Wahlsystem in Portugal

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Das Wahlsystem in Portugal beschreibt das Wahlsystem der Republik Portugal. Es entstand nach der Nelkenrevolution 1974 und ist in der Verfassung Portugals seit 1976 verankert.

Zuständig für die Durchführung ist die Secretaria Geral da Administração Interna (port. für: „Generalsekretariat für die interne Verwaltung“), das Staatssekretariat im portugiesischen Innenministerium (Ministério da Administração Interna).

Die Comissão Nacional de Eleições (port. für: „Nationale Wahlkommission“) kontrolliert die Unabhängigkeit und Rechtmäßigkeit der Wahlen in Portugal.

Rahmenbedingungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Palácio de São Bento, Sitz des portugiesischen Parlaments seit 1834, Sitz der Assembleia da República seit der Ausrufung der Republik 1910

Das Parlament der Portugiesischen Republik besteht aus einer einzigen Kammer, der Versammlung der Republik, die aus 230 Mitgliedern besteht, die direkt durch allgemeine Erwachsenenwahlen für eine Amtszeit von höchstens vier Jahren gewählt werden. Die Mitglieder der Versammlung vertreten das gesamte Land und nicht die Wahlkreise, in denen sie gewählt wurden.

Jeder der achtzehn Verwaltungsbezirke Portugals sowie jede der beiden autonomen Regionen des Landes – die Azoren und Madeira – ist ein Wahlbezirk. Portugiesische Wähler mit Wohnsitz außerhalb des Staatsgebiets sind in zwei Wahlkreise – Europa und die übrige Welt – eingeteilt, von denen jeder zwei Mitglieder der Versammlung wählt, die damit die Auslandsportugiesen im Parlament repräsentieren. Die restlichen 226 Sitze werden nach dem Verhältnis ihrer Anzahl registrierter Wähler auf die Wahlkreise des jeweiligen Landes verteilt.

Die Sitze in jedem Wahlkreis werden nach der größten durchschnittlichen Proportionalitäts-Methode (PR) aufgeteilt, die der belgische Jurist Victor D’Hondt 1899 entworfen hat. Obwohl es keine gesetzliche Schwelle für die Teilnahme an der Vergabe von Versammlungssitzen gibt, führt die Anwendung des D’Hondt-Verfahrens eine De-facto-Schwelle auf Wahlkreisebene ein.

Politische Parteien und Parteienkoalitionen können Kandidatenlisten vorlegen. Die Listen sind geschlossen, so dass die Wähler keine einzelnen Kandidaten in dieser Liste auswählen oder die Reihenfolge ändern dürfen.

Regierungsbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regierungen benötigen für die Amtsübernahme keine absolute Mehrheit der Versammlung, da selbst wenn die Zahl der Gegner der Regierung größer ist als die der Anhänger, die Zahl der Oppositionellen gleich oder größer als 116 (absolute Mehrheit) sein muss, damit sowohl das Programm der Regierung abgelehnt als auch ein Misstrauensantrag angenommen werden kann.

Wahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freie Wahlen nach dem Ende der semi-faschistischen Estado Novo-Diktatur 1974:

Parlamentswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parlamentswahlen 2015, mit allen Kreisen in der Farbe des jeweiligen Gewinners (blau: PàF, rosa: PS, rot: CDU, orange: PSD)
Karte aller portugiesischen Wahlkreise in der Farbe des jeweiligen Gewinners (rosa: PS, orange: PSD, rot: CDU)

Europawahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Portugal trat 1986 der heutigen Europäischen Union bei.

Präsidentschaftswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Staatspräsident Portugals wird seit der Ausrufung der Ersten Portugiesischen Republik 1910 gewählt.

Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen 2016: alle Kreise in den Farben der Siegerpartei (orange:PSD, lila: PS, rot: CDU)

Kommunalwahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Kommunalwahlen in Portugal (port. Eleições autárquicas) nach der Nelkenrevolution 1974 fanden nach der territorialen Neuregelung durch die Verfassung Portugals 1976 statt, die die Verwaltungsgliederung Portugals reformierte.

Kommunalwahlen 2017: alle Kreise des Landes in den Farben der jeweiligen Siegerpartei

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wahlen in Portugal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien