Wallfahrtskapelle Etzelsbach

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Etzelsbach ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Etzelsbach (Begriffsklärung) aufgeführt.
Die Wallfahrtskapelle Etzelsbach
Kapelle Etzelsbach 2012
Das Gnadenbild von Etzelsbach: Maria mit dem toten Sohn

Die Wallfahrtskapelle St. Mariä Himmelfahrt Etzelsbach liegt zwischen Steinbach und Hundeshagen im thüringischen Eichsfeld.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flurname Etzelsbach konnte als Ableitung von der althochdeutschen Bezeichnung für Elster - agaza bestimmt werden. Der einstige Siedlungsplatz Etzelsbach wird erstmals im Schadensverzeichnis des Klosters Beuren aufgeführt: …Item 7 Gulden vor 1 glocken zum Etzelsbach von 1 Zentner. Item auch ist Unser Liben Frauen kerchen zu Etzelßpache und des bruders huße doran abgebrant und die cluße uffin Langen Stucken umbe gerissen, ist nit summert.[1]

Es lässt sich somit vermuten, dass hier schon im 15. Jahrhundert ein Gotteshaus oder eine Wallfahrtskapelle existierte. Durch die Ereignisse im Mai 1525 wurde die Wallfahrt eingestellt und kam erst wieder mit dem Eichsfelder Pestjahr 1555 auf.[2]

Ab 1602 verwendete man einen tragbaren Altar, da die Kapelle immer noch stark zerstört war. Erst 1801 wurde eine neue Kapelle an der Stelle der alten errichtet. Da aber die Wallfahrt sich großer Beliebtheit erfreute und die Kapelle nicht den Pilgerstrom fassen konnte, wurde 1898 nach den Plänen des Franziskaners Paschalis Gratze die heute noch bestehende Kirche erbaut und eingeweiht.

Wallfahrten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Etzelsbach hat eine lange Wallfahrtstradition. Besonders die alljährliche „Pferdewallfahrt“, die am zweiten Sonntag nach Mariä Heimsuchung stattfindet, zieht viele Pilger und ihre Pferde an. Dabei werden alle Pferde, die von den Pilgern mitgebracht werden, nach dem Wallfahrts-Hochamt gesegnet. Weitere traditionelle Wallfahrtstermine sind:

Marienvesper mit Papst Benedikt XVI.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marienvesper mit Papst Benedikt in Etzelsbach

Beim Papstbesuch in Deutschland 2011 war die Wallfahrtskapelle am 23. September eine Station von Benedikt XVI. Er feierte dort mit 90.000 Pilgern auf einem Feld in der direkten Nähe zur Kapelle eine marianische Vesper. Der Besuch sollte ein Dankeszeichen für die Eichsfelder sein, die unter zwei Diktaturen ihrem Glauben treu blieben.[3]

Sage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der rechten Seite des Seitenschiffs der Wallfahrtskapelle befindet sich eine Pietà aus Holz, die aus dem 16. Jahrhundert stammt. Der Sage nach soll sie bei Feldarbeiten in den umliegenden Feldern gefunden worden sein, als die Pferde, die der Bauer benutzte, stehen blieben und auch nach Drängen sich nicht weiterbewegten. Als der Bauer nach dem Grund suchte, soll er dabei auf das Gnadenbild gestoßen sein. Dies soll auch gleichzeitig der Grund gewesen sein, warum 1801 eine neue Kapelle errichtet wurde. Auch die Tradition der „Pferdewallfahrt“ lässt sich auf diese Sage zurückführen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Anhalt: Etzelsbach - Ein Beitrag zur Wallfahrtsgeschichte im Bistum Erfurt. Mecke, Duderstadt 1998, ISBN 3-932752-29-5, S. 112.
  • Peter Anhalt: Steinbach. Beiträge zur Ortsgeschichte und Heimatkunde. Teil 1. Selbstverlag, o.O. 1997, S. 208.
  • Gertrud Weber, Monika Klingbeil: 700 Jahre Steinbach 1297-1997. Hrsg.: Gemeindeverwaltung Steinbach. o.O. 1997, S. 72.
  • Levin Freiherr von Wintzingeroda-Knorr: Die Wüstungen des Eichsfeldes. Verzeichnis der Wüstungen, vorgeschichtlichen Wallburgen, Bergwerke, Gerichtsstätten und Warten innerhalb der landräthlichen Kreise Duderstadt (Provinz Hannover), Heiligenstadt, Mühlhausen (Land und Stadt) und Worbis (Provinz Sachsen). Hrsg.: Historische Commission für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt. Halle/Saale 1903, S. 1113.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Walter Prochaska: Der Zug der Mühlhäuser, Thüringer, Eichsfelder und hessischen Aufständischen über das Eichsfeld und durch angrenzende Schwarzburger und Hohnsteiner Gebiete vom 1. bis 7. Mai 1525 (II). In: Kulturbund Worbis (Hrsg.): Eichsfelder Heimathefte. Heft 4. Heiligenstadt 1977, S. 308.
  2. Helmut Godehardt: Aus der Geschichte der eichsfeldischen Wüstung Etzelsbach. In: Kulturbund Worbis (Hrsg.): Eichsfelder Heimathefte. Heft 2. Heiligenstadt 1985, S. 123–134.
  3. Hinweis auf den Besuch auf einer Seite der Deutschen Bischofskonferenz, abgerufen am 21. April 2011

Koordinaten: 51° 25′ 14,3″ N, 10° 14′ 2″ O