Walter Eichhorn

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Walter Eichhorn im Hubschraubermuseum Bückeburg am 14. November 2017

Walter Fritz Eichhorn (* 20. Juli 1936 in Jever) ist ein deutscher ehemaliger Flugkapitän, Testpilot, Fallschirmspringer und Kunstflugpilot.

Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walter Eichhorn wuchs vor und während des Zweiten Weltkrieges in unmittelbarer Nachbarschaft des Fliegerhorstes Jever auf,[1] wodurch bei ihm das Interesse für die Fliegerei geweckt wurde. Nach seiner Schulzeit absolvierte er eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker.

Auswanderung nach Kanada[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1955 wanderte Eichhorn nach Kanada aus.[2] Er fand dort Arbeit als Lkw-Fahrer und konnte mit dieser Tätigkeit außer seinem Lebensunterhalt eine Flugausbildung sowie sogar die Anschaffung eines eigenen – gebrauchten – Flugzeuges – einer Fairchild PT-26 Cornell – finanzieren. In Kanada lernte er außerdem seine Frau kennen, eine deutsche Auswanderin, und begann mit dem Fallschirmspringen.

Zurück in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich eines Besuchs in der alten Heimat bewarb sich Eichhorn bei der Lufthansa zur Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer.

Er wurde angenommen und absolvierte seine Ausbildung als vormaliger Privatpilot unter ehemaligen Weltkriegsfliegern und ehemaligen Piloten der Bundesluftwaffe. Nebenher betrieb er weiterhin das Fallschirmspringen, leitete die deutsche Mannschaft im Formationsspringen unter dem Namen Walters Vögel und brachte es mit diesen zu guten Platzierungen in der Weltmeisterschaft und bis zum Deutschen Meister.[3] Außerdem erwarb Walter Eichhorn die Kunstfluglizenz, deren Erwerb noch Auswirkungen auf sein weiteres fliegerisches Leben haben sollte.

Ein Leben als Verkehrsflugzeugführer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die berufliche Fliegerei begleitete Walter Eichhorn von den Kolbenmotormaschinen wie der Convair CV-440 über die Boeing 727, den Jumbo Jet, die Boeing 747, McDonnell Douglas DC-10 bis hin zum Airbus A300.[4] Nach 30 Jahren Verkehrsfliegerei ging Eichhorn in den Ruhestand.

Die berühmte Messerschmitt Bf 109[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beinahe ein Vierteljahrhundert flog Walter Eichhorn das berühmte deutsche Jagdflugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg, die Messerschmitt Bf 109. Es handelte sich dabei um diverse Umbauten aus in Spanien nach dem Zweiten Weltkrieg weiter produzierten Maschinen, jedoch konnte er auch eine, noch original aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs aus deutscher Produktion stammende Maschine fliegen. Insgesamt waren es sechs unterschiedliche Bf 109, die er geflogen hat.[5]

Für die Dreharbeiten zum Kinofilm Operation Walküre (mit Tom Cruise als Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg) flog Eichhorn ebenfalls die Messerschmitt Bf 109.[6]

Messerschmitt Bf 109 G-4 „rote 7“, Kennzeichen D-FWME, im Eigentum der Messerschmitt Stiftung, eine auch von Walter Eichhorn geflogene Maschine

Airshows[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1970er Jahren kaufte sich Walter Eichhorn die North American T-6, ursprünglich als Trainingsmaschine der Luftstreitkräfte der USA konzipiert. Diese Maschine fliegt Walter Eichhorn noch heute, sie ist nur sechs Jahre jünger als er selbst.

Gemeinsam mit seinem Sohn Toni, der in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist, was die Fliegerei betrifft (auch beruflich), flog lange Jahre gemeinsam mit einer eigenen T-6 im Kunstflugduo „Vater & Sohn“ auf ungezählten Flugshows.

Walter und Toni Eichhorn mit ihren North American T-6

Weitere fliegerische Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Möglichkeit, Ende der 1970er Jahre als Fluggast in einer Lockheed TF-104G Starfighter der Bundesluftwaffe mit zu fliegen, schlug sich Jahre später im Erwerb eines eigenen Jets nieder. Anfang des neuen Jahrtausends erwarb er einen ehemaligen Strahltrainer des früheren Ostblocks, eine Aero L-29 Delfin. Danach folgte eine Soko G 2a Galeb aus ehemals jugoslawischer Produktion.

Die Traditionsmaschine der Lufthansa, die Junkers Ju 52/3m D-AQUI, wurde ab 1986 – nachdem sie umfangreich restauriert worden war – für Passagierflüge eingesetzt. Walter Eichhorn flog sie von da an 15 Jahre lang.

Würdigung der fliegerischen Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2018 wurde Walter Eichhorn Mitglied der Living Legends of Aviation, einem exklusiven Kreis von lediglich 103 Stars der Weltluftfahrt. Zur gleichen Zeit wurde Eichhorn mit dem Bob Hoover Freedom of Flight-Award ausgezeichnet, der von der 2016 verstorbenen amerikanischen Test- und Kunstfluglegende Bob Hoover gestiftet wurde.[7]

Fliegerische Bilanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rund 60 verschiedene Flugzeugmuster hat Walter Eichhorn in seinem Flugbuch verzeichnet, von der Einmotorigen bis zum Jumbo Jet.[8] Sämtliche Flüge von Walter Eichhorn summieren sich auf eine Gesamtflugzeit von weit über 20.000 Flugstunden. Hinzu kommen noch ca. 2000 Fallschirmsprünge.

Solange Walter Eichhorn seine fliegerische Fitness weiterhin durch die fliegerärztliche Tauglichkeitsuntersuchung bestätigt wird, will er fliegerisch aktiv bleiben. Dafür ist er aktuell wie auch schon seit vielen Jahren bei der Flugsportgruppe Elz e.V. als Vereinsmitglied fliegerisch beheimatet.[9]

Schriftzug „Walter Eichhorn“ auf seiner North American T-6

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 36.000 Stunden am Himmel: Die Geschichte von Walter Eichhorn und Toni Eichhorn – Frankfurt am Main, 2017, ISBN 978-3-000588-60-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Linke: 36.000 Stunden am Himmel: Die Geschichte von Walter Eichhorn und Toni Eichhorn. Michael Linke - Medien + Verlag, 2017, S. 6
  2. Michael Linke: 36.000 Stunden am Himmel: Die Geschichte von Walter Eichhorn und Toni Eichhorn. Michael Linke - Medien + Verlag, 2017, S. 8
  3. Michael Linke: 36.000 Stunden am Himmel: Die Geschichte von Walter Eichhorn und Toni Eichhorn. Michael Linke - Medien + Verlag, 2017, S. 92
  4. Michael Linke: 36.000 Stunden am Himmel: Die Geschichte von Walter Eichhorn und Toni Eichhorn. Michael Linke - Medien + Verlag, 2017, S. 28 ff.
  5. Michael Linke: 36.000 Stunden am Himmel: Die Geschichte von Walter Eichhorn und Toni Eichhorn. Michael Linke - Medien + Verlag, 2017, S. 81
  6. Fliegender Star
  7. Pilotenlegende Walter Eichhorn hält Einzug in die „Hall of Fame“ der internationalen Luftfahrt
  8. Michael Linke: 36.000 Stunden am Himmel: Die Geschichte von Walter Eichhorn und Toni Eichhorn. Michael Linke - Medien + Verlag, 2017, S. 170
  9. Weitere Ehrung für Walter Eichhorn