Wahl zum 20. Deutschen Bundestag

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Reichstagsgebäude, Sitz des Deutschen Bundestages

Die Bundestagswahl zum 20. Deutschen Bundestag wird – vorbehaltlich der Auflösung des Bundestages nach Artikel 63 oder Artikel 68 und vorbehaltlich der Verlängerung der Wahlperiode im Verteidigungsfall nach Artikel 155 h des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland – im Herbst 2021 stattfinden.

Am 19. November 2017 scheiterten die Sondierungsgespräche über eine mögliche Jamaika-Koalition zwischen CDU, CSU, FDP und den Bündnisgrünen. Bundespräsident Steinmeier führte daraufhin mit allen im Bundestag vertretenen Parteien Gespräche über eine andere mögliche Regierungsbildung. Neben einer erneuten Großen Koalition zwischen CDU, CSU und SPD besteht rechnerisch immer die Möglichkeit einer Minderheitsregierung. Auch Neuwahlen beim Scheitern jeglicher Regierungsoptionen können gemäß der verfassungsrechtlichen Regelung nicht ausgeschlossen werden.

Termin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Artikel 39 des Grundgesetzes findet die Wahl frühestens 46, spätestens 48 Monate nach dem Zusammentritt des 19. Deutschen Bundestages statt. Der 19. Deutsche Bundestag musste bis zum 30. Tag nach der Bundestagswahl 2017 zusammentreten, also spätestens am 24. Oktober 2017. Demzufolge würde die Wahl, die an einem Sonntag oder Feiertag durchgeführt werden muss (§ 16 Bundeswahlgesetz), am 29. August, 5., 12., 19., 26. September, 3., 10., 17. oder spätestens am 24. Oktober 2021 stattfinden.

Der Wahltag wird vom Bundespräsidenten festgelegt; er tut dies in der Regel im Einvernehmen mit Bundes- und Landesregierungen. Falls die Wahl wieder am letzten oder vorletzten Sonntag im September stattfindet (wie seit 1998 üblich), so wäre der 19. oder 26. September 2021 der Wahltag.

Sollte der 19. Bundestag gemäß Artikel 63 GG weder in der ersten, noch in der zweiten Wahlphase einen Bundeskanzler gewählt haben und nach der dritten Wahlphase, in der kein Kandidat mit einer absoluten Mehrheit gewählt wurde, vom Bundespräsidenten aufgelöst werden, wird spätestens 81 Tage nach dem ersten Wahlgang der 20. Deutsche Bundestag gewählt werden.[1] Eine Frist für den ersten Wahlgang besteht jedoch nicht.

Ausgangslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundestagswahl 2017
Endergebnis: Zweitstimmen[2]
 %
40
30
20
10
0
32,9
20,5
12,6
10,7
9,2
8,9
5,0

Vorherige Bundestagswahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Bundestagswahl 2017

An der Bundestagswahl 2017 beteiligten sich 76,2 % der wahlberechtigten Deutschen.

Dabei wurden die Unionsparteien mit 32,9 % der Zweitstimmen stärkste Kraft. Auf die Christlich Demokratische Union (CDU) entfielen dabei 26,8 % und auf die Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU) 6,2 %. Für die Union war es das zweitschlechteste Ergebnis bei einer Bundestagswahl, nur untertroffen von dem Wahlergebnis im Jahr 1949 mit 31,0 %.

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) wurde zweitstärkste Kraft, musste jedoch mit 20,5 % ihr historisch schlechtestes Ergebnis hinnehmen. Die beiden Regierungsfraktionen der 18. Legislaturperiode (Union und SPD) verbuchten damit zusammen einen Verlust von 13,8 % der Zweitstimmen.

Erstmals in den Bundestag zog die Alternative für Deutschland (AfD) ein. Die Partei erreichte 12,6 %, womit sie das Ergebnis von der Bundestagswahl 2013 mehr als verdoppelte. Ähnliches gelang auch der Freien Demokratischen Partei (FDP), die nach vier Jahren Abwesenheit mit 10,7 % in den Bundestag zurückkehrte.

Die Linke sowie Bündnis 90/Die Grünen konnten beide einen minimalen Wählerzuwachs verzeichnen und erreichten 9,2 % bzw. 8,9 % der Zweitstimmen.

Alle sonstigen angetretenen Parteien scheiterten deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde.

Sitzverteilung im 19. Bundestag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sitzverteilung
69
153
67
246
80
92
2
69 153 67 246 80 92 
Insgesamt 709 Sitze
Hauptartikel: 19. Deutscher Bundestag

Der 19. Deutsche Bundestag ist mit 709 Sitzen der größte Bundestag aller Zeiten. Mit sechs Fraktionen und sieben Parteien ist es zudem in dieser Hinsicht der vielfältigste Bundestag seit der zweiten Legislaturperiode von 1953 bis 1957.

Die stärkste Fraktion stellen mit 246 Sitzen die Unionsparteien mit der amtierenden geschäftsführenden Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die CDU nennt dabei 200 Mandate ihr Eigen, die CSU 46. Zweitstärkste Kraft ist die SPD mit 153 Sitzen, gefolgt von der AfD mit 92 Sitzen. Die FDP vereinnahmt 80, Die Linke 69 und Bündnis 90/Die Grünen 67 Sitze. Des Weiteren gibt es zwei unabhängige Abgeordnete, die bei der Wahl noch für die AfD antraten, danach aber aus der Partei ausgetreten sind.

Regierungsbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Wahl waren von den politisch realistischen Modellen rechnerisch nur eine Große Koalition und eine Jamaika-Koalition möglich, um eine Mehrheit im Bundestag zu erreichen. Da die SPD unmittelbar nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses eine Koalitionsbeteiligung ausschloss, blieb nur ein Bündnis aus Union, FDP und Grünen als einzig realistische Regierungskoalition übrig.

Nachdem die vierwöchigen Sondierungen zwischen CDU, CSU, FDP und Grünen gescheitert sind und die SPD eine Große Koalition auch unter diesen Umständen ausgeschlossen hat, wird die Auflösung des 19. Deutschen Bundestages gemäß Artikel 63 GG neben einer Minderheitsregierung als eine mögliche Folge gesehen.[3][4][5]

Im Fall einer vorzeitigen Auflösung des 19. Bundestages könnte der 20. Bundestag um die Osterzeit 2018 gewählt werden; als fester Termin wird bereits der 22. April 2018 genannt.[6]

Umfragen und Prognosen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

INSA-Umfrage vom 12. Dezember 2017
Vergleich zur Wahl 2017 (auf halbe %-Punkte gerundet)
 %
40
30
20
10
0
31
22
13,5
10,5
10,5
9
3,5
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2017
 %p
   2
   0
  -2
  -4
-2
+1,5
+1,0
+1,5
+1,5
-1,5
-1,5

Die folgende Tabelle zeigt die Umfragen der letzten zwei Wochen.

Institut Datum Union SPD AfD FDP Linke Grüne Sonst.
INSA[7] 12.12.2017 31 % 22 % 13,5 % 9 % 10,5 % 10,5 % 3,5 %
Forsa[8] 10.12.2017 34 % 20 % 11 % 8 % 9 % 12 % 6 %
Emnid[9] 09.12.2017 33 % 21 % 12 % 9 % 10 % 11 % 4 %
Forschungsgruppe Wahlen[10] 08.12.2017 32 % 23 % 12 % 8 % 9 % 12 % 4 %
Infratest dimap[11] 07.12.2017 32 % 21 % 13 % 9 % 10 % 11 % 4 %
Civey (SPON-Wahltrend)[12] 05.12.2017 31,5 % 20,4 % 11,3 % 11,9 % 9,2 % 11,0 % 4,7 %
INSA[7] 05.12.2017 31 % 22 % 13 % 10 % 11 % 10 % 3 %
Forsa[8] 04.12.2017 34 % 20 % 10 % 8 % 9 % 13 % 6 %
GMS[13] 04.12.2017 32 % 21 % 13 % 10 % 10 % 10 % 4 %
Emnid[9] 02.12.2017 33 % 21 % 12 % 9 % 10 % 10 % 5 %
Bundestagswahl 2017 24.09.2017 32,9 % 20,5 % 12,6 % 10,7 % 9,2 % 8,9 % 5 %

Ältere Umfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

September – November 2017
Institut Datum Union SPD AfD FDP Linke Grüne Sonst.
Allensbach[14] 30.11.2017 33 % 21,5 % 11 % 10 % 9 % 11 % 4,5 %
YouGov[15] 29.11.2017 32 % 21 % 13 % 9 % 10 % 10 % 5 %
Civey (SPON-Wahltrend)[16] 28.11.2017 31,7 % 20,4 % 10,6 % 13,1 % 8,9 % 11,0 % 4,3 %
Forsa[8] 27.11.2017 33 % 19 % 11 % 10 % 9 % 12 % 6 %
INSA[7] 27.11.2017 32 % 22 % 13 % 10 % 10 % 10 % 3 %
Emnid[9] 25.11.2017 33 % 22 % 11 % 9 % 10 % 10 % 5 %
INSA[7] 23.11.2017 32 % 21 % 12 % 12 % 10 % 10 % 3 %
Civey (SPON-Wahltrend)[17] 21.11.2017 29,2 % 19,5 % 13,6 % 13,2 % 8,4 % 11,9 % 4,1 %
INSA[7] 21.11.2017 30 % 21 % 14 % 11 % 11 % 10 % 3 %
INSA[7] 21.11.2017 31 % 21 % 14 % 10 % 11,5 % 9,5 % 3 %
Infratest dimap[11] 20.11.2017 32 % 22 % 11 % 10 % 10 % 11 % 4 %
Forsa[8] 20.11.2017 31 % 21 % 12 % 10 % 9 % 12 % 5 %
Forsa[8] 20.11.2017 32 % 20 % 12 % 12 % 8 % 11 % 5 %
Emnid[9] 18.11.2017 31 % 21 % 13 % 10 % 9 % 11 % 5 %
Forschungsgruppe Wahlen[10] 17.11.2017 33 % 21 % 11 % 10 % 9 % 12 % 4 %
Infratest dimap[11] 16.11.2017 31 % 21 % 12 % 11 % 10 % 11 % 4 %
INSA[7] 14.11.2017 32 % 20 % 13,5 % 10,5 % 10,5 % 9 % 4,5 %
Forsa[8][18] 13.11.2017 32 % 20 % 12 % 12 % 9 % 10 % 5 %
Emnid[9] 11.11.2017 30 % 22 % 13 % 11 % 10 % 10 % 4 %
Infratest dimap[11] 09.11.2017 30 % 21 % 13 % 12 % 9 % 11 % 4 %
INSA[7] 07.11.2017 31 % 22 % 13,5 % 10,5 % 10,5 % 8,5 % 4 %
Civey (SPON-Wahltrend)[19] 06.11.2017 31,0 % 20,4 % 13,7 % 11,0 % 9,4 % 10,2 % 4,3 %
Forsa[8] 06.11.2017 32 % 21 % 12 % 11 % 9 % 10 % 5 %
Emnid[9] 04.11.2017 31 % 21 % 12 % 10 % 10 % 11 % 5 %
Forsa[8] 01.11.2017 33 % 20 % 11 % 11 % 9 % 11 % 5 %
INSA[7] 30.10.2017 31 % 21 % 13 % 11 % 10 % 10 % 4 %
Emnid[9] 28.10.2017 31 % 22 % 12 % 11 % 9 % 10 % 5 %
Forschungsgruppe Wahlen[10] 27.10.2017 33 % 21 % 12 % 10 % 9 % 11 % 4 %
Allensbach[14] 25.10.2017 33 % 20,5 % 12 % 12 % 9 % 9,5 % 4 %
Forsa[8] 25.10.2017 31 % 22 % 11 % 11 % 10 % 10 % 5 %
INSA[7] 24.10.2017 33 % 21 % 13 % 10 % 10 % 9 % 4 %
Emnid[9] 21.10.2017 32 % 21 % 12 % 11 % 9 % 10 % 5 %
Infratest dimap[11] 20.10.2017 31 % 21 % 12 % 12 % 9 % 11 % 4 %
GMS[13] 19.10.2017 31 % 21 % 13 % 12 % 10 % 9 % 4 %
Forsa[8] 18.10.2017 32 % 20 % 12 % 11 % 9 % 11 % 5 %
INSA[7] 16.10.2017 32 % 21,5 % 13 % 10 % 9 % 9,5 % 5 %
Emnid[9] 14.10.2017 31 % 21 % 12 % 11 % 10 % 10 % 5 %
Forschungsgruppe Wahlen[10] 13.10.2017 31 % 21 % 12 % 11 % 10 % 11 % 4 %
Infratest dimap[11] 12.10.2017 32 % 20 % 11 % 11 % 10 % 10 % 6 %
Forsa[8] 11.10.2017 32 % 20 % 12 % 11 % 9 % 11 % 5 %
INSA[7] 10.10.2017 32 % 22 % 13 % 11 % 9 % 9 % 4 %
Emnid[9] 07.10.2017 32 % 22 % 12 % 10 % 10 % 9 % 5 %
Forsa[8] 04.10.2017 32 % 20 % 12 % 11 % 10 % 10 % 5 %
INSA[7] 01.10.2017 31 % 21 % 13 % 12 % 9 % 10 % 4 %
Emnid[9] 30.09.2017 33 % 21 % 12 % 11 % 10 % 10 % 3 %
Forschungsgruppe Wahlen[10] 29.09.2017 32 % 21 % 12 % 10 % 10 % 11 % 4 %
Bundestagswahl 2017 24.09.2017 32,9 % 20,5 % 12,6 % 10,7 % 9,2 % 8,9 % 5,0 %

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ergebnisse aus Umfragen der Institute (A)llensbach, (E)MNID, (F)ORSA, Forschungsgruppe (W)ahlen, (G)MS, Infratest (D)imap und (I)NSA vom 24. September bis zum 21. November 2017.
Farben: CDU/CSU, SPD, AfD, FDP, Linke, Grüne. Startpunkte: Wahlergebnis bei der Bundestagswahl 2017.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wahl des Bundeskanzlers/ der Bundeskanzlerin, bundeskanzlerin.de. Abgerufen am 20. November 2017
  2. Bundeswahlleiter: Bundesergebnis – Vorläufiges Ergebnis der Bundestagswahl 2017
  3. Groko, Minderheitsregierung, Neuwahl – die Szenarien nach dem Aus, auf welt.de, vom 20. November 2017. Abgerufen am 20. November 2017
  4. Neuwahlen oder Minderheitsregierung - das sind die Alternativen, auf tagesspiegel.de, vom 20. November 2017. Abgerufen am 20. November 2017
  5. Neuwahlen, Minderheitsregierung oder GroKo? Das sind die Optionen, auf augsburger-allgemeine.de, vom 20. November 2017. Abgerufen am 20. November 2017
  6. Termin für mögliche Neuwahl kursiert bereits, auf welt.de, abgerufen am 21. November 2017.
  7. a b c d e f g h i j k l m Übersicht der INSA-Umfragen, auf wahlrecht.de
  8. a b c d e f g h i j k l Übersicht der Forsa-Umfragen, auf wahlrecht.de
  9. a b c d e f g h i j k Übersicht der Emnid-Umfragen, auf wahlrecht.de
  10. a b c d e Übersicht der Umfragen der Forschungsgruppe Wahlen, auf wahlrecht.de
  11. a b c d e f Übersicht der Infratest dimap-Umfragen, auf wahlrecht.de
  12. Mehrheit der SPD-Anhänger lehnt GroKo ab, auf Spiegel.de
  13. a b Übersicht der GMS-Umfragen, auf wahlrecht.de
  14. a b Übersicht der Allensbach-Umfragen, auf wahlrecht.de
  15. Übersicht der YouGov-Umfragen, auf wahlrecht.de
  16. SPON-Wahltrend: Union legt zu, AfD verliert, auf Spiegel.de
  17. SPON-Wahltrend: FDP legt zu - Union fällt unter 30 Prozent, auf Spiegel.de
  18. RTL/ntv-Trendbaromenter: Neuwahlen wären auch keine Lösung, auf n-tv.de, abgerufen am 13. November 2017.
  19. SPON-Wahltrend: Neuwahlen – was würde sich ändern?, auf Spiegel.de