Wallah (Arabisch)

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Dieser Artikel behandelt den arabischen Begriff Wallah; für die Verwendung des Worts seit der Zeit des British Raj, siehe Wallah (Indien).
Galland-Handschrift arabischer Märchen mit der häufigen Wendung Wallah (arabisches Manuskript des 18. Jahrhunderts, Bibliothèque nationale de France)

Wallah (Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i) (arabisch والله, DMG wa-llāh) ist eine umgangssprachliche Verkürzung des arabischen Ausrufes „Wahayat Allah“ (Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i) (arabisch وحياة الله, DMG waḥayat Allāh) mit der Bedeutung „Beim lebendigen Gott“, im übertragenenen Sinn ist damit gemeint „Ich schwöre bei Gott“.[1] Er wird genutzt, um ein Versprechen zu geben oder die Glaubwürdigkeit einer Aussage zu betonen.[2]

Verwendung im muslimischen Kontext[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Muslimen gilt es als Sünde, dem Ausruf eine Lüge folgen zu lassen. Nach Meinung mancher Gläubigen handelt es sich um eine von wenigen zulässigen Ausdrucksweisen für ein Versprechen, während Selbstbezüge wie „bei meiner Seele“ im Islam nicht erlaubt sind. Allgemein sind Schwüre im muslimischen Kontext „unerwünscht“.[3]

Deutsche Übersetzung und Ethno- bzw. Soziolekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ausruf „Wallah!“ wie auch die deutsche Übersetzung „Ich schwöre!“ wurde in den Soziolekt deutschsprachiger muslimischer Jugendlicher übernommen. Beide werden als Anhängsel zur Bekräftigung eines Satzes benutzt wie beispielsweise „Der Film ist richtig gut, wallah!“, „Ich ruf dich morgen an, wallah!“ oder „Ich habe es nicht gewusst, ich schwöre!“.[4][5]

Die erste allgemeine Verbreitung des auf Deutsch übersetzten Ausrufs „Bei Allah, ich schwöre!“ bzw. damit vergleichbare syntaktische Varianten davon erfolgten durch die Publikation von Märchen aus dem arabischen Kulturraum, in erster Linie durch den Sammelband Tausendundeine Nacht im 19. Jahrhundert.[6] Dabei handelt es sich um eine Sammlung ursprünglich teilweise brutaler und erotischer Erzählungen für Erwachsene, die 1704–1708 erstmals vom französischen Orientalisten Antoine Galland übersetzt und entschärft wurden. August Ernst Zinserling übersetzte den Text nach der französischen Übertragung von Joseph von Hammer-Purgstall 1823–1824 ins Deutsche. Eine nochmals entschärfte Version wurde 1839 – verfremdet als „Märchen für Kinder“ – veröffentlicht.[7]

Einfluss auf andere Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort findet sich auch in der serbischen Sprache (вала, vala), vermutlich als Lehnwort aus dem Osmanischen.

Auch der spanische Beifallsruf¡olé!“ könnte auf das andalusische Arabisch zurückgehen.

Nebenbedeutungen und Alternativen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andere Bedeutungen in der Frageform sind „Wirklich?“, „Ist das so?“, „Schwörst du darauf?“.

Eine Alternative ist Wallaahi („bei meinem Gott“), was von nichtarabischen Afrikanern häufig zu Wallai kontrahiert wird.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag in Wehr, Hans: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. Arabisch-Deutsch. 4. Ausgabe. Harrassowitz-Verlag, 1985. Seite 1224. ISBN 978-3-447-06584-9.
  2. Fassi Fehri, Abdelkader: Issues in the Structure of Arabic Clauses and Words. Studies in Natural Language and Linguistic Theory. Springer, 1993. Seite 70 f.
  3. Frage und Antwort zu diesem Thema auf islamfatwa.de (deutsch), abgerufen am 13. März 2016.
  4. Araghi, Verena: Lass ma krass reden! Die Auswirkungen von „Kiez-Sprache“ auf das Standarddeutsche. Der Spiegel. Ausgabe 42/2007, S. 196 f.
  5. Hinrichs, Uwe: „Hab isch gesehen mein Kumpel“. Wie die Migration die deutsche Sprache verändert hat. Essay. Der Spiegel. Ausgabe 7/2012, S. 104 f.
  6. Ott, Claudia: Tausendundeine Nacht. Nach der ältesten arabischen Handschrift in der Ausgabe von Muhsin Mahdi, erstmals ins Deutsche übertragen von Claudia Ott. 11. Auflage. C. H. Beck, 2011. ISBN 978-3-406-51680-1. Seiten 665 und 667.
  7. Die Erzählungen aus den Tausendundein Nächten. Vollständige deutsche Ausgabe in sechs Bänden. Nach dem arabischen Urtext der Calcuttaer Ausgabe aus dem Jahr 1839. Übertragen von Enno Littmann. Insel, Wiesbaden/Frankfurt M 1953, 1976, Komet, Frechen 2000. ISBN 3-89836-308-2.