Wallfahrtskirche Stadl-Paura

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Kath. Pfarr- und Wallfahrtskirche Hl. Dreifaltigkeit in Stadl-Paura
Das Kircheninnere
Abt Maximilian Pagl mit dem Bauplan zur Paurakirche. Ölgemälde im Stift Lambach von Martin Altomonte
Der Plan der Wallfahrtskirche Stadl-Paura, so wie ihn Abt Maximilian Pagl auf dem Gemälde von Martin Altomonte in Händen hält (aus dem Kirchenführer von P. Paulus Fuchshuber, Kunstverlag Peda 2008)

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Stadl-Paura steht in der Marktgemeinde Stadl-Paura in Oberösterreich. Die römisch-katholische Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit gehört zum Dekanat Gaspoltshofen in der Diözese Linz. Die Wallfahrtskirche steht unter Denkmalschutz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche befindet sich am östlichen Teil eines Hügels, der früher Paura hieß (die Gemeinde Stadl-Paura gibt es erst seit 1873), weshalb häufig auch nur von der „Paura-Kirche“ gesprochen wird. Der Ortsname lässt sich entweder auf das althochdeutsche Wort „bur“ für „Haus“ oder „Anwesen“ zurückführen, vielleicht aber auch auf den vulgärlateinischen Ausdruck „pavura“, was soviel wie „heilige Scheu“ vor dem Ort bedeutet.[1]

Laut Legende gelobte Abt Maximilian Pagl von Stift Lambach eine Kirche erbauen zu lassen, falls die Pest an Lambach vorüber ginge. Da die Pest im nahegelegenen Wels am Weihnachtstag 1713 als erloschen galt, bat der Abt in einem Schreiben vom 2. Januar 1714 das bischöfliche Ordinariat in Passau um die Genehmigung zum Bau der Kapelle in der Paura. Diese wurde am 14. Januar ausgestellt und das Projekt konnte beginnen. Bereits am 11. Juni 1714 wurde das Fundament für die Kirche ausgegraben und am Folgetag mit Hilfe des Linzer Maurermeister „H. Prunner“ der Grundstein gelegt.[2]

Am 14. März 1715 unterzeichnete Johann Michael Prunner den Vertrag zum Bau der Kirche, der in Stiftsarchiv erhalten blieb. Der genaue Baubeginn ist nicht bekannt, jedoch begann Zimmermeister Friedrich Kruel am 14. Oktober 1715 mit dem Aufsetzen des Dachstuhles, da das Mauerwerk des Rundbaues vollendet. War. Das Aufmauern der drei Türme wurde am 2. Oktober 1716 abgeschlossen und man konnte die Knöpfe und Kreuze aufsetzen. Nun begann die Innenausgestaltung, die bis in die 1740er Jahre andauere. Am Beginn standen die Malerarbeiten von Carlo Carlone und Francesco Messenta ab Juli 1719. Erst 1722 wurden die Verträge für die drei Altäre mit den Tabernakeln von verschiedenen Künstlern unterzeichnet. Projektleiter war Josef Matthias Götz, der den Großteil der Steinmetzarbeiten von Georg Doppler in Salzburg fertigen. Am 2. Juni 1724 seihte Abt Maximilian Pagl die kleine Glocke der Paura-Kirche der hl. Jungfrau Maria.[3]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Paura-Kirche liegt in ihrer Architektur und Ausstattung der für die heilige Dreifaltigkeit stehende Dreizahl zu Grunde: Den Grundriss bildet ein gleichseitiges Dreieck, in das ein Kreis eingeschrieben ist. Drei Türme beinhalten Sakristei, Beichtstube und Marienkapelle und markieren die Ecken des Dreiecks. Gegenüber der drei Portale befinden sich die drei Altäre in den Apsiden. Ihnen gegenüber befinden sich die drei Orgeln vom Passauer Orgelmacher Johann Ignaz Egedacher oberhalb der Eingänge. Zwischen 1715 und 1725 wurde die vom Linzer Baumeister und Architekt Johann Michael Prunner geplante Kirche erbaut und ausgeschmückt.[4] Sie wurde am 29. Juli 1725 vom Passauer Fürstbischof Johann Philipp von Lamberg geweiht.

Der Außenbau mit drei gleichwertigen Schauseiten ist durch vor- und rückschwingende Mauerteile, abgeschrägte Ecken der Türme und ein reich gegliedertes, um den gesamten Bau laufendes, verkröpftes Gesims geprägt. Der Zentralraum wird von einem Kuppeldach mit aufgesetzter dreieckiger Laterne bekrönt. Alle Türme und die Laterne haben barocke Helme. Die Bildhauerarbeiten an den Marmorportalen stammen vom Linzer Bildhauer Johann Baptist Spaz und Leopold Mähl.[5]

In den Jahren 1950/51 und 1954 wurde das Gebäude außen renoviert. Eine weitere aufwendige Renovierung fand aus Anlass des 275jährigen Bestehens der Kirche statt. Die letzte Restaurierung wurde 2021 beendet.

Die südböhmische barocke Wallfahrts- und Dreifaltigkeitskirche in Trhové Sviny ist ebenfalls auf dreieckigem Grundriss gebaut.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wallfahrtskirche Stadl-Paura birgt eine wertvolle Ausstattung. So schufen die Maler Carlo Carlone und Francesco Messenta die Wandmalereien, wobei Messenta für die Architekturmalerei und Carlone für die figurale Malerei zuständig war. Die Stuckaturen stammen von den Brüdern Johann Georg und Franz Josef Holzinger. Philipp Holzegger schuf die Vergoldungen, die Orgeln lieferte Johann Ignaz Egedacher. Für die drei Altarbilder beauftragte Abt Maximilian Pagl die Maler Martin Altomonte, Domenico Parodi und Carlo Carlone. Für die Altäre beauftragte man 1721 den Salzburger Steinmetzmeister Georg Doppler. Abt Johannes Seiz (1735–39) übertrug den Auftrag an Joseph Mathias Götz, der die Steinmetzarbeiten von Stumpfegger in Salzburg fertigen ließ. Die Gürtlerarbeit schuf Simon Wagner aus Steyr. Für die Metallarbeiten wie die Kreuze auf den Türmen berief man den Linzer Messerschmied Johann Pretzer.[6]

Pfarrhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. Juli 1724 legte Abt Maximilian Pagl den Grundstein für den Bau, der als Waisenhaus für 7 Knaben errichtet wurde. 1725/26 wurde der Bau aufgestockt, um einen Geistlichen sowie den Mesner unterbringen zu können. Geplant wurde der Bau vermutlich von Johann Michael Prunner. Das Gebäude zieren Skulpturen der 7 Erzengel. Heute fungiert der Bau als Pfarrhof für die Dreifaltigkeitskirche.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Guby und Augustin Rabensteiner: Die Dreifaltigkeitskapelle in Paura bei Lambach. Ein Beitrag zur Geschichte der süddeutschen Barokkunst. In: Kunstgeschichtliche Einzeldarstellungen Bd. IV., Hrsg. vom Kunsthistorischen Institut des Bundesdenkmalamtes. Wien 1922.
  • Erwin Hainisch: Die Kunstdenkmäler des Gerichtsbezirkes Lambach. In: Österreichische Kunsttopographie Bd. XXXIV: Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Wels II. Teil. Hrsg. vom Institut für Österreichische Kunstforschung des Bundesdenkmalamtes, Redigiert von Walter Frodl, Wien 1959, S. 442–480.
  • Walter Luger: Die Dreifaltigkeitskirche in Stadl-Paura, 5. verb. Aufl., Linz 1969.
  • Günther Brucher: Barockarchitektur in Österreich, Du Mont, Köln 1983, S. 255 f.
  • P. Paulus Fuchshuber: Die Paurakirche. Pfarr- und Wallfahrtskirche zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit, Passau 2008.
  • Katharina Hermann: De Deo Uno Et Trino. Bildprogramme barocker Dreifaltigkeitskirchen in Bayern und Österreich. Zugl. Diss. phil. Freiburg 2007, 1. Aufl. Regensburg 2010, S. 157–220.
  • Peter Heinrich Jahn: Perspektivmalerei im Dienst von Pestvotiv und Trinitätskult – die fingierten Altäre der Dreifaltigkeitskirche in Stadl-Paura und Andrea Pozzos Ausmalung der Wiener Peterskirche. In: Andrea Pozzo (1642–1709). Der Maler-Architekt und die Räume der Jesuiten. Hrsg. von Herbert Karner. Wien 2012, S. 139 ff.

Hermann, Katharina: De Deo Uno Et Trino. Bildprogramme barocker Dreifaltigkeitskirchen in Bayern und Österreich, Zugl. Diss. phil. Freiburg 2007, 1. Aufl. Regensburg 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. P. Paulus Fuchshuber: Die Paurakirche. Pfarr- und Wallfahrtskirche zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Kunstverlag Peda, Passau 2008.
  2. Erwin Hainisch: Die Kunstdenkmäler des Bezirkes Lambach, in: Institut für Österreichische Kunstforschung des Bundesdenkmalamtes, (Hg), Österreichische Kunsttopographie Bd. XXXIV. Wien 1959, S. 442–480.
  3. Rudolf Guby, Augustin Rabensteiner: Die Dreifaltigkeitskapelle in Paura bei Lambach, in: Kunsthistorisches Institut des Bundesdenkmalamtes, (Hg), Kunstgeschichtliche Einzeldarstellungen Bd. IV. Wien 1922.
  4. Günther Brucher: Barockarchitektur in Österreich. Du Mont, Köln 1983, S. 255 f.
  5. Dehio Oberösterreich. Verlag Anton Schroll, Wien 1956, S. 228.
  6. Augustin Rabensteiner: Archivalien zur Baugeschichte der Dreifaltigkeitskirche in Paura bei Lambach (Oberösterreich). Österreichische Verlagsgesellschaft Eduard Hölzel & Co, Wien 1922, S. 40 f.

Koordinaten: 48° 5′ 10″ N, 13° 51′ 50,5″ O