Walsdorf (Idstein)

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Walsdorf
Stadt Idstein
Wappen der früheren Gemeinde Walsdorf
Koordinaten: 50° 16′ 15″ N, 8° 16′ 51″ O
Höhe: 237 (231–253) m ü. NHN
Fläche: 8,62 km²[1]
Einwohner: 1524 (30. Jun. 2020)[2]
Bevölkerungsdichte: 177 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Oktober 1971
Postleitzahl: 65510
Vorwahl: 06434

Walsdorf ist ein Stadtteil von Idstein im südhessischen Rheingau-Taunus-Kreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walsdorf liegt im Taunus, einem deutschen Mittelgebirge, und ist der nördlichste Stadtteil der Stadt Idstein. Er grenzt an Würges, den südlichsten Stadtteil der Stadt Bad Camberg.

Östlich des Ortes verläuft die Bundesstraße 8, westlich die Bundesautobahn 3. Durch den Ort führen die Landesstraße 3026 und der hessische Radfernweg R8.

Von Süd nach Nord fließt durch Walsdorf der Knallbach, ca. 100 Meter östlich der Bebauungsgrenze fließt der Emsbach, in welchen der Knallbach noch vor Erreichen von Würges mündet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Christuskirche

Die älteste bekannten schriftliche Erwähnungen von Walsdorf erfolgten im Jahr 774 unter dem Namen Walehestorpher und 788 in einer Schenkung an das Kloster Lorsch als Walehesheimer Marca.[1]

1156 gründete Gottfried von Beselich in Walsdorf ein Benediktiner-Kloster für Mönche, das in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts in ein Nonnenkloster umgewandelt wurde und bis zu seiner Plünderung durch spanische Truppen im Jahre 1634 bestand.

Um 1200 ging die Herrschaft über Walsdorf an die Nassauer als Vögte von Limburg. 1355 fiel Walsdorf bei der Teilung des Walramschen Besitzes an die Grafschaft Nassau-Idstein.

Im 14. Jahrhundert erhielt Walsdorf durch Graf Adolf I. von Nassau-Idstein stadtähnliche Rechte. Die Siedlung wurde vom Tal auf einen Hügel verlegt und durch eine Stadtmauer mit Türmen umgeben. Die beiden Stadttore aus dieser Befestigungsanlage wurden erst 1822 abgebrochen.

Die erste Kirche wurde 1396 als Marienkapelle erwähnt. Am Anfang des 16. Jahrhunderts entstand die spätgotische Pfarrkirche, die allerdings zusammen mit dem Ort 1644 von bayerischen Truppen niedergebrannt wurde. Die heutige evangelische Kirche ist daher ein Wiederaufbau aus den Jahren 1652 bis 1663.

Auch nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort noch mehrmals durch Großbrände zerstört. 1692 vernichtet ein Großbrand nahezu das ganze Dorf. Beim Neuaufbau wurden der ehemalige Klosterbezirk einbezogen und die heutige Straßenführung im alten Dorf angelegt. Nach dem letzten Brand von 1831 errichtete man die Scheunen weiter außen auf der ehemaligen Stadtmauer, wodurch die heutige charakteristische Ortsansicht aus einer geschlossenen Front von Fachwerkhäusern entstand.

1730 wird das erste Haus außerhalb der Stadtmauer errichtet.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Oktober 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Walsdorf im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Stadt Idstein eingegliedert.[3] Für den Stadtteil Walsdorf wurde, wie für alle Stadtteile von Idstein, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.[4]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

  • 1566: 45 Haushaltungen
  • 1622: 88 Haushaltungen
  • 1676: 48 Haushaltungen
  • 1738: 78 Haushaltungen
  • 1771: 93 Haushaltungen
Walsdorf: Einwohnerzahlen von 1821 bis 2020
Jahr  Einwohner
1821
  
623
1834
  
744
1840
  
774
1846
  
805
1852
  
795
1858
  
774
1864
  
836
1871
  
812
1875
  
839
1885
  
764
1895
  
805
1905
  
797
1910
  
832
1925
  
831
1939
  
796
1946
  
1.094
1950
  
1.123
1956
  
1.035
1961
  
1.024
1967
  
1.197
1970
  
1.230
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
1.350
2014
  
1.550
2020
  
1.524
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Stadt Idstein:[5][2]; Zensus 2011[6]

Religionszugehörigkeit

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1895: 749 evangelische (= 98,04 %), 9 katholischer (= 1,18 %), ein anderes christliche-konfessioneller (= 0,13 %), 5 jüdische (= 0,65 %) Einwohner
• 1961: 875 evangelische (= 85,45 %), 132 katholische (= 12,89 %) Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsvorsteher ist seit September 2020 Karl-Heinz Massier, nachdem Ellen Maurer-Genc (SPD) das Amt im Juni 2020 niederlegte. (Stand September 2020).[7]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. Januar 1967 wurde der Gemeinde Walsdorf im damaligen Untertaunuskreis ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Silber ein roter Turm, über dem offenen Tor belegt mit einem freistehenden goldenen Löwen.[8]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Kirche mit Decken- und Wandmalereien aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind heute Reste der ehemaligen Stadtmauer, aber vor allem der 24 Meter hohe Hutturm aus dem 14. Jahrhundert sowie zwei weitere Türme erhalten. Vom Kloster gibt es keine Überreste mehr.

Die geschlossene Scheunenfront aus dem 19. Jahrhundert stellt sich dem Besucher aus Richtung der östlich verlaufenden Bundesstraße 8 als auffälligstes Merkmal des Ortes dar. Zum Teil sind die Scheunen heute zu Wohnhäusern umgebaut.

Ortsansicht von Walsdorf mit Scheunenfront (2009).

Von 1907 bis 1951 belieferte die Walkmühle, heute ein beliebtes Ausflugsziel, den Ort mit 110 V Gleichstrom.

Dolles Dorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Jahr 2013 konnte Walsdorf beim Wettbewerb Dolles Dorf, der jedes Jahr vom Hessischen Rundfunk ausgetragen wird, gewinnen. Hierbei wird jeden Donnerstag in der Hessenschau ein Dorf gezogen, das am folgenden Samstag vorgestellt wird. Vier Dörfer kommen ins Finale und treten auf dem Hessentag im hr-Treff an. Walsdorf gewann am 16. Juni 2013 in Kassel gegen Nonnenroth, Röhrenfurth und Neukirchen und bekam von hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier den goldenen Onkel Otto überreicht[9].

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Walsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Walsdorf, Rheingau-Taunus-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Zahlen-Daten-Fakten. In: Webauftritt. Stadt Idtein, abgerufen im Dezember 2020.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 377.
  4. Hauptsatzung. (PDF;; 36; kB) §; 5. In: Webauftritt. Stadt Idstein, abgerufen im Februar 2019.
  5. Zahlen-Daten-Fakten. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Webauftritt. Stadt Idtein, archiviert vom Original; abgerufen im Dezember 2020.
  6. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,9 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  7. Ortsbeitrat von Walsdorf
  8. Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Walsdorf, Untertaunuskreis, Regierungsbezirk Wiesbaden vom 10. Januar 1967. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1967 Nr. 5, S. 154, Punkt 108 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,4 MB]).
  9. Walsdorf ist dolles Dorf 2013, abgerufen am 20. Juni 2019