Waidbruck

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Waidbruck
(italienisch Ponte Gardena, ladinisch Pruca)
Wappen
Wappen von Waidbruck
Karte
Waidbruck in Südtirol - Positionskarte.svg
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen – Südtirol
Bezirksgemeinschaft: Eisacktal
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2019)
194/191
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
81,40 % deutsch
13,37 % italienisch
5,23 % ladinisch
Koordinaten 46° 36′ N, 11° 32′ OKoordinaten: 46° 36′ N, 11° 32′ O
Meereshöhe: 450–920 m s.l.m. (Zentrum: 470 m s.l.m.)
Fläche: 2,3 km²
Dauersiedlungsraum: 0,5 km²
Nachbargemeinden: Kastelruth, Barbian, Lajen
Postleitzahl: 39040
Vorwahl: 0471
ISTAT-Nummer: 021065
Steuernummer: 94055150216
Bürgermeister (2020): Philipp Kerschbaumer

Waidbruck ([vaɪ̯tˈbrʊk]; italienisch Ponte Gardena, ladinisch Pruca) ist eine im unteren Eisacktal gelegene italienische Gemeinde in Südtirol mit 191 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2019).

Waidbruck ist nach Fläche die drittkleinste (nur Kuens und Kurtinig haben eine geringere Ausdehnung), nach Einwohnern die kleinste Gemeinde Südtirols.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das kleine Dorfzentrum von Waidbruck befindet sich im unteren Eisacktal am schluchtartigen Ausgang des von Osten zulaufenden Grödner Tals. Es nimmt dabei auf 470 m Höhe den schmalen Talgrund unmittelbar am Mündungsbereich des Grödner Bachs in den Eisack ein. Diese beiden Flussläufe bilden die nördliche und westliche Gemeindegrenze. Ansonsten beschränkt sich das insgesamt nur 2,3 km² große Gemeindegebiet auf die größtenteils bewaldeten, steilen Hänge, die vom Ortszentrum jeweils auf der orographisch linken Seite den Grödner Bach talaufwärts und den Eisack talabwärts eine kurze Wegstrecke begleiten.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Kraftverkehr ist Waidbruck in erster Linie über die SS 12 und die SS 242 zugänglich. Die SS 12 verläuft auf der orographisch rechten Seite des Eisack auf Barbianer Gemeindegebiet und ist mit dem Waidbrucker Ortszentrum über eine Brücke verbunden. Diese Brücke markiert gleichzeitig den Beginn der SS 242, die von Waidbruck aus Gröden erschließt. Zudem wird das Gemeindegebiet von der erhöht über dem Talboden erbauten A22 und der Brennerbahn durchquert. Letztere erreicht von Bozen kommend knapp südlich des Ortszentrums den Ausgang des Schlerntunnels und bietet wenige Meter nördlich des Dorfkerns am bereits in der Nachbargemeinde Lajen gelegenen Bahnhof Waidbruck-Lajen eine Zugangsstelle.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Waidbruck wurden römerzeitliche Kulturschichten und Siedlungsreste gefunden, die mit der aus antiken Quellen bekannten römischen Straßenstation Sublavio identifiziert werden. Es gibt Anzeichen, dass diese Siedlung auch im Frühmittelalter weiterhin bestand.

Um 1173 wurde die Trostburg oberhalb von Waidbruck errichtet. Sie diente wahrscheinlich der Absicherung des Brückenkopfes. Schon damals war Waidbruck ein Durchreiseort und Rastplatz für Reisende und Pilger. Die heutige Gemeinde war ursprünglich eine Malgrei der Marktgemeinde Kastelruth, und die Trostburg war der Sitz einer Seitenlinie der Herren von Villanders.

Aus dem Burgfrieden der Trostburg bzw. der damit verbundenen Höfegruppe erwuchs an der Brücke über den Eisack im 13. Jahrhundert die Brückensiedlung Waidbruck; sie ist 1264 als pons sive callis qui dicitur Waidepruk und 1288, im landesfürstlichen Urbar Graf Meinhards II., als hof ze Waidepruk bezeugt.[1] Waidbruck ist damit eine der wenigen Tiroler Verkehrssiedlungen, die nicht primär durch bäuerliche Strukturen entstanden ist. Dem Ortsnamen liegt nicht althochdeutsch wida (‚Weide‘), sondern weida (‚Nahrungserwerb‘) wie in Weidmann zugrunde, und er hat wohl mit der höfischen Sprache der Trostburg zu tun (etwa ‚Brücke zum Jagdrevier‘).[2]

Im späteren Mittelalter wurde durch den Ausbau des die Eisackschlucht passierbar machenden Kuntersweges Waidbruck wirtschaftlich von Kollmann abgelöst, da der Weg um Waidbruck herumführte.

Am 4. November 1809 fand eine Schlacht zwischen Tiroler Freiheitskämpfern und französischen Soldaten unter der Führung des napoleonischen Generals Peyri im Umfeld der Starzer Brücke in Waidbruck statt. Die Franzosen verloren dabei an die 400 Mann, und die Brücke wurde danach von den Tirolern in Brand gesetzt und zerstört. Diese Schlacht ist auf einem Gemälde des Wiener Malers Balthasar Wiegand (im Zeughaus des Tiroler Landeskundlichen Museums) sehr dramatisch dargestellt.[3]

Erst im 19. Jahrhundert gewann der Ort durch den Bau der Brennerbahn und der Grödner Straße an Bedeutung. Der Bahnhof Waidbruck wurde zum wichtigsten Warenumschlagplatz im unteren Eisacktal.

1938 errichtete die faschistische Regierung vor dem Montecatini-Kraftwerk gegenüber von Waidbruck ein überlebensgroßes Reiterstandbild mit römischer Grußhand und den Gesichtszügen Mussolinis sowie der Inschrift Al Genio del Fascismo (Dem Genie des Faschismus), die 1945 geändert wurde in Al Genio del lavoro italiano (Dem Genie der italienischen Arbeit). In der Nacht vom 30. zum 31. Januar 1961 sprengten Aktivisten des Befreiungsausschusses Südtirol das in Südtirol als Aluminium-Duce bezeichnete Monument bei einem Anschlag.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister seit 1952:[5]

  • Alois Mayr: 1952–1974
  • Alois Rabanser: 1974–1990
  • Norbert Merler: 1990–2010
  • Oswald Rabanser: 2010–2020
  • Philipp Kerschbaumer: seit 2020

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gemeinde gibt es eine Grundschule für die deutsche Sprachgruppe.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Waidbruck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Waidbruck – Reiseführer

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oswald Bauer (Red.): Dorfbuch Waidbruck: 750 Jahre (1264–2014). Waidbruck: Gemeindeverwaltung 2014 (ohne ISBN).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franz Huter: Zur Frage der Gemeindebildung in Tirol. In: Die Anfänge der Landgemeinde und ihr Wesen. Band 1 (Vorträge und Forschungen 7). Sigmaringen: Thorbecke 1964, S. 223–235, hiuer S. 226 (Digitalisat).
  2. Peter Anreiter: Zur Methodik der Namendeutung: mit Beispielen aus dem Tiroler Raum. Hrsg.: Institut für Sprachwissenschaft der Universität Innsbruck (= Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft). Innsbruck 1997, ISBN 3-85124-184-3, S. 76.
  3. Edgar Moroder: Tirol 1809 in Ladinien, insbesondere in Gröden. Ein Beitrag zum Tiroler Gedenkjahr 2009 aus Ladinien. Selbstverlag, St. Ulrich in Gröden 2009.
  4. Bild des „Aluminium-Duce“ (1961 vom BAS zerstört) in der italienischsprachigen Wikipedia
  5. Die Bürgermeister der Gemeinden Südtirols seit 1952. (PDF; 15 MB) In: Festschrift 50 Jahre Südtiroler Gemeindeverband 1954–2004. Südtiroler Gemeindenverband, S. 139–159, abgerufen am 16. November 2015.