Wall Street Market

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Wall Street Market
Darknet-Markt für illegale Produkte
Sprachen Englisch
Benutzer 1,15 Millionen Kundenkonten
Online (aktuell offline seit 2. Mai 2019)

Wall Street Market war der zweitgrößte Darknet-Markt[1] und ausschließlich als Hidden Service über das Tor-Netzwerk erreichbar. Die Website wurde von Europol und dem Bundeskriminalamt beschlagnahmt und am 2. Mai 2019 abgeschaltet. Sie wurde in einem unterirdischen Rechenzentrum, dem CyberBunker, in der ehemaligen Kaserne Mont Royal der Bundeswehr gehostet.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Website wurden unter anderem Drogen, ausgespähte Daten, gefälschte Dokumente und Schadsoftware mit einem Umsatzvolumen von etwa 40 Millionen Euro gehandelt. Waffen und Kinderpornographie wurde nicht angeboten. Nach dem Bundeskriminalamt wurden zuletzt 63.000 Verkaufsangebote, 5400 Verkäufer und 1,15 Millionen Kundenkonten gesichtet. Bezahlt wurden die Waren mit den Kryptowährungen Bitcoin und Monero. Am meisten Umsatz machte die Website in den Vereinigten Staaten.[2][3][4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Betreiber der Website betrieben 2016 bereits den Darknet-Marktplatz German Plaza Market, nahmen damit ca. 1,2 Millionen Euro ein und investierten die Einnahmen in die neue Plattform. Hier beobachteten die Ermittlungsbehörden bereits den Bitcoin-Verlauf. Ebenfalls gab es bei den Betreibern Probleme mit der Virtual Private Network-Verschlüsselung, was es den Ermittlern einfacher machte, an ihre Identität zu gelangen.[5]

Seit März 2019 führten Europol, die niederländische Polizei, das FBI und das BKA verstärkte Ermittlungen gegen die Seite durch. Nachdem die Betreiber am 23. April 2019 die Seite in den Wartungsmodus geschaltet und einen Exit-Scam eingeleitet hatten, um die Gelder an sich selbst zu leiten und unterzutauchen, flogen sie auf. Am 23. und 24. April 2019 wurden die Betreiber der Webseite festgenommen und es kam zu einer Hausdurchsuchung. Datenträger und andere wichtige Beweismittel wurden beschlagnahmt. Die mutmaßlichen Täter sind:

Die Website generierte etwa eine Million Euro Umsatz, wovon die Betreiber laut Strafverfolgungsbehörden zwischen 2 und 6 % Provision erhielten.

Auch in den Vereinigten Staaten kam es zu zwei Verhaftungen von größeren Drogenhändlern. Nachdem am 2. Mai Ermittler die Server der im CyberBunker gehosteten Internetseiten beschlagnahmten[6], wurde ein Banner mit der Inschrift „Die Plattform und der kriminelle Inhalt wurden beschlagnahmt“ von den Behörden auf der Website veröffentlicht.[2][3][4][7] Bis Ende Juni wurde Kryptowährung im Wert von 16 Millionen Euro beschlagnahmt.[4] Die drei Verdächtigen sitzen in Untersuchungshaft und es droht ihnen eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren, u. a. wegen Beihilfe zum Drogenhandel, so der Sprecher der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT). Die Ermittler und Innenpolitiker der CDU, SPD und Grünen lobten die internationale Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden.[8]

Dokumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 19. Mai 2020 veröffentlichte der funk-YouTube-Kanal STRG F eine Dokumentation zu der Seite und deren Betreibern.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sonja Peteranderl, DER SPIEGEL: Darknet-Razzia: Festnahme von "Wall Street Market"-Betreibern - DER SPIEGEL - Netzwelt. Abgerufen am 3. Juni 2020.
  2. a b heise online: Wall Street Market: BKA und FBI heben illegalen Darknet-Marktplatz aus. Abgerufen am 29. Juli 2019.
  3. a b BKA und FBI heben Darknet-Marktplatz aus. tagesschau.de, abgerufen am 29. Juli 2019.
  4. a b c "Wall Street Market": BKA stellt bei Schlag gegen Darknet-Plattform Millionenwerte sicher. waz.de, 26. Juni 2019, abgerufen am 29. Juli 2019.
  5. Max Muth: Die Fehler der Darknet-Bosse. In: sueddeutsche.de. 2019, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 29. Juli 2019]).
  6. Friedhelm Greis: Die Darknet-Schaltzentrale über den Weinbergen. golem.de, 14. Oktober 2020, abgerufen am 18. Oktober 2020.
  7. Sonja Peteranderl: Darknet-Razzia: Ermittler nehmen Betreiber von "Wall Street Market" fest. In: Spiegel Online. 3. Mai 2019 (spiegel.de [abgerufen am 29. Juli 2019]).
  8. Darknet-Plattform hochgenommen: Was über „Wall Street Market“ und seine Betreiber bekannt ist. RP ONLINE, abgerufen am 29. Juli 2019.
  9. Drogen, Phishing, Malware: Wie Herman X. das Darknet eroberte | STRG_F. In: YouTube. Abgerufen am 19. Mai 2020.