturreform von 1974 das Aufgreifen des Adlers als Symbol der Bundesrepublik Deutschland. Ein Ansatz, der durch die Wahl der Darstellung der gemeinen Figur, eine hohe Wahrscheinlichkeit besitzt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

  • Factory-Outlet-Center (Villeroy & Boch, V&B); seit Oktober 2012 in MyLand integriert.
  • Maschinenbau (FLSmidth Koch GmbH, bis 2007 Firma Koch). FLSmidth Koch GmbH firmierte 2010 in FLSmidth Wadgassen GmbH um, fusionierte dann mit FLSmidth MVT GmbH zur gleichlautenden FLSmidth Wadgassen GmbH und ist somit Rechtsnachfolger beider Firmierungen. Das Konzeptpapier, veröffentlicht im April 2010, sieht vor, die neugegründete FLSmidth Wadgassen GmbH mit Sitz in Wadgassen zu einem Technologiezentrum für Fördertechnik auszubauen.
  • Lifestyle-Outlet-Center Myland auf dem Cristallerie-Gelände; eröffnet am 4. Oktober 2012[12]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

  • Deutsches Zeitungsmuseum (DZM) im ehemaligen Abteihof, der ursprünglich als Guts- und Wirtschaftshof des Prämonstratenserklosters in Wadgassen gedient hatte. Die genaue Anschrift lautet: Am Abteihof 1, 66787 Wadgassen (Dorf).
  • museum. academia wadegotia – Wadgasser Historie und lebendige Gemeindegeschichte; Aussteller in Wadgassen (Dorf) in der untersten Etage des csw Neubaues in der Treppenstraße 13. Private Trägerschaft in Form eines Institutsmuseums.

Ehemalige Museen[Bearbeiten]

  • Glashütte Museum in der Showglashütte der Cristallerie Wadgassen. Teil des von Villeroy & Boch unterhaltenem Erlebniszentrums Wadgassen[16] in der Saarstraße 1, 66787 Wadgassen (Dorf). Geschlossen seit dem 30. September 2010.

Bauwerke[Bearbeiten]

Deutsches Zeitungsmuseum
  • Ehemaliger Guts- und Wirtschaftshof des Prämonstratenserklosters, heute Sitz des Deutschen Zeitungsmuseums der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz
  • Zwei ehemalige Gesindehäuser in der Saarstraße
  • Cristallerie Wadgassen mit Mauer- und Gebäuderesten des ehemaligen Prämonstratenserklosters (heute u. a. Sitz des Glashütte-Museums); Spätbarocker Hospitalbau der früheren Abtei; Teil des Torhauses der ehemaligen Abtei; barocke Gartenmauer des Kräutergartens
  • Spurker Haus: Ehem. Gasthof, und Ziegelei, Richtstätte des Hochgerichtes Wadgassen. Langgestreckter zweigeschossiger Bau aus mehreren Bauphasen. Erste Erwähnung bereits im 13. Jahrhundert. Der heutige Bau geprägt von einer Galerie als Zugang zum Obergeschoss im linken Teil, wohl 16. Jahrhundert, und einer Umbauphase mit barocken Fenstern des 18. Jahrhunderts im rechten Teil.
  • historische Grenzsteine aus dem 18. Jahrhundert

Galerie[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Johannes Kirschweng, (* 19. Dezember 1900; † 22. August 1951), Priester und Schriftsteller. Ein Denkmal befindet sich vor dem Deutschen Zeitungsmuseum
  • Monika Kneip, (* 9. Juni 1952), Tischtennisspielerin
  • Peter Lorson, (* 19. Oktober 1897; † 6. Mai 1954), katholischer Theologe, Jesuit, Schriftsteller[17]

Freizeitmöglichkeiten[Bearbeiten]

Die sechs Gemeindebezirke verfügen über eine reiche Ausstattung an Sport-, Naherholungs-, Kultur- und Freizeiteinrichtungen. In Differten findet man das Hallenbad, einen Fischweiher und den Tierpark in dem mit Waldwanderwegen ausgestatteten Naherholungsgebiet. Von hier aus gelangt man auch in das Naturschutzgebiet „Eulenmühle“, das sich auf einer Fläche von 56 Hektar bis nach Überherrn ausdehnt. Am Ortseingang von Wadgassen ist das mit 5 Hektar Gesamtfläche größte Naturwasser-Parkbad des Saarlandes gelegen.

Als neuste Ergänzung des Freizeitangebotes sind die Saaraue bei Wadgassen-Hostenbach anzuführen[18][19], die als Naturbiotop und Naherholungsgebiet ausgebaut worden sind.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Saarland.de – Fläche und Bevölkerung – Stand: 31.12.2012 (Basis Zensus 2011) (PDF; 0,02 MB) (Hilfe dazu)
  2. Routenplaner Google-Maps, zugegriffen am 19. April 2009. Entfernungsmessung Wadgassen bis Saarlouis.
  3. Routenplaner Google-Maps, zugegriffen am 19. April 2009. Entfernungsmessung Wadgassen bis Völklingen.
  4. URL: http://bruchbier.de/news.html [eingesehen am 29. Januar 2012]
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 808.
  6. „Politik-Wandervogel“, Wadgasser Ratsmitglied Stephan Schneider wechselt zu den Piraten. Saarbrücker Zeitung, 4. Februar 2014, abgerufen am 4. Februar 2014.
  7. http://www.saar-nostalgie.de/JoHo_Bous_Wadgassen.htm
  8. http://www.wadgassen.dlrg.de/index.php?doc=geschichte
  9. http://www.saarbruecker-zeitung.de/aufmacher/Sebastian-Greiber-Buergermeister-Wadgassen-Egbert-Ulrich;art27856,5053134
  10. http://www.saarbruecker-zeitung.de/aufmacher/lokalnews/FDP-Wadgassen-Buergermeisterwahl-freier-Bewerber;art27857,4914058
  11. Johannes Enno Korn, Adler und Doppeladler, in: Der Herold, Vierteljahresschrift für Heraldik, Band 6, 1966, S. 305 f. und 334–337.
  12. SZ Bericht. Abgerufen am 7. Oktober 2012.
  13. FOC im saarländischen Wadgassen geplant, 17. August 2007.
  14. Saarländisches Zweiradmuseum vor dem Aus – Mietvertrag von Villeroy & Boch zum 30. September 2007 gekündigt – Meldung auf der Museumswebsite
  15. Richard R. Sigler: Nebel über Bau-Plänen, IN: Saarbrücker Zeitung 2009.
  16. http://www.villeroy-boch.com/de/de/home/unternehmen/unternehmen/erlebniszentrum-von-villeroy-boch/erlebniszentrum-wadgassen.html, zuletzt zugegriffen am 19. April 2009
  17. Peter Burg: Saar-Franzose. Paulinus Verlag, Trier 2011, ISBN 978-3-7902-0230-4
  18. Reaktivierung der Saaraue bei Hostenbach (1. BA). Abgerufen am 12. Mai 2010.
  19. Hostenbach Aue. Abgerufen am 12. Mai 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wadgassen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien