Wakash-Sprachen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Wakash-Sprachen oder Wakashan-Sprachen (engl.: wakashan languages) sind eine indigene nordamerikanische Sprachfamilie, die sechs in Kanada in British Columbia und auf Vancouver Island gesprochene Sprachen und eine schlafende Sprache (Makah), die im Norden der Olympic Peninsula in Washington, USA gesprochen wurde, umfasst.

Verteilung der Wakash-Sprachen vor Ankunft der Europäer

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wakashan
    • Nord-Wakashan
      • Haisla (Xenaksialak'ala/Xa'islak'ala/Kitamat) (263 Sprecher FPCC Bericht 2014[1], 25 Sprecher Ethnologue 2009)
      • Kwak'wala (Kwakiutl) (Sprache der Kwakwaka'wakw; 664 Sprecher FPCC Bericht 2014[1], 270 nach Ethnologue 2009)
      • Heiltsuk-Oowekyala
        • Heiltsuk (Bella-Bella, Hailhzaqvla) (105 Sprecher FPCC Bericht 2014[1], 300 Sprecher Ethnologue 2009)
        • Oowekyala ('Uik'ala) (11 Sprecher FPCC Bericht 2014[1])
    • Süd-Wakashan
      • Makah (qʷi·qʷi·diččaq) (Sprache der Makah; keine Muttersprachler, 12 L2-Sprecher UNESCO Weltatlas der bedrohten Sprachen[2]).
      • Nitinaht (DiitiidɁaatx/Ditidaht) (Sprache der Ditidaht; 13 Sprecher FPCC Bericht 2014[1], 30 Sprecher Ethnologue 2009)
      • Nuu-chah-nulth (Nuučaan‘uƚ) (Sprache der Nuu-chah-nulth; 231 Sprecher FPCC Bericht 2014[1], 170 Sprecher Ethnologue 2009).

Der linguistische Abstand zwischen der Nord- und Südgruppe ist relativ groß, während die Sprachen innerhalb dieser Gruppen eng miteinander verwandt sind.

Externe Beziehungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chimakum und Mosan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein älterer Vorschlag verbindet die Wakashan-Sprachen genetisch mit den fast ausgestorbenen Chimakum-Sprachen. Die Sprachen beider Gruppen sind typologisch ähnlich und besitzen einige lexikalische Gemeinsamkeiten, die Campbell 1997 allerdings eher auf areale Kontaktphänomene zurückführt. Darüber hinaus wurde von Edward Sapir und Morris Swadesh eine Zugehörigkeit beider Familien und der Salish-Sprachen zum Mosan vorgeschlagen, wobei Swadesh seine Meinung später änderte und die Wakash-Sprachen als mit dem Eskimo-Aleutischen verwandt ansah, worüber er allerdings nichts veröffentlichte.

Eskimo-Aleutisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dieser von Morris Swadesh initiierten und von Jan Henrik Holst ausgebauten Theorie sind die Wakashan-Sprachen mit den eskimo-aleutischen Sprachen verwandt. Holst (2005) begründet das durch eine Liste von 62 Wortgleichungen, die Herleitung einiger Lautgesetze und grammatische Evidenz. Diese Beziehung überschreitet die von Joseph Greenberg gezogene Grenze zwischen den eskimo-aleutischen und den Amerind-Sprachen (siehe dort).

Gemeinsame grammatische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Phonologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wakash-Sprachen zeichnen sich durch ein großes Phoneminventar aus. Charakteristisch ist dabei eine Reihe von Ejektiven sowie eine Reihe labialisierter Konsonanten. Außerdem gibt es eine große Zahl von Affrikaten.

Morphologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wakash-Sprachen sind wie die meisten nordamerikanischen Sprachen polysynthetisch. Die Wakash-Sprachen weisen dabei eine große Zahl lexikalischer Affixe auf und verfügen über ein Evidentialsystem. Sie weisen eine nur sehr schwach durch morphosyntaktische Eigenschaften repräsentierte Nomen-/Verb-Unterscheidung auf (vgl. Wortart).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lyle Campbell: American Indian Languages. The historical linguistics of Native America. Oxford University Press, Oxford 1997, ISBN 0-19-509427-1, (Oxford studies in anthropological linguistics 4).
  • Jan Henrik Holst: Einführung in die eskimo-aleutischen Sprachen. Buske Verlag, Hamburg 2005, ISBN 3-87548-386-3.
  • M. Paul Lewis: Ethnologue. Languages of the World. 16. Auflage. Summer Institute of Linguistics, Dallas Tx 2009, ISBN 978-1-55671-216-6.
  • Marianne Mithun: The Languages of Native North America. Cambridge University Press, Cambridge 1999, ISBN 0-521-23228-7, (Cambridge language surveys).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f First People's Cultural Council: Report on the Status of B.C. First Nations Languages 2014. In: www.fpcc.ca. Abgerufen am 6. Dezember 2017 (englisch).
  2. UNESCO: UNESCO Atlas of the World's Languages in Danger. In: www.unesco.org. Abgerufen am 6. Dezember 2017 (englisch).