Wahren

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Wappen von Leipzig
Wahren
Stadtteil von Leipzig
Koordinaten 51° 22′ 30″ N, 12° 19′ 22″ OKoordinaten: 51° 22′ 30″ N, 12° 19′ 22″ O.
Fläche 4,61 km²
Einwohner 7070 (31. Dez. 2017)
Bevölkerungsdichte 1534 Einwohner/km²
Postleitzahl 04159
Vorwahl 0341
Stadtbezirk Nordwest
Verkehrsanbindung
Bundesstraße B6
S-Bahn S 3
Straßenbahn 10, 11
Bus 80, 87, 88, 90, 91, 190
Quelle: statistik.leipzig.de

Wahren ist ein Stadtteil (amtlich: Ortsteil) im Nordwesten der Stadt Leipzig. Er liegt erhöht am nördlichen Rand der Elsteraue.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahren mit Weißer Elster und Hundewasser
Rathaus Wahren.

Wahren grenzt im Osten an Möckern, im Norden an Lindenthal und im Westen an Stahmeln. Südlich der Ortslage erstreckt sich ein Teil des Leipziger Auewaldes, der von der Weißen Elster und Neuen Luppe durchflossen wird.

Bis zur Unterbrechung durch den Bau der Neuen Luppe floss südlich der Weißen Elster ein Nebenarm derselben durch den Auenwald, das Hundewasser. Es zweigte am Hundewehr nördlich des Auensees ab und speiste diesen mehrere Jahre.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname Wahren ist hergeleitet von dem Wort Vuarim und später Warim. Er stammt von dem altsorbischen Wort wariti ab, das mit „kochend, siedend, sprudeln, quellend“ übersetzt werden kann. Vuarim wurde zum ersten Mal am 8. Februar 1004 in einer von König Heinrich II. (1002–1024) unterzeichneten Urkunde erwähnt. In Wahren soll sich eine altslawische Kultstätte befunden haben, an deren Stelle im 11. Jahrhundert eine erste Kapelle und im 12. Jahrhundert eine steinerne Kirche errichtet wurde. Die heute evangelische Gnadenkirche wurde mehrfach umgebaut. Sie zählt zu den ältesten Kirchen im Leipziger Stadtgebiet.

Wahren befand sich lange im Besitz der Bischöfe von Merseburg. Auch nach der Reformation gehörte es zum Gebiet des hochstift-merseburgischen Amts Schkeuditz, das seit 1561 unter kursächsischer Hoheit stand und zwischen 1656/57 und 1738 zum Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Merseburg gehörte.[2] Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses wurde der Westteil des Amts Schkeuditz im Jahr 1815 an Preußen abgetreten. Wahren verblieb mit dem Ostteil beim Königreich Sachsen und wurde dem Kreisamt Leipzig angegliedert. 1839 wurde Wahren vom Rittergut im Ort abgelöst und erlangte damit den Status einer selbständigen politischen Gemeinde. Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Leipzig II und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Leipzig.[3]

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts blieb der dörfliche Charakter des Ortes erhalten, danach entwickelte sich Wahren zu einer Industriegemeinde und die Einwohnerzahl nahm stark zu. Im Jahre 1893 begannen die Polyphon-Musikwerke in ihrem am Bahnhof Wahren gelegenen Werk mit der Herstellung von mechanischen Musikapparaten. Ab 1904 baute Polyphon auch Automobile (Polymobil „Gazelle“). Diese Fahrzeugfertigung führte 1916 zur Gründung der selbstständigen Tochterfirma Dux Automobil-Werke, die 1926 von Presto übernommen wurde.

Weiße Elster und Wahrener Eisenbahnviadukt
Die Gnadenkirche, ältestes Gebäude in Wahren

1899 siedelte sich in Wahren die Leipziger Werkzeugmaschinenfabrik vorm. W. von Pittler an. Sie war auch nach der Verstaatlichung im Jahr 1945 bis zur Wende von 1989 der größte Betrieb im Stadtteil. 1900 erhielt die Gemeinde Straßenbahnanschluss nach Leipzig.

Die Preußische Staatsbahn erbaute bis 1905 die Bahnstrecke Leipzig-Leutzsch–Leipzig-Wahren des Leipziger Güterrings mit einem das Ortsbild prägenden Viadukt. Ab 1905 errichteten die Wahrener ein großes Rathaus mit einem weithin sichtbaren Turm, der Bau des Architekten Richard Lucht wurde am 30. Dezember 1907 eingeweiht.

Dominikanerkloster

1912/13 wurde am Auensee der Luna-Park mit Restaurationen, Badestrand, einer Achterbahn und anderen Vergnügungsstätten eröffnet. Er gehörte bis in die 1930er Jahre zu den beliebtesten Ausflugszielen der Leipziger. Heute ist davon nur noch das Haus Auensee übrig, in dessen großem Saal Popkonzerte u. Ä. veranstaltet werden.

Am 1. Januar 1922 wurde Wahren auf eigenen Wunsch nach Leipzig eingemeindet. Einer der Gründe war die Erwartung auf billigere Fahrpreise der „Großen Leipziger Straßenbahn“ (die nun auch für Wahren gelten würden) gegenüber der „Leipziger Außenbahn“.

1930 richtete der Dominikanerorden eine Niederlassung in Wahren ein. Pater Aurelius Arkenau arbeitete ab 1942 im Kloster, er versteckte dort mehr als 100 Menschen und wurde dafür als Gerechter unter den Völkern sowie mit dem nach ihm benannten Platz in Wahren geehrt. 1951 wurde die zugehörige katholische Kirche erbaut. Ihr Geläut ist auf die Glocken der nahe gelegenen alten evangelischen Kirche abgestimmt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Viadukt in Wahren

Der Stadtteil besitzt einen Personenbahnhof, der an der Strecke Leipzig-Halle liegt. Hier vereinigt sich die Strecke mit der parallelen Bahnstrecke Leipzig-Wahren–Leipzig Hbf. In Nord-Südrichtung verläuft der Leipziger Güterring, welcher den Ort und die Elsteraue mit dem Wahrener Viadukt überquert. Der Viadukt gehört mit 565 m zu den längsten Eisenbahnbrücken in Sachsen. In Wahren halten halbstündlich die Züge der Linie S3 der S-Bahn Mitteldeutschland.

Außerdem wird Wahren durch die Straßenbahnlinien 10 und 11 sowie die Buslinien 80, 87, 88, 90 und 91/190 der Leipziger Verkehrsbetriebe erschlossen.

Die Bahntochter DUSS betreibt im Ort den Container-Umschlagbahnhof Bahnhof Leipzig-Wahren.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedeutendstes Unternehmen am Ort ist der katholische Sankt Benno Verlag.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Aurich: Das 1000-jährige Waren. Spaziergänge durch einen Leipziger Stadtteil. Bürgerverein Möckern/Wahren e. V. u. Pro Leipzig e. V., Leipzig 2003, ISBN 3-936508-94-1
  • Cornelius Gurlitt: Wahren. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 16. Heft: Amtshauptmannschaft Leipzig (Leipzig Land). C. C. Meinhold, Dresden 1894, S. 134.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Topographische Karte Sachsen 1:25000 (Messtischblätter), bearbeitet im topographischen Bureau des Königlichen Generalstabes, Leipzig: Giesecke & Devrient, Blatt 25 (1914 & 1940), Auf: deutschefotothek.de
  2. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas, Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 84 f.
  3. Die Amtshauptmannschaft Leipzig im Gemeindeverzeichnis 1900

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wahren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien