Walter-von-Baeyer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Walter-von-Baeyer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie (GEP) ist ein deutscher Verein. Er widmet sich der Aufarbeitung von historischen und zeitgenössischen Fällen, in denen durch staatliche Körperschaften eine unnötige psychiatrische Behandlung bzw. eine fälschliche psychiatrische Diagnose als Mittel der politischen Unterdrückung genutzt wurde.

Der Verein wurde 1977 von Walter von Baeyer und Friedrich Weinberger als „Deutsche Vereinigung gegen politischen Mißbrauch der Psychiatrie“ (DVpMP) gegründet, Gründungsimpuls waren Fallberichte aus der Sowjetunion, nach denen Oppositionelle gezielt nicht-indizierten psychiatrischen Zwangsbehandlungen unterzogen wurden.[1][2] Seit 1999 trägt sie den heutigen Namen. Heute diskutiert die GEP aktuelle Fälle in Symposien und Rundbriefen sowie durch öffentliche Positionierung in der konservativen bis rechtskonservativen Presse.[3][4]

Im Herbst 2003 knüpfte sich die „Internationale Gemeinschaft der Freud-Kritiker“ an den Verein.[1] 2015 trat die „Interessengemeinschaft Justizgeschädigte“ der GEP bei.[5]

Vereinsvorsitzender ist Friedrich Weinberger, sein Stellvertreter Klemens Dieckhöfer, weiteres Vorstandsmitglied ist Dietmar Eckstein.[6] Schriftführer ist Dietrich Koch. Weinberger erhielt im Jahr 2006 für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz. Mitglied ist ferner Reinhard Gnauck, der frühere Vorsitzende der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGfM). Der Verein hat etwa 40 Mitglieder.

Politische Positionen und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die GEP kritisiert das Gender-Mainstreaming sowie liberale Positionen zu Homosexualität, Sexualerziehung als politische Maßnahme im zeitgenössischen System in Deutschland.[7] Auch bestimmte psychiatrische Diagnosen werden in ihrer Zulässigkeit hinterfragt.[8]

2012 beklagte die GEP zusammen mit anderen Opferverbänden die Nominierung von Joachim Gauck für das Amt des Bundespräsidenten.[9][6]

Mediale Aufmerksamkeit erlangte die GEP im Zuge der Mollath-Affäre im Jahr 2012. Vereins-Chef Friedrich Weinberger hatte in diesem Fall ein Gegengutachten zugunsten Gustl Mollaths erstellt.[10] Zudem hatte die GEP zu Spenden aufgerufen, die Mollath zugutekommen sollten. Etwa 20.000 € wurden gesammelt, aber später nicht an Mollath ausgezahlt, da dieser sich weigerte, einen vom Verein geforderten Beratervertrag zu unterzeichnen. Die Spende ging daher an den Münchner Verein zbb.[11]

2015 kritisierte die GEP die Forderung der französischen Justiz, ein psychiatrisches Gutachten über Marine Le Pen anzufertigen, nachdem diese kontroverse Äußerungen zu islamistischen Terroranschlägen getätigt hatte.[12] In diesem Zusammenhang warnte die GEP auch davor, ähnliche Forderungen an die AfD zu richten.[12] Auch in anderen Zusammenhängen bekundet die GEP Sympathien mit der AfD.[13]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Einführung, abgerufen am 24. Januar 2019
  2. Im tiefsten Schatten der Vergangenheit – ZEIT ONLINE, abgerufen am 24. Januar 2019
  3. Klartext im Justiz-Drama Mollath – Garmisch-Partenkirchen, abgerufen am 24. Januar 2019
  4. Archiv – Junge Freiheit: Ulbricht-Kritiker wurden für verrückt erklärt, abgerufen am 24. Januar 2019
  5. Justizgeschädigte: Neuer Partner: rheinpfalz.de, abgerufen am 24. Januar 2019
  6. a b GEP-Presseerklärung (PDF, 10 kB)
  7. Die Agenda hinter dem Gender Mainstream – Dr. Friedrich Weinberger – NuoViso.TV, abgerufen am 24. Januar 2019
  8. Wie beurteilt Dr. Weinberger, Vorsitzender der Walter-von-Baeyer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie e. V. den „Fall Kuwalewsky“??, abgerufen am 24. Januar 2019
  9. 17. Juni 1953 – erster Volksaufstand in der DDR, abgerufen am 24. Januar 2019
  10. Amigo-Filz, der Fall Mollath und „Wahn und Willkür“ in Bayern, abgerufen am 24. Januar 2019
  11. Nürnberg: Mollath will früheren Unterstützer wegen Betrugs anzeigen – Nachrichten Bayern – Augsburger Allgemeine, abgerufen am 24. Januar 2019
  12. a b In Frankreich ist die nächste Stufe des linkstotalitären Terrors bereits gezündet: der Psychiatrisierungs-Terror – Jürgen Fritz Blog, abgerufen am 24. Januar 2019
  13. GEP: Walter-von-Baeyer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie e. V., abgerufen am 25. Januar 2019