Wadrill (Wadern)

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Wadrill
Stadt Wadern
Ehemaliges Gemeindewappen von Wadrill
Koordinaten: 49° 35′ 7″ N, 6° 53′ 14″ O
Höhe: 322 m ü. NHN
Fläche: 9,22 km²[1]
Einwohner: 1573 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 171 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1974
Postleitzahl: 66687
Vorwahl: 06871
Wadrill (Saarland)
Wadrill

Lage von Wadrill im Saarland

Wadrill ist ein Stadtteil der Stadt Wadern im Landkreis Merzig-Wadern im Saarland. Als nördlichster Stadtteil Waderns bildet Wadrill mit den Orten Gehweiler und Reidelbach eine enge kulturelle Gemeinschaft, obwohl Reidelbach politisch dem Stadtteil Wedern zugeordnet ist.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage von Wadrill in der Stadt Wadern

Wadrill liegt im Schwarzwälder Hochwald. Der Ort befindet sich etwa 5 km nördlich des Zentralorts Wadern am nördlichen Prims-Zufluss Wadrill, in den oberhalb des Dorfs der Gothbach und unterhalb des Dorfs der Dörrbach mündet. Durch den Ort führt die Landesstraße 150 von Wadern durch Gehweiler und Wadrill ins nördlicher gelegene Grimburg (Rheinland-Pfalz). Diese Straße kreuzt in der Ortschaft die Landesstraße 365, die von Sitzerath durch Wadrill nach Steinberg verläuft.

Bis Anfang der 1950er Jahre arbeitete wenig nördlich der Ortschaft als einzige saarländische Schiefergrube die Dachschiefergrube Wadrill. Dort wurde Schiefer abgebaut. Das zugemauerte Mundloch sowie Spuren des Abbaus sind noch heute entlang der Landstraße nach Grimburg sichtbar.

Wadrill belegte beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ 1999 im Landkreis Merzig-Wadern den 1. Platz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Urkunde des Trierer Erzbischofs Egbert wird Wadrill als „Waderola“ im Jahr 981 zum ersten Mal erwähnt. Der Begriff „Waderola“ bedeutet „eiliges Wasser“ und geht auf die vorkeltische Zeit zurück und beschreibt den durch das Tal fließenden Bach, der dem heutigen Stadtteil seinen Namen verleiht.

Die Pfarrei Wadrill mit den Filialkirchen in Sitzerath und Gusenburg unterstand der Kollatur des Stifts von St. Paulin in Trier. In dieser Zeit war es Hauptkirche des trierischen Landkapitels Wadrill, dem insgesamt 29 Pfarreien unterstanden.[2] Landesherrlich gehörte Wadrill bis Ende des 18. Jahrhunderts zum Kurfürstentum Trier, Wadrill war Sitz eines „Zent“ genannten Verwaltungsbezirks, der Teil der Pflege Reinsfeld war und der Gerichtsbarkeit des Amtes Grimburg unterstand.

Nach der Einnahme des Linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen (1794) wurde die Region von Frankreich annektiert. Von 1798 bis 1814 gehörte Wadrill zum Kanton Wadern im Departement der Saar. Nach dem Wiener Kongress (1815) kam der Ort innerhalb des Kreises Merzig im Regierungsbezirk Trier unter preußische Verwaltung. Die Gemeinde Wadrill war der Bürgermeisterei Wadern zugeordnet. Im Jahr 1843 lebten in Wadrill 624 Einwohner in 99 Häusern.[3]

Die Abtrennung des Saargebietes vom Deutschen Reich auf Grund des Versailler Vertrages 1919 führte zur Bildung des Restkreises Merzig-Wadern, der weiterhin zum Regierungsbezirk Trier und der Rheinprovinz gehörte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Wadrill im Juli 1945 Teil der französischen Besatzungszone. Am 18. Juli 1946 wurde von der französischen Militärregierung unter General Kœnig die „Anordnung betreffend Anschluß von Gemeinden an die Verwaltung des Saargebietes“ erlassen. Seitdem gehörte Wadrill zum abgetrennten Saarland. In dieser Zeit befand sich am nördlichen Ortsausgang einer der nördlichsten Grenzhäuser des Saarlandes. Die Grenze war damals mit Schranken gesichert. Unmittelbar nach dem Anschluss des Saarlandes – am 1. Januar 1957 – an die Bundesrepublik Deutschland wurden die Grenzübergänge geöffnet und die Grenzhäuser entfernt.

Im Rahmen der saarländischen Gebiets- und Verwaltungsreform wurde am 1. Januar 1974 die bis dahin eigenständige Gemeinde Wadrill aufgelöst und der neuen Gemeinde, ab 1978 Stadt Wadern zugeordnet.[4][5]

Im März 2017 stimmten bei einer Umfrage 88 % der Bürger von Wadrill, Gehweiler und Reidelbach für eine Zusammenlegung der drei Stadtteile zum neuen Stadtteil Wadrilltal.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ergebnisse der Ortsratswahlen vom 25. Mai 2014:

  • CDU: 36,2 %, 4 Sitze
  • SPD: 49,8 %, 5 Sitze
  • Bündnis 90/Die Grünen: 5,3 %, 0 Sitze
  • Freie Wähler Wadern: 8,7 %, 0 Sitze

Ortsvorsteher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Gebietsreform 1974:

  • Jakob Marmit (1964 bis 1974)[6]
  • Martin Görgen (1974 bis 1989)
  • Josef Koch (1989 bis 2014)
  • Joachim Brücker, SPD (ab 2014)

Kommunalpartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1993 unterhalten die Stadtteile Wadrill und Gehweiler für die Stadt Wadern die Partnerschaft mit der Stadt Sobotka in Tschechien.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde von Willy Weinen entworfen: rechts oben auf Silber ein rotes Kreuz als Hinweis auf die Zugehörigkeit zum Kurfürstentum Trier durch das Kurwappen; links oben auf Grün ein silberner Wellenbalken sowie zwei goldene Kreuze. Das Wellenband zeigt die Wadrill im grünen Wiesenland. Das erste Goldkreuz gibt den Hinweis auf den Sitz als Landkapitel. Das Zweite zeigt die Zugehörigkeit zu St. Paulin in Trier; rechts unten auf Grün in Gold drei Eichenblätter und eine Eichel, die auf die für Wadrill so wichtige Niederwaldbewirtschaftung und auf die noch bestehenden Gehöferschaften hinweisen; links unten auf Gold ein schwarzes Andreaskreuz als Hinweis auf die Gebietszugehörigkeit zum Amt Grimburg durch das Wappen der Ritter von Grimburg.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Kirche St. Martin

Ein vermutlich aus der Zeit des Keltentums übernommener Brauch wird heute in Wadrill alljährlich zelebriert. Am ersten Fastensonntag wird von der Anhöhe des „Perscher Kopfes“ das so genannte „Erbsenrad“ in die Wadrill gerollt. Das Erbsenrad ist ein mit Stroh bzw. Heu umwickeltes Eisenrad. Das Stroh wird in Brand gesetzt und so den Berg hinunter gerollt, wo es schließlich in der Wadrill erlischt. Anschließend versammeln sich alle Beteiligten und Zuschauer in der Wadrilltalhalle zum traditionellen Eieressen. Dieser Brauch soll den ansässigen Bauern eine gute und ertragreiche Ernte verschaffen und den Frühling willkommen heißen. Dem Hinabrollen des Erbsenrades geht der Brauch des „Eiersammelns“ voraus. Freiwillige, meist ehrenamtliche Helfer, ziehen mit Spirituosen durch die Straßen des Ortes, um an den Haustüren um Eier zu bitten. Werden Eier gespendet, erhalten die Sammler zum Dank ein Glas Schnaps oder Likör. Die gesammelten Eier werden nach dem Hinabrollen des Erbsenrads ins Tal in der Wadrilltalhalle verköstigt. Zu Beginn des Jahres findet der Wadriller Lehnenball statt, eine Tradition, die früher in vielen saarländischen Orten Brauch war, heute aber mehr und mehr in Vergessenheit gerät. Die Kirche von Wadrill steht unter dem Patron des heiligen St. Martin. Das heutige Kirchenschiff wurde 1888 erbaut. Der romanische Kirchturm jedoch ist über 1000 Jahre alt, ist einer der ältesten im Saarland und steht unter Denkmalschutz. Während die St. Martins-Kirche das christliche Zentrum des Ortes und der näheren umliegenden Gemeinden darstellt, finden sich zudem noch eine Friedhofskapelle sowie die Bruder-Klaus-Kapelle, in denen in regelmäßigen Abständen ebenfalls Messen abgehalten werden. Als einziger Ort des Saarlandes besitzt Wadrill mit der „Hochwaldalm Wadrill“ eine Alm. Sie befindet sich im Schwarzwälder Hochwald knapp 2,5 km nordwestlich von Wadrill – zwischen dem Fallenseifenberg (ca. 499 m ü. NN) im Nordosten und Springkopf (523 m ü. NN) im Südwesten. Die Alm liegt auf einer Höhe zwischen 460 und 515 m ü. NN und ist etwa 18 ha groß. Anfang der 1990er Jahre fiel der Stall der ursprünglichen Alm einem Feuer zum Opfer und brannte vollständig nieder. Heute befindet sich an dieser Stelle und von Weiden umgeben eine Blockhütte, die eine Gastwirtschaft beherbergt. An der Alm vorbei führt der Saar-Hunsrück-Steig. Seit 2006 existiert der 17 km lange Premiumwanderweg „Tafeltour Wadrill“, der unter anderem die mittelalterliche Burg Grimburg passiert. Startpunkt der „Tafeltour Wadrill“ ist Sitzerath. Wadrill, Gehweiler und Reidelbach bilden eine so genannte „Kultureinheit“, die nach Bestrebungen der Ortsräte in näherer Zukunft den Zusammenschluss der Orte zu einem Stadtteil zum Ziel hat. Die enge Verbindung zwischen den drei Orten zeigt sich zum einen in der Bildung der „Vereinsgemeinschaft Wadrill-Gehweiler-Reidelbach“, zum anderen darin, dass die meisten Verstorbenen aus Reidelbach in Wadrill bestattet werden und nicht in Wedern, das einen eigenen Friedhof besitzt. Verstorbene aus Gehweiler finden ihre letzte Ruhe ebenfalls in Waderill. In Gehweiler gibt es keinen eigenen Friedhof.

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rosenmontagszug (alle drei Jahre im Wechsel mit Lockweiler und Wadern). Alle elf Jahre veranstaltet der Karnevalsverein eine so genannte „Sommerfaasend“ – mit Kappensitzungen und einen Sommer-Karnevalsumzug
  • Lauf des Erbsenrades (1. Fastensonntag)
  • Quirinuskirmes (1. Sonntag im Mai)
  • Weihnachtsmarkt (1. Advent)

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der zentrale Treffpunkt und das Vereinshaus des Deutschen Alpenvereins (Sektion Hochwald) befindet sich in Wadrill. Außerdem betreibt der Alpenverein eine Indoor-Kletterwand im Ort. Wadrill verfügt über einen Rasensportplatz.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Großteil der Vereine aus Wadrill, Gehweiler und Reidelbach hat sich zur Vereinsgemeinschaft Wadrill-Gehweiler-Reidelbach e. V. zusammengeschlossen.

Die größten Vereine (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Berg- Hütten- und Fabrikarbeiterverein „St. Barbara“ Wadrill
  • DAV Sektion Berg- und Skifreunde Hochwald e. V.
  • FC Wadrill 1946 e. V.
  • Gesellschaft der Musikfreunde Wadrill e. V.
  • Jugendclub Wadrill e. V.
  • Männergesangverein Frohsinn Wadrill
  • Karnevalsverein „Die Fratzenmacher“ Wadrill e. V.
  • Obst- und Gartenbauverein Wadrill e. V.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wadrill verfügt über ein Gewerbegebiet. Mehrere Geschäfte bieten ihre Dienstleistungen und Waren im Ort an. Der Ort ist Feuerwehrstandort, verfügt über ein Feuerwehrhaus (Ein Neubau wurde Anfang 2017 begonnen). Für Veranstaltungen größeren Ausmaßes steht in Wadrill seit 2002 die Wadrilltalhalle zur Verfügung.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erziehungs- und Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katholischer Kindergarten Kita St. Theresia Wadrill
  • Grundschule St. Martin Wadrill-Steinberg, Standort Wadrill mit Freiwilliger Ganztagsschule Wadrill

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Willibrord Gerber: Pfarrei und Pfarrkirche in Vergangenheit und Gegenwart, Wadrill, Selbstverlag o. J. (1981)
  • Heimat- und Naturfreunde Wadrill e. V. (Hrsg.): Wadrill – Ein Heimatbuch, Merzig,1983
  • Heimat- und Naturfreunde Wadrill e. V. (Hrsg.): 1000 Jahre Wadrill – Ein Rückblick, Merzig, 1984
  • Literatur über Wadrill in der Saarländischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wadrill (Wadern) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stadt Wadern: Zahlen, Daten, Fakten (Stand 30. April 2015)
  2. Jakob Marx: Geschichte der Pfarreien der Diözese Trier, Band 1, Trier: Paulinus-Druckerei, 1923, Seite 184 (dilibri.de)
  3. Georg Bärsch: Beschreibung des Regierungs-Bezirks Trier, Band 2, Trier, Lintz, 1846, S. 49 (Google Books)
  4. Neugliederungsgesetz – NGG vom 19. Dezember 1973, § 34, veröffentlicht im Amtsblatt des Saarlandes 1973, Nr. 48, S. 855 (PDF Seite 27; 499 kB)
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 804 f.
  6. Jakob Marmit war von 1964 bis 1974 Bürgermeister der selbstständigen Gemeinde Wadrill, ab 1. Januar 1974 in der Funktion eines Ortsvorstehers