Wallace Hume Carothers

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Wallace Carothers.

Wallace Hume Carothers (* 27. April 1896 in Burlington, Iowa; † 29. April 1937 in Wilmington) war ein US-amerikanischer Chemiker, der das Nylon erfand und nach dem die Carothers-Gleichung benannt ist.

Er war das älteste von vier Kindern eines Lehrers. Carothers lernte zunächst als Buchhalter am Capital City Commercial College in Des Moines. Ab 1915 studierte er Naturwissenschaften und speziell Chemie am Tarkio College in Tarkio Township (Missouri) mit dem Bachelor-Abschluss 1920 (wobei er die Kurse seines Chemieprofessors leitete, als dieser im Ersten Weltkrieg eingezogen war). 1921 erwarb er den Master-Abschluss an der University of Illinois und war dann 1921/22 Dozent an der University of South Dakota. Ab 1922 war er wieder an der University of Illinois, an der er 1924 promoviert wurde. 1926 wechselte er zur Harvard University als Dozent für organische Chemie. 1928 errichtete die Firma DuPont ein Forschungslabor zur Entwicklung von künstlichen Materialien und Kunststoffen und Carothers wurde als Forschungsleiter eingestellt.

1929 wurde er als erster Industrie-Chemiker in die US-Akademie der Wissenschaften gewählt. Im April 1930 entdeckte sein Team das Neopren (einer Idee von Julius Arthur Nieuwland folgend), ein synthetisches Gummi, und synthetisierte die erste Polyesterfaser mit seiner Gruppe. Am 28. Februar 1935 führten Versuche mit Polyamiden zum Nylon. Zur Namensgebung des Nylons existiert die Legende, dass Carothers erkannt haben soll, dass die hervorragenden Fasereigenschaften des von ihm entdeckten Polyamids das japanische Seidenmonopol bedrohen könnte. Einer Legende nach soll aus seinem Ausruf Now, you lousy old nipponese das Wort Nylon gebildet worden sein. Anderen Quellen zufolge entstand der Name Nylon erst nach Carothers Tod, wahrscheinlich während des Zweiten Weltkriegs.[1]

Carothers war ein Pionier auf dem Gebiet der Polykondensationsreaktionen (Carothers-Gleichung), auf denen die Entwicklungen von Polyesteren und Polyamiden beruhten.


Am 21. Februar 1935 heiratete er Helen Everett Sweetman, eine bei DuPont angestellte Chemikerin.[2]

Nach dem Tod seiner Schwester im Januar 1937 wurde er manisch-depressiv. Er fühlte sich als wissenschaftlicher Versager, dessen wissenschaftliche Leistungen nicht erkannt und gewürdigt wurden. Er beging 1937 Selbstmord, indem er Zyankali einnahm.[3] Sein einziges Kind (Jane) wurde nach seinem Tod am 27. November 1937 geboren.[2]

Carothers war begeisterter Leser von Poesie und Liebhaber klassischer Musik.

Literatur[Bearbeiten]

  • Eintrag in Winfried Pötsch, Annelore Fischer, Wolfgang Müller: Lexikon bedeutender Chemiker, Harri Deutsch 1989

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joachim Schreiber: Plastisch, Elastisch, und Fantastisch. John Wiley & Sons, 2013, ISBN 978-3-527-66532-7, S. 88 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. a b Klaus Beneke: Wallace Hume Carothers. In: Klaus Beneke (Hrsg.): Biographien und wissenschaftliche Lebensläufe von Kolloidwissenschaftlern, deren Lebensdaten mit 1996 in Verbindung stehen. Beiträge zur Geschichte der Kolloidwissenschaften, VIII, Mitteilungen der Kolloid-Gesellschaft, 1999, ISBN 3-934413-01-3, S. 245–254. (PDF-Datei, 226 KB)
  3. Martin Schneider: Teflon, Post-it und Viagra. John Wiley & Sons, 2012, ISBN 978-3-527-66303-3, S. 54 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).