Wald-Bingelkraut

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Wald-Bingelkraut
Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis)

Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis)

Systematik
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae)
Gattung: Bingelkräuter (Mercurialis)
Art: Wald-Bingelkraut
Wissenschaftlicher Name
Mercurialis perennis
L.

Das Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis), auch Wildhanf genannt, gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Der Gattungsname Mercurialis leitet sich ab vom Gott Merkur, der angeblich die Heilkräfte des Bingelkrauts entdeckt haben soll.[1]

Beschreibung[Bearbeiten]

Die mehrjährige krautige Pflanze erreicht Wuchshöhen zwischen 15 und 30 cm. Obwohl zu den Wolfsmilchgewächsen gehörend, besitzt sie keinen Milchsaft. Sie hat einfache, vierkantige, am oberen Abschnitt beblätterte Stängel (unten nur mit Schuppenblättern). Die Laubblätter sind deutlich gestielt, elliptisch bis länglich-eiförmig und etwa dreimal so lang wie breit.

Die Art ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), es gibt also weibliche und männliche Pflanzen mit entweder weiblichen oder männlichen Blütenständen. Die Blüten sind klein, grün und reduziert. Die männlichen Blüten haben zahlreiche Staubblätter.

Blütezeit ist von April bis Mai. Die Art ist windblütig.

Die Art hat die Chromosomenzahl 2n = 42 oder 64-66[2].

Ökologie[Bearbeiten]

Habitat des Wald-Bingelkrauts

Das Wald-Bingelkraut ist ein Rhizom-Geophyt, der im atlantischen Klima möglicherweise wintergrün ist. Seine Blätter riechen unangenehm. Die Blüten sind streng zweihäusig und riechen durch Amine fischartig. Sie werden von Insekten und durch den Wind bestäubt. Die Früchte sind zwei- bis dreifächrige Kapselfrüchte mit einsamigen Teilfrüchten. Die Entwicklung von Samen ist auch bei ausbleibender Bestäubung möglich (Apomixis). Es findet reichlich vegetative Vermehrung durch verzweigte Ausläufer statt, weswegen männliche und weibliche Pflanzen oft getrennt stehen. Beim Trocknen z. B. im (Herbarium) nimmt die Pflanze gewöhnlich durch Bildung von Indigo einen blauschwarzen Metallglanz an.

Verbreitung und Standort[Bearbeiten]

Für das Wald-Bingelkraut typisches Auftreten in großen Beständen

Das Wald-Bingelkraut ist in Europa und Vorderasien verbreitet.

Man findet es häufig und gesellig in krautreichen Buchen- und Nadelwäldern, auch in Eichen- und Eschenauenwäldern oder in Hochstaudenfluren. Es bevorzugt feuchten, nährstoff- und basenreichen, lockeren Boden an eher schattigen Standorten. Es zeigt Sickerwasser an. In Lehm- und Kalkgebieten tritt es oft in großen Gruppen auf. Nach Ellenberg ist es ein Stickstoffzeiger und eine Ordnungscharakterart der Edellaub-Mischwälder und verwandter Gesellschaften (Fagetalia sylvaticae).

Die Art steigt in den Allgäuer Alpen am Südhang des Kegelkopfes in Bayern bis zu 1850 m Meereshöhe auf[3].

Besonderheiten[Bearbeiten]

An dieser Art entdeckte Rudolf Jacob Camerer 1694 in Tübingen die Sexualität der Pflanzen.

Medizinische Bedeutung[Bearbeiten]

Heilwirkung[Bearbeiten]

Die abführende Wirkung ist belegt.[4] Als Heilpflanze wird Wald-Bingelkraut heute selten verwendet.

Giftigkeit[Bearbeiten]

Giftige Pflanzenteile: Die ganze Pflanze hat zur Fruchtreife den höchsten Wirkstoffgehalt. Das getrocknete Kraut soll ohne Wirkung sein. Die ganze Pflanze gilt insgesamt als wenig giftig.

Hauptwirkstoffe: Saponine , Methylamin, Trimethylamin.

Vergiftungserscheinungen: Die Wirkung als Abführmittel ist den Saponinen zuzuschreiben. Vergiftungen beim Menschen sind kaum zu erwarten.

Durch die Aufnahme von Mercurialis-Arten kann es bei Pferden, Schweinen und Wiederkäuern zu einer Gastroenteritis und Schädigung der Nieren und der Leber kommen. Als Symptome treten vielfach erst nach Tagen auf: Speichelfluss, Fresslust, Teilnahmslosigkeit, Stöhnen, als charakteristisches Merkmal Torticollis (schiefe Halsstellung), steigende, dann sinkende Temperatur, Rotblaufärbung des Harns (bei Wiederkäuern auch der Milch), pochender Herzschlag mit frequentem, kleinen Puls, zunehmende Schwäche. Auch der Tod kann eintreten.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, Basel und Stuttgart 1976, S. 244.
  2. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 3-8001-3131-5
  3. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2. IHW-Verlag, Eching bei München, 2004. ISBN 3-930167-61-1
  4. L. Roth u. a.: Giftpflanzen - Pflanzengifte - Giftpflanzen von A-Z, Notfallhilfe, Allergische und Phototoxische Reaktionen. 5. erweiterte Auflage. Nikol-Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-86820-009-6, S. 495+496.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wald-Bingelkraut – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien