Wahrenholz

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wahrenholz
Wahrenholz
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wahrenholz hervorgehoben

Koordinaten: 52° 37′ N, 10° 36′ O

Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Gifhorn
Samtgemeinde: Wesendorf
Höhe: 57 m ü. NHN
Fläche: 57,99 km2
Einwohner: 3654 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 63 Einwohner je km2
Postleitzahl: 29399
Vorwahl: 05835
Kfz-Kennzeichen: GF
Gemeindeschlüssel: 03 1 51 036
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
An der Sägemühle 1
29399 Wahrenholz
Bürgermeister: Herbert Pieper (CDU)
Lage der Gemeinde Wahrenholz im Landkreis Gifhorn
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Über dieses Bild

Wahrenholz ist eine Gemeinde im Landkreis Gifhorn in Niedersachsen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahrenholz liegt zwischen den Naturparks Südheide und Elm-Lappwald an der Ise. Die Gemeinde gehört der Samtgemeinde Wesendorf an, die ihren Verwaltungssitz in der Gemeinde Wesendorf hat.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Slawenaufstand von 983 hatte sich die Situation im östlichen Niedersachsen verschärft. Bernward von Hildesheim musste nach seinem Amtsantritt als Bischof in Hildesheim vordringlich die Sicherung der Grenzen seiner Diözese vorantreiben. Im Zeitraum von 994 bis 997 erbaute er die Mundburg und die Burg Wahrenholz als Pfahlburgen (castellum) an Aller und Ise, die wohl Teil einer Reihe von Grenzverteidigungsanlagen gegen Einfälle von Slawen war. In einer Urkunde Heinrichs II. von 1013 wurde ihm der Besitz von Burg und Burgward Wahrenholz (Wirinholt) bestätigt.

Das Dorf entwickelte sich westlich der Ise, am Weg von Hildesheim in die Altmark, um den für die Burg angelegten Wirtschaftshof herum. 1489 gab es bereits 16 abgabepflichtige Feuerstellen, davon mindestens elf, wahrscheinlicher aber 13 Vollhöfe, einer davon im Besitz des Müllers.

Eine eigene kleine Vogtei, die auch Betzhorn und Westerholz umfasste, hatte spätestens seit dem 16. Jahrhundert ihren Sitz in Wahrenholz; wahrscheinlich war sie aber älter oder hatte ältere Vorläufer, denn schon zwischen 1013 und 1023 ist von einer Vogtei die Rede, die zum Castell Wyrinholt gehörte.

Die Mühle – erstmals 1425 erwähnt, also tatsächlich wohl um einiges älter – war für die jeweiligen Grundherren von großer wirtschaftlicher Bedeutung: einmal direkt durch den lukrativen Mühlenzins, zum anderen gaben die zu führenden „Mahl“-Bücher Auskunft darüber, wie viel geerntet worden war (Grundlage für die Abgabenberechnung) und woher das Mahlgut kam (Brücken- und Wegezoll).

Um 1600 starb mehr als die Hälfte der Bewohner an der Pest.[2]

Der frühere Holzreichtum bildete die Basis für eine weitere Palette von Betrieben: Sägewerk, Zimmerei, Tischlerei – ebenfalls noch mit den vielen Erweiterungen vertreten. Die gezielte Forstwirtschaft geht auf die Holzverordnungen vor allem nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges zurück. Auf deren Einhaltung hatten die Förster zu achten, die damit nicht mehr als Jäger, sondern eher als Holzschützer arbeiteten und deren Entlohnung ursprünglich aus den Strafgeldern für Holzfrevel bestand. Erst nach dem Siebenjährigen Krieg (1769) scheint durchgehend eine staatliche Besoldung und auch eine feste Rangordnung eingeführt worden zu sein. Wahrenholz bekam eine Oberförsterei, Mittelpunkt der Forsten des Amtes Gifhorn und späteren Amtes Isenhagen, und dem Oberforstamt Celle unterstellt – zuletzt 1801 erwähnt. Seit 1880 war Wahrenholz Revierförsterei des Forstamtes Knesebeck; 1997 im Rahmen einer Umstrukturierung der Niedersächsischen Forstbezirke, wurde es dem Forstamt Fallersleben zugeordnet. Neben dem Holzdiebstahl sollten die Förster auch Wilddiebereien verhindern. Eine weitere Aufgabe stellte ab 1661 die Organisation der Flößerei dar, die in Wahrenholz oberhalb der Mühle ihren Anfang nahm und Holz bis Bremen beförderte. Erst 1930 wurde diese Art des Transports vollständig aufgegeben. Ein Grund dafür mag der Ausbau des Eisenbahnnetzes gewesen sein – seit 1900 hatte Wahrenholz einen eigenen Bahnhof, der von 1943/44 bis 1963 auch als Ölverladestation eine Rolle spielte.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Nicolai- und Catharinen-Kirche

Die heute evangelisch-lutherische St. Nicolai- und Catharinen-Kirche wurde im 13. Jahrhundert erbaut, als Wahrenholz unter Bischof Konrad von Hildesheim (1221–1246) selbständiges Kirchspiel wurde. Sie ist benannt nach dem Heiligen Nikolaus von Myra und der Heiligen Katharina von Siena, einer Märtyrerin des 14. Jahrhunderts. Als 1528 in Wahrenholz die Reformation eingeführt wurde, wurde die Kirche evangelisch.[2]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. März 1974 wurde die Gemeinde Betzhorn eingegliedert.[3] Der Name wird mit langem e gesprochen (Beetshorn).

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat von Wahrenholz setzt sich aus 15 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen. Die letzte Kommunalwahl fand am 11. September 2016 bei einer Wahlbeteiligung von 55,1 % statt. Seitdem setzt sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:[4]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister Herbert Pieper wurde am 11. September 2016 gewählt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Entwurf des Kommunalwappens von Wahrenholz stammt von dem Heraldiker und Wappenmaler Gustav Völker, der sämtliche Wappen in der Region Hannover erschaffen hat.[5] Das Wappen wurde am 20. Februar 1965 vom Gemeinderat beschlossen und die Genehmigung wurde am 15. Februar 1966 durch den lüneburgischen Regierungspräsidenten erteilt.[6]

Wappen von Wahrenholz
Blasonierung: „In Gold ein schräglinks gestellter blauer Wellenbalken, begleitet oben von einer liegenden schwarzen Wolfsangel, unten von einem nach rechts gewandten schwarzen Eberkopf.“[6]
Wappenbegründung: Der Wellenbalken weist auf den durch das Gemeindegebiet fließenden Fluss Ise hin. Die Wolfsangel im Ortswappen, die öfter als ein Zeichen der Wehrhaftigkeit gedeutet wird, symbolisiert eine ehemalige Wehrburg an der Ise, die zum Schutz gegen die Wenden um das Jahr 1000 diente. Der Eberkopf würdigt eine in der Region häufig anzutreffende Tierart, das Wildschwein.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wassermühle an der Ise in Wahrenholz
Standort der Burg Wahrenholz gegenüber der Wassermühle auf einer heutigen Wiese

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wassermühle: Am östlichen Ortsrand liegt an der Niedersächsischen Mühlenstraße eine historische Wassermühle an der Ise, die 1425 erstmals urkundlich erwähnt wurde. 1606 brannte sie ab und wurde wieder aufgebaut. Das heutige Mühlengebäude stammt von 1888. In diesem Jahr wurde das Wasserrad durch eine Turbine ersetzt. Die Mühle entwickelte sich von einer kleinen Wassermühle zu einer modernen Handelsmühle. Sie wurde bis 1987 gewerblich betrieben. Heute läuft wieder ein Wasserrad zur Stromgewinnung in der Mühle.
  • Burg Wahrenholz: Unmittelbar auf einer Wiese an der Ise gegenüber der Wassermühle befindet sich der Burgstall der Burg Wahrenholz. Es handelte sich um eine Wallburg als Holz/Erde-Konstruktion mit einem Innendurchmesser von rund 30 Metern. Die Befestigung soll zum Schutz gegen die Einfälle von Slawen 994 errichtet worden sein und wird erstmals urkundlich um 1015 in Besitzaufzeichnungen des Bistums Hildesheim erwähnt. Die Anlage gilt als Keimzelle des späteren Dorfes Wahrenholz. Im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts gab es archäologische Untersuchungen durch Ausgrabungen, die von 2006 bis 2014 weitergeführt wurden.
  • St. Nicolai- und Catharinen-Kirche:Siehe unter: Geschichte (Religionen)
  • Gedenkstein: Nordöstlich des Heiligen Hains steht ein Hermann-Löns-Gedenkstein.

Naturschutzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturschutzgebiet Heiliger Hain

Ein touristischer Anziehungspunkt ist der Heilige Hain am Ortsrand von Betzhorn, eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands, in dem sich ein ursprüngliches Stück der Kulturlandschaft Lüneburger Heide mit Heideflächen, urwüchsigen gemischten Beständen und vor allem Wacholdergruppen erhalten hat. Für den Kernbereich wurde bereits 1913 verfügt, dass das Kulturartenverhältnis nicht mehr verändert werden durfte, unter Naturschutz im heutigen Sinne steht seit 1969 das zwischenzeitlich von 5,75 auf 40,30 ha vergrößerte Gebiet.

Sportvereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wahrenholz sind mehrere Sportvereine aktiv:

  • VfL Wahrenholz (Fußball, Tennis und Gymnastik)
  • TTC Wahrenholz (Tischtennis)
  • TVC Wahrenholz (Turnen)
  • Turnverein Teichgut (Tischtennis, Theater, Kinderturnen, Volkstanzen)

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das alljährliche mehrtägige Schützenfest Wahrenholz genießt überregionale Bekanntheit. Die Schützen der „Schützengesellschaft von 1631 e. V.“ sind in sieben Kompanien organisiert (1. Kompanie, 2. Kompanie, Jungschützen, Damenkompanie, Wahrenholzer Mädels, Veteranenkompanie und der Spielmannszug).[8][9] 2015 gewann die Schützengesellschaft Wahrenholz im Rahmen der Aktion „Pimp your Schützenfest“ des Radiosenders Antenne Niedersachsen, deren Sieger durch ein Internetvoting ermittelt worden war, 10.000 €.[10]
  • zwei Mal im Jahr findet ein Jahrmarkt (früher Krammarkt) statt
  • Oktoberfest
  • Mühlenfest

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Getreideanbau, mit Roggen an erster Stelle, Zuckerrüben- und Kartoffelerzeugung sowie Milchviehhaltung spielen eine große Rolle im Wirtschaftsleben von Wahrenholz; dazu kommen Gewerbebetriebe, die im weiteren Sinne mit der Landwirtschaft zu tun haben wie Produktverarbeitung oder Maschinenbereitstellung.

Es gibt zahlreiche auch überörtlicher Gewerbebetriebe. Den Einpendlern steht allerdings ein Mehrfaches an Auspendlern gegenüber, vor allem nach Wolfsburg.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ölförderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1930 sind alle Wahrenholzer Grundeigentümer an den Erlösen beteiligt, die mit zwei Ölförderpumpen erwirtschaftet werden.[11]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die mit der Gemeinde in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wahrenholz – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle 12411: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2018 (Hilfe dazu).
  2. a b Kleine Geschichte der Kirchengemeinde Wahrenholz. In: www.kirche-wahrenholz.de. Archiviert vom Original am 19. September 2016; abgerufen am 23. Mai 2019.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 226.
  4. Ergebnis Gemeindewahl 2016 Wahrenholz. In: www.sg-wesendorf.net. Abgerufen am 23. Mai 2019.
  5. Landkreis Hannover (Hrsg.): Wappenbuch Landkreis Hannover. Selbstverlag, Hannover 1985.
  6. a b Arnold Rabbow: Braunschweigisches Wappenbuch. Die Wappen der Gemeinden und Ortsteile in den Stadt- und Landkreisen Braunschweig, Gandersheim, Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel und Wolfsburg. Hrsg.: Braunschweiger Zeitung, Salzgitter Zeitung und Wolfsburger Nachrichten. Eckensberger & Co Verlag, Braunschweig 1977, DNB 780686667, S. 40–41.
  7. Unsere Partnerschaftlichen Verbindungen – Wahrenholz. In: Internetseite Partnerschaftskreis SG Wesendorf e. V. Abgerufen am 23. Mai 2019.
  8. Kompanien. In: Schützengesellschaft von 1631 e. V. Wahrenholz. Abgerufen am 23. Mai 2019.
  9. Spielmannszug Wahrenholz. In: www.szwahrenholz.de. Archiviert vom Original am 1. September 2018; abgerufen am 23. Mai 2019 (Die aktuelle Seite befindet sich im Umbau).
  10. Kay Weseloh: Sieger Wahrenholz – Pimp your Schützenfest: Eichsfeld geht leer aus. In: Internetseite Göttinger- und Eichsfelder Tageblatt. 13. Mai 2015, abgerufen am 23. Mai 2019.
  11. Jens Meyer-Odewald: Die Ölbarone von Wahrenholz. In: Internetseite Hamburger Abendblatt. 22. Mai 2008, archiviert vom Original am 26. Mai 2008; abgerufen am 23. Mai 2019.