Waldemar Weissermel

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Waldemar Weissermel (* 7. Juli 1870 in Groß-Kruschin, Westpreußen; † 28. Dezember 1943 in Eberswalde) war ein deutscher Geologe und Korallen-Paläontologe.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldemar Weissermel war der jüngste von sechs Söhnen des westpreußischen Gutsbesitzers Otto Weissermel und dessen Frau Ottilie geb. Dopatka. [1] Mit seiner Frau Elsa geb. Scotland, die er 1901 als Tochter eines Gymnasialdirektors im westpreußischen Strasburg heiratete, hatte er einen Sohn und eine Tochter.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldemar Weissermel begann nach dem Abitur zunächst ein Studium der Zoologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, wechselte aber nach dem ersten Semester an die Philipps-Universität Marburg, wo er unter Emanuel Kayser das Studium der Geologie aufnahm. 1890 wurde er Mitglied des Corps Teutonia Marburg.[3] Als Inaktiver ging er an die Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin und die Albertus-Universität Königsberg. Dort promovierte er unter Ernst Koken im März 1894 summa cum laude.[4]

Nach Assistentenjahren an den geologischen Instituten der Albertina, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Eberhard-Karls-Universität Tübingen trat er 1898 als Hilfsgeologe in die Preußische Geologische Landesanstalt in Berlin. Unter Anleitung von Felix Wahnschaffe begann er mit der geologischen Aufnahme von fünf Meßtischblättern im Flachland des Kreises Westprignitz. Dann bearbeitete er fünf Blätter in der Umgebung von Halle (Saale), fünf Blätter im Bereich von Quedlinburg und Aschersleben und schließlich in Ostwestfalen das Blatt Brakel. 1904 wurde Waldemar Weissermel zum Kgl. Bezirksgeologen ernannt. Seit 1905 habilitierter Privatdozent, wurde er 1911 zum Landesgeologen ernannt.[2]

Im Ersten Weltkrieg diente er als Reserveoffizier in der Preußischen Armee. Zuletzt Hauptmann, war er in Küstrin und Neudamm in der Neumark.[2]

Die TH Berlin ernannte ihn 1922 zum Abteilungsdirektor und a. o. Professor.[2] Ab 1927 unterstanden ihm die Sammlungen in der Preußischen Geologischen Landesanstalt.[1] Die politischen Entwicklungen zu Beginn des Dritten Reiches und die Personalpolitik in der Preußischen Geologischen Landesanstalt veranlassten Weissermel, 1934 auf eigenen Wunsch aus dem Dienst auszuscheiden. Ohne die administrativen und akademischen Verpflichtungen konnte er sich in seinem letzten Lebensjahrzehnt umso ertragreicher seinem Lieblingsgebiet widmen. In rascher Folge erschienen Abhandlungen über die Korallen aus dem Karbon von Thüringen (1935) und Nordspanien (1935), aus dem Altpaläozoikum von Chios (1938) und aus Bithynien (1939). Neben den Korallen beschäftigte sich Weissermel zeitweise auch mit Cephalopoden, hier vor allem mit den Quenstedtoceraten aus ostpreußischen Geschieben.[1]

Eine ernste Erkrankung während eines Erholungsaufenthaltes in Westpreußen zwang ihn zur Rückkehr nach Berlin. Auf der Reise dorthin erlitt Weissermel einen Schlaganfall. Als seine Wohnung bei den alliierten Luftangriffen mit der wertvollen Bibliothek zerstört worden war, wurde er nach Eberswalde evakuiert, wo er am 28. Dezember 1943 starb. Beigesetzt wurde er in der westpreußischen Heimat.

Nach Waldemar Weissermel benannte Gattungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Weissermeliceras BUCKMAN 1920
  • Weissermelia LANG, SMITH & THOMAS 1940

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kartographische Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologische Karten 1:25 000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1901: Rambow
  • 1901: Schnackenburg
  • 1905: Balow, mit Grabow
  • 1905: Karstedt
  • 1908: Dieskau (Döllnitz), mit L. Siegert
  • 1908: Halle a. d. S. (Süd), 1. Auflage, mit L. Siegert u. K. v. Fritsch
  • 1909: Landsberg b. Halle, mit E. Picard, W. Quitzow, B. Kühn u. B. Dammer
  • 1909: Merseburg-West
  • 1909: Weißenfels
  • 1914: Geologisch agronomische Karte der Umgebung von Quedlinburg, mit H. Schroeder
  • 1926: Cochstedt / Kochstedt, mit K. Keilhack
  • 1926: Aschersleben, mit O. H. Erdmannsdörffer u. E. Fulda
  • 1926: Ballenstedt, mit O. H. Erdmannsdörffer, W. Schriel u. F. Dahlgrün
  • 1929: Brakel
  • 1926: Wegeleben
  • 1927: Halle a. d. S. (Süd), 2. Auflage, mit E. Fulda
  • 1927: Quedlinburg, mit H. Schroeder, O. H. Erdmannsdörffer, L. Siegert, G. Fliegel u. F. Dahlgrün

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Korallen der Silurgeschiebe Ostpreußens und des östlichen Westpreußens. Dissertation, Königsberg 1894
  • Die Korallen der Silurgeschiebe Ostpreußens und des östlichen Westpreußens. In: Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft, 46, Berlin 1894, 580-674, 7 Taf.
  • Beitrag zur Kenntnis der Gattung Quenstedticeras. In: Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft, 47, Berlin 1895, 307–330, 3 Taf.
  • Zur Biologie und Organisation der Cephalopoden. In: Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft, 54, Berlin 1906, S. 99-100
  • Die Korallen des deutschen Muschelkalkes. I. Unterer Muschelkalk. In: Jahrbuch der Preußischen Geologischen Landesanstalt, 46, Berlin 1925, 1–33, 2 Taf.
  • Die Korallen des deutschen Muschelkalkes II, Oberer Muschelkalk. In: Jahrbuch der Preußischen Geologischen Landesanstalt, 49, Berlin 1928, 224–238, 2 Taf.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Archiv der Korallenforschung (1998)
  2. a b c d Blaubuch des Corps Teutonia Marburg 1825 bis 2000. Marburg 2000
  3. Kösener Corpslisten 1930, 104, 737
  4. Dissertation: Die Korallen der Silurgeschiebe Ostpreußens und des östlichen Westpreußens

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Corpszeitung der Teutonia Marburg 2/1944, S. 13

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]