Waldbrände in Kalifornien 2020

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In Flammen stehender Wald, Doe Fire
Sichtbedingungen in San Francisco mit Bay Bridge um die Mittagszeit, 9. September

Die Waldbrände in Kalifornien 2020 sind eine Serie von Waldbränden im US-Bundesstaat Kalifornien. Sie begannen im Sommer 2020. Am 16. September waren ca. 13.000 km² Wald vernichtet worden.[1] Am 9. September waren es noch ca. 2,5 Mio. acre gewesen (ca. 10.000 km²); etwa 20-mal so viel Fläche wie im vorherigen Rekordjahr 2018 zu dieser Zeit.[2] Bereits Anfang September waren mehr als 8000 km² Wald vernichtet worden; mehr als in jeder anderen Saison seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen Ende der 1980er Jahre. Das Ausmaß der Brände trat dabei im historischen Vergleich außergewöhnlich früh auf; üblicherweise sind der September und Oktober die Monate mit den stärksten Bränden.[3]

Insgesamt waren zu diesem Zeitpunkt ca. 7600 verschiedene Feuer gemeldet worden, die begünstigt wurden durch eine langanhaltende Dürre und starke Winde.[3] Mehr als 4200 Gebäude wurden zerstört, mindestens 25 Menschen kamen ums Leben[1], weitere werden vermisst.[4] Es kam zu Massenevakuierungen.[2] Mit dem SCU Lightning Complex, dem LNU Lightning Complex und dem August Complex brannten Anfang September parallel drei der vier größten jemals in der Geschichte Kaliforniens beobachteten Brände.[5] Der August Complex ist das größte jemals in Kalifornien registrierte Feuer und zählt mit dem nach Fläche auf Rang vier liegenden LNU Lightning Complex zudem zu den zehn zerstörerischsten Feuern der kalifornischen Historie.[6] Bis zum 11. September hatte August Complex eine Fläche von mehr als 3000 km² vernichtet.[7] Zuverlässige Daten zu den größten Feuern in Kalifornien reichen bis zum Jahr 1932 zurück.[8]

Die Waldbrandsaison 2020 galt bereits Mitte September als die schlimmste seit Beginn der Aufzeichnungen.[1] Aufgrund des simultanen Auftretens über eine sehr große Fläche und der enormen Geschwindigkeit, mit der sie an Größe zulegten, wurden die Brände als beispiellos in der jüngeren (amerikanischen) Geschichte bezeichnet, einzig vergleichbar mit dem Großen Brand von 1910 in Montana und Idaho.[6]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Satellitenaufnahme der Rauchwolke über den Bundesstaaten an der US-Westküste und über dem Pazifischen Ozean

Nachdem ein heißer Frühling die Vegetation ausgetrocknet hatte und auch die Sommermonate des Jahres 2020 heiß und trocken waren, war eine schwere Brandsaison erwartet worden. Die erste Serie schwerer Feuer brach Mitte August aus, nachdem in Kalifornien binnen drei Tagen heftige Gewitter mit knapp 11.000 Blitzeinschlägen aufgetreten waren. Am 18. August rief der Gouverneur Gavin Newsom den Notstand aus.[9] Eine zweite große Welle brach Anfang September aus, als Teile von Kalifornien von einer massiven Hitzewelle erfasst wurden, die verschiedene Rekorde brach.[10] Verschiedene Brände nahmen zudem binnen kurzer Zeit eine enorme Größe an. So wuchs z. B. das Bear Fire nördlich von Sacramento über Nacht um 230.000 acre (ca. 920 km²).[2]

Angefacht wurden die Feuer durch starke, trockene Winde von See, die dazu beitrugen, dass außergewöhnliche Brandbedingungen auftreten konnten. Diese führten unter anderem dazu, dass sich etwa 12 km hohe, pilzförmige Rauchwolken sowie Feuertornados bildeten, die das Eindämmen der expandierenden Brände nahezu unmöglich machen.[6] Infolge der Dürre in Kalifornien 2011–2017, die ein Hauptgrund für das Absterben von ca. 163 Mio. Bäumen war, stand zudem sehr viel leicht brennbares Material zur Verfügung.[11]

Mit Stand 16. September kämpften ca. 16.000 Feuerwehrleute gegen die Wald- und Buschbrände.[1] Neben Feuerwehreinheiten aus anderen Bundesstaaten wurden u. a. auch Einsatzkräfte aus Israel angefordert.[7] Erschwert wird das Löschen durch den Umstand, dass viele weitere Bundesstaaten im Westen der USA von Utah und Colorado bis Montana ebenfalls von schweren Bränden betroffen sind, wodurch Feuerwehren überlastet sind und überregionale Löschhilfe kaum möglich ist. Üblicherweise treten in Arizona und New Mexico die meisten Brände Ende des Frühlings und im Frühsommer auf, während die kalifornische Brandsaison im Spätsommer beginnt und sich dann über den Herbst erstreckt.[12] Auch in den nördlich von Kalifornien gelegenen Bundesstaaten Oregon und Washington kam es zu schweren Bränden, von denen mit Stand 10. September 2020 eine Fläche von 672.000 bzw. 500.000 acres (umgerechnet ca. 2700 bzw. 2000 km²) betroffen waren.[6]

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Ursache für die Schwere der Brände im ganzen Westen der USA gelten ein starkes Windereignis im Nordwesten, eine Rekord-Hitzewelle, die von windreichen Bedingungen abgelöst wurde, sowie der Klimawandel, der über höhere lokale Durchschnittstemperaturen die Vegetation austrocknet und somit anfälliger macht für Brände infolge von Funkenschlag.[2] Zwar ist es schwer, einzelne Brände auf den Klimawandel zurückzuführen, jedoch führt er zu steigenden Temperaturen und veränderten Niederschlagsmustern. Damit einher gehen höhere Temperaturen und stärkere Dürren, die wiederum Feuer begünstigen. Unter anderem gab es im Winter 2019/2020 deutlich unterdurchschnittlichen Niederschlag, während es im Sommer eine starke Hitzewelle gab, in der unter anderem mit 54,4 Grad Celsius die höchste auf der Erde gemessene Temperatur aufgetreten war.[13] Der August 2020 war der heißeste August, der jemals in Kalifornien gemessen wurde; 34 der 58 Counties brachen Temperaturrekorde. Die höchsten Temperaturanstiege verzeichneten die Counties Alameda, Contra Costa und San Joaquin, in denen ab dem 18. August das SCU-Lightning-Complex-Feuer brannte.[14]

Eine Reihe bekannter Klimatologen betonte, dass die Waldbrände in Kalifornien ohne die Klimakrise in dieser Form sehr wahrscheinlich nicht aufgetreten wären. Die Zuordnungsforscherin Friederike Otto, Leiterin des Environmental Change Institute an der University of Oxford, erklärte: „Es besteht keinerlei Zweifel daran, dass die extrem hohen Temperaturen höher sind als ohne die vom Menschen verursachten Klimaveränderungen. Eine großer Teil der Zuordnungsliteratur zeigt nun, dass der Klimawandel in Bezug auf Hitzewellen ein absoluter Game Changer ist und Kalifornien keine Ausnahme sein wird.“ David Romps, Leiter des Berkeley Atmospheric Sciences Center, äußerte sich ähnlich: „Um es auf den Punkt zu bringen: Wurden die Hitzewelle und die Gewitter und die Trockenheit der Vegetation von der Erderhitzung beeinflusst? Eindeutig ja. Wurden sie aufgrund der globalen Erwärmung deutlich heißer, zahlreicher und trockener gemacht? Ja, wahrscheinlich ja und ja.“[15]

Die historischen Trends deuten darauf hin, dass der menschengemachte Klimawandel bereits heute Bedingungen geschaffen hat, die immer stärker die Entstehung von Waldbränden begünstigen. Dieser Trend wird sich mit voranschreitender globaler Erwärmung aller Wahrscheinlichkeit nach weiter verstärken.[16] Zwischen 1972 und 2018 nahm die verbrannte Waldfläche in Kalifornien um den Faktor 8 zu, während die Temperatur vor Ort um ca. 1,4° C stieg und damit das Sättigungsdefizit der Luft erhöhte. Der klarste Beleg für die Verbindung des menschengemachten Klimawandels mit den zunehmenden Waldbränden ist dabei die durch höhere Temperaturen verstärkte Brennstofftrockung.[17] Von etwa Mitte August bis Mitte September 2020 war das Sättigungdefizit in Kalifornien und anderen US-Bundesstaaten an der Westküste so hoch wie nie in den vergangenen 40 Jahre in diesem Zeitraum.[18]

Luftverschmutzung und Gesundheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Himmel über Eureka

Die Waldbrände verursachten enorme Rauchwolken, die zu starker Luftverschmutzung führten und tagsüber ganze Städte wie San Francisco verdunkelten.[19] Dadurch sind Millionen Menschen, gerade Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen, einem akut gesundheitsschädigenden Ausmaß von Luftschadstoffen ausgesetzt. Dies verschärft die durch die COVID-19-Pandemie angespannte Lage im US-Gesundheitssystem vor dem Hintergrund, dass Luftverschmutzung die Symptome von COVID-19 erschweren kann. In einigen Regionen erreichte die Luftqualität die niedrigste Stufe „gefährlich“.[20] Durch die Rauchbelastung stieg die Luftverschmutzung in San Francisco und Los Angeles wie auch weiteren Städten an der Westküste Nordamerikas so stark an, dass sie zu den zehn Städten mit der höchsten Luftverschmutzung weltweit gezählt wurden. Teilweise kam es zu Ascheregen.[21]

Die Rauchwolken zogen über weite Strecken, vorwiegend an der Westküste, waren aber ebenso in New York City, an der US-Ostküste, sichtbar.[22] Auch in der Schweiz war der Rauch messbar und mit bloßem Auge durch eine stärkere Orangefärbung von Sonnenauf- und Untergang zu erkennen.[23]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Waldbrände in Kalifornien 2020 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Klimawandel schürt US-Waldbrände, aber nicht allein. In: Tagesspiegel, 16. September 2020. Abgerufen am 16. September 2020.
  2. a b c d Wildfires Bring New Devastation Across the West. In: The New York Times, 9. September 2020. Abgerufen am 10. September 2020.
  3. a b Rekordfläche Wald in Kalifornien verbrannt. In: Spiegel Online, 9. September 2020. Abgerufen am 10. September 2020.
  4. Mindestens 26 Tote bei Bränden im Westen von Amerika. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. September 2020. Abgerufen am 12. September 2020.
  5. Three recent wildfires now among top 4 largest in California history: See Cal Fire list. In: San Francisco Chronicle, 4. September 2020. Abgerufen am 10. September 2020.
  6. a b c d Western wildfires break records as devastating toll on lives and homes begins to emerge. In: Washington Post, 10. September 2020. Abgerufen am 11. September 2020.
  7. a b Eine gigantische Katastrophe. In: Süddeutsche Zeitung, 11. September 2020. Abgerufen am 11. September 2020.
  8. Top 20 Largest California Wildfires. CalFire. Abgerufen am 18. September 2020 (täglich aktualisiert).
  9. California wildfires: thousands evacuate as 'siege' of flames overwhelms state. In: The Guardian, 20. August 2020. Abgerufen am 10. September 2020.
  10. California Wildfires: Extreme Heat Turns State Into a Furnace. In: The New York Times, 9. September 2020. Abgerufen am 10. September 2020.
  11. A Climate Reckoning in Fire-Stricken California. In: The New York Times, 11. September 2020. Abgerufen am 11. September 2020.
  12. A Siege of 80 Large, Uncontained Wildfires Sweeps the Hot, Dry West . In: Inside Climate News, 9. September 2020. Abgerufen am 10. September 2020.
  13. Drei Tote in Nordkalifornien und fünf zerstörte Kleinstädte in Oregon, oranger Rauch über San Francisco – die neusten Entwicklungen zu den Waldbränden in den USA. In: Neue Zürcher Zeitung, 10. September 2020. Abgerufen am 10. September 2020.
  14. How Record-Smashing Heat Ushered in Western Infernos. In: Scientific American, 11. September 2020. Abgerufen am 11. September 2020.
  15. What Is Causing Those Fires And Blackouts In California? Could It Be (Gasp!) Climate Change?. In: Cleantechnica, 22. August 2020. Abgerufen am 11. September 2020.
  16. Michael Goss et al.: Climate change is increasing the likelihood of extreme autumn wildfire conditions across California. In: Environmental Research Letters. Band 15, Nr. 9, 2020, doi:10.1088/1748-9326/ab83a7.
  17. A. Park Williams et al.: Observed Impacts of Anthropogenic Climate Change on Wildfire in California. In: Earth’s Future. Band 7, Nr. 8, 2019, S. 892–910, doi:10.1029/2019EF001210.
  18. Titel. In: The Washington Post, 11. September 2020. Abgerufen am 12. September 2020.
  19. Wild fires blot out sun in the bay area. In: The New York Times, 9. September 2020. Abgerufen am 10. September 2020.
  20. Why wildfire smoke can turn the sky orange and damage your lungs. In: Vox, 9. September 2020. Abgerufen am 10. September 2020.
  21. Brände in den USA schüren Angst vor Klimawandel. In: Süddeutsche Zeitung, 14. September 2020. Abgerufen am 14. September 2020.
  22. Waldbrände an US-Westküste: Rauch bis nach New York. In: ORF, 16. September 2020. Abgerufen am 16. September 2020.
  23. Brände toben weiter, Feuer an historischem Observatorium eingedämmt – die neusten Entwicklungen zu den Waldbränden in den USA. In: Neue Zürcher Zeitung, 16. September 2020. Abgerufen am 16. September 2020.