Waldemar Grzimek

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Waldemar Grzimek (* 5. Dezember 1918 in Rastenburg, Ostpreußen; † 26. Mai 1984 in West-Berlin) war ein deutscher Bildhauer, der sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik Deutschland wirkte.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen der Familie Grzimek

Grzimek entstammte einer schlesischen Familie und war der Sohn des Juristen Günther Grzimek und der Emmy Jansen aus Bonn. Sein älterer Bruder Günther war ein bekannter Landschaftsarchitekt.

In erster Ehe heiratete Grzimek am 17. September 1941 in Berlin-Schöneberg die Malerin und Keramikerin Christa von Carnap (* 16. August 1921 in Görlitz), Tochter des Alfred von Carnap, Kaufmann in Berlin-Wilmersdorf, und dessen erster Ehefrau Susanne Schindler. Grzimeks erste Ehe wurde um 1950 geschieden. Christa Grzimek, geborene von Carnap, heiratete in zweiter Ehe 1953 in Berlin den Bildhauer Fritz Cremer.

In zweiter Ehe heiratete Grzimek 1962 Lydia Schumann (* 1927).

Aus der ersten Ehe stammen die Tochter Sabina und Sohn Tomas, aus der zweiten Ehe die Tochter Jana. Beide Töchter wurden wie der Vater Bildhauerinnen, sein Sohn ist Keramiker.

Siehe auch: Familie Grzimek

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grzimeks Grab mit einer lebensgroßen Nackten

Bedingt durch die Tätigkeit seines Vaters als Abgeordneter des Preußischen Landtags zog die Familie 1925 nach Berlin, wo sein Vater eine neue Anwaltspraxis eröffnete.

Waldemar Grzimek begann 1929, elfjährig, mit dem Modellieren von Tieren im Zoologischen Garten von Berlin. Dort traf er auf den Bildhauer Hugo Lederer, Professor an der Berliner Akademie der Künste, der Grzimek das Bauen von Gerüsten für Plastiken beibrachte. In seiner frühen Schaffensphase entstanden hauptsächlich Tierplastiken. Sein erstes Werk war ein Wisentstier. Im Alter von 12 Jahren gewann er für seine Plastik einer Skyeterrier-Gruppe den ersten Preis auf einer Berliner Hundeausstellung. Großes Aufsehen erregte der damals 15-jährige Grzimek 1933 mit seinen Plastiken auf einer Ausstellung in der Akademie der Künste. Ausgestellt wurden ein Nashorn, ein amerikanischer Büffel sowie die Skizze des Kopfes seines Vaters. Der Berliner Bildhauer und Professor Richard Scheibe äußerte sogar privates Interesse am Kauf der Nashornplastik.

Nach seinem Schulbesuch trat Waldemar Grzimek 1937 eine Steinmetzlehre bei der Philipp Holzmann AG an, bis er zum Studium der Bildhauerei bei Wilhelm Gerstel an der Hochschule für Bildende Künste Berlin zugelassen wurde, welches er 1941 beendete. Während des Wehrdienstes bei der Kriegsmarine erhielt er 1942 den Rom-Preis und verbrachte einen Studienurlaub in der Villa Massimo. Nach Kriegsende bekam Grzimek 1946 einen Lehrauftrag an der Kunstschule Halle auf Burg Giebichenstein. Danach lehrte Grzimek von 1948 bis 1951 als Professor für Plastik an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin-Charlottenburg und von 1956 bis 1961 als Professor für bildende und angewandte Kunst an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Als ordentliches Mitglied des Deutschen Künstlerbundes nahm Grzimek zwischen 1967 und 1984 an insgesamt elf großen DKB-Jahresausstellungen teil.[1] Bis zur Berufung zum Professor an die Technische Universität Darmstadt im Jahr 1968 wirkte Waldemar Grzimek als freischaffender Künstler in Berlin und Friedrichshafen. Im Jahr 1964 wurden Arbeiten von ihm auf der documenta III in Kassel in der Abteilung Skulptur gezeigt.

Waldemar Grzimeks verstarb im Mai 1984 überraschend im Alter von 66 Jahren. Sein Grab befindet sich auf dem Berliner Friedhof Dahlem.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildhauerische Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grzimek hinterließ ein bedeutendes bildhauerisches, zeichnerisches, graphisches und auch schriftstellerisches Werk. Seine Arbeiten wurden in Galerien von Ost- und West-Berlin aufgestellt. In Berlin stammen das Heinrich-Heine-Denkmal am Weinbergsweg (1958, Zweitabguss 2002 in Berlin-Mitte) und der Brunnen auf dem Wittenbergplatz (1985) von ihm. Ein weiteres Heinedenkmal schuf Grzimek für das Dichterviertel in Ludwigsfelde, das 1956 enthüllt wurde. Ferner ziert seine große Plastik Reiter auf strauchelndem Pferd den Stadtfriedhof in Biberach an der Riß und eine Bronzetür das Seitenschiff des Klosters Unser Lieben Frauen in Magdeburg (1976). Seine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus verbildlichte Grzimek durch die Gestaltung der Buchenwaldglocke im Glockenturm des Konzentrationslagers Buchenwald (1958) und in Form eines Mahnmals für das Konzentrationslager Sachsenhausen (1960). Unter der Bezeichnung Studiensammlung sammelte Grzimek Berliner Kunst des 19. Jahrhunderts. Diese Sammlung wurde in mehreren Städten gezeigt.

Bedeutsam erscheint, dass der Künstler zwischen 1959 und 1960 wesentlichen Anteil an der Auswahl von Skulpturen für den damals entstehenden Wohnsitz des SED-Politbüros in der Waldsiedlung Wandlitz hatte. Dort sind / waren, neben zahlreichen weiteren Werken bekannter Künstler wie Cremer, Drake, Hunzinger, Plietzsch, Geyer, Weidanz, Fritz Kühn, sechs seiner Werke vorhanden:

  • Schwimmerin – identisch mit der Darstellung Heilbronn – Standort vor dem dortigen Hallenbad, diesem den Rücken zukehrend.
  • Hockende im Garten des Hauses 10 an einem Teich (Bronze, zwecks Reparatur 2010 entfernt)
  • Kleine Stehende. Margot Garten des Hauses 15 (Bronze, zwecks Reparatur 2010 entfernt)
  • Ruhender Tänzer im Garten des Hauses 19 (Bronze, 1992 gestohlen)
  • Kellnerin am Ladenkombinat (Bronze, 1992 gestohlen)
  • Keiler (Sandstein, 2011 abgebaut).

Bibliografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutsche Bildhauer des zwanzigsten Jahrhunderts. Leben, Schulen, Wirkungen. Moos, München 1969
  • Deutsche Stuckplastik. 800 bis 1300. Propyläen Verlag, Berlin 1975, ISBN 3-549-06608-2
  • (mit Peter Bloch) Das klassische Berlin. Die Berliner Bildhauerschule im neunzehnten Jahrhundert. Propyläen Verlag, Frankfurt am Main 1978, ISBN 3-549-06631-7; 1994 1.–5. Auflage 2005
  • Die Waldsiedlung – ein Sachbuch über „WANDLITZ“. FB Verlag, Basdorf 2005

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Grzimek, Rupprecht Grzimek: Die Familie Grzimek aus Oberglogau in Oberschlesien. In: Deutsches Familienarchiv, Band X, Verlag Degener & Co., Neustadt (Aisch) 1958. – 4., erweiterte und überarbeitete Ausgabe, Herder-Institut, Reutlingen 2000.
  • Raimund Hoffmann: Waldemar Grzimek. Henschel, Kunst und Gesellschaft, Berlin 1989, ISBN 3-362-00395-8
  • Eberhard Roters: Der Bildhauer Waldemar Grzimek. Propyläen Verlag, Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-549-06641-4
  • Waldemar Grzimek – 1918–1984 – Plastik, Zeichnungen, Grafik. Ausstellungskatalog Magdeburg, Kloster unser Lieben Frauen, 12. Februar – 14. Mai 1989. Hrsg.: Zentrum für Kunstausstellungen der DDR / Neue Berliner Galerie, 1988, Magdeburg 1988
  • Christine Fischer-Defoy: Kunst Macht Politik. Die Nazifizierung der Kunst- und Musikhochschulen in Berlin. Elefanten Press, Berlin 1988
  • Ein preußischer Nomade. In: Berliner Zeitung, 5. Dezember 1998
  • Kurzbiografie zu: Grzimek, Waldemar. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  • Julius Fekete: Der „Sinnende“ von Waldemar Grzimek. Ein Kulturdenkmal der 1960er Jahre. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 33. Jg. 2004, Heft 4, S. 226–232 (PDF)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. kuenstlerbund.de: Ausstellungen seit 1951 (abgerufen am 23. März 2016)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Waldemar Grzimek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien