Wallhausen (Helme)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wallhausen
Wallhausen (Helme)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wallhausen hervorgehoben
Koordinaten: 51° 28′ N, 11° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Mansfeld-Südharz
Verbandsgemeinde: Goldene Aue
Höhe: 141 m ü. NHN
Fläche: 35,34 km2
Einwohner: 2530 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 72 Einwohner je km2
Postleitzahl: 06528
Vorwahl: 034656
Kfz-Kennzeichen: MSH, EIL, HET, ML, SGH
Gemeindeschlüssel: 15 0 87 440
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Lange Straße 8
06537 Kelbra (Kyffhäuser)
Webpräsenz: www.wallhausen-helme.de
Bürgermeister: Klaus Udo Härtig
Lage der Gemeinde Wallhausen im Landkreis Mansfeld-Südharz
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Wallhausen im Luftbild um 1930

Wallhausen ist eine Gemeinde, die zur Verbandsgemeinde Goldene Aue, Landkreis Mansfeld-Südharz, Sachsen-Anhalt, Deutschland gehört. Sie besteht aus dem der Gemeinde namensgebenden Ort Wallhausen sowie den eingemeindeten Ortschaften Hohlstedt, Martinsrieth und Riethnordhausen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wallhausen liegt im sogenannten Rieth im unteren Helmetal, nordöstlich des Kyffhäusers und westlich der Kreisstadt Sangerhausen. Durch den Ort führen die Landesstraße erster Ordnung L 151 (ehemalige Bundesstraße 80) sowie die Bahnstrecke Halle–Hann. Münden. In der Nähe des Ortes befindet sich die Bundesautobahn 38 (Autobahnabfahrt Sangerhausen-West).

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden sind Südharz im Westen und Sangerhausen im Norden, Edersleben im Osten und Borxleben und Brücken-Hackpfüffel im Süden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urkundlich erstmals erwähnt wurde der Ort im Jahre 908 als Walahusun (Haus des Wala) im Helmegau. Wallhausen erlangte Bedeutung durch seine Lage an der alten Heer- und Poststraße, die südlich des Harzes von Sangerhausen nach Nordhausen führte. In Wallhausen gab es eine Königspfalz, zumindest einen Königshof, in dem 909 das spätere deutsche Königspaar Heinrich I. und Mathilde heirateten. Mathilde erhielt dabei den Ort zu lebenslangem Nießbrauch.[2] Im Jahre 912 wurde Otto I. Wahrscheinlich in Wallhausen geboren.[3] Am 5. Februar 985 schenkte König Otto III. seinen Hof in Wallhausen der Äbtissin Mathilde von Quedlinburg. Zur Zeit der Ottonen (919-1024) war Wallhausen einer der wichtigsten Aufenthaltsorte der Könige und Kaiser in Sachsen und im Reich überhaupt. Bis ins späte 12. Jahrhundert hielten sich auch salische und staufische Könige wiederholt hier auf und hielten auch Hoftage ab: so Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahre 1169. Insgesamt 36 Urkunden dokumentieren königliche Aufenthalte im Zeitraum 922 bis 1169. Dann endete das "Reisekönigtum" im Reich und die Herrscher bezogen feste Residenzen. 1115 war die Pfalz zerstört und um 1150 wiederaufgebaut worden. Es ist nicht sicher, ob die Pfalz am Ort des heutigen Schlosses stand oder sich auf der Höhe über dem Ort befand. Es haben sich keine Spuren der Pfalz/des Königshofes erhalten.

Der Ort verfügte bereits 994 über das Markt-, Münz- und Zollrecht. 1029 wurde es als Oppidum (Stadt) geführt, mit bürgerlichen Freiheiten und dem Recht, Mauern, Tore, Gräben und Brücken zu bauen. 1331 war es "Veste Walhausen", 1349 "Dorf", 1437 "Flecken", dann abwechselnd Dorf und Flecken, 1810 "Städtlein". Wallhausen hat jedoch weder 1831 noch 1853 die preußische Städteordnung angenommen (Trippenbach). Der Name des Ortes wurde bis 1700 mit nur einem "l" geschrieben: Walhausen.

1525 hatte Wallhausen 83 bewohnte Häuser, 1650 (nach dem Dreißigjährigen Krieg) noch 40 Häuser, 1775 137 Häuser mit 800 Einwohnern, 1825 163 Häuser mit 929 Einwohnern, 1866 1.220 Einwohner, 1896 1.600 Einwohner, 1907 256 Häuser mit 1.500 Einwohnern (Trippenbach).

1670 gab es etwa 12 Straßennamen in Wallhausen. In diesem Jahr verfügte der Asseburgische Amtmann Christianus Amhoff, dass jedes der 158 Häuser (davon 98 bewohnt) des "Fleck Walhausen" ein "Schildzeichen" zu führen hatte. Beispiele für die Namen: Das hochadlige Schloß, Die drey Eicheln, Das Turtel Täublein, Die Heilige Dreyvaltigkeit (das Pfarrhaus), Die liebe Justiz (vorher Amtmanns Haus), Die Kindbetterin, Der graue Münch (Renaissance-Portal anno 1613), Das Schlachtebeil, Der Engel Kopf, Der gebratene Schafkopf, Das Ritterspiel (dann "Schieferhof", erbaut 1560), Das Kirch Thor, Der Bienenstock (erbaut um 1550, Knabenschule, Rektorwohnung), Das Adeliche Asseburgische Stammwappen: Das Gemeine Rathaus und Schenke, Das Stein Thor (1874 abgebrochen), Der Kaninchen Tanz.(Trippenbach)

Um 1420 kauften die Asseburger aus Niedersachsen den Ort. 1525 predigte Martin Luther in der Ortskirche gegen Thomas Müntzer. 1540 wurde der Schieferhof errichtet: das älteste noch erhaltene Wohngebäude im Ort. Von 1626 bis 1681 fielen der Pest 1114 Einwohner zum Opfer, 1726 weitere 500 Menschen. Die Stadtmauer wurde 1655 erstmals erwähnt, daneben gab es einen Graben als weiteren Schutz.

Besonders im Dreißigjährigen Krieg, doch auch im Zweiten Schlesischen Krieg und im Siebenjährigen Krieg hatte Wallhausen unter Einquartierungen von Truppen zu leiden. Es wurde durch diese "ausgesogen", was unter anderem starke Teuerungen zur Folge hatte. 1744 rückte in den "aus einem großen Brande wiedererstandenen Ort ... die Leibkompagnie des Handringschen Cürrassier-Regiments ein und bleibt bis nach 1763 in Garnison" (Trippenbach). Daher leitet sich wohl die Angabe ab, Wallhausen sei GarnisonStadt gewesen.

Mitte des 19. Jahrhunderts dominierte wirtschaftlich noch der Weinbau, später der Kirschen-Anbau. 1866 wurde eine Zuckerfabrik gebaut, aus der 1912 eine Steingutfabrik wurde. 1886 wurde die Pflichtfeuerwehr gegründet.

Wallhausen gehörte bis 1815 zum Amt Sangerhausen im Kurfürstentum Sachsen und gelangte dann an den Regierungsbezirk Merseburg der preußischen Provinz Sachsen.

Am 22. Februar 1945 wurde Wallhausen durch einen Luftangriff der 8. US-Luftflotte im Rahmen der Operation Clarion gegen Verkehrsziele in Deutschland zerstört. Dabei starben 62 Menschen. Auch die Pfarrkirche St. Peter und Paul wurde zerstört, der Turm 1948 durch Sprengung beseitigt. Nach dem Krieg wurde der Chor wiederhergestellt und ein massiver Glockenstuhl errichtet. Verloren ging auch das historische Fachwerkhaus "Bienenstock": es wurde durch den Luftangriff beschädigt und 1946 abgetragen.[4] Jährlich am 22. Februar um 13.00 Uhr (Angriffsbeginn) läuten zum Gedenken an die Zerstörung und die Opfer die Glocken von St. Peter und Paul.

Wallhausen wurde im April 1945 von US-Truppen besetzt und Anfang Juli an die Rote Armee weitergegeben. Der Ort wurde unter den Bedingungen der SBZ und der DDR wieder aufgebaut. Schloss und Rittergut der Familie von Bocholtz-Asseburg wurden entschädigungslos enteignet, ab Herbst 1945 im Ort die Bodenreform durchgeführt. Das Schloss diente von 1948 bis 2004 als Schule.

Von 1952 bis 1990 gehörte Wallhausen zum DDR-Bezirk Halle und danach bis zum 30. Juni 2007 dem Landkreis Sangerhausen an. Wallhausen gehört seit 2004 zur VG "Goldene Aue" mit Sitz in Kelbra (Kyffhäuser). Am 1. Juli 2009 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Martinsrieth und Riethnordhausen nach Wallhausen eingemeindet.[5]

Nach der Wiedervereinigung 1990 wurden viele kleine Unternehmen gegründet. Der Ort hat eine Reihe aktiver kultureller und sportlicher Vereine.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „Geteilt und halb gespalten, oben in Rot eine Goldene Krone, unten rechts in Gold eine blaue Waage mit schwarzen Schnüren, unten links in Blau ein schräg links gelegtes goldenes Schwert.“

Die Farben der Gemeinde, abgeleitet vom Wappen, sind Rot-Gold (Gelb).

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Wallhausen (Helme) liegt an der Bahnstrecke Halle–Hann. Münden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den im örtlichen Denkmalverzeichnis eingetragenen Kulturdenkmalen gehören die Kirche St. Peter und Paul und das Schloss Wallhausen.

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal für Bomben- und Weltkriegsopfer
  • Auf dem Ortsfriedhof befindet sich das Gräberfeld für die am 22. Februar 1945 bei einem Bombenangriff getöteten 62 Einwohner: gepflegte Rasenfläche, keine Grabkreuze oder -steine. Eine steinerne Bodenplatte trägt folgende Aufschrift: "Ruhestätte. Opfer des Luftangriffs 22. Februar 1945. Gestiftet Gemeinde Wallhausen 2005".
  • Auf dem Ortsfriedhof erinnern elf Grabstätten und ein Denkmal aus dem Jahre 1962 an die KZ-Häftlinge eines Todesmarsches aus dem KZ Dora-Mittelbau vom April 1945, die von SS-Männern ermordet, zunächst in einer Ecke verscharrt und später auf dem Friedhof begraben wurden.
  • Ein Denkmal im Ort, nahe der Kirche, erinnert an die (Bomben-)Opfer des 22. Februar 1945 und beider Weltkriege. Inschrift: "Die Opfer des 22. Februar 1945 und die Toten der zwei Weltkriege mahnen zum Frieden".

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31. Dezember 2015 (PDF) (Fortschreibung) (Hilfe dazu).
  2. Johannes Laudage: Otto der Große. Eine Biographie, Regensburg 2001, S. 69.
  3. Vgl. dazu Stephan Freund: Wallhausen – Königlicher Aufenthaltsort, möglicher Geburtsort Ottos des Großen. In: Stephan Freund, Rainer Kuhn (Hrsg.): Mittelalterliche Königspfalzen auf dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt. Geschichte – Topographie – Forschungsstand. Regensburg 2014 S. 115–148.
  4. Renate Kroll: Wallhausen (Kreis Sangerhausen). In: Götz Eckardt (Hrsg.) Schicksale deutscher Baudenkmale im zweiten Weltkrieg. Henschel-Verlag, Berlin 1978. Band 2. S. 336
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2009, 2. Liste

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Max Trippenbach: Bilder aus Wallhausens Vergangenheit. Verlag Louis Arendt, Sangerhausen 1907
  • Stephan Freund: Wallhausen – Geburtsort Ottos des Großen, Aufenthaltsort deutscher Könige und Kaiser. Schnell & Steiner, Regensburg 2013, ISBN 978-3-7954-2680-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wallhausen (Helme) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien