Waltenhofen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Waltenhofen
Waltenhofen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Waltenhofen hervorgehoben

Koordinaten: 47° 40′ N, 10° 18′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Oberallgäu
Höhe: 722 m ü. NHN
Fläche: 59,76 km2
Einwohner: 9482 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 159 Einwohner je km2
Postleitzahl: 87448
Vorwahlen: 08303, 0831Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: OA
Gemeindeschlüssel: 09 7 80 143
Gemeindegliederung: 81 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausstraße 4
87448 Waltenhofen
Website: www.waltenhofen.de
Erster Bürgermeister: Eckhard Harscher (Wir für Waltenhofen)
Lage der Gemeinde Waltenhofen im Landkreis Oberallgäu
ÖsterreichBaden-WürttembergLandkreis Lindau (Bodensee)Kempten (Allgäu)Landkreis UnterallgäuLandkreis OstallgäuKempter Wald (gemeindefreies Gebiet)WildpoldsriedWiggensbachWertachWeitnauWaltenhofenSulzberg (Landkreis Oberallgäu)SonthofenRettenbergOfterschwangOberstdorfOberstaufenObermaiselsteinOy-MittelbergMissen-WilhamsLauben (Landkreis Oberallgäu)Immenstadt im AllgäuBad HindelangHaldenwang (Landkreis Oberallgäu)Fischen im AllgäuDurachDietmannsriedBurgberg im AllgäuBuchenbergBolsterlangBlaichachBetzigauBalderschwangAltusriedKarte
Über dieses Bild
Waltenhofen von Südosten

Waltenhofen ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Oberallgäu in Bayern. Die Kerngemeinde liegt rund sieben Kilometer südlich von Kempten (Allgäu). Der gleichnamige Hauptort ist Sitz der Gemeindeverwaltung.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt linksseitig der Iller und hat Anteil an den Allgäuer Voralpen. Die Höhenlage reicht von 682 m ü. NHN an der Iller bei Hegge bis 1067 m ü. NHN (Stoffelberg).

Ausdehnung des Gemeindegebietes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet besteht aus den Gemarkungen Waltenhofen, Martinszell i. Allgäu, Memhölz und Niedersonthofen.

Es existieren 81 amtlich benannte Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2]

Wappen der Ortsteile

Schutzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Naturschutzgebiete liegen zum großen Teil im Gemeindegebiet von Waltenhofen:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte der Gemeindeteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Waltenhofen: Auf dem Schloßbühl in Waltenhofen stand einst die Burg des Ortsgeschlechts, das urkundlich nicht nachweisbar ist. Später saßen hier die Herren von Horben zu Waltenhofen. Ihren Besitz mit dem Burgstall und Ort Waltenhofen kauften 1367 die Herren von Rauns-Fischen, die bis zu ihrem Aussterben 1450 Ortsherren blieben. 1465 kauft Hans von Werdenstein das Erbe des Hans von Rauns zu Waltenhofen, St. Veit und Rauns. Waltenhofen gehörte später zum Fürststift Kempten. Seit der Säkularisation und dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 gehört der Ort zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. 1923 wurde das Kriegerdenkmal eingeweiht.
  • Hegge: Nördlich vom Gemeindeteil Waltenhofen liegt der Industrieort Hegge, der früher zu dem Gebiet des Stiftes Kempten gehörte. Die älteste bis jetzt aufgefundene Urkunde über Hegge datiert von 1543.
  • Martinszell: In der Mitte zwischen Kempten und Immenstadt liegt Martinszell. 1275 wird eine Pfarrei „Cella Sancti Martini“ erwähnt. 1430 erhielt Martinszell die Niedergerichtsbarkeit, 1485 wurde das Dorf von Kaiser Friedrich III. zum Markt erhoben. In Martinszell wurde im späten 15. Jahrhundert Matthias Waibel geboren, der zur Zeit der Bauernkriege als Vikar in Kempten die Thesen Martin Luthers verbreitete und 1525 als Märtyrer starb. Im selben Jahr, am 25. Oktober 1525, wurde im dortigen Pfarrhaus der „Martinszeller Vertrag“ zwischen der Bauernschaft und Fürstabt Sebastian von Breitenstein geschlossen.
  • Memhölz: Memhölz ist eine sehr alte Pfarrei, die schon um 1200 einen Pfarrer hatte. In Memhölz befindet sich das Haus der Familie der Schönstattbewegung.
Blick auf Niedersonthofen mit Niedersonthofener See

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Memhölz eingegliedert.[5] Am 1. Januar 1976 kam Niedersonthofen hinzu. Martinszell im Allgäu folgte am 1. April 1976.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 8042 auf 9340 um 1298 Einwohner bzw. um 16,1 %.

Bayerisches Landesamt für Statistik[7]:

Jahr 1840 1871 1900 1925 1950 1961 1970 1987 1995 2005 2010 2015
Einwohner 3148 3123 3454 4263 6876 6782 8031 7969 8616 8922 8873 9066

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat zählt 20 Mitglieder, die sich nach den Kommunalwahl am 15. März 2020 auf folgende Parteien und Wählervereinigungen verteilen:[8]

Partei / Liste Stimmen % Sitze +/−
Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU) 34,06 % 7 − 1
Bündnis 90/Die Grünen (Grüne) 21,69 % 5 + 2
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 07,09 % 1 − 1
Freie Wähler (FW) 20,48 % 4 ± 0
Wir für Waltenhofen (WfW) 16,68 % 3 ± 0

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2006 ist Eckhard Harscher (Wir für Waltenhofen) Erster Bürgermeister.[9][10] Dessen Vorgänger im Amt war Robert Wegscheider (CSU). Bei der Bürgermeisterwahl am 11. März 2012 wurde er mit 67,2 % der Stimmen bestätigt.[11] Bei der Bürgermeisterwahl am 4. März 2018 wurde er mit 68,2 % der gültigen Stimmen ein weiteres Mal im Amt bestätigt. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,1 Prozent.[12]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DEU Waltenhofen COA.svg
Blasonierung: „Geteilt; oben in Schwarz drei, zwei zu eins gestellte, liegende goldene Halbmonde, unten dreimal sparrenförmig geteilt von Silber und Rot.“[13]

Seit 1949.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab 2017 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 19, im produzierenden Gewerbe 1059 und im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe 408 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 705 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 3683. Im verarbeitenden Gewerbe gab es sechs Betriebe, im Bauhauptgewerbe 17 Betriebe.

Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit 3633 Hektar werden rund 61 Prozent des Waltenhofener Gemeindegebiets landwirtschaftlich genutzt, vor allem als Dauergrünland. Im Jahr 2016 existierten in Waltenhofen 131 landwirtschaftliche Betriebe, bei denen es sich hauptsächlich um Milchviehhalter handelt. Weitere 1143 Hektar oder knapp 20 Prozent des Gemeindesgebiets sind bewaldet.[14]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt folgende Bildungseinrichtungen (Stand: 2018)[15]:

  • sechs Kindertageseinrichtungen mit 393 genehmigten Kindergartenplätzen und 351 betreuten Kindern
  • vier Grund- sowie Mittel-/Hauptschulen mit 25 Lehrern und 357 Schülern (Schuljahr 2017/18)

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der im Ortsteil Oberdorf gelegene Haltepunkt Martinszell befindet sich an der Bayerischen Allgäubahn von München nach Lindau und wird vom Personenverkehr der Deutschen Bahn bedient. Weil etliche Fahrgäste mit Ziel Oberstdorf dort fälschlich ausstiegen, wurde er Ende der 1960er Jahre in Martinszell umbenannt.[16] Es gibt durchgehende Verbindungen nach Oberstdorf, Memmingen, Ulm, München, Nürnberg, Augsburg und Lindau.

Der Bahnhof Waltenhofen wurde 1984 stillgelegt.[16]

Waltenhofen liegt an der „Anschlussstelle Waltenhofen“ am Übergang der A 980 zur B 12.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Martin und Alexander (Waltenhofen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in der Mitte von Waltenhofen stehende Kirche wurde 1765 bis 1770 als Saalbau mit eingezogenem Chor errichtet, der Turm ist im Kern noch spätmittelalterlich, das Turmobergeschoss von 1901.

St. Cosmas und Damian (Rauns)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südöstlich von Waltenhofen steht die Kirche von Rauns. Sie ist den Heiligen Cosmas und Damian geweiht. Um 1250 erbaut von den Herren von Rauns gehörte sie seit 1464 denen von Werdenstein. 1548 kam sie in den Besitz der evangelischen Reichsstadt Kempten und wurde deshalb zwinglianisch. Schon 1548 wurde die Kirche vom Stift Kempten erworben und mit der Pfarrei Waltenhofen vereinigt. 1808 überließ sie der bayerische Staat den 26 Bauern von Rauns. Die Kirche war seit 1936 Eigentum der Gemeinde Waltenhofen und wurde 1962 wieder der Pfarrei St. Martin übereignet. Die Heiligenfiguren, darunter eine Figur des Heiligen Veit, stammen aus dem 13. bis 15. Jahrhundert; manche werden J. Syrlin dem Jüngeren zugeschrieben. Der Aufbau der Altäre entstand um 1700.

Maria, Königin der Apostel (Hegge)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zirka dreißig Minuten zu Fuß oder drei Minuten mit dem Auto von dem Pfarrdorf Waltenhofen entfernt liegt Hegge. Ende der 1940er Jahre wurden Arbeitslose für den Kirchenbau angeworben. Das Baumaterial stammt aus dem Steinbruch Leuten. Die Kirche wurde am 19. August 1951 geweiht. Die Außenfassade ist geprägt durch den grauen Bruchstein. Der Innenraum ist gestaltet in Neugotik, Jugendstil und Moderne.

Evangelische Kirche von Waltenhofen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die neue evangelisch-lutherische Kirche von Waltenhofen wurde im Oktober 2000 eingeweiht. Vorher fanden die Gottesdienste im Heggener Pfarrhaus oder in einer Notkirche in Rauns statt. Das neue Gemeindezentrum an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße wurde nach einem ökologisch sehr ambitionierten Konzept errichtet. Viel Beachtung findet auch das schlichte tiefrote Triptychon im Altarraum.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Waltenhofen gestern und heute. Chronik von Waltenhofen von Erich Knoll, 2005, PVB 2006.11767

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Waltenhofen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tabellenblatt "Daten 2", Statistischer Bericht A1200C 202041 Einwohnerzahlen der Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke 1. Vierteljahr 2020 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Waltenhofen in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 15. August 2019.
  3. Regierung von Schwaben: NSG Rohrbachtobel im Wierlinger Forst
  4. Regierung von Schwaben: NSG Widdumer Weiher
  5. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 496.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 795.
  7. Statistik kommunal 2014 Gemeinde Waltenhofen, S. 6
  8. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2020, abgerufen am 9. Mai 2020
  9. Wahlergebnis Bürgermeisterwahl 2006
  10. 1. Bürgermeister. Gemeinde Waltenhofen, abgerufen am 18. November 2020.
  11. Wahlergebnis Bürgermeisterwahl 2012
  12. Ergebnis Bürgermeisterwahl 2018 – Waltenhofen
  13. Eintrag zum Wappen von Waltenhofen in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  14. Bayerisches Landesamt für Statistik: Statistik kommunal 2014 Gemeinde Waltenhofen, S. 12f
  15. Bayerisches Landesamt für Statistik: Statistik kommunal 2014 Gemeinde Waltenhofen, S. 15f
  16. a b Roman Dilken: Streckenportrait (Memento vom 17. Oktober 2018 im Internet Archive). In: kbs970.de.
  17. Zum Tod von Karl Nold@1@2Vorlage:Toter Link/www.all-in.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Allgäuer Zeitung vom 3. Dezember 2008, abgerufen 13. Juni 2011