Waldkirchen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Waldkirchen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Waldkirchen
Waldkirchen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Waldkirchen hervorgehoben
Koordinaten: 48° 44′ N, 13° 36′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Freyung-Grafenau
Höhe: 573 m ü. NHN
Fläche: 80,04 km²
Einwohner: 10.283 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 128 Einwohner je km²
Postleitzahl: 94065
Vorwahlen: 08581, 08551
Kfz-Kennzeichen: FRG, GRA, WOS
Gemeindeschlüssel: 09 2 72 151
Stadtgliederung: 67 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausplatz 1
94065 Waldkirchen
Webpräsenz: www.waldkirchen.de
Bürgermeister: Heinz Pollak (UCW-FW)
Lage der Stadt Waldkirchen im Landkreis Freyung-Grafenau
Landkreis Regen Landkreis Deggendorf Landkreis Passau Schöfweg Waldhäuserwald Schönbrunner Wald Schlichtenberger Wald Sankt Oswald Pleckensteiner Wald Philippsreuter Wald Mauther Forst Spiegelau Graineter Wald Annathaler Wald Zenting Waldkirchen Thurmansbang Spiegelau Schönberg (Niederbayern) Neuschönau Sankt Oswald-Riedlhütte Saldenburg Röhrnbach Ringelai Philippsreut Perlesreut Neureichenau Mauth Jandelsbrunn Innernzell Hohenau (Niederbayern) Hinterschmiding Grainet Grafenau (Niederbayern) Fürsteneck Freyung Eppenschlag Schöfweg Leopoldsreuter Wald Frauenberger und Duschlberger Wald Haidmühle Österreich TschechienKarte
Über dieses Bild

Waldkirchen liegt am Goldenen Steig und ist die größte und jüngste Stadt im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau. Sie wurde 1972 zur Stadt erhoben.

Waldkirchen von Westen

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldkirchen ist eine der östlichsten Städte Bayerns. Die Stadt liegt zwischen der Dreiflüssestadt Passau und dem Nationalpark Bayerischer Wald.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marktplatz von Waldkirchen
Marktplatz und Kirche

Frühe Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Reiseabrechnung von 1203 eines Pfarrers in oder von einer "Kirche im Wald" kann auf Waldkirchen schließen.

1458 wurde Waldkirchen von den Kaplirz de Sulewicz mit einer Brandschatzung bedroht. Bischof Ulrich von Nußdorf ließ daraufhin um 1460 eine Ringmauer mit zehn Türmen und zwei Torbauten errichten. Auf der ältesten Ansicht von Waldkirchen aus dem Jahr 1720 von Joseph Haas ist die Mauer noch vollständig vorhanden, einige Reste der Befestigung sind bis heute erhalten und andere Teile wurden zum Teil zur Aufwertung des Tourismus rekonstruiert.

Brände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Geschichte suchten 1492 bis 1945 sechs verheerende Stadtbrände Waldkirchen heim. Der Brand von 1862 vernichtete 140 Häuser. Der letzte Brand ereignete sich nach Beschuss durch amerikanische Truppen in den letzten Kriegstagen am 26. April 1945. Dabei wurden acht Menschen getötet, 48 Wohnhäuser und die Kirche zerstört sowie 120 Familien obdachlos.

Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 16. September 1972 wurde der Markt Waldkirchen zur Stadt erhoben.[2]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1968 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Oberfrauenwald eingegliedert. Am 1. Juli 1970 kamen Ratzing und Schiefweg hinzu. Unterhöhenstetten folgte am 1. April 1971.[3] Am 1. Januar 1978 kamen noch Böhmzwiesel mit einem Teil der im Jahr 1945 oder 1946 aufgelösten Gemeinde Stadl und die Gemeinde Karlsbach hinzu.[2] Es gibt 67 Ortsteile:[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldkirchen in den damaligen Grenzen

  • 1939: 1.926 Einwohner
  • 1950: 2.647 Einwohner
  • 1970: 3.099 Einwohner

Waldkirchen in der heutigen Ausdehnung

  • 1961: 05.764 Einwohner
  • 1970: 06.391 Einwohner
  • 1995: 10.468 Einwohner
  • 2005: 10.603 Einwohner
  • 2010: 10.481 Einwohner
  • 2015: 10.283 Einwohner

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

89 % der Einwohner sind römisch-katholisch, weitere 6 % evangelisch, 0,3 % altkatholisch, der Rest bekennt sich zu anderen Religionsgemeinschaften oder gehört keiner Glaubensgemeinschaft an. Im Umkreis der Stadt gibt es neben den Kirchen der verschiedenen Pfarreien auch noch zahlreiche Flurkapellen, Bildstöcke und Wegkreuze.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus von Waldkirchen

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahlergebnis 2014

Gruppierung Stimmen Sitze
CSU 34,95 % 8
UCW 26,55 % 6
BP 15,15 % 4
SPD 10,55 % 2
ÖDP 5,17 % 1
JWU 7,63 % 2

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1. Bürgermeister: Heinz Pollak, UCW FW
  • 2. Bürgermeister: Max Ertl, CSU
  • 3. Bürgermeister: Hans Kapfer, BP

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Museum Goldener Steig
  • Museum im Emerenz Meier Haus, Schiefweg
  • Haus der Natur, Kultur, Kunst und Jugend (HNKKJ) in der ehemaligen Kittlsäge am Marktmühlenweg in Waldkirchen

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadtpark. Vom 29. Juni bis 2. September 2007 war Waldkirchen Ausrichter der Gartenschau „Natur in Waldkirchen“. Die Veranstaltung wurde zur bisher erfolgreichsten "kleinen" Landesgartenschau Bayerns seit Bestehen der Veranstaltungsreihe.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im September 1973 erfolgte in Waldkirchen-Dorn der erste Spatenstich zur ersten öffentlichen Golfanlage der Bundesrepublik. Im Herbst 1975 konnte die etwa 3 Kilometer östlich von Waldkirchen gelegene 9-Loch-Anlage mit einer Fläche von über 25 Hektar eröffnet werden. 1997 und 1998 wurde der Platz nach den Plänen des Architekten Keith Preston um die 18-Loch-Turnieranlage in Poppenreut erweitert, so dass jetzt eine etwa 90 Hektar umfassende Anlage vorhanden ist.
  • 2,5 Kilometer östlich von Waldkirchen liegt der Kurpark Erlauzwieseler See. Dort befinden sich ein Kurpavillon mit Seebühne sowie weitere Sehenswürdigkeiten. Im See sind verschiedene Arten von Wassersport möglich.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 5. Januar: Rauhnacht
  • Juni: Bürgerfestival (2015 mit über 12.000 Teilnehmern)
  • Juli/August: Volksfest
  • Juli–September: Blasmusiksommer

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldkirchen ist über einen Autobahnzubringer (Staatsstraße 2131) (zwischen Aicha vorm Wald und Hutthurm) sowie ab Röhrnbach über die B 12 an die A 3 angeschlossen. Eine Staatsstraße - die alte WOS 1 - verbindet Waldkirchen mit Freyung. Außerdem ist Passau über die B 12 nach 30 Kilometern zu erreichen.

Vor dem Ersten Weltkrieg wurde Waldkirchen an die Königlich Bayerische Staatseisenbahn, die von Passau nach Budweis in Böhmen in Österreich-Ungarn führte auf der Bahnstrecke von Passau über Waldkirchen nach Haidmühle und Fortsetzung als kaiserlich-königliche österreichische Staatseisenbahn ab Haidmühle über Neuthal nach Wallern (und weiter in Richtung Budweis), angebunden. Ferner zweigte in Waldkirchen eine Strecke der königlichen Bayerischen Staatseisenbahn nach Freyung ab.

Waldkirchen besitzt etwas außerhalb im Stadtteil Richardsreut das alte denkmalgeschützte und im neohistoristischen Stil errichtete Bahnhofsgebäude an der Ilztalbahn. Hier zweigte die ehemalige Bahnstrecke Waldkirchen–Haidmühle ab, die stillgelegt ist und zum "Adalbert-Stifter-Geh- und Radwanderweg" umfunktioniert wurde. Nachdem die Ilztalbahn vom August 2002 an nicht mehr befahrbar war, wurde die Strecke am 1. April 2005 stillgelegt. Diese Stilllegung dauerte bis August 2009, als die Ilztalbahn GmbH, unterstützt durch den Förderverein Ilztalbahn e.V., mit der Reaktivierung der Strecke begann. Seit dem 12. September 2010 ist die Teilstrecke Waldkirchen – Freyung wieder in Betrieb, und seit dem 16. Juli 2011 ist auch der Abschnitt Waldkirchen – Passau für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Seitdem wird im Rahmen des Freizeitverkehrsprojektes Donau-Ilz-Moldau wieder an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen im Sommerhalbjahr und zu Sonderfahrten ganzjährig Zugverkehr durchgeführt.

Daneben besitzt Waldkirchen einen Busbahnhof unweit des Ortskerns. Hier fahren die Stadtbuslinien sowie die Busse der RBO, die die Stadt an das Nahverkehrssystem des bayerischen Waldes anschließen.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionsunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den wichtigsten Arbeitgebern zählt das Modehaus Garhammer und auch der Werkzeughersteller Gedore, der in Waldkirchen ein Zweigwerk hat.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kliniken des Landkreises Freyung Grafenau gGmbH betreibt neben Krankenhäusern in Freyung und Grafenau auch ein Krankenhaus mit den Schwerpunkten Chirurgie und Innere Medizin in Waldkirchen.

Bildung und Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindergärten
  • St. Peter, Waldkirchen
  • Waldkindergarten "Die Waldbachkinder", Waldkirchen
  • Arche Noah, Böhmzwiesel
  • St. Paul, Holzfreyung
  • St. Josef, Karlsbach
Grundschulen
  • Maria-Ward-Grundschule Waldkirchen
  • Grundschule Böhmzwiesel
  • Grundschule Karlsbach
  • Grundschule Holzfreyung
  • Förderschule im Erlenhain
Weiterführende Schulen
  • Emerenz-Meier-Mittelschule Waldkirchen
  • Berufsschule Waldkirchen
  • Fachoberschule und Berufsoberschule Waldkirchen
  • Johannes-Gutenberg-Gymnasium

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ludwig Liebl (1874–1940), nationalsozialistischer Ärztefunktionär und Zeitungsverleger, Ehrenbürger
  • Emerenz Meier (1874–1928), Volksdichterin
  • Nicolaus A. Huber (* 1939), Avantgarde-Komponist

Personen mit Bezug zur Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Waldkirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Waldkirchen – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. a b Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/ Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 627 und 628.
  3. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 596.
  4. Bayrische Landesbibliothek online