Waldenburg (Adelsgeschlecht)

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Die Herren von Waldenburg waren eine meißnisch-thüringische edelfreie Adelsfamilie.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wird vermutet, dass die Herren von Waldenburg vom edelfreien Herrengeschlecht derer von Wartha abstammen. Diese hatten ihren Stammsitz im Bistum Naumburg, der heute als Wüstung Warta bekannt ist.

Die Herren von Wartha verließen die Gegend an der Unstrut und gründeten zwischen 1165 und 1175 südöstlich von Altenburg eine neue Herrschaft. Dies geschah im Zuge des Landesausbaus bzw. der deutschen Ostsiedlung im Auftrage Kaisers Friedrich I. (genannt Barbarossa). Dort errichtete der pleißenländische Landrichter Hugo von Wartha gemeinsam mit dem kaiserlichen Marschall Rudolph von Brand die Burg in Waldenburg (Sachsen)[1].

Der 1172 erstmals urkundlich genannte pleißenländische Landrichter Hugo von Wartha, begleitete König Friedrich I. "Barbarossa" auf Reisen und nahm an mehreren Hoftagen teil[2]. Seine Nachkommen benannten sich nach ihrem neuen Sitz „von Waldenburg“.

Um 1200 erweiterten die Herren von Waldenburg ihr Herrschaftsgebiet um die Burgen in Wolkenstein (Erzgebirge) und Greifenstein sowie später Scharfenstein (1250). Um 1300 gelangte die Herrschaft Rabenstein, die mit der Vogtei über das Benediktinerkloster St. Marien zu Chemnitz und mit der Gerichtsbarkeit über die Stadt Chemnitz verbunden war, in die Hand der Waldenburger.

Die Herrschaft Rabenstein mit den Vogteirechten stellte eine wichtige Verbindung zwischen dem Stammsitz Waldenburg und den Besitzungen im oberen Zschopautal dar. Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts hatten sich die Waldenburger durch die Schaffung eines abgeschlossenen Herrschaftsgebietes zu ökonomisch und politisch einflussreichen Feudalherren entwickelt. Mitte des 14. Jh. gehörten den Herren von Waldenburg die Herrschaften und gleichnamigen Burgen Waldenburg, Wolkenstein, Rabenstein, Auerbach sowie die Herrschaft Thum[3]. Zur Herrschaft Thum gehörte wohl die damals noch bestehende Burg Greifenstein. Zeitweise soll ihnen auch die Schellenburg (Burg Schellenberg) im damaligen Schellenberg/heutigen Augustusburg gehört haben. Auch die Burgen Rauenstein und Zschopau waren in ihren Besitz. Rauenstein war aber zuvor im Besitz derer von Schellenberg[4].

Im 14. Jh. verlor das Geschlecht einen Teil seiner Besitzungen: Johann I. von Waldenburg, der 1371 einen Chemnitzer Bürger erschlagen hatte, musste 1375 die Herrschaft und Burg Rabenstein an das Chemnitzer Benediktinerkloster verkaufen[5]. 1378, infolge der Erbeinigung zwischen Johannes I. von Waldenburg und Friedrich von Schönburg-Hassenstein, wurden die Schönburger die Herren von Burg und Stadt Waldenburg[6].

Im Jahre 1415 sind laut einer überlieferten Beschreibung des Konzils von Konstanz die Herren Anarg von Waldenburg und Veit I. von Schönburg (letzterer Besitzer der Waldenburg, er wurde 1388 in dieser Burg während der Rabensteiner Fehde von den Markgrafen von Meißen belagert) Teilnehmer des Konzils auf dem Jan Hus verbrannt wurde.[7]

Im Jahre 1473 (oder 1474[8]) starb das Geschlecht im Mannesstamme aus.

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Männer namens Hugo von Wartha sind zwischen 1172 und 1199 bezeugt. Einer war Landrichter des Pleißenlandes.
  • Um 1199 nannte sich Hugo von Wartha (wahrscheinlich der Sohn des Burggründers, vgl. Warta) erstmals Hugo von Waldenburg.
  • 1205 wird ein Heinrich von Wartha als Burgmann der Burggrafen von Meißen urkundlich genannt.
  • Als Sohn Hugos gilt Konrad von Wartha-Waldenburg, der nach 1216 verstarb.
  • Dessen Sohn Hugo von Waldenburg (vor 1216–1262) wird 1241 als Ritter und 1254 als Vogt des Klosters Remse bezeichnet.
  • Isengard von Waldenburg wurde vermutlich um 1180/85 geboren und verstarb zwischen 1224/42. Sie könnte damit die Tochter Hugos von Wartha gewesen sein, was aber nicht bewiesen ist. Isengard war 1209 mit dem Vogt Heinrich V. von Reichenbach-Greiz (aus dem späteren Hause Reuß) verheiratet, die Ehe blieb aber kinderlos.
  • Um 1300 lebte Anarg von Waldenburg–Wolkenstein (1254–1317), der mit Adelheid von Plauen, einer Großnichte von Isengard verheiratet war.
  • Die Kinder Anargs sind Kunigunde von Wolkenstein (vor 1300 – nach 1322), die mit Heinrich III. von Wildenfels verheiratet war und Heinrich von Wolkenstein (1301–1343), der mit Euphemia verheiratet war.
  • Hans von Waldenburg übereignet 1385 Dorf und Gut Arnsfeld der Kirche zu Wolkenstein.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Billig: Die Herren von Waldenburg und ihr Anteil an der Kolonisation des Pleißenlandes. in: Archäologische Mitteilungen aus dem Bezirk (Chemnitz), 1990, S. 3–9
  • Britta Günther: Die Herren von Waldenburg und ihre Herrschaft Waldenburg. in: Sächsische Heimatblätter 43(1997)1, S. 8–10
  • Wolf-Dieter Röber: Kapitel "Exkurs II", In: Schriftenreihe Heft 3", Museum und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau, Stadt Glauchau, 1981, DDR, S. 30 (Diskussion zur Lokalisation des Stammsitzes der Herren von Wartha/Waldenburg bei "Wartha bei Naumburg" oder bei "Wartha/Harthau bei Schloss Neukirchen im Erzgebirge")

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. K. Fleck, Ralph Zenker u. a.: Waldenburg. Zur Geschichte der Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten: Heimatmuseum und Naturalienkabinett Waldenburg. Überarbeitete Ausgabe. Hrsg. von der Stadtverwaltung Waldenburg. Waldenburg 1990, S. 9
  2. Matthias Donath: 100 Jahre Residenzschloss Waldenburg 1912–2012. Zwickau 2012, ISBN 978-3-98-11118-7-3, S. 4
  3. K. Fleck, Ralph Zenker u. a.: Waldenburg. Zur Geschichte der Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten: Heimatmuseum und Naturalienkabinett Waldenburg. Überarbeitete Ausgabe. Hrsg. von der Stadtverwaltung Waldenburg. Waldenburg 1990, S. 9
  4. Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Hrsg. von Enno Bünz. Thelem Verlag, Dresden 2010, S. 45.
  5. Matthias Donath: 100 Jahre Residenzschloss Waldenburg 1912–2012. Zwickau 2012, ISBN 978-3-98-11118-7-3, S. 4
  6. K. Fleck, Ralph Zenker u. a.: Waldenburg. Zur Geschichte der Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten: Heimatmuseum und Naturalienkabinett Waldenburg. Überarbeitete Ausgabe. Hrsg. von der Stadtverwaltung Waldenburg. Waldenburg 1990, S. 9
  7. K. Fleck, Ralph Zenker u. a.: Waldenburg. Zur Geschichte der Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten: Heimatmuseum und Naturalienkabinett Waldenburg. Überarbeitete Ausgabe. Hrsg. von der Stadtverwaltung Waldenburg. Waldenburg 1990, S. 10
  8. Matthias Donath: 100 Jahre Residenzschloss Waldenburg 1912–2012. Zwickau 2012, ISBN 978-3-98-11118-7-3, S. 4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]