Wald (Solingen)

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51.1837777.04116Koordinaten: 51° 11′ 2″ N, 7° 2′ 28″ O

Stadtbezirk Wald
Stadt Solingen
Wappen von Stadtbezirk Wald
Höhe: 150–200 m ü. NHN
Fläche: 7,86 km²
Einwohner: 24.038 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte: 3.058 Einwohner je km²
Eingemeindung: 1929
Postleitzahlen: 42719, 42655
Vorwahl: 0212
Karte

Lage von Stadtbezirk Wald in Solingen

Evangelische Kirche Solingen-Wald

Evangelische Kirche Solingen-Wald

Wald ist gleichzeitig Stadtteil und Stadtbezirk in der bergischen Großstadt Solingen in Nordrhein-Westfalen. Wald ist der flächenmäßig kleinste Stadtbezirk Solingens.

Der historische Ortskern Walds ist als Denkmalbereich in der Denkmalliste der Stadt Solingen ausgewiesen.[1]

Geographie[Bearbeiten]

Der Stadtbezirk Wald liegt im Nordwesten Solingens und grenzt im Norden an die Nachbarstadt Haan. Östlich schließt sich der Stadtbezirk Gräfrath an, südlich der Stadtbezirk Mitte sowie südwestlich der Bezirk Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid.

Das Walder Stadtzentrum liegt auf einem Höhenrücken zwischen zwei bewaldeten Bachtälern, zum einen dem Ittertal, das die Grenze zu Haan bildet, und dem Lochbachtal, das Wald von Merscheid und der Solinger Stadtmitte trennt. Noch weitere kleine Bäche durchziehen Wald, die Lochbach und Itter als Zuflüsse dienen.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahre 1019 wurde der Ort Villa Walda erstmals urkundlich erwähnt, womit das heutige Wald gemeint ist. Auch ein Kirchenbau, vermutlich eine Holzkirche, muss zu diesem Zeitpunkt bereits existiert haben.[2] Der Name rührt wahrscheinlich von der stark bewaldeten Region her; das gesamte Bergische Land war bewaldet und bedurfte zu seiner Urbarmachung zunächst der Rodung. Im 12. Jahrhundert erfolgte der Neubau der Walder Kirche; der dabei entstandene Kirchturm steht heute noch und bildet damit das älteste Gebäude Solingens.

Pliesterer-Statue im Ortskern von Wald

1135 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung des Kirchspiels Wald. Im Jahre 1185 wird das nahe Gräfrath aus dem Kirchspiel Wald herausgenommen, da es inzwischen durch das Kloster im Ort zu eigenem Einfluss gekommen war. 1218 entstanden im Bergischen Land Gerichtsbezirke, Wald wurde ein selbstständiger Gerichtsbezirk. 1314 wird am Deutzer Hof in Wald ein Gericht erwähnt. Zum 1363 erstmals erwähnten Amt Solingen gehörte auch das Kirchspiel Wald. Im Jahre 1590 wurde Wald, das zur Freiheit Gräfrath gehörte, zusammen mit letzterer reformiert und die Walder Kirche evangelisch.[2]

Jahrhunderte lang prägte die Walder Wirtschaft die Fertigung von Klingen in den Schleifkotten an den zahlreichen Bächen im Stadtgebiet. Die Bevölkerung lebte über zerstreut in sich wenig verändernden einzelnen Höfen und Hofschaften. Große Veränderungen kamen erst mit der Industriellen Revolution über Wald.

Am 13. Oktober 1807 wurde Wald zur Bürgermeisterei erhoben.[3] Sie bestand im Wesentlichen aus den drei Honschaften Itter, Scheid und Limminghofen. Vereinzelte Höfe kamen darüber hinaus aus weiteren Honschaften zu Wald hinzu, etwa Bavert, Vogelsang oder Gönrath. 1818 erfolgte der Neubau des Saalbaus der Walder Kirche, da der vorherige abgerissen werden musste. Wald erhielt das Stadtrecht nach preußischer Städteordnung im Jahre 1856. Im Jahre 1890 erhielt Wald sein Stadtwappen.

Wirtschaftlich von höchster Bedeutung war für das industrialisierte Wald vor allem die Fertigung von Schirmen. Mit der Stadt Wald besonders verbunden war zu diesen Zeiten die Firma Kortenbach und Rauh, die mit ihrem bekanntesten Produkt, dem Kobold, den Weltmarkt eroberte. In Spitzenzeiten fanden mehr als 1.000 Menschen am Standort Wald Arbeit.[4]

Im Jahre 1891 wurde die Eisenbahnstrecke Solingen–Wald–Vohwinkel, die aufgrund ihres kurvenreichen Verlaufes sogenannte Korkenzieherbahn, in Betrieb genommen. Wald war dadurch mit einem eigenen Bahnhof an das Schienennetz angeschlossen. 1892 erhielt Wald ein eigenes Rathaus am Standort der heutigen Friedrich-Ebert-Straße. Der imposante Backsteinbau präsentiert auch heute noch seine prachtvolle Fassade im Stil der Nordischen Renaissance. 1928 wurde mit dem Bau der Jahnkampfbahn, des Walder Stadions, eine lange, sporthistorische Tradition begründet.

Im Jahre 1929 wurde Wald mit der damaligen Stadt Solingen sowie den Städten Gräfrath, Höhscheid und Ohligs zur Großstadt Solingen zusammengeschlossen. Zum Zeitpunkt der Städtevereinigung lag die Einwohnerzahl Walds bei rund 27.000.

Die Schäden, bedingt durch den Zweiten Weltkrieg, fielen in Wald weit geringer aus als etwa in der Solinger Innenstadt, die beinahe völlig zerstört wurde. Als Reaktion auf die Flüchtlingsströme in den ersten Nachkriegsjahren entstanden auch in Wald rasch ganze Siedlungen, um der vorherrschenden Wohnungsnot beizukommen. Beispiele sind die Spar- und Bauvereinssiedlung am Wasserturm und die Siedlung Stettiner Straße/Gleiwitzer Straße, deren Straßennamen an ehemalige deutsche Oststädte erinnern, die Herkunftsorte der Flüchtlinge.

Mehrfach wurde der Walder Ortskern in der Nachkriegszeit baulichen Veränderungen unterzogen. Dem zunehmenden Straßenverkehr Rechnung tragend, begann man im Jahre 1956 mit dem Bau einer westlichen Umgehungsstraße zur Entlastung der unteren Friedrich-Ebert-Straße, der heutigen Stresemannstraße. 1961 war das Projekt, dem einige historische Bauwerke zum Opfer fielen, fertiggestellt. Zu einer wesentlichen Entspannung trug dies jedoch nicht bei, der enge Rundling im Bereich um die Kirche blieb für den schnellen Durchgangsverkehr ein Hindernis. So wurde Ende der 1980er Jahre mit dem Bau der Südumgehung begonnen und das Straßenstück zwischen dem Deutzerhof und der Kreuzung Schwindstraße/Wiedenhofer Straße entstand. Der Durchgangsverkehr wurde um den Ortskern umgeleitet, der in der Folgezeit der Fertigstellung des Umbaus im Jahre 1991 zur Fußgängerzone wurde.

Die Eisenbahnstrecke und der Bahnhof in Wald wurden schrittweise ab den 1980er Jahren stillgelegt, heute führt über den ehemaligen Bahndamm ein beliebter Radwanderweg, die Korkenziehertrasse.

Wappen[Bearbeiten]

Wappen von Wald (Solingen)
Blasonierung:

„In einem dreieckigen silbernen (weißen) Schild über einem grünen Schildfuß eine grüne, fruchttragende Eiche. Am Stamm der Eiche lehnt ein schräg nach links gestellter kleiner Dreiecksschild in Schwarz und Silber (Weiß) besetzter Bordüre; auf goldenem (gelbem) Grund ein silberner (weißer) Merkurstab senkrecht über gekreuztem schwarzen Hammer und Schlägel. Im Oberwappen sieht man eine zinnengekrönte Stadtmauer mit geschlossenem Tor und drei Türmen. Bedeutung: Es handelt sich hier um ein sogenannten „redendes Wappen“ Die Eiche steht für „Wald“, der Merkurstab deutet auf den Handel in der Stadt hin und Hammer und Schlägel auf die Industrie. Die Stadtmauer mit drei Türmen weist Wald als Kleinstadt aus.“[5]

Wohnplätze[Bearbeiten]

Zahlreiche traditionelle Hofschaften befinden sich heute noch in Wald, häufig mit einem großen Bestand an Jahrhunderte alten Bergischen Fachwerkhäusern. Dazu zählen vor allem (ohne Namenszusätze wie Unten- oder Oben-)

Bavert, Bech, Demmeltrath, Eigen, Eschbach, Felder Hof, Itter, Krausen, Lochbach, Mummenscheid, Rolsberg, Sonnenschein, Scheid, Vogelsang

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sternwarte Solingen

Bekannt ist Wald vor allem für die Walder Theatertage, die jährlich im Mai oder Juni stattfinden. Es handelt sich dabei um einen Schauspielwettbewerb, an dem einige lokale amateurhafte und semiprofessionelle Schauspielgruppen auftreten. Die Theatertage werden von der Friedrich-Albert-Lange-Schule organisiert.

Der Ortskern von Wald wird im Wesentlichen durch den Walder Rundling, Walder Schlauch oder Walder Dorp genannten Straßenzug um die bereichsprägende Walder Kirche gebildet. Aufgrund der baulichen Veränderungen in der Nachkriegszeit wurden einige bergische Fachwerkhäuser abgebrochen. Doch besonders die Straßen und Gassen hinter der Kirche blieben von der neueren Verkehrsplanung nahezu völlig verschont und weisen so heute eine Durchmischung altbergischer Fachwerkhäuser und pittoresker Wohnhäuser der Gründerzeit auf. Der gesamte Ortskern ist daher als Denkmalbereich geschützt.

Im ehemaligen Walder Kotten gibt es ein privat betriebenes Laurel & Hardy-Museum. Es setzt sich kreativ mit den beiden Stars von Dick und Doof, Stan Laurel und Oliver Hardy, auseinander.

Erwähnenswert ist zudem das Freizeitzentrum Ittertal, das im Tal der Itter an der Grenze zur Nachbarstadt Haan liegt. Es besteht zum einen aus einer Freizeitanlage mit Sportflächen und einem Freibad im Sommer und einer Eislaufbahn im Winter und zum anderen aus dem 1920 eröffneten Historischen Freizeitpark mit Spielgeräten, Karussells und einem Märchenwald. Im Freizeitpark befindet sich ein über hundert Jahre altes Wasserkarussell. Auch die Sternwarte Solingen ist im Stadtteil Wald beheimatet.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Solingen-Wald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur und Quellen[Bearbeiten]

  1. http://www.solingen.de/C12573970062F3A0/html/3B7D85106BB6C2ECC12573A300430247?opendocument&nid1=16414_02619 Denkmalbereiche auf solingen.de, abgerufen am 13. Februar 2015
  2. a b http://www.solingen-internet.de/si-hgw/gesch_zahlen.htm Geschichte Solingens auf solingen-internet.de, abgerufen am 13. Februar 2015
  3. http://www.zeitspurensuche.de/02/sgowal1.htm#Notizen Geschichte des Stadtteils auf zeitspurensuche.de, Internetseite mit Sekundärquellen, abgerufen am 13. Februar 2015
  4. http://www.solingen-internet.de/si-hgw/100jahre-kortenbach&rauh.htm Überblick über die Firma auf solingen-internet.de, abgerufen am 22. Februar 2015
  5. http://www.zeitspurensuche.de/02/sgowal1.htm#Wappen